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Norwegische Wochen bei Infobib! Thomas Brevik, der Bibliotheksalchemist, hat dem Anbieter des von seiner Bibliothek genutzten Bibliothekssystems die Kündigung erteilt. Er begründet dies einerseits damit, dass KOHA mehr bietet, als das von ihm bislang genutzte ILS in absehbarer Zukunft wird bieten können. Und damit, dass damit das Open-Source-Konzept in der norwegischen Bibliothekslandschaft etabliert wird:

Norwegian libraries need to embrace open source for many reasons. The formal reason; that the government now requires public institutions to consider open source when choosing software, the financial reason; that open source means you can test and try out systems without initial costs and that the implementation cost is way smaller than any other system on the norwegian library system marketplace, and finally the ideological reason: open source embodies many of the same values that libraries are funded on, sharing, equality, access and community.

Nicole C. Engard freut sich darüber und ruft dazu auf, dieser Argumentation zu folgen:

So this is my call to you to resign from your current ILS and give Open Source a shot!!

Da reihe ich mich doch gerne ein! Was die großen Anbieter ihren Kunden, den Bibliotheken, als Kataloge anbieten, hätte ich vor fünf, sechs Jahren vielleicht als modern akzeptiert. Inzwischen ist es weitgehend indiskutabel, was wir, die Bibliotheken, infolge dessen unseren Nutzern anbieten. Dazu noch ein etwas älteres Zitat:

Ich finde es äußerst problematisch, wie sich Bibliotheken unnötig in Abhängigkeit von Firmen begeben [...] und dabei ihrer eigenen Handlungsspielräume und Fähigkeiten einschränken. “Mal schnell” etwas an der Webseite oder am OPAC ändern geht nicht dann nicht mehr so einfach und/oder kostet zusätzlich Geld.

Amen.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 17. August 2009 und wurde abgelegt unter "Bibliothek, Open Source". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

5 Kommentare

  1. till:

    Tja, woran hängts?

    Es sind ja nicht nur die Kataloge, bei denen man sich mitunter wundert… Das sind halt die Endbenutzerschnittstellen, bei denen es am ehesten auffällt.
    Koha ist vom Ansatz her auch so ein “integriertes Bibliothekssystem” (Evergreen auch). Diese ganze Infrastruktur muss flexibler werden. Wir werden in Zukunft nicht mehr nur mit klassischen bibliothekarischen Metadaten zu tun haben.
    Es gibt übrigens schon eine deutsche Koha-Bibliothek: http://public.opac.battern.de/ :-) Wer wird zweiter?

  2. CH:

    Weil’s am meisten auffällt, und weil die Nutzer ausschließlich damit konfrontiert werden, ist der Katalog für mich auf jeden Fall Baustelle Nummer eins. Ein ganzes ILS umzusetzen ist natürlich alles andere als trivial. Wie es mit der Anbindung eines halbwegs modernen Katalogs an ein bestehendes ILS aussieht, weiß ich nicht. Ich denke, das wird wesentlich einfacher sein. Daher ist die Frage, wer zweiter wird hoffentlich bald beantwortet.

    Projekte à la Beluga, Suchkiste oder KUG sind mir da schon ermunternde Zeichen. Wenn Oliver Flimm im Alleingang einen Katalog basteln kann, der die PICA- und Aleph-Fossilien an Benutzerfreundlichkeit Welten hinter sich lässt, sollte das den Global Playern eigentlich zu denken geben. Und eigentlich noch viel mehr den Bibliotheksdirektorien.

  3. till:

    Die Anbindung von “modernen Katalogen” an die integrierten Dickschiffe steht meiner Meingung nach exemplarisch für eine der spannenden Fragen der kommenden Zeit: Wie bekommen wir diese geschlossenen Dosen geöffnet? Auch für andere Anwendungen als neue Kataloge.
    Egal ob Open Source Kataloge wie VuFind oder Blacklight, Projekte wie Beluga oder kommerzielle Produkte wie Primo oder Touchpoint: Die haben alle enorm mit den fehlenden, merkwürdigen, rechtlich verkrüppelten, undokumentierten oder einer beliebigen Kombination daraus Schnittstellen zur bestehenden Bibliotheksinfrastruktur zu kämpfen. Zwei Links dazu: Ross Singer, der gegen dieses Problem mit Jangle aktiv etwas tut, fragte kürzlich, wo der Aufstand bleibt: http://dilettantes.code4lib.org/2009/08/where-is-the-outrage/
    Und Marshall Breeding macht derzeit für eine Veröffentlichung eine Umfrage zu Bibliothekssystem-APIs und verwertet offenbar auch Frust darüber, dass man keine brauchbare API hat, wenn man ihn bei ihm abliefert: http://www.librarytechnology.org/blog.pl?ThreadID=122&BlogID=1

  4. till:

    Tja, und dann werden manche Auseinandersetzungen rund um das Thema mittlerweile mit einer bemerkenswerten Offenheit in der Öffentlichkeit geführt: http://commentary.exlibrisgroup.com/2009/08/ole-unanswered-questions.html
    Auch den Kommentar von Brad Wheeler unter dem Artikel lesen!
    Erinnert ein bischen an Diskussionen rund um Open Access auf branchenbekannten Mailinglisten. Da trifft schlicht “alte Welt” auf “neue Welt” und in beiden existieren vollkommen unterschiedliche Modelle von der Welt. Entsprechend schwierig ist die Kommunikation darüber…

    Zum Hintergrund: Das OLE Projekt hat kürzlich um Kommentare zum ersten Projektbericht gebeten. Das Projekt entwirft eine Architektur für ein offenes Bibliothekssystem als alternative zu den klassischen integrieten Systemen, das dann als open source Projekt implementiert werden soll.

  5. Senayan – Open Source Library Management System aus Indien | Verweisungsform.de:

    [...] Allegro-C? In diesem Zusammenhang sind auch insbesondere die Kommentare zur Infobib-Meldung Erste norwegische KOHA-Installation [...]


Erste norwegische KOHA-Installation von CH steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. blogoscoop
Infobib läuft unter Wordpress.3.0.5 | Theme: angepasst nach : Gabis Wordpress-Templates | Creative Commons Lizenzvertrag 29 Verweise - 0.271 Sekunden.