Regeln für die ordentliche Katalogisierung in unordentlichen Bibliotheken – ROK-UB

Zufällig bin ich nach etlichen Jahren wieder auf die Regeln für die ordentliche Katalogisierung in unordentlichen Bibliotheken – ROK-UB von Martina Kellmeyer und Bettina Fiand gestoßen, die dank Jürgen Plieninger seit April 2001, also seit ziemlich genau 15 Jahren, auf einem Server der Uni Tübingen zu finden sind. Einiges könnte auch nach dem RDA-Umstieg relevant bleiben.

§ 213
Es ist zu vermeiden, Bücher von urhebenden Körperschaften zu erwerben.

In der Rubrik „Bibliothekshumor“ findet sich übrigens noch das eine oder andere Schätzchen, das jüngeren KollegInnen vielleicht noch nicht bekannt ist, die Typologie von Benutzern beispielsweise.

CC-lizenzierte Texte im Blog der HSH-Bibliothek

Die Texte im Blog der Bibliothek der Hochschule Hannover sind nun unter CC BY 4.0 lizenziert. Wir folgen damit der Universitätsbibliothek TU Berlin. Wie das freie Lizenzen von bibliothekarischen Inhalten sein kann, kann man sehr schön in dieser kleinen Twitter-Konversation sehen, in der sich die TUB Hamburg-Harburg bei der TIB Hannover für die freie Bereitstellung von Postern bedankt.

Zur praktischen Umsetzung: Die Abbildungen im Blog konnten aus zeitlichen Gründen noch nicht rückwirkend durchgesehen und gekennzeichnet werden. Dies wird vermutlich früher oder später noch stattfinden. Als ich die Autorinnen und Autoren um die Erlaubnis für die Umlizenzierung gebeten habe, hat das übrigens nicht einmal einen halben Tag gedauert, bis alle reagiert und ausnahmslos zugestimmt haben. Ehemalige inklusive.

Passend zum Thema: Auf der gerade stattfindenden Inetbib-Tagung hat Felix Lohmeier eine Checkliste zur Offenheit vorgestellt, an der hier mitgearbeitet werden kann.

Besten Dank an Marco Tullney für die Diskussionen!

Novelle des Kulturgutschutzrechts

Die Ein- und Ausfuhrbestimmungen für Kulturgüter sollen verschärft werden. Dies sieht der Gesetzentwurf der Bundesregierung (18/7456) vor, mit dem die derzeit drei Gesetze zum Kulturgutschutz zusammengefasst und an EU-Recht angepasst werden sollen. Ziel der Gesetzesnovelle ist es einerseits, die Einfuhr von illegal gehandelten Kulturgütern zu unterbinden und deren Rückgabe an die Herkunftsländer zu vereinfachen. Anderseits soll aber auch die Ausfuhr von „national wertvollem Kulturgut“ unterbunden werden.

Weitere Informationen im Entwurf 18/7456 (PDF) und in der dazugehörigen Pressemitteilung.

Rudolf Mumenthaler antwortet auf Rafael Ball

Rafael Ball wurde in der NZZ interviewt. Seine Aussagen zur Zukunft der Bibliotheken hat Rudolf Mumenthaler beantwortet.

Die Aussagen von Rafael Ball in seinem Interview in der NZZ möchte ich nicht unbeantwortet lassen. Sie fordern geradezu eine Replik. Zum Teil finde ich die Argumentation richtig schwach, mit dem Tiefpunkt: “Jetzt ist das Internet da. Wer Inhalte sucht, braucht keine Bibliothek mehr.” Dabei blendet Rafael Ball die Entwicklungen der letzten Jahre vor allem in den Öffentlichen Bibliotheken aus.

Die Replik ist – im Gegensatz zum Interview – definitiv lesenswert.

AfD-Kreisverband Greiz kritisiert Bibliotheksaktivitäten

Die Ostthüringer Zeitung berichtet von einer bizarren Debatte, die der AfD-Kreisverband Greiz lostreten wollte. Die AdF kritisiert diverse Vorgänge rund um die Stadt- und Kreisbibliothek Greiz. Unter anderem geht es um von der Bibliothek organisierte Lesungen in einer Justizvollzugsanstalt.

