Infobib

Google lässt Wissenschaftler im Stich

31st Dezember 2008

Google lässt Wissenschaftler im Stich

Im September 2007 gab Google bekannt, dass wissenschaftliche Daten in Zukunft gratis gehosted werden können, sofern die Eigentümer die Daten frei (public domain) zur Verfügung stellen. Zu diesem Zweck sollten per Post Festplatten verschickt werden, deren Inhalt – wissenschaftliche Terabytes – von Google dann kostenlos gehosted wird. Details in dieser Präsentation:

Nun bekommt Google kalte Füße und stampft das Projekt ein, bevor es überhaupt offiziell eröffnet wurde. Nature Blog:

Initially scheduled for public release around last month, Google pushed the launch date back to January 2009. Since then Google has been making economies in the face of the financial crisis, and the non-profit Google Research Datasets project was reviewed. Late Wednesday evening, a spokesperson wrote me to say that “We’ve been evaluating our resources to ensure they are used in the most effective possible way to bring maximum value to our users. Unfortunately, we’ve decided not to launch Google Research Datasets publicly, but to instead focus our efforts on other activities such as Google Scholar, our Research Programs, and publishing papers about research here at Google.”

Bislang wurden anscheinend nur Testdaten bearbeitet, glücklicherweise noch keine “richtigen” Daten. Dies ist ein Präzedenzfall bezüglich der Zuverlässigkeit Googles im Ernstfall. Wired:

“‘It’s a sad story if it’s true,” wrote Attila Csordas, a stem cell biologist and author of Partial Immortalization who recently moved to Hungary from Tulane University, in an email to Wired.com. “Assuming it is true that might mean that Google is still a couple years away from directly helping the life sciences (on an infrastructural level).”

Other scientists remained hopeful that the service might return in better times.

Selbst wenn der Dienst wieder aufleben sollte, bleiben nun doch ernste Zweifel an dessen Zuverlässigkeit. Eine Alternative kann sein, die Daten in P2P-Netze zu stellen und an mehreren Standorten zu verteilen. Universitäre Rechenzentren sollten eigentlich Kapazitäten für solche Projekte haben oder zumindest schaffen können. Das Outsourcen der Archivierung und Verteilung freier wissenschaftlicher Daten ist meines Erachtens nur eine Notlösung.

Von CH in Open Content | Tags: | Comments Off

30th Dezember 2008

Beyond the API: Why Companies Should Have a Presence on All Major Platforms

Beyond the API: Why Companies Should Have a Presence on All Major Platforms

Web sites are only one kind of presence that companies can have today. Social Networks like Facebook and MySpace, mobile platforms like iPhone and Blackberry, browser extensions and RIA Applications all have an equal – sometimes considerably larger – share of users attention. Figuring out which presence should be delivered by the website vs. a third party is an important question that each company should ask.

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30th Dezember 2008

Klaus Graf vs. das Bibliothekswesen (Open Access)

Klaus Graf erhebt via Inetbib gravierende Vorwürfe gegen das Bibliothekswesen. Ein paar der Aussagen kann ich so nicht stehen lassen:

Hat es Gespraeche zwischen dem Urheberrechtsbuendnis und dem Boersenverein ueber die Auslegung des ja allgemein als nicht besonders geglueckt empfundenen § 137 l gegeben, wie nicht nur von mir angeregt?

Offenkundig nein, zumindest ist keine Silbe davon bekanntgeworden.

Davon ist auch mir nichts bekannt. Volle Zustimmung zu diesem Punkt. Der Austausch ist dringend erforderlich, um eine politische Lösung des Problems überhaupt erst möglich werden zu lassen.

Hat es irgendeine nennenswerte Werbung seitens der Bibliotheken 2008 fuer die Moeglichkeit, Open Access ohne Zustimmung der Verlage insbesondere fuer Monographien vor
1995 zu ermoeglichen, gegeben?

Nein. Die alten Infoseiten von Ende 2007 stehen meist noch im Netz, das ist aber auch alles.

