Ist der b2i-Guide zeitgemäß?

Über den Sinn und Unsinn von Virtuellen Fachbibliotheken kann man vortrefflich streiten. Der b2i-Guide bietet dazu auch reichlich Angriffsfläche. Gerade eine Virtuelle Fachbibliothek der Bibliotheks- und Informationswissenschaften sollte auf modernste Techniken und einen umfassenden Offenheitsanspruch setzen. Dazu gehörten eigentlich:

  1. Tagging / Folksonomien
  2. RSS-Feeds für …
    1. Tags
    2. Kategorien
    3. Personen / Organisationen
    4. kurz: alles mögliche, möglichst selbst erstellbar
  3. OPML-Dateien, auch möglichst dynamisch generierbar
  4. Personalisierbare Startseite

Dies sind nur ein paar Punkte, die mir spontan eingefallen sind.

Statt dessen scheint die einzige sichtbar dynamische Komponente die Einbindung der Linkanzahl zu sein (“b2i Guide enthält derzeit 806 Einträge”) und wir haben hier mal wieder eine Webseite mit Frameset (ist das eigentlich Pflicht, um einen DFG-Antrag genehmigt zu bekommen? Auch Vascoda operiert technisch noch in den Endneunzigern), deren einzelne Frames mit den Bezeichnungen “navwin” und “mainwin” bezeichnet sind. Wenn man schon unverständlicherweise nicht ohne Frames auszukommen meint, sollte man sich mindestens an die BITV halten. Ich zitiere aus der Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV), Anlage 1, Anforderung 12.1:

Bedingung 12.1
Jeder Frame ist mit einem Titel zu versehen, um Navigation und Identifikation zu ermöglichen.

Wen kann man dafür verhaften? Die Verdächtigen:

  1. Das Bibliotheksportal KNB mit einer netten Typo3-Seite. Funktioniert out of the box, da kann man nicht viel falsch machen.
  2. Der Fachbereich Informationswissenschaften an der FH Potsdam: Dito, ebenfalls Typo3.
  3. Die SUB Göttingen hat auf ihrer Seite zwar auch ein extrem verlinkungs- und benutzerunfreundliches Frameset, verwendet aber wenigstens brauchbare Frame-Bezeichnungen.
  4. Die Buchwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg verwenden ebenfalls Frames, verzichten allerdings auf BITV-konforme Bezeichnungen. Besonders unschön dort: “Die Homepage ist optimiert für Windows IE und Netscape 6.”. Klickt man auf der dortigen Startseite auf “Homepage FAU” erscheint die Startseite der Universität im Frameset des Fachbereichs. Soll das die Machtverhältnisse an der Uni widerspiegeln, oder ist das einfach dilettantisch?

Wo ich schon mal dabei bin, noch ein wenig kleineres Gemeckere:
Es gibt im b2i-Guide (Ob die Fördermittel nicht für einen Bindestrich im Titel gereicht haben? Auf den Guide-Seiten selbst ist überall vom “b2i Guide” die Rede. Nur Kristine Hillenkötter macht es auf der Startseite richtig.) selbst kein Impressum, wenn ich das richtig gesehen habe.

Wäre es nicht wesentlich sinnvoller, in Zukunft ehrlicherweise ganz auf ViFas zu verzichten und statt dessen einfach OPML-Dateien ins Netz zu stellen, die von jedem auf alle nützlichen Arten und Weisen verarbeitet werden können? Dazu ein Blog, das die Handhabung und Änderungen erklärt, und mehr braucht ein technisch versierter Bibliothekar nicht, um daraus einen sehr brauchbares ViFa-Substitut maßzuschneidern.

Patrick Danowski meinte sehr passend zum bi2-Guide:

Für mich persönlich gibt es aus wissenschaftlicher Sicht noch keinen Anreiz das Portal zu besuchen, aber vielleicht werden ja bis zum Bibliothekskongress weitere Komponenten online gestellt, die das Projekt attraktiver machen.

Letzteres hat Hans-Christoph Hobohm in einem Netbib-Kommentar in Aussicht gestellt:

Dennoch werde ich alles dran setzen, […] Minimalangebote wie RSS, Weblog u.a. auch in diesem Projekt durchzusetzen.

Und:

Für den BID Kongress ist noch mehr geplant.

Für ein abschließendes Urteil ist es also zu früh. Um nicht nur mich vom Sinn einer ViFa zu überzeugen, muss aber noch sehr viel mehr passieren als einige kosmetische Zugeständnisse an aktuelle Kommunikationsformen.