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Interessantes aus Informations- und Bibliothekswesen

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In der Zeit erschien kürzlich ein Artikel von Hanno Rauterberg mit dem Titel: “Schafft die Eintrittsgelder ab!” Er beschreibt die Entwicklung der Museumsbesucherzahlen in Paris und London und liefert sehr gute Argumente für eine wirklich Öffnung der Museen. Zu der Tatsache, dass manche Museen schon knapp 10 Euro Eintritt kassieren, schreibt er:

Das scheint nicht übermäßig viel zu sein, die meisten Bücher, Theater-, Opern- und Konzertkarten sind teurer. Zudem gibt es viele Vergünstigungen für Studenten, Rentner oder die Mitglieder des Museumsvereins, manche Museen bieten auch einen eintrittsfreien Sonntag. Dennoch hat der Preis auf viele Menschen eine abschreckende Wirkung. Nicht auf Touristen, die nehmen den hohen Eintritt ohne Murren hin, auch das besagt die Studie des Instituts für Museumskunde. Doch für sozial schwächere Familien sind die fälligen 10, 15 oder 20 Euro durchaus ein Grund, von einem Besuch abzusehen.

Dies lässt sich eins zu eins auf Bibliotheken übertragen, und diese Erkenntnis ist alles andere als neu. Passend dazu fordert die IFLA in ihrem Positionspapier “Die Dienstleistungen der Öffentlichen Bibliothek: IFLA/UNESCO Richtlinien für die Weiterentwicklung” (PDF) vom Zugang für alle:

Ein Grundprinzip der Öffentlichen Bibliothek ist, dass ihre Dienste allen zur Verfügung stehen müssen und nicht nur auf eine spezielle Gruppe der Gemeinde zugeschnitten sind.

Kurz: Die öffentlichen (und auch die meisten wissenschaftlichen) Bibliotheken sollten sich bewusst werden, dass sie keinen Dienst leisten, der genau abgerechnet werden muss. Statt des Kunden sollte der Bürger in den Fokus der Bibliotheken rücken.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 4. Februar 2008 und wurde abgelegt unter "Bibliothek". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. prä-k-ria:

    das kann aber nur einer von vielen schritten sein wenn man die sog. unterschichten wieder an der gesellschaft teilhaben lassen will. daszu gehört noch sehr viel mehr. als einzelner baustein ist die forderung natürlich zu begrüssen.

  2. Eilan:

    Das sage ich schon lange: Bibliotheken werden von unseren Steuergeldern finanziert, deswegen sollten sie ohne Gebühren für alle zugänglich sein. Wie war das mit dem Recht auf Informationsfreiheit? Es gibt sehr viele Familien, für die diese Gebühren tatsächlich ein Problem darstellen.
    Außerdem werden ja nicht nur jährliche Gebühren erhoben, sondern noch Gebühren fürs Vormerken, für die PC- oder Internetbenutzung, fürs zeitige Lesen von Bestsellern… (ich denke, es gibt noch einige mehr, die mir jetzt bloss nicht einfallen, oder die meine ÖB nur noch nicht anwendet…)
    Da fällt übers Jahr gerechnet ganz schön viel an für die Benutzung.

    Interessanterweise sind in den USA Bibliotheken und deren Services kostenlos. Noch interessanter finde ich, dass dort die Benutzerzahlen und die Ausleihen um ein vielfaches höher sind als hierzulande. Woran das wohl liegen mag?

  3. Karsten Schuldt:

    Kurz: Die öffentlichen (und auch die meisten wissenschaftlichen) Bibliotheken sollten sich bewusst werden, dass sie keinen Dienst leisten, der genau abgerechnet werden muss. Statt des Kunden sollte der Bürger in den Fokus der Bibliotheken rücken.

    Na, kommen sie mal nach Berlin und schauen sich die Finanzierung der Öffentlichen Bibliotheken an … 100% über Produktleistungen. Mir scheint eher, dass dies alles nicht den Bibliotheken, sondern deren Trägern wieder mal gesagt werden muss.

  4. CH:

    @Eilan:
    Interessanterweise sind in den USA Bibliotheken und deren Services kostenlos. Noch interessanter finde ich, dass dort die Benutzerzahlen und die Ausleihen um ein vielfaches höher sind als hierzulande. Woran das wohl liegen mag?

    Eine rhetorische Frage. Natürlich gibt es noch zahlreiche andere Faktoren, die bei solchen Vergleichen zu berücksichtigen sind. Aber das die Kosten eine Rolle spielen, ist völlig klar.

    @Karsten Schuldt: Natürlich muss das den Trägern gesagt werden. Aber wer soll es ihnen sagen? Eine breite politische Bewegung zu erwarten, wäre naiv. Also bleibt nur herkömmlicher Lobbyismus. Wenn ich mir das “Kunden”-Geschwafel der Verbände jedoch durchlese, und die Rankings und ROI-Studien, die allüberall herumgereicht werden dazunehme, ist ein sozialpolitisches Bewusstsein zumindest auf den ersten bis dritten Blick nicht zu erkennen. Zumindest gibt es abseits von Akribie und Kribibi keine Gruppierungen, die mit irgendwelchen derartigen Forderungen an die Öffentlichkeit treten.

    “Bibliotheken als Bildungseinrichtungen” ist doch ein schönes Schlagwort für eine solche Debatte. In diesem Kontext müsste gefragt werden, wer denn die Zielgruppe ist. Nur die, die ohnehin zu den bildungsnahen Schichten gehören? Dies ist vermutlich auch das, was “prä-k-ria” im Kommentar oben meinte.


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