Fünf Jahre offizielle Open-Access-Heuchelei im deutschen Bibliothekswesen

“Heute vor fünf Jahren…” sollte dieser Artikel eigentlich anfangen. Nun ist es ein paar Tage später, doch der geneigte Leser ignoriere das bitte.

Also, genau heute vor fünf Jahren, am 12. August 2006, hat Klaus Graf in Archivalia ein Posting veröffentlicht mit dem zum geflügelten Wort avancierten Titel “Die Open-Access-Heuchelei der Bibliotheken”. Darin kritisiert er sieben Punkte:

(1) Bibliothekarische Fachzeitschriften sind nur zum kleinen Teil Open Access!
Kaum Änderung im deutschsprachigen Bereich. Bis auf Libreas ist da eigentlich nichts. Peinlich.

(2) Bibliothekarische Fachliteratur ist kaum OA!
Hier ist Verbesserung zu spüren, zum Beispiel mit dem Handbuch Bibliothek 2.0.

(3) Bibliotheken beliefern kostenpflichtige bibliographische Datenbanken!
Gilt weiter. Wenn es eine nicht-exklusive Lieferung ist, die Daten also jedem zur Verfügung stünden, wäre das übrigens auch nicht weiter zu beanstanden.

(4) Bibliotheken treten als Mitglieder von Digizeitschriften e.V. die Interessen von Bildung und Wissenschaft mit Füßen!
Gilt weiter.

(5) Bibliotheken denken nicht daran, “permission barriers” einzureissen!
Gilt generell nicht mehr. CC-Lizenzen sind inzwischen vielerorts im Einsatz.

(6) Sogar OAI-Metadaten werden nicht OA freigegeben!
Die Diskussion ist faktisch beendet, alle Argumente ausgetauscht. Der Trend geht zu CC0. Da wird in sehr kurzer Zeit sehr viel passieren.

(7) Die Bibliotheken betreiben in großem Stil Bildrechte-Tyrannei und Copyfraud!
Gilt weiter.

Fazit: Es sind Fortschritte zu erkennen. Insgesamt ist es jedoch ernüchternd, wie wenig sich in fünf Jahren bewegt hat. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, können wir eine offene Fachkommunikation im Bibliothekswesen für ca. 2025 prognostizieren.

20 thoughts on “Fünf Jahre offizielle Open-Access-Heuchelei im deutschen Bibliothekswesen

  1. BRaiN ist auch OA, ebenso die Berliner Handreichungen. (Ebenso die Churer Schriften zur Informationswissenschaft. Aber das ist Schweiz, okay.) Nur als kleine Korrektur.

  2. BRaiN ist auch OA, ebenso die Berliner Handreichungen. (Ebenso die Churer Schriften zur Informationswissenschaft. Aber das ist Schweiz, okay.) Nur als kleine Korrektur.

  3. Still und leise veröffentlichen die deutschsprachigen Universitätsverlage Open-Access-Literatur, und das eine oder andere zum Thema “Bibliothek”. Und unter Umständen unbemerkt von einigen Bibliothekskritikern erfolgen diese Bemühungen aus den? Ja, Bibliotheken, deren Direktionen es wert finden, Open Access direkt durch Infrastruktur zu unterstützen. Allerdings wundert frau sich sehr, wie bereitwillig viele ihrer geschätzte Kollegen die Rechte an ihren Publikationen zum Bibliothekswesen herschenken, damit diese von wandlungsunwilligen Verlagen hinter Lizenzschranken versteckt werden.

  4. Still und leise veröffentlichen die deutschsprachigen Universitätsverlage Open-Access-Literatur, und das eine oder andere zum Thema “Bibliothek”. Und unter Umständen unbemerkt von einigen Bibliothekskritikern erfolgen diese Bemühungen aus den? Ja, Bibliotheken, deren Direktionen es wert finden, Open Access direkt durch Infrastruktur zu unterstützen. Allerdings wundert frau sich sehr, wie bereitwillig viele ihrer geschätzte Kollegen die Rechte an ihren Publikationen zum Bibliothekswesen herschenken, damit diese von wandlungsunwilligen Verlagen hinter Lizenzschranken versteckt werden.

  5. Richtig, es gibt inzwischen mehr bibliothekarische OA-Literatur als vor fünf Jahren. Das ist nicht unbemerkt, sondern ist unter (2) von mir auch so festgestellt. Und von Klaus Graf in seinem verlinkten Posting bestätigt.

    Zu den Lizenzschranken: wenn man unter CC veröffentlicht, steht den Autoren natürlich immer die Veröffentlichung auf Repositories offen. Wie zum Beispiel beim oben erwähnten Handbuch.

    Das ändert nichts daran, dass ich von der “Arbeit” de Gruyters am Handbuch maßlos enttäuscht bin. Entweder wurde kein Layout und kein Lektorat gemacht, oder es wurde oberflächlich hingepfuscht. Für diese “Leistungen” braucht man auf jeden Fall keinen Verlag.

    In erster Linie wahrgenommen werden (zumindest von mir und meinem Umfeld) jedoch die bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Zeitschriften. Und da sind die “Platzhirsche” offensichtlich kaum entwicklungsfähig oder -willig.

  6. Richtig, es gibt inzwischen mehr bibliothekarische OA-Literatur als vor fünf Jahren. Das ist nicht unbemerkt, sondern ist unter (2) von mir auch so festgestellt. Und von Klaus Graf in seinem verlinkten Posting bestätigt.

    Zu den Lizenzschranken: wenn man unter CC veröffentlicht, steht den Autoren natürlich immer die Veröffentlichung auf Repositories offen. Wie zum Beispiel beim oben erwähnten Handbuch.

    Das ändert nichts daran, dass ich von der “Arbeit” de Gruyters am Handbuch maßlos enttäuscht bin. Entweder wurde kein Layout und kein Lektorat gemacht, oder es wurde oberflächlich hingepfuscht. Für diese “Leistungen” braucht man auf jeden Fall keinen Verlag.

    In erster Linie wahrgenommen werden (zumindest von mir und meinem Umfeld) jedoch die bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Zeitschriften. Und da sind die “Platzhirsche” offensichtlich kaum entwicklungsfähig oder -willig.

  7. ergänzend zu @Karsten Schuldt:
    Bibliotheksforum Bayern ist auch OA.

    Hat nicht Jakob Voss mal eine google spreadsheet Liste angelegt mit diesen Infos?

    Allerdings ist die Grundtendenz nach wie vor CA, da hat CH recht.

  8. ergänzend zu @Karsten Schuldt:
    Bibliotheksforum Bayern ist auch OA.

    Hat nicht Jakob Voss mal eine google spreadsheet Liste angelegt mit diesen Infos?

    Allerdings ist die Grundtendenz nach wie vor CA, da hat CH recht.

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