Librarything 1986

Haferklee hat ein sehr schönes Fundstück zu Sinn und Nutzen der computergestützten Organisation der privaten Buchsammlung ausfindig gemacht:

Die Nützlichkeit des Computers sollte man nicht überschätzen. Im Haushalt fallen recht wenige Tätigkeiten an, die sich elektronisch bewältigen lassen. Sicher, man kann mit dem Heimcomputer Dateien anlegen, beispielsweise … ein Verzeichnis aller Bücher, die man besitzt. Fraglich bleibt jedoch, ob die Katalogisierung mit dem Computer wirklich einfacher und schneller geht, als mit dem üblichen Zettelkasten.

Aus dem Bericht der Stiftung Warentest über „Heimcomputer“, Test 1 (1986). Findet sich ein Freiwilliger, der handgestoppt misst, ob man 100 Bücher schneller in Librarything oder in den Zettelkasten bekommt?

8 thoughts on “Librarything 1986

  1. Hallo Christian, dürfte mittlerweile unbestritten sein, daß das mit dem PC schneller geht und auch noch andere Vorteile hat, oder? Wenn man Libreas und das IBI-Weblog verfolgt, könnte man vermuten, der Einwand wäre heute eher, daß ohne Karteikarten auch Seele, Schönheit und Tradition futsch sind… Wobei, na gut, denen gehts um die Bibliotheksaufgaben als solche sowie um “das Buch”, weniger um Karteikarten im engeren Sinne.

  2. Hallo Christian, dürfte mittlerweile unbestritten sein, daß das mit dem PC schneller geht und auch noch andere Vorteile hat, oder? Wenn man Libreas und das IBI-Weblog verfolgt, könnte man vermuten, der Einwand wäre heute eher, daß ohne Karteikarten auch Seele, Schönheit und Tradition futsch sind… Wobei, na gut, denen gehts um die Bibliotheksaufgaben als solche sowie um “das Buch”, weniger um Karteikarten im engeren Sinne.

  3. Du meinst diese Diskussion? Naja, wenn man die Zerstörung der Wissenskultur durch das Internet beklagt und auf weitere Informationen in einem Deutschlandfunk-Stream hinweist, ist man dann nicht entweder auf der Seite der Zerstörer oder ist die ganze Geschichte vielleicht doch nicht so dramatisch? ;o)

    Ich gebe zu: Die (Libreas- und IBI-)Diskussion ist bisher an mir vorbeigerauscht. Meintest Du etwas anderes?

  4. Du meinst diese Diskussion? Naja, wenn man die Zerstörung der Wissenskultur durch das Internet beklagt und auf weitere Informationen in einem Deutschlandfunk-Stream hinweist, ist man dann nicht entweder auf der Seite der Zerstörer oder ist die ganze Geschichte vielleicht doch nicht so dramatisch? ;o)

    Ich gebe zu: Die (Libreas- und IBI-)Diskussion ist bisher an mir vorbeigerauscht. Meintest Du etwas anderes?

  5. Diese (rein “fortschrittliche” Sichtweise) scheint mir ein wenig zynisch. Immerhin besteht eine Arbeitskultur der Metadatenschaffenden, die Ihrer Meinung nach offensichtlich ewig gestrig ist. Sind diese Menschen, ist Ihr Tun überflüssig? Das denke ich nicht. Ebenso wenig wie das Buch als solches.

  6. Diese (rein “fortschrittliche” Sichtweise) scheint mir ein wenig zynisch. Immerhin besteht eine Arbeitskultur der Metadatenschaffenden, die Ihrer Meinung nach offensichtlich ewig gestrig ist. Sind diese Menschen, ist Ihr Tun überflüssig? Das denke ich nicht. Ebenso wenig wie das Buch als solches.