Die 10 000 Euro Preisgeld vom Thüringer Bibliothekspreis sollten nicht fürs Bemuttern von Häftlingen eingesetzt werden, so AfD. Den Preis haben die Greizer 2006 gewonnen. Die Knast-Kooperation existiert seit 2012. Das Geld war da schon ausgegeben, für Hard- und Software sowie Einrichtung der Kinderecke in der Musikbibliothek.

Im oben verlinkten Artikel sind noch weitere anscheinend falsche Anschuldigungen der AfD versammelt.

In derselben Zeitung äußern sich auch die in der JVA Lesenden.

Heidelberger Positionen zu Open Access in der FAZ

Vorbemerkung: Nachdem ich mich schon über Urs Heftrichs Anti-Open-Access-Tirade ausgelassen hatte, bin ich auf Ben Kadens Erwiderung aufmerksam geworden. Inhaltlich ist dieses Posting sehr ähnlich, er hat allerdings umfassender und detaillierter geantwortet.

Heidelberg ist das kleine gallische Dorf derer, die sich vor den Allmachtsfantasien der (quasi-sowjetischen, s.u.) Open-Access-Imperialisten und -Unterdrücker warnen. Im bevorzugten Verkündigungsorgan dieses erbitterten Widerstands, dem FAZ-Feuilleton, wurden in den letzten Wochen wieder zwei Artikel veröffentlicht, auf die es sich inhaltlich eigentlich nicht einzugehen lohnt, die aber natürlich auch nicht unwidersprochen bleiben dürfen.

Dieser lästigen Pflicht hat sich dankenswerterweise Charlotte Schubert (Professorin für Alte Geschichte an der Universität Leipzig) gewidmet, die mit zahlreichen konventionellen (Verlags-)Publikationen sicherlich nicht als betriebsblinde und radikal-digitale Eiferin gelten kann. Sie antwortet im Hypotheses-Redaktionsbeitrag auf den Beitrag von Reuss vom 30. Dezember 2015.

Urs Heftrich (natürlich Universität Heidelberg) hat heute mit einem zweiten Artikel nachgelegt, natürlich im FAZ-Feuilleton. Fassen wir zusammen:

So klein, so harmlos gibt sich die Verlagsgeißel USB-Stick
Nur scheinbar klein und harmlos: Verlagsgeißel USB-Stick

Der Höhepunkt folgt im letzten Absatz. Das durch die digitale Enteignung zwangsläufig für 2016 zu befürchtende Verlagssterben wird die Verlagslandschaft auf sowjetische (In der Breschnew-Zeit ca. 200 Verlage) oder DDR-Verhältnisse (max. 78 Verlage) einschrumpfen lassen. Und es gebe eine „klare statistische Korrelation zwischen verlegerischer Vielfalt und politischer Freiheit“. Bei diesen schrägen Vergleichen muss sich die FAZ fragen lassen, ob sie Heftrich nicht einen Lektor an die Seite hätte stellen müssen, um mit ihm um Formulierungen zu ringen, wie dieser es in seinem Artikel selbst als edle Tätigkeit des idealen Verlegers beschreibt.

Am Boden: Die Freiheit, die Verlage. Zu Pferde: Open Access, das BGH, die DFG und ein USB-Stick-Verkäufer
Am Boden: Die Freiheit, die Verlage. Zu Pferde: Open Access, das BGH, die DFG und ein USB-Stick-Verkäufer

Der ganze Artikel ist eine Tirade gegen Subventionen, ein Loblied auf den kleinen, unabhängigen Verlag. Aber wie steht es eigentlich mit Druckkostenzuschüssen, z.B. den durch die Uni Heidelberg gewährleisteten? Sind diese auch abzulehnen? Ohne diese würden nämliche zahlreiche Publikationen auch keinen Verlag finden.

