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Archiv: bibliothekspolitik

In Prag wurde gegen die Abschaffung freien Internetzugangs in Bibliotheken demonstriert.

About 50 opponents of the abolition of free access to the Internet in Czech libraries, which the Interior Ministry is pondering as an austerity measure, held a protest meeting in front of the ministry yesterday.

The meeting was staged by the extra-parliamentary Czech Pirate Party. It took place in spite of the ministry’s recent statement that the free access project will continue until the government decides on a different way of its financing.

Weiteres im Prague Daily Monitor.

OCLC kauft BOND. Ziel war es, die “Marktposition auszubauen”. Außerdem wird nun “zum Wohle der Bibliotheken” an “zukunftsweisenden Lösungen” gearbeitet:

Weitere positive Aspekte resultieren in dem Bereich Produktentwicklung. Gemeinsam kann verstärkt an zukunftsweisenden Lösungen für Bibliotheken im wissenschaftlichen und öffentlichen Bereich gearbeitet und der fachliche und funktionale Ausbau der existierenden und neuen Produkte zum Wohle der Bibliotheken vorangetrieben werden. „In dem sich enorm wandelnden Bibliotheksmarkt wird es zunehmend schwieriger, den hohen Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. Von der bedeutsamen Erhöhung der Ressourcen im Entwicklungs- und Dienstleistungsbereich werden unsere Kunden merklich profitieren“, ergänzte Michael König, Geschäftsführer und Inhaber von BOND, der auch innerhalb von OCLC Deutschland eine leitende Rolle übernehmen wird.

Laut Wikipedia, wo auf Erhard Kantzenbach verwiesen wird, führen “weite Oligopole” im Idealfall zu einer erhöhten Wettbewerbsintensität. Ein weites Oligopol besteht sicherlich nicht nur aus 2-3 annähernd gleichstarken Teilnehmern. Wie weit sind wir noch von einem Duopol Ex Libris und OCLC entfernt? 20071 hieß es über Universitätsbibliotheken:

Bei der Auswertung konnte man eine deutliche Marktführerschaft der Firma OCLC PICA konstatieren. Deutlich mehr als die Hälfte, genauer gesagt 63 %, verwenden einen OPAC der Firma OCLC PICA.

Ich vermute, das es aktuell für ILS, ob ÖB oder WB, nicht wesentlich anders aussehen wird.


  1. Elke Greifeneder (2007): Effektivität und Effizienz von Online-Hilfesystemen in deutschen Universitäts-OPACs, S. 45 []

DRadio Wissen macht auf eine drastische Veränderung der Informationsflüsse durch die fortschreitende Personalisierung von Webangeboten aufmerksam.

Jeder steckt in einer Filterblase, denn die virtuelle Welt, die ihm Google, Facebook und Co anliefern, ist auf seine persönlichen Vorlieben abgestimmt. Ein in sich zurückgekrümmtes System – mit fatalen Folgen.

Der komplette, sehr aufschlussreiche Podcast lässt sich auf der DRadio-Webseite nachhören. Noch etwas ausführlicher beschäftigt sich Mashable mit dem Thema. Sowohl Mashable als auch DRadio beziehen sich auf einen TED-Talk von Eli Pariser mit dem Titel Beware online “filter bubbles”“.


Ein sehr anschauliches Beispiel für solch eine “Filterblase” liefert der oben verlinkte DRadio-Podcast:

Wir werden so zu einem vormodernen Papst, der nach dem Weltbild googelt. Der Name Kopernikus taucht in den Suchlisten nicht auf. Nur ein gewisser Ptolemäus versichert uns tagtäglich: Wir, nur wir, sind der Mittelpunkt des Universums.

Aktuell gibt zum Beispiel Netzpolitik.org praktische Lebenshilfe, wie man in Facebook zumindest teilweise die Kontrolle darüber zurückerlangen kann, wessen Nachrichten man sehen kann. Wir neigen ohnehin dazu, nur das wahrzunehmen, was wir wahrnehmen möchten. Dies kann durch verstärkende Algorithmen in personalisierten Webangeboten in eine permanente Nabelschau münden. Eine Gefahr, die natürlich auch durch personalisierte bibliothekarische Angebote gegeben ist.

Sobald ein Recommender-System erwähnt wird, kommt zwangsläufig die Debatte über den Matthäus-Effekt. Auch Klassifikationen sind alles andere als neutral. Ansonsten hätte die Klassifikation für Allgemeinbibliotheken nach der Wende kaum umgearbeitet werden müssen. Kann es Aufgabe der Bibliotheken sein, diesem Trend durch auch nur scheinbar neutrale Suchsysteme entgegen zu wirken?

