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Liane Haensch hat in der Diskussion über bibliothekarische Fachkommunikation überlegt, was man nun konkret machen könnte, um den bibliothekarischen Diskurs in Gang zu bringen:

Was könnte man noch tun?! Eventuell in bibliothekseigenen Intranets oder Wikis auf interessante Blogs bzw. Beiträge verlinken oder mal in Beratungen anbringen, was man Neues gelesen hat und eben auch wo.

In ihrem Blog Lesewolke ist sie nun damit beschäftigt, einen Teil ihrer Überlegungen in die Praxis umzusetzen. In der Kategorie “Gelesen in Biblioblogs” (natürlich auch als RSS-Feed abonnierbar) bietet Sie seit einigen Wochen eine Art persönlichen bibliothekarischen Perlentaucher. Im Posting zur 23. Kalenderwoche weist sie z.B. auf die Klicksafe-Leitfäden zur Privatsphäre in Sozialen Netzwerken (via Nachrichten für öffentliche Bibliotheken in NRW) oder Stefan Niggemeiers Überlegungen zum Leistungsschutzrecht hin.

Dass diese Art der Zusammenfassung ein nachhaltiger Weg zu einer lebendigeren und offeneren Fachkommunikation ist, glaube ich nicht. Es ist aber auf jeden Fall ein Versuch, etwas zu bewegen. Bis auf weiteres werde ich den entsprechenden Feed auf jeden Fall persönlich weiterempfehlen.

Eine Alternative, die ich immer noch für recht pfiffig halte, ist die sehr hemdsärmelige Umsetzung eines Posting-Empfehlungsdienstes/Overlay-Journals/Perlentauchers/Wasauchimmer über einen Social-Bookmarking-Dienst. Adrian Pohl schlug dies ebenfalls in der Diskussion vor. Ich hatte so etwas auch schon mal im als “global libnews” im Rahmen der LibWorld-Reihe vorgeschlagen. Alles, was wir bräuchten, wäre ein gemeinsames Tag, z.B. bibnews oder bibdisk oder so etwas. Und natürlich ein Kern von Freiwilligen, die eifrig partizipieren, ohne zu übertreiben und das neue Medium vollspammen.

Ich habe einen sehr grob gezimmerten Prototypen erstellt, natürlich nur als proof of concept. Wer einen Delicious-Account hat, kann einen Beitrag mit den Tags “bibnews” plus einem weiteren Tag versehen, dass dann für die Einordnung in die entsprechende Kategorie sorgt. Mögliche Kritikpunkte:

  • Spam. Wer die entsprechenden Tags verwendet, kann jeden Inhalt unterbringen. Dies kann man unterbinden, indem man nicht einfach nur die RSS-Feeds zu den entsprechenden Tags als Grundlage nimmt. Mögliche Lösung: Die JSON-Feeds lassen die Einschränkung auf das Netzwerk eines Delicious-Users zu. Man könnte also einen User anlegen, in dessen Netzwerk alle aufgenommen werden, die berechtigt sein sollen, Inhalte hinzuzufügen.
  • Die optische Gestaltung, klar.
  • Die inhaltliche Ausgestaltung der einzelnen Kategorien. Noch klarer.
  • to be continued…

Ob man nun Social-Bookmarking-Dienst wie Delicious für diesen Zweck nimmt, ist m.E. zweitrangig. Ein Nachteil ist, dass nicht innerhalb eines inhaltlichen Abschnitts zu verschiedenen Links zum Thema hinweisen kann. Auch Verweise auf Offline-Quellen sind nicht einfach zu realisieren.

Dies ist jetzt eine direkte Reaktion auf die Initiative der Lesewolke. Mein Vorschlag an die werte Leserschaft: Zerreißt meinen Prototypen in der Luft und denkt Euch was Besseres aus!

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 16. Juni 2010 und wurde abgelegt unter "Bibliothek, Open Access, Web 2.0". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

5 Kommentare

  1. Edlef:

    zu Lesewolke: Kann man machen, ist natürlich sehr subjektiv…
    Ich hatte vor Jahren schon mal mit Pligg rumgespielt, ist so etwas wie Digg – The Latest News Headlines, Videos and Images für den eigenen Server (http://test.netbib.de/pligg/ ist eine ziemlich alte Version): Keine Ahnung, ob man da etwas pfiffiges draus machen kann.
    Dein Test ist ja schon recht gut, das ist ja so etwas wie ein “reviewed Planet Biblioblogs”? Wir müssen reden…

  2. Lambert:

    “Reviewed Planet Biblioblogs”, ja, sowas ging mir auch gerade durch den Kopf… Dein Prototyp hat auch was von Peter Subers Open Access Tagging Project (OATP). Zumindest ein Detailproblem haben die da ganz gut gelöst, diese verabredeten gemeinsamen Tags (Collabulary?) können da nämlich auf verschiedenen Plattformen verwendet werden, u.a. bei CiteULike, womit man einen Mechanismus hat, um auf reine Print- sowie auf Toll Access-Medien zu verweisen.

