Neues Wikipedia-Portal zu BID

Am Portal Bibliothek, Information, Dokumentation haben größere Umbaumaßnahmen stattgefunden. Vieles betrifft die Optik, die vorher aber auch wirklich nicht mehr zeitgemäß war. Für MitmacherInnen und die, die es werden wollen, ist der Abschnitt To do sicherlich am nützlichsten. Laut Diskussionsseite wird an dieser Seite auch noch gebastelt. Der Entwurf von User Mischa004 sieht sehr vielversprechend aus, obwohl im Detail sicherlich noch eine Menge Arbeit steckt.

Teilfusion von MacMillan und Springer

Die beiden Wissenschaftsverlagsschwergewichte MacMillan und Springer werden – vorbehaltlich der kartellbehördlichen Zustimmung – wesentliche Teile ihres Wissenschaftsportfolios miteinander fusionieren. MacMillan-Eigentümerin Holtzbrinck wird mit 53% die Mehrheit halten.

Springer ist inzwischen einer der größten Open-Access-Publisher der Welt. MacMillan ist das Haus, in dem Großartigkeiten wie beschränkte “Ausleih”-Zahlen für E-Books oder das als Beggar Access bekannt gewordene Modell für den kostenfreien Zugriff auf Nature-Artikel entwickelt wurden.

In den Meldungen (Börsenblatt oder Nature-Blog) konnte ich nichts zur Zukunft der Open-Access-Sparten finden, zum Beispiel von Springer-Tochter BioMed-Central. Wohin die von Holtzbrinck gesteuerte Reise gehen wird, bleibt abzuwarten. Skepsis ist angebracht.

Das NIPS-Experiment: Peer Review oder Münzwurf

Seltsam unbeachtet blieb im deutschsprachigen Raum bisher das NIPS-Experiment. NIPS steht für Neural Information Processing Systems, eine Konferenz zum Maschinellen Lernen.

Worum ging es beim NIPS-Experiment? Für die NIPS 2014 wurden zwei Programmkommitees eingerichtet. 10% der Einreichungen (166) wurden beiden Kommitees zur Begutachtung vorgelegt. Es sollte geprüft werden, wie sehr die Entscheidungen übereinstimmen. Das Fazit in zwei Worten: nicht sehr. Die meisten der tatsächlich gehaltenen Vorträge wären abgelehnt worden, wenn man die Begutachtung noch einmal vom jeweils anderen Kommitee hätte durchführen lassen. Eric Price geht ins Detail:

The results were revealed this week: of the 166 papers, the two committees disagreed on the fates of 25.9% of them: 43. [Update: the original post said 42 here, but I misremembered.] But this “25%” number is misleading, and most people I’ve talked to have misunderstood it: it actually means that the two committees disagreed more than they agreed on which papers to accept. Let me explain.

The two committees were each tasked with a 22.5% acceptance rate. This would mean choosing about 37 or 38 of the 166 papers to accept1. Since they disagreed on 43 papers total, this means one committee accepted 21 papers that the other committee rejected and the other committee accepted 22 papers the first rejected, for 21 + 22 = 43 total papers with different outcomes. Since they accepted 37 or 38 papers, this means they disagreed on 21/37 or 22/38 ≈ 57% of the list of accepted papers.

In particular, about 57% of the papers accepted by the first committee were rejected by the second one and vice versa. In other words, most papers at NIPS would be rejected if one reran the conference review process (with a 95% confidence interval of 40-75%)

Peer Review (Symbolfoto)

Peer Review (Symbolfoto)

Price führt weiter aus, dass also die Hälfte der Einreichungen übereinstimmend abgelehnt, die andere aber mit der Zuverlässigkeit eines Münzwurfes abgelehnt oder angenommen wurde. Die Kommentare zu seinem Posting sind übrigens höchst lesenswert, ebenso einige der zahlreichen anderen dazu erschienenen Postings, zum Beispiel:

In das gleiche Horn stößt anlassunabhängig auch Michael Eisen, der gerade ein AMA (“Ask me anything”) auf Reddit durchgeführt hat.

Welche Artikel sollten geschrieben werden?

Kürzlich überlegte ich mir, welche Artikel für Informationspraxis geschrieben werden sollten, immer nach dem Motto: Was würde ich gerne lesen? Dabei ist in wenigen Minuten schon einiges zusammengekommen.

1. Welche E-Books entsprechen der Aachener Erklärung?
Die Aachener Erklärung stieß bei eigentlich allen, mit denen ich mich darüber unterhalten habe, auf große Zustimmung. Viele E-Book-Pakete, die sich in den wissenschaftlichen Bibliotheken großer und stetig wachsender Beliebtheit erfreuen, erfüllen jedoch zahlreiche der genannten Kriterien nicht. Wäre es nicht nützlich, die zehn, zwanzig, dreißig größten E-Book-Anbieter einmal durchzutesten und in einer großen Tabelle auf Anhieb sichtbar zu machen, wer einwandfreie Ware liefert und wer nicht?

