Positiv: Verschiedene Social-Bookmarking-Dienste sind integriert. Negativ: Naja, so richtig integriert sind sie eigentlich doch nicht.
Ich habe versucht, Titel in Delicious zu übernehmen (vorübergehend verfügbar unter dem Tag OBV-Test, ich lösche sie aber sicherlich irgendwann wieder). Wenn mir die Funktion angeboten wird, einen Titel in Delicious zu speichern, gehe ich davon aus, dass sich die Anbieter vorher angesehen haben, wie entsprechende Metadaten zu übergeben sind. Dies war hier offensichtlich nicht der Fall.
Speichert man einen Titel, lautet der Seitentitel im Normalfall “OBV Suche”. Weitere Angaben werden nicht übergeben. Speichert man also 30 Titel, wird man sie anschließend nicht auseinanderhalten können, ohne sie einzeln anzuklicken.
Ähnlich untauglich ist der Link, der an Delicious übergeben wird. Ich habe zwei Titel gebookmarked. Klickt man sie an, wird man feststellen, dass man beim gleichen Katalogisat landet. Gespeichert wird nämlich nicht ein präziser und permanenter Link, sondern die Suchanfrage. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Delicious-User sowohl den selben Titel als auch den selben Suchweg speichern, tendiert bei Literatur abseits von Harry Potter & Co vermutlich gen Null. Die sozialen Funktionen von Delicious werden somit raffiniert umgangen.
Bei Uraltkatalogen habe ich ja noch begrenztes Verständnis dafür, dass sie sich nicht ohne weiteres nachrüsten lassen. Bei einer Oberfläche, die vom Anbieter angepriesen wird für ihre Library 2.0 und Social Computing Eigenschaften, kann ich es aber nicht aufbringen.
Benötigt werden für die Installation auf einem eigenen Server:
Java 5 SE [1] or later
Application Server Tomcat 6.0 [2] or later recommended or see other Application Servers
Database Server MySQL 5.1 [3] or later
Man kann den Dienst jedoch auch über eine API ausprobieren. Wer hat Zugriff auf einen Katalog und traut sich, das mal einzubauen? Mich würde doch sehr interessieren, ob die Ergebnisse so viel schlechter als die von Bibtip sind. Bibtip ist ein Projekt, dass zwar aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde, aber dennoch sogar für öffentliche Einrichtungen kostenpflichtig ist. Kostenpflichtig für Hosting und Support würde ich ja noch verstehen. Wie auch immer: Easyrec wird z.B. beim Film-Shop Flimmit genutzt. Interessiert man sich z.B. für Plattfuss am Nil, wird sofort weitere Unterhaltungsware der schlagkräftigen Art angeboten (“Sie könnten auch an folgenden Produkten interessiert sein”).
Christiane Schulzki-Haddouti nimmt mir die Worte aus dem Mund:
Open Data – so nicht nur mein Blick in die Kristallkugel – wird 2010 das große Thema werden und die Entwicklung des Internet in diesem Jahrzehnt wesentlich vorantreiben.
Und nicht nur die Entwicklung des Internets, auch gesellschaftliche, künstlerische und wissenschaftliche Entwicklungen können durch Open Data maßgeblich beeinflusst oder überhaupt erst ermöglicht werden. Infos zum Reinlesen gibt es z.B. hier von Lambert Heller. Dass sich auch Bibliothekswesen damit beschäftigen müssen, sollte spätestens nach dem Durchklicken dieser Vortragsfolien von Anne Christensen klar sein:
Mobile Anwendungen für Bibliotheken werden vermutlich das heißeste Thema dieses Jahres. Beispiel gefällig?
RedLaser is an iPhone app ($1.99) that allows the user to scan barcoded items and compare product prices using the Google Product Search.
Now, the WorldCat.org Blog reports that you can scan barcoded books and get back location information (who holds the book) using the WorldCat database.