    Mal so spontan, was mir noch einfällt, in keiner besonderen Reihenfolge.

    Ich will hübscher Lesen und überfliegen können. Dazu gehört für mich neben der visuellen Gestaltung ein homogenerer und informativerer Aufbau der Anreißer. Wer genau sind die Autoren, so richtig mit Vor- und Nachnamen? Ich möchte aber auch sehen können, wer das empfohlen hat, möchte nicht nur per Klick zum Volltext kommen sondern möglichst auch gleich sehen, wie viele (möglichst auch wer) den Text schon angeklickt, gebookmarkt, getwittert, verlinkt, kommentiert… haben. Und ich will mehr Struktur, irgendwie muß es noch mehr thematische Facetten geben. Oder vielleicht eine Spalte von Weblogbeiträgen, für die man keinen Teaser braucht, weil die schon im Original nicht länger als 1.000 Zeichen sind. Dann hätte ich gerne noch mehr chronologische Ordnung, vielleicht sogar eine Sortierung in geschlossene Ausgaben. Hier, bittesehr, die BibNews zur 23. Kalenderwoche 2010! Und, hier per Mausklick, die drei meistgeklickten, kommentierten… Beiträge der 22. Kalenderwoche, für die ganz eiligen!

  3. Jakob:

    Hm, so richtig überzeugt mich das nicht, aber vielleicht habe ich eine andere Zielgruppe im Kopf. Mir scheint das ganze jedenfallsetwas zu kompliziert und technisch. Die persönlich zusammengestellte Auswahl von Hinweisen von Lesewolke macht für mich am meisten Sinn – das lässt sich als Mail weiterleiten, ausdrucken oder einfach in der Kaffeepause erzählen, ohne dass es zu viel und unübersichtlich wird. Wer mehr möchte kann selber speziellere Mailinglisten und Feeds abonnieren.

    Am Planet Biblioblog stört mich nur, dass man keine einzelnen Beiträge aus anderen Blogs aufnehmen und unpassende Beiträge aus den teilnehmenden Blogs herausnehmen kann. Sowas in die Richtung wie Digg wäre nicht schlecht, aber ich vermute dass die kritische Masse nicht gross genug ist.

    In jedem Fall ist Fachkommunikation keine Frage der Technik sondern der Kultur. Und die lässt sich so wie Liane vormacht nur durch beständige Kommunikation ändern statt durch einmal installierte Systeme.

  4. Lesewolke:

    Mal ehrlich, gerade habe ich mich von der Überraschung erholt, dass Lesewolke im Planet Biblioblog auftaucht, da wartet schon die nächste. ;-)

    Wenn Lesewolke nun schon ein Thema ist, dann schreibe ich auch etwas dazu. Mich hatte die Idee der Mädchenmannschaft, eingebracht von Silvia (Bibliothekarische Fachkommunikation, Kommtar 56), ziemlich begeistert und ich habe das eben spontan für bibliotheksrelevante Themen ausprobiert.

    Zu den kritischen Aspekten, die ich selbst so sehe: die Auswahl ist natürlich absolut subjektiv. Im “Wochenrückblick” taucht auf, was ich mindestens mittelfristig spannend finde. Ebenfalls ungünstig ist, dass es an einer Person hängt. Das heisst, kommt mir etwas dazwischen, fällt die Folge aus. Ich versuche es seit März 2010 mit dem Bloggen (ursprünglich nur wegen dem Bibliothekskongress) – Anfänger bin ich sozusagen auch noch.

    Was ich positiv sehe, sonst hätte mich das wohl nicht so begeistert, es ist recht einfach umzusetzen, wenn man sich regelmäßig informiert und interessante Dinge gleich in einem Entwurf sammelt. Spaß macht es übrigens auch.

    Gleichzeitig gut und schlecht: es wirkt nicht sehr professionell. Natürlich ist völlig klar, dass Digital Natives sich dafür wenig begeistern. Und die Inhalte sind auch nicht neu. Dafür stelle ich mir vor, dass Selten-Leser, die mit komplizerten Aufbereitungen und großen Informationsmengen überfordert wären, es bei diesem “Modell” richtig leicht haben.

  5. CH:

    Zum Delicious-Dings: Mich überzeugt das natürlich auch noch nicht. Ein paar Kritikpunkte habe ich oben schon erwähnt, Ihr habt weitere hinzugefügt. Meine Hoffnung war auch ein bißchen, durch diesen Versuch Kriterien zu finden für ein schon kurzfristig erfolgreiches und nachhaltig funktionierendes Modell.

    @Lesewolke: Subjektiv heißt nicht schlecht. Im Gegenteil (Jakob hat da ganz Recht!) ist Fachkommunikation für mich auf jeden Fall etwas, das nicht technisch gelöst werden kann, sondern immer auf dem Engagement Einzelner beruht. Über Delicious habe ich jetzt eine technische Basis für dieses Engagement ausprobiert.

    Das Digg-Prinzip ist in diesem Zusammenhang vielleicht wirklich eine Überlegung wert. Allerdings nur, wenn man es mit anderen Ansätzen mischt.


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