2. Chat-Software für Bibliotheken
Ein ausgelutschtes Thema? Ja, einerseits schon. Der große Aufmerksamkeitsboom war vor ein paar Jahren. Doch immer wieder erreichen mich Anfragen, welche Chatsoftware unsere Bibliothek einsetzen würde, ob wir zufrieden seien und überhaupt. Das wäre doch mal eine nützliche Themenstrecke! “Chat-Software X : ein Praxisbericht aus der Bibliothek der Hochschule Irgendwo ” oder “Chat-Software Y : Pro und Contra”.

3. Linked Open Data in der Praxis
Ja, dieser Lizenzkram ist wichtig, und da gibt es auch ganz viele tolle Tools. Aber wie kann ich als Bibliothekar ohne Programmierkenntnisse Linked Data produzieren, publizieren und – nicht zu vergessen – auch nutzen und nachnutzen? Kleine Berichte über Praxisprojekte wären schick und lesenswert. Das Thema ist spannend, benötigt aber Nachahmenswertes, um in der Breite anzukommen.

4. Auskunft 2015
Wir sitzen in der Bibliothek und warten darauf, dass uns jemand fragt. Ist das so? Oder macht es jemand anders? Wie? Hat die Auskunft überhaupt eine Zukunft?

5. Hidden Champions im Bibliotheksalltag
Was gibt es für kleine Helferlein im Bibliotheksalltag, die in den Bibliotheken ausgedacht und entwickelt wurden und unspektakulär und hilfreich ihren Dienst tun?

Was fehlt denn der werten Leserschaft? Schreibt es in die Kommentare! Bloggt es selbst (und sendet vielleicht einen Trackback, damit ich die Vorschläge finde) und vor allem: Schreibt die Artikel!

Robert Kaltenbrunner über “die Architektur der Information”

Robert Kaltenbrunner schreibt auf Telepolis über “die Architektur der Information”. Ein Auszug:

Der Besuch einer Bibliothek ist mehr als ein zweckrationaler Vorgang. Er hat auch etwas mit gesellschaftlicher Teilhabe zu tun. Viele Beispiele zeigen, was um das Lesen herum inszeniert werden kann. Allerdings sind es vielleicht gar nicht die events, die spektakulären Ereignisse, auf die es ankommt, sondern manchmal einfach die menschliche, anregende, spannende Begegnung, der angenehme Aufenthalt, die Möglichkeit zum Rückzug, die Qualität des Angebots.

Was ist eigentlich Open Science?

Im Standard wird – meines Erachtens auch für Menschen, die nicht wissenschaftsbetriebsblind sind – recht gut beschrieben, was Open Science eigentlich ist. In der Tiroler Tageszeitung ist ein inhaltlich ähnlicher Artikel erschienen; dort wird auch auf das Dossier “Die Weisheit der Masse” verwiesen, in dem näher auf Citizen Science eingegangen wird.

Sonntagsöffnung öffentlicher Bibliotheken laut Bundesverwaltungsgericht nicht erforderlich

Aus einer Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts

In der Sache ist die Beschäftigung von Arbeitnehmern in Videotheken und öffentlichen Bibliotheken an Sonn- oder Feiertagen zur Befriedigung an diesen Tagen besonders hervortretender Bedürfnisse der Bevölkerung nach einer Freizeitgestaltung nicht erforderlich, weil DVDs, Computerspiele oder Bücher für eine Nutzung am Sonn- oder Feiertag vorausschauend schon an Werktagen ausgeliehen werden können. Es stellt keinen erheblichen Schaden i.S.d. des Gesetzes dar, wenn der Schutz der Sonn- und Feiertagsruhe nicht hinter den Wunsch zurücktreten muss, spontan auftretende Bedürfnisse auch sofort erfüllt zu bekommen.

Ist die Öffnung erforderlich? Dienen öffentliche Bibliotheken nur der Freizeitgestaltung oder geht ihre Bestimmung darüber hinaus? Es darf diskutiert werden.

[via @hobohm]

Internet Manifesto 2014 der IFLA

Die IFLA hat ihrem 2002 verfassten Internet Manifesto ein Update gegeben. Das Internet Manifesto 2014 ist zur Zeit auf Englisch und Russisch (PDF) verfügbar. Weitere Übersetzungen werden in Kürze sicherlich folgen. Der speziell Bibliotheken betreffende Part beschreibt die Rolle und die Pflichten von Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Bibliotheken “have a responsibility to”:

  • serve all of the members of their communities, regardless of age, race, nationality, religion, culture, political affiliation, physical or mental abilities, gender or sexual orientation, or other status
  • provide access to the Internet in an appropriate environment for all users
  • support users, including children and young people, to ensure they have the media and information literacy competencies they need to use their chosen information resources freely, confidently and independently
  • support the right of users to seek and share information
  • strive to ensure the privacy of their users, and that the resources and services that they use remain confidential
  • facilitate and promote intellectual, cultural and economic creativity through access to the Internet, its resources and services.