Doch, hat es. Die Infoseiten der Bibliotheken sind zum Teil sicherlich nur im Netz, um das Wirken der Bibliothek sozusagen offiziell werden zu lassen. Ein Großteil der Werbung wird per hochschulinternem Mailverteiler passiert sein. Es geht schließlich darum, Hochschulangehörige zu erreichen, und da ist die Bibliothekshomepage kein besonders gut geeignetes Mittel. Dort kann man für eh schon Bekehrte die Informationen zusammenfassen, aber die Werbung muss anders erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit, von der außerhalb der Hochschule nichts zu sehen ist, ist z.B. das Ansprechen von Open-Access-Pionieren, die wiederum als Multiplikatoren agieren und ihre Kollegen anwerben können. Wenn also kein Werben sichtbar ist, heißt das noch lange nicht, dass es nicht stattfindet.

Allerdings muss auch ich sagen, dass ich auf viel mehr Masse gehofft hatte, die binnen kurzer Zeit online verfügbar gemacht wird.

Hat es den von Herrn Kaemper geforderten staerkeren Erfahrungsaustausch der Schriftenserver gegeben?

Nicht dass ich wuesste. Auch die mehr tote als lebendige Mailingliste von open-access.net hat sich mit dem Thema nicht mehr beschaeftigt. Was mir von 2008 bekannt ist (insbesondere juristische Stellungnahmen, wobei Herr Steinhauer in seinem Bibliotheksrecht-Weblog fleißig
referiert hat) habe ich unter http://archiv.twoday.net/stories/5408482/ zusammengetragen. Das Urheberrechtsbuendnis hat (wohl im November 2008, wenn man das Auffinden des Google-Bot zugrundelegt) in einem internen (wenngleich auf der Internetseite einsehbaren) Newsletter nochmals zum Widerruf
der Nutzungsrechte aufgerufen, aber wenn ich nichts uebersehe, gibt es keinerlei Hinweis auf der Website auf das Newsletter-Dokument.

Es gibt den Erfahrungsaustausch, auch wenn er nicht besonders gut institutionalisiert ist. Es gibt den angesprochenen, dämmernden Newsletter. Es gibt aber vor allem Kontakte zwischen den einzelnen Serverbetreuern, die sich bei Bedarf gegenseitig aus der Patsche helfen. Dies reicht nicht aus, aber mit dem OA-Netzwerk ist hoffentlich ein Schritt in Richtung Verfestigung dieser Strukturen.

Wo schon Herr Steinhauer und dessen juristische Analysen erwähnt sind: Genau dort liegt meines Erachtens der allergrößte Unsicherheitsfaktor bei allen Bemühungen in Sachen Open Access. Was fehlt, ist ein Handbuch “Was darf und sollte die Bibliothek in Sachen OA unternehmen” inklusive eines umfangreichen Anhangs mit Mustertexten.

Wer noch etwas tun moechte, kann meine FAQ http://archiv.twoday.net/stories/5408494/
beherzigen. (Wenn nur jeder Inetbib-Abonnent persoenlich 10 Wissenschaftler informiert, haetten wir 50.000 Leute, die vom Fristablauf in einigen Tagen wissen, aber ich bezweifle, dass Bibliothekare Wissenschaftler kennen …)

Dies lässt mich zweifeln, ob Herr Graf Bibliothekare kennt.

Nach dem Dezemberfieber 2008 waren die Bibliotheken offenkundig viel zu erschoepft von den sie ueberfordernden Nutzungsrechtsuebertragungen, als dass sie irgendeine weitere Werbung verantworten konnten. Schmerzlich mussten sie erkennen, dass Open Access durchaus Arbeit machen kann, und Arbeit haben sie nun ja schon genug, gelle?

Siehe oben.

Ein Jahr spaeter kann ich nicht erkennen, dass die 2007 erfolgreich eingesammelten Nutzungsrechte schon in nennenswertem Umfang Eingang in die Schriftenserver gefunden haben.

Zu wenig, das ist richtig. Auf dem Schriftenserver der FH Hannover ist ein Großteil der durch die eingeworbenen Nutzungsrechte verfügbaren Dokumente schon veröffentlicht. Schwierigkeiten gibt es teilweise bei der Beschaffung der Werke. Aber da sind wir auf einem guten Weg zur weitgehenden Vollständigkeit.

