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Google antwortet auf Wikipedia und macht nun Knol öffentlich. Im Google-Blog ist kurz und knapp erklärt, worum es geht, daher spare ich mir das hier. Auf einen Punkt lohnt es sich dennoch einzugehen:

The key principle behind Knol is authorship. Every knol will have an author (or group of authors) who put their name behind their content. It’s their knol, their voice, their opinion. We expect that there will be multiple knols on the same subject, and we think that is good.

Das ist der Punkt, der Knol und Wikipedia im wesentlichen unterscheidet. Ein Artikel kann einem Autor oder einem Autorenkollektiv zugeordnet werden. Andere Autoren können zwar Änderungen vorschlagen, eingepflegt werden muss die Änderung jedoch vom Urheber des Ursprungsartikels.

Es wird spannend zu sehen, wie gut das funktioniert. Zwar hat Google auf diese Weise einen effektiven Schutz vor Vandalismus. Aber die Motivation, den Artikel eines Fremden zu verbessern, ist möglicherweise längst nicht so groß, wie bei einem anonymen Artikel.

Joachim Schroer hatte die Thematik auf der Inetbib-Tagung aufgegriffen. Er hat zwar leider die Folien zu diesem Vortrag nicht gehalten, aber eine thematisch zumindest sehr ähnliche Präsentation ist hier online. Dort werden drei (plus eine) Motivationsklassen, genannt:

Nach Klandermans1 :

  1. Norm-orientierte Motive: „Wie reagieren Kollegen, Freunde und Familie
    auf das Engagement?“
  2. Kosten und Nutzen: „Welche Kosten und Nutzen entstehen mir
    persönlich durch das Engagement?“
  3. Kollektive Motive: „Wie wichtig sind mir die Ziele der sozialen
    Bewegung?“

Dazu noch eine vierte Motivation (nach Simon et al.2 )

  1. Identifikation mit der Bewegung

Durch Knol eröffnet sich Motivationsforschern eine wunderbare Gelegenheit, Autoren, deren Motive und die daraus entstehenden Texte miteinander zu vergleichen. Hier können wertvolle Erkenntnisse für alle Projekte gewonnen werden, die in großem Maßstab auf Kooperation setzen.


  1. Klandermans, B. (1997). The social psychology of protest. Oxford: Blackwell.
    Klandermans, B. (2004). The demand and supply of participation: Social psychological correlates of participation in social movements. In D. A. Snow, S. Soule & H. Kriesi (Eds.), The Blackwell Companion to Social Movements (S. 360-379). Oxford: Blackwell []
  2. Simon, B., Loewy, M., Stürmer, S., Weber, U., Freytag, P., Habig, C. et al. (1998). Collective identification and social movement participation. Journal of Personality and Social Psychology, 74(3), 646-658. []

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 24. Juli 2008 und wurde abgelegt unter "Bibliothek". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. Markus:

    Ich denke auch, dass neben der Akzeptanz auf NutzerInnen-Seite die Motivation zur aktiven Mitarbeit an Knol ein entscheidender Faktor für den Erfolg dieses Google-Projektes sein wird. Klar: das eine (zahlreiche Mitarbeit) hat natürlich direkten Einfluss auf das andere (Akzeptanz).

    Zur Motivation zur Mitarbeit: Dort, wo sich die soziale Motive (etwas zum Gemeinwesen beitragen) mit der egoistischen Motivation (Steigerung der Reputation) vernünftig in Einklang bringen lassen, könnte sich für Experten (m/w) eine Mitarbeit lohnen. Allerdings bin ich für den deutschsprachigen Raum recht skeptisch, dass hier schnelle Ergebnisse zu sehen sein werden.

  2. CH:

    Ich glaube nicht, dass dieses Projekt ein Erfolg wird, zumindest nicht dann, wenn man davon ausgeht, eine erste Anlaufstelle für Informationen zu bekommen. Die Texte werden noch wesentlich heterogener als in der Wikipedia sein, was dem Erfolg auf Seiten der Konsumenten sicherlich nicht förderlich ist.

    Abgesehen davon: Meinst Du, eine erhöhte Motivation der Autoren ist durch die Bindung des Inhalts an erkennbare Urheber größer? Möglich, aber m.E. unwahrscheinlich. Das bedeutet schließlich auch einen immensen Mehraufwand pro Person, da man sich alle um seine Inhalte kümmern muss.

    Und die Motivation, einen Artikel zu korrigieren, der unter einem anderen Namen im Netz steht, ist sicherlich nicht sonderlich hoch.

  3. Markus:

    Ich hab ja in meinem ersten Kommentar meine Skepsis schon anklingen lassen, wenn ich das Projekt auch nicht von Vorneherein chancenlos sehe. Mit dem Mehraufwand für jede Person, sich um seine Inhalte kümmern zu müssen, führt du ein wichtiges Gegenargument gegen einen Erfolg von Knol ins Feld. Allerdings könnte es auch ein Anreiz zur Teilnahme sein, sich nicht mit Halbwissen verbreitenden Laien herumschlagen zu müssen, was manche Experten ja von einer Mitarbeit an der Wikipedia abhält.

    Time will tell. ;-)

  4. Oliver:

    Ein weiteres Pro-Argument für Knol ist, dass durch die starke Bindung an einen Autoren stärker an wissenschaftliche Arbeiten anlehnt. Man kann seine Ergebnisse publizieren, ohne dass andere sie “verschlimmbessern”. Dennoch werden schlechte Veröffentlichungen oft nur einen Klick entfernt sein. Problematisch. Solltet Ihr Knols schreiben wollen und Euch davor / danach über Knol mit anderen Knol Autoren austauschen wollen, dann würde ich mich freuen, wenn Ihr zumindest vorbei schaut: http://knolautoren.mixxt.de


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