  7. Der von Lambert gemeinte Text ist dieser hier und LIBREAS erwartet natürlich immer noch eine Replik, die wir gern in der nächsten Ausgabe veröffentlichen. Wir würden sehr gern – auch im IBI-Weblog – die Diskussion intensivieren.
    Natürlich ist die Geschichte im Kern nicht dramatisch, wird leider aber durch unsinnige Manöver, wie der aktuellen Selbstzerfleischung im Handelsblatt (Thomas Knüwer bzw. “Weil der Journalist sich ändern muss”) immer wieder so dargestellt. Und manch einer hat in der Zuspitzung auf eine Apokalyptik ein gutes Geschäftsmodell gefunden. Manch einer darin, dass er den Rettungsanker feilbietet.

    Was Najko Jahn und Hannah Maischein in ihrem LIBREAS-Text aufgreifen und worum es auch in den Beiträgen im IBI-Weblog geht, ist die Gefahr der sehr einseitigen Fokussierung auf eine Fortschrittsidee, die die simple Lehre verbreitet, dass mit der Digitalisierung alles besser wird. Basta. Das stimmt vielleicht sogar in einem rein funktional gefassten Bezugsrahmen (das “schneller”), aber wenn man die Perspektive auf gesellschaftliche Wirkungen erweitert, finden sich im Folgenspektrum durchaus Phänomene, die nicht jeder als Fortschritt ansieht.

    Lambert polemisiert natürlich, was ich sehr schade finde, aber im Grunde gibt er den zentralen Punkt schon richtig wieder.Es geht uns nicht um die Straffung und Optimierung von Geschäftsprozessen. Es geht darum abzuwägen, wo etwas sinnvoll wie einsetzbar ist. In diese Abwägung gehört meines Erachtens auch die Differenzierung möglicher Vor- und Nachteile.

    Es geht demnach schlicht um das Gegenüber stellen von “Für und Wider”, anstelle einer häufig fetischisierende Züge annehmenden Debatte entweder pro Digitaltechnologie oder pro Großartigkeit der “Tradition”. Sinnvoller scheint mir der Versuch, die Werte beider Welten zu verbinden sowie – an dieser Stelle bin ich sicher am angreifbarsten, sich Zeit zu nehmen – um zu überlegen, was geschieht.

    Dazu zählt dann auch, die Seichtheit der Verdrängungsdiskurse aufzuzeigen: Es besteht beispielsweise überhaupt keine sachliche Notwendigkeit, zu behaupten, das Internet verdränge das gedruckte Buch. Solch ein Klappern mit dem Klingelbeutel der Zukunftstauglichkeit ist für entsprechende kommerzielle Akteure natürlich notwendig, da sie den Markt schnell öffnen müssen, um ihre Investitionskosten auszugleichen und ihr Geschäftsmodell am Leben zu erhalten.

    Dies sollte aber nicht das Problem der Institution Bibliothek sein (und eigentlich auch nicht der traditionellen Verlage). Das Publizieren von wissenschaftlichen Zeitschriften in elektronischer Form unterscheidet sich vom Publizieren von Zeitschriften wie Vanity Fair oder dem SPIEGEL erheblich. Ein Lexikon ist nicht mit dem Fließtext einer Novelle gleichsetzbar. Lektüre erfolgt in verschiedenen Formen mit verschiedenen Lektürezielen. Schreiben ebenso. Bei manchen passt das E-Medium sehr gut, bei manchen eher das P-Medium. Da bleibt für eine absolute Entweder-Oder-Entscheidung wenig Spielraum.

    Unglücklicherweise werden die totalisierenden Verkaufsargumente kommerzieller Akteure nicht selten ungeprüft von Multiplikatoren in Medien und im Bibliothekswesen übernommen, auf die Agenda gesetzt und entsprechend übermächtig baut sich nun die Bedrohung auf. Dann wird rhetorisch von beiden Seiten aufgerüstet und es gibt viel Lärm um Wenig. Stille kann man sicher nicht herbeidiskutieren und das sollte auch nicht das Ziel sein. Aber eventuell ein Gespräch auf Zimmerlautstärke, bei dem man besser versteht.