Hinsichtlich der Beitraege zur Hexenforschung durfte ich vor einiger Zeit in der von mir administrierten Mailingliste Hexenforschung einen besonders miesen persoenlichen Angriff von Dr. Katrin Moeller, Halle (historicum.net) zur Kenntnis nehmen:

http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa?A2=ind0810&L=HEXENFORSCHUNG&P=R859&I=-3

Ueber 100 Schriften konnten demnach eingesammelt werden, die alle noch nicht online sind.

Ohne die Hintergründe des Projekts zu kennen (und kennenlernen zu wollen): Ein Digitalisierungsvorhaben, das über einzelne Werke hinausgeht, ist nicht zwischen Tür und Angel gemacht. Wer sich für ein paar Details interessiert, mag hier bei Infobib mal nach PDF/A suchen. Stolpersteine gibt es viele, hilfreiche Dokumentationen nicht so sehr, und wer nachhaltig sinnvoll digitalisieren will, kann die Bücher halt nicht einfach auf den Scanner werfen und die Dateien irgendwo ins Netz laden.

Das Fazit ist deprimierend: Einmal mehr erweist sich das deutsche Bibliothekswesen als trojanisches Pferd fuer Open Access. Auf eine breite Unterstuetzung von Open Access durch die Wissenschaftler ist es nicht vorbereitet, die Betreuer der Dokumentenserver sind klammheimlich vermutlich ganz froh, dass ausser ein paar Dissertationen meist gaehnende Leere herrscht. Eigene Erfahrungen mit Freidok legen den Schluss nahe, dass eine vorbehaltlose und unbuerokratische Unterstuetzung der Autoren nicht gewuenscht ist. Statt die Werbetrommel 2008 weiter zu ruehren und mit den 2007 eingesammelten Schriften weitere Autoren zu gewinnen und zu motivieren, beim Verlag zu widersprechen und anschließend Nutzungsrechte an den Hochschulschriftenserver zu uebertragen, ist man erschoepfungsbedingt in den ueblichen Bueroschlaf versunken. Nachdem ich 2008 das deutsche Bibliothekswesen zumindest in dieser Sache weitgehend in Frieden gelassen und nicht durch weitere Ueberrumpelungsmanoever beim Vorsichhinschnarchen gestoert habe, darf ich zum Fristablauf, ohne jemand damit ueberrumpeln zu wollen, doch anmerken, wie erbaermlich diese “Foerderung” von Open Access anmutet.

Alles wesentliche habe ich schon weiter oben erwähnt. Die Betreuer der Dokumentenserver sind mit Sicherheit nicht froh über ausbleibende neue und alte Dokumente. Die Organisation des Digitalisierens und das Einwerben von Dokumenten ist jedoch alles andere als trivial. Das viel zu wenig passiert, halte auch ich für höchst wahrscheinlich. Dem Bibliothekswesen insgesamt Versagen vorzuwerfen, ist jedoch nichts anderes als albern.

Fakt bleibt allerdings, und davon möchte ich auf keinen Fall ablenken: Viele Bibliotheksleitungen müssen sich Herrn Grafs Vorwürfe gefallen lassen!

Update: Eine Replik findet sich hier.

Von CH in Bibliothek | Tags: | Comments Off

25th Dezember 2008

ISO 32000-1 (PDF 1.7) gratis verfügbar

Adobe macht eine nicht-offizielle Version der ISO 32000-1 (PDF), die weitgehend mit der offiziellen Version übereinstimmen soll, kostenlos verfügbar.

[via Wisdom of PDF]

Von CH in Bibliothek | Tags: | Comments Off

24th Dezember 2008

Frohe Weihnachten – Merry Christmas

Merry Christmas and a happy new year!

Das Infobib-Team wünscht allen Leserinnen und Lesern fröhliche Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

The Infobib team would like to wish all readers a merry christmas and a happy new 2009!

Von SL in Bibliothek | Tags: | Comments Off

23rd Dezember 2008

Elektronische Lehrbücher in Würzburg

Im DLF gab’s gestern einen äußerst interessanten Bericht über eine Aktion der UB Würzburg: 500 Lehrbücher, die statistisch am häufigsten ausgeliehen werden, gibt es bis zu den Feiertagen in elektronischer Form.

Mehr dazu gibt’s von Klaus Graf und Dörte Böhner.

