Open Access im Ersten Nationalen Aktionsplan 2017-2019

Verpflichtung 13 des Ersten Nationalen Aktionsplans 2017-2019 (PDF) der Bundesregierung zu Open Government (“Grundsteine für offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln”) widmet sich der “Förderung des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Publikationen („Open Access“)” (S. 30f). Messbare Meilensteine seien die “Sammlung und Bewertung der im Rahmen des Ideenwettbewerbs zur Umsetzung von Open Access eingereichten Projektskizzen” bis Oktober 2017 und der “Beginn der Projektförderung” bis Anfang 2018. Die Ambition der Verpflichtung wird folgendermaßen definiert:

Die Verbreitung von Open Access soll als ein Standard des wissenschaftlichen Publizierens in der deutschen Wissenschaft verankert werden. Publikationen aus öffentlich geförderter Forschung sollen der Allgemeinheit möglichst frei zur Verfügung stehen.

Wenn in der Ambition schon Fluchtwege wie “soll” und “möglichst frei” vorbereitet werden, dürfen sich alle Wissenschaftler, die gerne für sich und den engsten akademischen Freundeskreis “publizieren”, weiterhin sicher sein, dass sie ihre Forschung vor der Öffentlichkeit geheim halten dürfen. Vielleicht bewahrheitet sich meine Befürchtung auch nicht. Der Rest der Verpflichtung klingt gar nicht so schlecht. Ich hatte mir aber erhofft, dass auch gesetzgeberische Aktivitäten auf dem Plan stehen. Und vielleicht die Maßgabe, alle Publikationen aller Bundeseinrichtungen unter eine freie Lizenz zu stellen und mit persistentem Identifier in einem mit offenen Schnittstellen versehenen Repository in einem nachnutzbaren Format mit Versionierung zu veröffentlichen.

[via Heise]

Mäqädat: DIY-Buchscanner

Heise.de:

Der Verein “mäqädat” konstruiert seit der ersten Maker Faire in Hannover einen Buchscanner für den Eigenbau, der Seiten automatisch umblättert. Jetzt gibt es Konstruktionsdaten für die jüngste Version des Scanners zum kostenlosen Download.

Hier geht’s zur Projekthomepage, hier kann man den Stand des Projektes auf der letztjährigen Maker Faire betrachten:

Animierte Simulationen per Klick: Loopy

Für die Simulation oder Modellierung einfacher Problemstellung gibt es ein hübsches Tool, das keine Programmierfähigkeiten benötigt. Mit Loopy kann man Modelle bauen, nachnutzen, veröffentlichen, durchspielen, was auch immer.

Zum Beispiel dieses einfachste Modell für die persönliche Fitness, das etwas komplexere Modell zu Auswirkungen der Automatisierung oder die Simulation der (Fehl-)Anreize in der Wissenschaft. Loopy kann sicherlich hervorragend in der Lehre eingesetzt werden. Als passende Lektüre zu Loopy empfiehlt der Entwickler Donella H. Meadows’ “Thinking in Systems”.

[Besten Dank an Tatiana!]

Pixabay wechselt von CC0 zu proprietärer Lizenz

Wo kürzlich, wie am Beispiel eines Reptilienbildes zu sehen ist, noch eine CC0-Lizenz zu finden war, ist nun nur noch ein Verweis auf eine ominöse “Pixabay-Lizenz” zu finden:

  1. Das Bild jetzt.
  2. Das Bild (ohne Bild) in der Wayback-Machine vom 10. Juli 2017.

Der Hintergrund wird im Pixabay-Forum erläutert. Die bisherige CC0-Lizenzierung ist m.E. nicht zurücknehmbar, und sie kann glücklicherweise durch das Internet-Archiv in sicherlich den meisten Fällen nachgewiesen werden. Pixabay erweist sich durch diese Maßnahme als a) unzuverlässig und in der Folge b) unbenutzbar.

Bei kommerziellen Diensten ist erhöhte Vorsicht geboten. Sollte man vielleicht vollständig von der Nutzung kommerzieller Dienste als Infrastruktur für frei lizenzierte Inhalte absehen?

Auftragsforschung in der Kritik

Bei Heise ging es kürzlich um von den technischen Universitäten geäußerte Kritik an Auftragsforschung:

Die Technischen Universitäten warnen die Wirtschaft vor einer immer stärkeren Verquickung von Forschungsgeldern und inhaltlichen Vorgaben bei Hightech-Themen. “Unser Eindruck ist, dass sich die Grenzen verschoben haben”, sagte der Präsident der TU Darmstadt, Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, der Deutschen Presse-Agentur. Zunehmend komme es vor, dass die Industrie selbst etwa Promotionsstellen “ausschreibe” und so versuche, die Ausrichtung wichtiger Projekte direkt zu beeinflussen.

Das ginge sogar so weit, dass erwartet würde, Forschungsergebnisse nicht zu publizieren, sondern vertraulich zu behandeln.

Das dies eine Folge der stets geforderten hohen Drittmittelquote und Industrienähe ist, ist wohl kein origineller Gedanke. Eine lesenswerte Schrift zur Messung von Forschungsleistung über die eingeworbenen Drittmittel hat Jürgen Gerhard 1) Gerhards, Jürgen (2013): Der deutsche Sonderweg in der Messung von Forschungsleistungen. Berlin: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Wissenschaftspolitik im Dialog, 7). Online verfügbar unter http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn:nbn:de:kobv:b4-opus-23876, zuletzt geprüft am 09.07.2017.  schon 2013 erfasst. Teile seiner Kritik – auch am “Förder-Rankings” der DFG – wurden wahr- und angenommen.