Die Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland (PDF) sind nun veröffentlicht. Gefordert wird ein Wechsel weg von den regional ausgerichteten Strukturen. Insgesamt sei das jetzige System nicht effektiv. Die auf den ersten Blick wichtigsten Passagen aus der dazugehörigen gemeinsamen Erklärung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrates zur Zukunft der Bibliotheksverbünde als Teil einer überregionalen Informationsinfrastruktur in Deutschland:

3 – Im Gesamtsystem der Verbünde sollte zukünftig eine primär funktional und verbindlich koordinierte Arbeitsteilung entwickelt werden. Dienste sollen verbundübergreifend in einer modernen technischen Architektur offener Systeme zentralisiert angeboten und, wenn sachlich geboten, mit einem regionalen Betrieb kombiniert werden.

Offene, zentral angebotene Dienste. In Teilen ist dies ja schon der Fall. So steht zum Beispiel das OPUS-Hosting des BSZ auch Bibliotheken außerhalb des BSZ offen.

4 – Mit einer Integration bislang regional geführter Kataloge und Dienste auf nationaler und internationaler Ebene sollen Redundanzen und eine heute so nicht mehr benötigte Komplexität der Verzeichnungsstrukturen vermieden werden.

Kann man als Plädoyer für zentrales Indexhosting betrachten, wie es auch hier diskutiert wird.

5 – Die Verbünde sollten mit ihren überregionalen Serviceanteilen in eine zukünftige bundesweite Koordination von Informationsdienstleistungen integriert sein. Dies schließt internationale Kooperationen ein.

6 – Für die Koordinierung des zukünftigen Verbundsystems ist ein Strategie- und Steuerungsgremium erforderlich, das für die Umsetzung der einzelnen Schritte im gesamten System über die erforderlichen Kompetenzen verfügt.

Hier wird es äußerst spannend. Was für ein Gremium soll das sein? Kompetenznetzwerk für Bibliotheken? Das Deutsche Bibliotheksinstitut gibt es ja nicht mehr. DNB?

9 – Mit dem intendierten Systemwechsel von einer primär regional zu einer funktional organisierten Verbund- bzw. Dienstleistungsstruktur wird eine leistungs- und zukunftsfähige überregionale
Informationsinfrastruktur für Wissenschaft und Forschung nachhaltig ausgebaut und
gesichert.

Wenn die Aufgaben zwischen den Verbünden nun nicht mehr nach Regionen verteilt sind, ist ein Hauen und Stechen bezüglich der zukunftsträchtigsten Aufgaben zu befürchten.

Auf drei Empfehlungen des Wissenschaftsrats macht Wisspub aufmerksam.

Adrian Pohl analysiert eine Aussage aus den “Übergreifenden Empfehlungen”, die sich mit zwei verschiedenen Ansätzen der Metadatenbereitstellung beschäftigt: Linked Open Data vs. WorldCat, oder: Eine Alternative, die keine ist.

Am 3. Februar soll darüber hinaus eine Empfehlung zur “Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland” veröffentlicht werden.

Die Association of Research Libraries hat im Frühling 2010 ein Forschungsprojekt begonnen, in dem die Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken in verschiedenen Szenarien durchgespielt werden soll: “Envisioning Research Library Futures: A Scenario Thinking Project”. Aktuell sind im Rahmen dieses Projekts die “ARL 2030 Scenarios” erschienen. Diese Szenarien sollen ein “User Guide” (PDF) für wissenschaftliche Bibliotheken sein, in dem vier mögliche Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden.

Scenario 1: Research Entrepreneurs

This is a future shaped by the rise of entrepreneurial research; individual researchers are the stars of the story. The path of technological developments has acted to empower researchers as creators of high-value new knowledge. Speed and innovation are rewarded by corporate sources of support. New conceptions of translating research to market have opened avenues for more entrepreneurially rooted models of business investment in research, including venture capital. Relative reductions in government funding have freed researchers to seek funding from new sources and have encouraged philanthropists to seek opportunities to influence knowledge creation by supporting researchers directly.

Scenario 2: Reuse and Recycle

This is a world where recycling and reuse predominate in research activities. Disinvestment in the research enterprise has cut across society. Ongoing scarcity of economic resources has led to an emphasis on reuse of basic research and repetitive applications of research findings to basic “business problems.” Government’s ability to fund research and research-intensive education has become limited to non-existent. As networked communication and other popular mass technologies evolve and spread knowledge widely, the perceived value of new information becomes reduced, accelerating the devaluation of the research enterprise and individual researchers.

Scenario 3: Disciplines in Charge

By 2030, research using computational approaches to data analysis dominates the research enterprise. The new research modalities prove to be powerful drivers for organizing the research enterprise to address grand research challenges and support technology evolution. As a result, scholars, whether humanists or scientists, have been forced to align themselves around data stores and computational capacity that address large-scale research questions within their research field.

Scenario 4: Global Followers

In this future the research enterprise is relatively familiar, but the cultural context that frames the enterprise shifts profoundly. Key structures such as universities, faculty, and graduate students persist, but the locus of the funding that drives the enterprise migrates from North America and developed western nations to nations in the Middle East and Asia. These Middle Eastern and Asian cultures, which are able to build technical infrastructures that catalyze breakthrough research and attract top talent, can organize the activity into projects of relevance to their societies. Existing organizations and individuals act to realign themselves with the new sources of support.

