Wissenschaft und freies Wissen
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Kleiner, durch die Knol-Diskussion längst veralteter Beitrag zur Motivation wissenschaftlicher Autoren. Dies ist ausdrücklich ein unfertiges Fragment. Ich habe jetzt einfach mal auf “Veröffentlichen” geklickt, weil es sonst wohl nie fertig geworden wäre.
Nielsen fragte sich, warum Wikipedia eigentlich nicht von Wissenschaftlern begründet wurde. Immerhin gehe es doch darum, jegliches Wissen unserer Zeit frei verfügbar zu machen. Er widmet dieser Frage ein ganzes Kapitel seines gerade in Entstehung befindlichen Buches.
In fact, in the early days very few professional scientists were involved. To contribute would arouse suspicions from your colleagues that you were wasting time that could be spent on more “useful” things, like teaching, or writing papers and grants. Even today, contributing to Wikipedia is regarded as a low-value activity by most professional scientists.
Diese Frage ist wichtig für das Verständnis des wissenschaftlichen Betriebs. Es ist offensichtlich attraktiver, Anträge zu schreiben, als einen kleinen Wikipedia-Artikel, obwohl bei letzterem ein wesentlich größerer Effekt auf den Wissensstand einer Gesellschaft zu vermuten ist. Zumindest ist der (tatsächliche) Impactfactor eines Wikipedia-Artikels vermutlich mindestens so hoch wie der einer beliebigen Fachpublikation. Der Unterschied ist nur, dass viele Wissenschaftler nicht zugeben, sich bei Wikipedia informiert zu haben. Und natürlich, dass der Autor bei Wikipedia fast immer anonym bleibt.
Auch Gia Lyons widmet sich dieser Problematik, zwar eigentlich aus einer ganz anderen Fragestellung heraus. Aber letztlich mit dem interessanten Ergebnis: Wer weiß, teilt sein Wissen ungern, und wenn dann am liebsten mit einem sorgsam ausgewählten Kreis von Gleichgesinnten.
Because human beings typically share their precious knowledge only with people they trust. Not a software application.
Wissenschaft wird primär zum Eigennutz betrieben?

Meiner Meinung nach gibt es im Wissensmanagement, in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und in der Wirtschaft überhaupt beides, Konkurrenz und Kooperation, in ständig wechselnder Zusammensetzung und in unterschiedlichen Stärken des Abschlusses gegen außen. Wann kooperiert und wann konkurriert wird, das ist von theoretischen/methodischen Ansätzen, von Institution(enhierarchie), von Fächergrenzen und von vielem anderen abhängig. Nur ist es meiner Meinung nach nicht statthaft, alles nach einer Seite hin aufzulösen, also nur von Kooperation oder nur von Konkurrenz zu sprechen. Konkurrenz belebt das Geschäft (auch beim Schreiben von Anträgen), sie kann es aber auch komplett lähmen. Ebenso kann Kooperation die Entwicklung hemmen, wenn alles nur nach dem kleinsten machbaren Nenner ausgerichtet wird. Neben den eher negativen Erfahrungen von Gia Lyons scheint es ja auch positive im Einsatz sozialer Software im Wirtschaftssektor zu geben, wie das Buch Wikinomics von Tapscott/Williams eindrucksvoll belegt. (gibt es auch auf Deutsch)
Aber ich möchte das wirklich spannende Thema dieses Eintrages nicht wegdiskutieren. Denn die Frage, wie man ein soziales Forum/Wiki zum Laufen bringt, ist wirklich nicht banal, wenn es nicht schon etablierte Kommunikationsprozesse unterstützt, sondern neue Bande ermöglichen soll. Im Moment stehen immer noch technische Fragen (“Wie richte ich ein Wiki ein?”) im Vordergrund, in der Zukunft werden es eher Fragen sein wie: “Wie strukturiere und bewerbe ich ein Wiki so, dass es für die Kommunikation angenommen wird?” Analog zum Friedensstifter müßte es den Kommunikationsstifter als Rolle geben …
posted on September 10th, 2008 at 14:25 Uhr
“Kommunikationsstifter” ist eine gute Bezeichnung. Es ist auf jeden Fall wie bei Dokumentenservern und allen anderen (elektronischen) Dienstleistungen. Man muss die Vorteile für alle Seiten klar herausstellen. Wenn ich nicht haarklein aufzählen würde (wieder und wieder), wo die Vorteile einer elektronischen Veröffentlichung auf dem Dokumentenserver wären, wäre er vermutlich immer noch leer.
Gleiches gilt natürlich für Wikis. Interessant finde ich in dem Zusammenhang die Untersuchung zur Motivation von Wikipedia-Autoren. Da kann sich der gemeine Bibliothekar und Kommunikationsstifter so einiges abgucken.
posted on September 10th, 2008 at 15:52 Uhr
[...] Noch ein Fragment, das wohl nie fertig geworden wäre. Daher einfach mal so als hoffentlich nützliche Zitatsammlung ins Netz gepackt. Perfekt versteckt : Ressourcenverschwendung in wissenschaftlichen Bibliotheken / Kluth, Pia. – 1. Aufl. – Saarbrücken : VDM Verlag Dr. Müller, 2007, S. 32-36 [zurück]Share This [...]
posted on September 11th, 2008 at 7:07 Uhr
Aber Wissenschaftler sind doch gar nicht in erster Linie hinter dem Wissen her … sagt Steven Shapin, Wissenschaftshistoriker. Das sei einer der Mythen des 20. Jahrhunderts. Hier das Interview: http://www.boston.com/bostonglobe/ideas/articles/2008/07/06/a_talk_with_steven_shapin/
posted on September 12th, 2008 at 11:35 Uhr
doesn’t this web site has other languages support??
posted on September 14th, 2008 at 20:00 Uhr
Ein Wissenschaftler möchte eben auch einen Benefit aus seinem Wissen ziehen. Sobald er neue Erkenntnisse in der Wikipedia veröffentlicht würde man diese nicht mehr ihm zuschreiben und das macht kein Wissenschaftler-Ego mit.
posted on September 26th, 2008 at 11:10 Uhr