Laut Feuilletonchef Jürgen Kaube hat sich das Debattenfeuilleton bewährt. Und laut Welt ist Kaube ein Freund „kühler und unbeteiligter“ Beobachtung. Die einseitige Anti-Open-Access-Kampagne, die von Reuss und Kollegen seit Jahren mit viel Schaum vor dem Mund im FAZ-Feuilleton geführt wird, kann dafür nicht gerade als Beleg dienen. In diesem Sinne: Hat die FAZ je einen Artikel pro Open Access veröffentlicht?

Börsenvereins-Lobbyismus gegen Bibliotheks-Open-Access

Viele von Bibliotheken oder bibliothekarischen Organisationen verfasste Positionspapiere und Stellungnahmen zum Urheberrecht oder zu wissenschaftspolitischen Fragen sind sehr darauf bedacht, ausgleichende Positionen einzunehmen, Interessen anderer Parteien zu berücksichtigen und auf keinen Fall unmäßig zu wirken.

Dass andere Parteien ihre Interessen selbst formulieren und auch keine übertriebene Rücksicht auf Bibliotheken nehmen, kann man in diesem Schreiben (PDF) des Börsenvereins (Landesverband Nord) sehen.

Die […] erwähnte Mitwirkung der Hochschulbibliotheken bei der „freien und ungehinderten Verbreitung und Zugänglichmachung wissenschaftlicher Arbeiten (Open Access)“ verstehen wir so, dass die Bibliotheken ausschließlich vorhandene OA-Angebote von Institutionen und Verlagen erschließen, nicht jedoch selbst OA-Initiativen ergreifen.

Lächerlich. Und ich hoffe, das wird vom Bibliothekswesen (Nord) gen Ministerium genauso kommuniziert.

[via @esteinhauer]

Befreiung von Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags

Seit kurzem gibt es bei FragDenStaat.de eine wirklich sehr komfortabel gestaltete Möglichkeit, bei der Befreiung von Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags mitzumachen. Einfach anmelden und ein paar Gutachten anfordern. Insgesamt sind es 4000, etliche sind aber schon angefordert. Die Gutachten können dann auf der Seite veröffentlicht und für alle zugänglich gemacht werden.

Die Ergebnisse meiner Anfragen werde ich zumindest teilweise hier vorstellen.

Schöner wäre allerdings eine Veröffentlichung durch den Bundestag selbst, am besten zitierfähig mit DOI und mit Metadaten unter freier Lizenz.

Aus „Password“ wird „Open Password“

Willi Bredemeiers Password wurde kürzlich eingestellt. Als Nachfolger steht nun Open Password bereit. Im Mission-Statement findet sich folgender Passus:

„Open Password“ fühlt sich dem ethischen Impetus der Open-Access-Bewegung verpflichtet. Alle Beiträge können kostenfrei herunter geladen oder per E-Mail bezogen werden.

Open Access meint mehr als bloßen Download. Aus der Berliner Erklärung (PDF):

Die Urheber und die Rechteinhaber solcher Veröffentlichungen gewähren allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird. (Die Wissenschaftsgemeinschaft wird, wie schon bisher, auch in Zukunft Regeln hinsichtlich korrekter Urheberangaben und einer verantwortbaren Nutzung von Veröffentlichungen definieren) Weiterhin kann von diesen Beiträgen eine geringe Anzahl von Ausdrucken zum privaten Gebrauch angefertigt werden.

Wenn als Zielgruppen u.a. Informationswissenschaftler und „Informationspolitiker“ angesprochen werden, sollte hier mit gängigen Definitionen gearbeitet werden. Open Password steht anscheinend nicht unter einer freien Lizenz. Re-Use ist nicht vorgesehen, von Open Access kann also keine Rede sein. Dies lässt sich natürlich noch beheben, bis jetzt heißt es schließlich noch: Password entsteht. In diesem Sinne ist den Password-MacherInnen viel Spaß und Erfolg zu wünschen.

PS: Und ich hoffe, dass der Push-Dienst nun ordentlich verlinkt, auch bei Tweets.

[via Inetbib]