Die Szenarien werden jeweils durchgespielt am Beispiel der fiktiven Informationsspezialistin “Hannah Chen”. Wie plausibel die einzelnen Szenarien – allein oder in Kombination – sind, sei dahingestellt. Die Wichtigkeit, verschiedene Handlungs- und Reaktionsoptionen durchzuspielen, steht außer Frage. Vor allem, wer mehr als 10 Jahre bis zur Rente hat und/oder sich dem Informations- und Bibliothekswesen verbunden fühlt, sollte sich daher ohnehin Gedanken über die Zukunft der wissenschaftlichen Informationseinrichtungen machen.

Achtung: Die Szenarien sind hier nur äußerst verkürzt mit dem ersten Absatz des jeweiligen Kapitels wiedergegeben!

Weitere Infos:

Stephen Abram: The ARL Futures Scenarios
Adam Gordon: Libraries Are Showing the Way for Everyone
Jennifer Howard: 4 Very Different Futures Are Imagined for Research Libraries

Gemeinsam mit Innovative Interfaces strengt SkyRiver ein Anti-Trust-Verfahren gegen OCLC an. Aus der Pressemeldung:

In a move that could have far-reaching implications for competition in the library software and technology services industry, SkyRiver Technology Solutions, LLC has filed suit in federal court in San Francisco against OCLC Online Computer Library Center, Inc. The suit alleges that OCLC, a purported non-profit with a membership of 72,000 libraries worldwide, is unlawfully monopolizing the markets for cataloging services, interlibrary lending, and bibliographic data, and attempting to monopolize the market for integrated library systems, by anticompetitive and exclusionary practices.

Hervorhebung von mir. Zum Verfahren gibt es seitens SkyRiver auch eine Kampagnenwebseite: http://www.choiceforlibraries.com/

Bei Twitter wird das Verfahren unter dem Hashtag #skyoclc diskutiert.

[via Karen Coyle]

Verschiedene, nicht nur aktuelle Artikel zur Lage der Bibliotheken in der Wirtschaftskrise:

Die Tage der Zivilisation sind gezählt, wenn der wirtschaftliche Aufstieg nicht bald beginnt.

Library sees 11 percent increase in use

The dip in the economy has made the library more popular, and a library expansion and remodeling five years ago helped draw more users, Myers said.

Redouble or Retrench? Reacting to the Financial Crisis

Clearly, it will take more work than in the past to raise money. However, a new opportunity is there, and the money is there. I maintain that this is not the time to retrench; it is the time to redouble our efforts.

Campaign is on to save one of region’s libraries

Cllr Sir Peter Brown, the council’s communities chief, said: “We have to chop £2 million from an £8 million budget and we are looking to provide the best possible library service within that budget.”

Johnson County Library a busy place to be

“But we are also finding that the tight economy is bringing in those who are searching for jobs and career information or wanting to use computers. Many patrons are cutting back in their personal budgets and look to the library as a free resource for newspapers, magazines, and audiovisual materials as well as books that they no longer are able to or want to purchase.”

Letter: Local libraries offer a wide assortment of services

In this economy where can one go to explore the world for free? Come over to the library and see. The residents of our community do use the library, so let’s keep it going.

Die Stadt der Bücherwürmer

Erwachsene zahlen für die Ausleihe pro Jahr 20 Euro. Kinder bis 18 Jahre dürfen den Service der Stadtbücherei gratis nutzen. Vielleicht ist das auch ein Teil des Erfolges für die Neumünsteraner, denn so manche familiäre Haushaltskasse hat in Zeiten der Wirtschaftskrise durchaus mal Ebbe.

2010 19 Feb

Die Bibliothek der Zukunft

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Die uncoolen Bibliothekarinnen weisen auf einen Workshop zum Thema “Planning the library of the future” (PDF) hin:

Die diesjährige Preisträgerin des John Jacob Astor Award in Library and Information Science , Donna Scheeder, Deputy Chief Information Officer, Congressional Research Service, Library of Congress wird im Rahmen der Initative Fortbildung einen workshop zum Thema durchführen.

Die UTS Library (Sydney) hat kürzlich ein schönes Video nach Common-Craft-Art zu eben diesem Thema veröffentlicht.

Knapp fünf Minuten komprimierter Informationen, wie eine Bibliothek (eigentlich nicht nur die) heute funktionieren sollte, zum Beispiel in puncto Hierarchien (hier und da).

[via @mstephens7]

Kürzlich habe ich noch gefragt, ob und wann sich wohl die Bibliotheksverbände zu einer Unterstützung der OA-Petition durchringen können. Nun ist es zumindest bei einigen soweit:

Der Deutsche Bibliotheksverband, DINI und auch Wikimedia unterstützen nun die Open-Access-Petition.

Da die Adresse https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=7922 nicht so besonders griffig ist, gibt es übrigens eine schöne Weiterleitungsadresse: http://oapetition.de/. Diese Adresse kann man z.B. seiner Email-Signatur hinzufügen.

[via @pampel]


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