Die Summe der eingeworbenen Drittmittel bildet in der Bundesrepublik die zentrale Messgröße zur Bestimmung der Qualität von Forschung. Die Zentralakteure des deutschen Wissenschaftssystems, vor allem die Deutsche Forschungsgemeinschaft, aber auch der Wissenschaftsrat, haben einen entscheidenden Anteil daran, dass Drittmittel als Forschungsleistungsindikatoren so hoch gehalten, wenn nicht fetischisiert werden. So ist das Forschungsranking der DFG, das in regelmäßigen Abständen publiziert wird und das enorm wirkungsmächtig ist, fast ausschließlich drittmittelbasiert.

Das Förder-Ranking heißt inzwischen Förderatlas. Doch auch dort heißt in der aktuell gültigen Ausgabe von 2015 noch:

Für die Gewinnung der Kennzahlen werden auch im diesjährigen Förderatlas insbesondere Daten von öffentlichen Drittmittelgebern herangezogen und ausgewertet. Dies ist deren besonderer Aussagekraft geschuldet: Drittmittel werden im Wettbewerb eingeworben, die Mittelvergabe stützt sich auf das Urteil von Peers, die als Expertinnen und Experten des jeweiligen Forschungsfelds anerkannt sind. Wenn eine Einrichtung auf einem bestimmten Gebiet in größerem Umfang Drittmittel einwirbt oder aus entsprechenden Programmen finanzierte Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für sich gewinnen kann, dann ist damit auch ein Qualitätsurteil dieser Peers verbunden.

Auch wenn es hier nur um Drittmittel von öffentlichen Geldgebern geht, ist die Relevanz der eingeworbenen Gelder auch aus dem Industriesektor wohl unumstritten. So ist Forschungsförderung für die in Deutschland auf Bundesebene seit 2005 regierende CDU in erster Linie zur Förderung der Industrie gedacht, wie schon in der Pressemitteilung zum Leitbild für eine zukunftsfähige Hochschul- und Forschungslandschaft in Deutschland klar wird.

 

References   [ + ]

1. Gerhards, Jürgen (2013): Der deutsche Sonderweg in der Messung von Forschungsleistungen. Berlin: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Wissenschaftspolitik im Dialog, 7). Online verfügbar unter http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn:nbn:de:kobv:b4-opus-23876, zuletzt geprüft am 09.07.2017.

2. VIVO-Workshop am 28. September in Hannover

Willkommen zum VIVO-Workshop 2017, dem zweiten deutschsprachigen Workshop zum freien und community-basierten Forschungsinformationssystem VIVO. Wir möchten Sie herzlich einladen zu einem Austausch unter VIVO-Interessierten.

Unter dem Motto „Forschungsinformationen in der Praxis“ diskutieren wir gemeinsam den Einsatz von VIVO im deutschsprachigen Raum. Im Fokus stehen dabei Projekt- und Werkstattberichte. Aber es besteht auch Raum für Berichte über Eigenentwicklungen und generell rund um VIVO als Software, Ontologie oder offene Fragen und Herausforderungen zur Implementierung an einer Institution.

Weitere Informationen finden sich auf der Workshop-Webseite, auf der man sich auch registrieren kann. Angesichts begrenzter Teilnehmerzahl empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.

#bib10, das 10. Bibcamp in Hannover- ein kurzer Rückblick

Die von mir besuchten Sessions beim diesjährigen Bibcamp waren sehr abwechslungsreich und zum Teil angenehm kontrovers. Zwei Sessions wurden live in Etherpads dokumentiert (Koha und Big Data und Medienpädagogik). Zu weiteren Sessions soll es noch Dokumentation im Uralt-PBWiki der Bibcamps geben.

Twitter-Netzwerk zu #bib10 nach Retweets

Ein Tweetarchiv zu #bib10 ist hier zu finden, die Vernetzung der Twitternden ist hier visualisiert.

Positiv ist zu vermerken, dass der Kundenbegriff auf dem absteigenden Ast zu sein scheint. Er wurde aktiv und kritisch diskutiert, und auch unter den Verwendern dieses Begriffs fand sich niemand, der ernsthaft Partei dafür ergriff. Es handelt sich vielmehr um eine Verwendung aus Gewohnheit. Schauplatz dieser Diskussion war eine Session zu “Demokratie und Bibliotheken”, die weitaus praxisrelevanter war, als manch einer beim Leses des Titels zu vermeinen mag. Auch die Session über “Visionäre Führung” hatte nichts mit halluzinierten Wahnideen aus der Leitungsebene zu tun, sondern vielmehr mit der Wichtigkeit einer gemeinsame Werte- und Zielbasis im Team oder in der Organisation für die Erreichung der Organisationsziele.

Ein großes Kompliment an die Ausrichter! Detailkritik bezüglich der Sessionplanung sollte man für zukünftige Bibcamps beachten, sie ist aber nicht ausschlaggebend für die Bewertung der Veranstaltung. Das Bibcamp hatte fast nur aktive Teilnehmer, und dadurch ist es ein erfolgreiches Bibcamp gewesen.

Firefox 54 mit wirklich großen Änderungen

Firefox 54 ist frisch veröffentlicht und bringt zumindest eine wichtige Neuerung mit sich. Heise beschreibt es folgendermaßen:

Mit der neuen Version 54 kann Firefox nun mehrere Betriebsprozesse gleichzeitig ausführen; vorige Versionen haben lediglich einen Prozess für alle Tabs ausgeführt. Stürzte eine Seite mal ab, riss sie den ganzen Browser mit. Konkurrenten wie Chrome lagern jedes Tab in einem eigenen Prozess aus, sodass in der Regel auch nur ein einzelnes Tab abstürzt

Die Tab-Messies unter uns werden dies zu schätzen wissen. Und wer den Rich-Text-Editor benutzt, wird sich auch über eine nutzerfreundliche Link-Eingabe freuen.