Von CH in Digitalisierung, Recht | Tags: | 1 Comment

23rd Dezember 2008

Was ist ein offener Standard?

Heise: Definition offener Standards in der EU weiter umkämpft

Interessanter Artikel, der die verschiedenen Positionen darlegt hinsichtlich der Frage, wann ein Standard wirklich offen ist.

In der einen Ecke des Rings befindet sich z.B. Association for Competitive Technology (ACT) oder die European Information, Communications and Consumer Electronics Technology Industry Association (EICTA). Sie bevorzugen …

die Bedingung einer alleinigen “RAND”-Lizenzierung (Reasonable And Non-Discriminatory) Demnach müssen Anwender für die Nutzung eines derart lizenzierten Standards üblicherweise Geld zahlen oder sonstige Leistungen erbringen, was aber wiederum als nicht vereinbar mit den Prinzipien freier Software gilt. Auch die Business Software Alliance (BSA), der Konzerne wie Apple, Intel, Microsoft oder SAP angehören, vertritt diese Forderung.

Auf der anderen Seite findet sich ein buntes Sammelsurium der verschiedenster Open-Source-Verfechter, unter anderem das Bündnis No OOXML oder Red Hat.

Eine meines Erachtens gute (also auch dem Laien verständliche) Definition freier Standards findet sich bei der Free Software Foundation Europe:

Ein Offener Standard bezieht sich auf ein Format oder Protokoll, das

1. einer vollständig öffentlichen Bewertung und Nutzung ohne Hemmnisse auf eine für alle Beteiligten gleichermaßen zugänglichen Weise unterliegt,
2. ohne jegliche Komponenten oder Erweiterungen ist, die von Formaten oder Protokollen abhängen, die selbst nicht der Definition eines Offenen Standards entsprechen,
3. frei ist von juristischen oder technischen Klauseln, die seine Verwendung von jeglicher Seite oder jeglichem Geschäftsmodell einschränken,
4. unabhängig von einem einzelnen Anbieter geleitet und weiterentwickelt wird in einem Prozess, der einer gleichberechtigten Teilnahme von Wettbewerbern und Dritten offen steht,
5. verfügbar ist in verschiedenen vollständigen Implementierungen von verschiedenen Anbietern oder als vollständige Implementierung gleichermaßen für alle Beteiligten.

Von CH in EDV, Open Content, Recht | Tags: | Comments Off

17th Dezember 2008

LibWorld book available!

Good things come to those who wait. It took a long time but finally it is done:
Our LibWorld book is finally released. It’s available in print at Lulu.com, or you can download it at some repositories:

You can find and browse almost all the links that are mentioned in the book in our bookmark collection at delicious.com. Some missing bookmarks will be added in near future.

A special thanks goes to the LibWorld authors, our cover artwork designer Jaume Josep Llambrich Brull and to Walt Crawford for the foreword.

Certainly there are some minor flaws in this book; this can never be avoided. But we look forward to your feedback! And if you want to correct something: No problem, it’s published with a CC-BY-SA license. So you are free to build derivates or mashups of this book. We’d love to hear “LibWorld – the musical”, for example.

Our trip through the library blogosphere does not end at this point. So if readers from all over the world would like to enrich our collection, please contact us!

Von NU in Ausland, Bibliothek, Open Content, Schnickschnack, Web 2.0 | Tags: | 8 Comments

15th Dezember 2008

Europeana soll wieder öffnen

Fast vier Wochen nach ihrem Fehlstart soll Europas gemeinsame Online-Bibliothek Europeana in Kürze wieder freigeschaltet werden. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Montag in Brüssel, man habe die Kapazität des Portals www.europeana.eu seit dem Zusammenbruch des Computersystems am 21. November vervierfacht. In dieser Woche werde der Zugang wieder geöffnet.

[via sueddeutsche.de]

Von SL in Bibliothek, Digitalisierung | Tags: | 1 Comment

15th Dezember 2008

Berliner Bibliotheken im Test – Teil1

Die Morgenpost testet verschiedene Berliner Bibliotheken. Diese Woche die Philologische Bibliothek und die Amerika Gedenkbibliothek.

Von SL in Bibliothek | Tags: | Comments Off

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