Und brandheiß flatterte via Netbib dieses wirklich beeindruckende kleine Filmchen herein:
Norwegische Wochen bei Infobib! Thomas Brevik, der Bibliotheksalchemist, hat dem Anbieter des von seiner Bibliothek genutzten Bibliothekssystems die Kündigung erteilt. Er begründet dies einerseits damit, dass KOHA mehr bietet, als das von ihm bislang genutzte ILS in absehbarer Zukunft wird bieten können. Und damit, dass damit das Open-Source-Konzept in der norwegischen Bibliothekslandschaft etabliert wird:
Norwegian libraries need to embrace open source for many reasons. The formal reason; that the government now requires public institutions to consider open source when choosing software, the financial reason; that open source means you can test and try out systems without initial costs and that the implementation cost is way smaller than any other system on the norwegian library system marketplace, and finally the ideological reason: open source embodies many of the same values that libraries are funded on, sharing, equality, access and community.
Nicole C. Engard freut sich darüber und ruft dazu auf, dieser Argumentation zu folgen:
So this is my call to you to resign from your current ILS and give Open Source a shot!!
Da reihe ich mich doch gerne ein! Was die großen Anbieter ihren Kunden, den Bibliotheken, als Kataloge anbieten, hätte ich vor fünf, sechs Jahren vielleicht als modern akzeptiert. Inzwischen ist es weitgehend indiskutabel, was wir, die Bibliotheken, infolge dessen unseren Nutzern anbieten. Dazu noch ein etwas älteres Zitat:
Ich finde es äußerst problematisch, wie sich Bibliotheken unnötig in Abhängigkeit von Firmen begeben [...] und dabei ihrer eigenen Handlungsspielräume und Fähigkeiten einschränken. “Mal schnell” etwas an der Webseite oder am OPAC ändern geht nicht dann nicht mehr so einfach und/oder kostet zusätzlich Geld.
The end user’s experience of the delivery of wanted items is as important, if not more important, than his or her discovery experience.
End users rely on and expect enhanced content including summaries/abstracts and tables of contents.
An advanced search option (supporting fielded searching) and facets help end users refine searches, navigate, browse and manage large result sets.
Important differences exist between the catalog data quality priorities of end users and those who work in libraries.
Librarians and library staff, like end users, approach catalogs and catalog data purposefully. End users generally want to find and obtain needed information; librarians and library staff generally have work responsibilities to carry out. The work roles of librarians and staff influence their data quality preferences.
Librarians’ choice of data quality enhancements reflects their understanding of the importance of accurate, structured data in the catalog.
Carsten Schulze beschreibt in seinem Blog, wie man Rezensionen via SeeAlso in den Bibliothekskatalog einbinden könnte. Er hat eine Beispielimplementation für H-Soz-u-Kult gebastelt, da deren Betreiber dankenswerterweise eine XML-Schnittstelle bereitstellt.
Alles weitere – inklusive Diskussion über weitere Schritte – findet sich in Carstens Blog.
Worum geht’s? Der Beluga-Prototyp wurde evaluiert und es kam zu teils erstaunlichen Ergebnissen. Unter anderem vermissten die studentischen Tester die erweiterte Suche, auf die scheints bewusst verzichtet wurde. Wenn man Nutzungsstatistiken von Bibliothekskatalogen betrachtet, verwundert das schon sehr.
Am Ende des Postings wird zur Mitarbeit aufgefordert:
Wie können wir eine Unterscheidung nach Thematischer Suche und KnownItem-Suche voreinstellen? Unsere eigenen Ideen dazu sind noch unbefriedigend.
Welches ist ein eleganter und gebrauchstauglicher Weg, unter Verwendung von solr eine Schnittmenge der relevantesten und gleichzeitig aktuellsten Titel zu finden?
Wer Antworten auf diese Fragen hat und/oder sich für Usability-Evaluation interessiert, sollte sich das Posting auf jeden Fall durchlesen. Es gibt nämlich auch noch eine sehr schöne Einführung in die Geschichte der Usability-Evaluation.