Zwei Sorten Journalisten…

Oliver Jungen schrieb in der FAZ:

Es gibt zwei Sorten Bibliothekare – die Hilfsbereiten und die anderen, die unermüdlich damit beschäftigt sind, den Feind abzuwehren. Die so viele Bücher wie möglich unter fadenscheinigen Argumenten aus dem Leihverkehr ziehen und am besten in Schränke verschließen, die jeden Abend heilfroh sind, wenn sie endlich die Türen verriegeln dürfen, damit ihre Schätzchen wenigstens bis zum nächsten Morgen Ruhe haben vor diesem alles betatschenden, alles durcheinanderbringenden Geschmeiß mit fettigen, ungeschickten Händen.

Es gibt auch zwei Sorten Journalisten – die Kreativen und die anderen, die unermüdlich damit beschäftigt sind, Klischees auszuwalzen. Die so viele verdrehte Wahrnehmungen wie möglich unter fadenscheinigen Argumenten in Artikel packen und am besten in Stein meißeln, die jeden Abend froh sind, wenn sie ihre Vorurteile abstauben können, damit ihre Schätzchen wenigstens bis zum nächsten Morgen Ruhe haben vor diesem alles in Frage stellenden, alles durcheinanderbringenden Geschmeiß mit fettigen, ungeschickten Händen.

Herr Jungen, es ist ja prinzipiell schön, dass sie die technische Seite der Europeana den Bibliothekaren anlasten. Zeugt es doch von einer gewissen Hochachtung vor Bibliothekaren. Doch – nun müssen Sie ganz stark sein – ist es leider so, dass Bibliothekare nicht alles selbst erledigen, was mit Bibliotheken zu tun hat. Wir entwerfen Sie nicht, wir mauern nicht ihre Mauern, wir decken nicht ihre Dächer. Für Sie vielleicht ebenfalls überraschend: Wir schreiben auch nicht die Bücher, die in Ihnen zu finden sind. Zumindest nicht alle. Und wir sind nicht für sämtliche Softwareprobleme verantwortlich, die in irgendwelchen mit “Bibliothek” bezeichneten Projekten vorkommen.

Das nur am Rande.