  8. Der von Lambert gemeinte Text ist dieser hier und LIBREAS erwartet natürlich immer noch eine Replik, die wir gern in der nächsten Ausgabe veröffentlichen. Wir würden sehr gern – auch im IBI-Weblog – die Diskussion intensivieren.
    Natürlich ist die Geschichte im Kern nicht dramatisch, wird leider aber durch unsinnige Manöver, wie der aktuellen Selbstzerfleischung im Handelsblatt (Thomas Knüwer bzw. “Weil der Journalist sich ändern muss”) immer wieder so dargestellt. Und manch einer hat in der Zuspitzung auf eine Apokalyptik ein gutes Geschäftsmodell gefunden. Manch einer darin, dass er den Rettungsanker feilbietet.

    Was Najko Jahn und Hannah Maischein in ihrem LIBREAS-Text aufgreifen und worum es auch in den Beiträgen im IBI-Weblog geht, ist die Gefahr der sehr einseitigen Fokussierung auf eine Fortschrittsidee, die die simple Lehre verbreitet, dass mit der Digitalisierung alles besser wird. Basta. Das stimmt vielleicht sogar in einem rein funktional gefassten Bezugsrahmen (das “schneller”), aber wenn man die Perspektive auf gesellschaftliche Wirkungen erweitert, finden sich im Folgenspektrum durchaus Phänomene, die nicht jeder als Fortschritt ansieht.

    Lambert polemisiert natürlich, was ich sehr schade finde, aber im Grunde gibt er den zentralen Punkt schon richtig wieder.Es geht uns nicht um die Straffung und Optimierung von Geschäftsprozessen. Es geht darum abzuwägen, wo etwas sinnvoll wie einsetzbar ist. In diese Abwägung gehört meines Erachtens auch die Differenzierung möglicher Vor- und Nachteile.

    Es geht demnach schlicht um das Gegenüber stellen von “Für und Wider”, anstelle einer häufig fetischisierende Züge annehmenden Debatte entweder pro Digitaltechnologie oder pro Großartigkeit der “Tradition”. Sinnvoller scheint mir der Versuch, die Werte beider Welten zu verbinden sowie – an dieser Stelle bin ich sicher am angreifbarsten, sich Zeit zu nehmen – um zu überlegen, was geschieht.

    Dazu zählt dann auch, die Seichtheit der Verdrängungsdiskurse aufzuzeigen: Es besteht beispielsweise überhaupt keine sachliche Notwendigkeit, zu behaupten, das Internet verdränge das gedruckte Buch. Solch ein Klappern mit dem Klingelbeutel der Zukunftstauglichkeit ist für entsprechende kommerzielle Akteure natürlich notwendig, da sie den Markt schnell öffnen müssen, um ihre Investitionskosten auszugleichen und ihr Geschäftsmodell am Leben zu erhalten.

    Dies sollte aber nicht das Problem der Institution Bibliothek sein (und eigentlich auch nicht der traditionellen Verlage). Das Publizieren von wissenschaftlichen Zeitschriften in elektronischer Form unterscheidet sich vom Publizieren von Zeitschriften wie Vanity Fair oder dem SPIEGEL erheblich. Ein Lexikon ist nicht mit dem Fließtext einer Novelle gleichsetzbar. Lektüre erfolgt in verschiedenen Formen mit verschiedenen Lektürezielen. Schreiben ebenso. Bei manchen passt das E-Medium sehr gut, bei manchen eher das P-Medium. Da bleibt für eine absolute Entweder-Oder-Entscheidung wenig Spielraum.

    Unglücklicherweise werden die totalisierenden Verkaufsargumente kommerzieller Akteure nicht selten ungeprüft von Multiplikatoren in Medien und im Bibliothekswesen übernommen, auf die Agenda gesetzt und entsprechend übermächtig baut sich nun die Bedrohung auf. Dann wird rhetorisch von beiden Seiten aufgerüstet und es gibt viel Lärm um Wenig. Stille kann man sicher nicht herbeidiskutieren und das sollte auch nicht das Ziel sein. Aber eventuell ein Gespräch auf Zimmerlautstärke, bei dem man besser versteht.

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