Elsevier schlägt Geoblocking für “Open-Access-Artikel” vor

Elsevier hat wieder einmal recht originelle Vorstellungen davon, wie die wissenschaftliche Welt aussehen sollte. Die neuesten Ideen sind in einem Traktat namens Working towards a transition to open access veröffentlicht worden. Am besten selbst lesen. Und dann den Kommentar von Björn Brembs. Wer Zeit sparen möchte (der Elsevier-Text ist allerdings wirklich nicht lang), hier ist die Kernaussage:

Europe is a region where a transition to fully gold open access is likely to be most cost-neutral and, perhaps for this reason, where gold OA currently has the highest policy focus. This is in stark contrast to other research-intensive countries such as the US, China and Japan, which on the whole have pursued the subscription/green open access path. Therefore one possible first step for Europe to explore would be to enable European articles to be available gold open access within Europe and green open access outside of Europe.

“Klar wollen wir Open Access. So ein bißchen. Also für die, die gut zahlen können.” Elsevier versucht hier wieder einmal dreisterweise, den Begriff Open Access zu verbiegen, verformen und in die eigenen Geschäftspläne einzupassen. Es ist hier wiederholt festzustellen, dass es ganz klare Definitionen gibt, was Open Access ist. In Details mögen sich diese Definitionen widersprechen. Aber ganz klar ist, dass freie Verbreitung und Wiederverwendung essentieller Bestandteil jeder Open-Access- Publikation ist. Diese Verbreitung auf einen eh wirtschaftlich privilegierten Raum einzuschränken, ist zynisch.

2 thoughts on “Elsevier schlägt Geoblocking für “Open-Access-Artikel” vor”

  1. Das ist wirklich eine sehr originelle Methode, trotz Open Access die Verbreitung zu behindern. Natürlich darf der Verlag seine Server konfigurieren, wie er es will und damit bestimmte IP-Bereiche ein- oder ausschließen: CC-Lizenzen verpflichten ihn ja nicht zur Verbreitung. Und die Lizenzen erlauben jedem die darüber hinausgehende Verbreitung. Das Perfide an der Idee ist nur, daß Benutzer hauptsächlich die Verlagsportale benutzen, um auf Material mit OA-Lizenzen (Copy-left-Lizenzen, also Lizenzen, die die Verbreitung explizit erlauben) zuzugreifen. Das erzwingt den Aufbau von Parallelstrukturen, von denen man dann wissen muß, daß man dort mehr nutzen kann als beim Verlag selbst, und es fördert den weiteren Ausbau und Betrieb von Schattenbibliotheken. Auch darin liegt Perfidie: Bei SciHub beispielsweise findet der Nutzer sowohl Material, auf das zuzugreifen er berechtigt ist (das wäre bei geobeschränkten OA-Inhalten von Elsevier der Fall), als auch solches, das ihm nicht zur Verfügung stehen dürfte – was er aber nicht auf den ersten Blick unterscheiden kann und damit auf subtile, perfide Weise der Bereich ausgeweitet wird, in dem der Benutzer wissenschaftlicher Literatur eventuell nur schlechten Gewissens unterwegs ist.

    1. Im Elsevier-Text steht nichts von CC-Lizenzen. Vermutlich wird Elsevier diese “Open-Access”-Artikel (wie ACS oder OSA) unter einer selbstgebastelten “Open-Access”-Lizenz veröffentlichen, die genau das verbietet.

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