Buchverbrennung in Kalifornien wurde abgesagt

Sarah K. Burris beschrieb eine  Buchverbrennung in Kalifornien, die für den 19. August 2017 geplant war und “aus Angst vor der Linken” abgesagt wurde:

“This includes literature of Marxism, Communism, Bolshevism, literature with liberal, democratic tendencies/attitudes, and writings supporting the decline of Western Culture,” the event description read. “Books on sexuality and sexual education which serves to indoctrinate the life of degeneracy, such as Cosmo and Teen Vogue should be brought to the fire as well. We will also burn the Koran, publications such as Karl Marx, and more. We must create a future without degeneracy for our children.”

Degeneriertes, Entartetes. Sowas muss natürlich verbrannt werden. Der Organisator wollte damit aber auf keinen Fall diese Literatur vernichten, man sei auch gegen Zensur.

“The event was in no way intended to eradicate these publications, more a symbolic way of showing that we do not approve of what is being taught to our children and maybe that should have been made clearer, I do not endorse the censorship of literature or personal political views in any way.”

Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

Rassentrennung in der Bibliothek (60er)

“Das ist nun einmal der Stand der Dinge”, bekommt die Afroamerikanerin Dorothy Vaughan in der Bibliothek zu hören, als sie in der Sektion für Weiße nach einem Buch sucht, das es in der für sie vorgesehenen nicht gibt. Wegen der Übertretung der Rassengrenze wird sie aus der Stadtbibliothek geschmissen. Das Buch über Fortran hat sie aber heimlich eingesteckt, immerhin habe auch sie es mit ihren Steuern bezahlt, erklärt sie ihren Söhnen. Damit kann sie sich daran machen, ihren Teil zur Raumfahrtgeschichte beizutragen.

Kontext auf Heise.de.

Trump will geisteswissenschaftliche Förderung beenden

Henning Lobin schreibt in der Engelbart-Galaxis über die drohende Abschaffung der US-Bundesförderung der Geisteswissenschaften:

Pünktlich zur Vereidigung von Donald Trump zum 45. amerikanischen Präsidenten wurde bekannt, dass seine Regierung beabsichtigt, den National Endowment for the Humanities (NEH) aufzulösen. Der NEH hat seit 1965 jährlich zuletzt 148 Mio. Dollar an Mitteln für Forschungsprojekte in den Geisteswissenschaften vergeben, aber auch für Stipendien und Fellowships, die Förderung von indigener Kultur, zur Bewahrung kulturellen Erbes, für Digital Humanities und Medienproduktionen zur kulturellen Bildung. Damit ähnelt die NEH der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), geht aber in seiner Förderung über die Programme der DFG hinaus.

Am 19.1.2017, am Tag vor dem Inauguration Day, meldete die Washingtoner Zeitung The Hill, dass die Trump-Regierung dramatische Einschnitte im kulturellen Bereich plant. Neben dem NEH soll auch der National Endowment for theArts (NEA), spezialisiert auf die Förderung von Kunst und Literatur in gleicher finanzieller Größenordnung,aufgelöst werden. Außerdem ist geplant, die 1967 gegründete Corporation for Public Broadcasting zu privatisieren. Der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk wird in den USA zuletzt etwa in der gleichen Höhe gefördert wie allein der Hessische Rundfunk in Deutschland. Auch der NEH schwimmt nicht gerade im Geld: Die DFG hat 2015 für das wesentlich kleinere Wissenschaftssystem in Deutschland den Geistes- und Sozialwissenschaften 345 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Allerdings muss man dabei auch berücksichtigen, dass in den USA die Forschungsuniversitäten erheblich finanzstärker sind als in Deutschland und viele Projekte deshalb auch in Eigenregie finanzieren können.

In den Kommentaren findet sich noch ein Hinweis auf einen MDR-Artikel über Trumps Verhältnis zu den Wissenschaften insgesamt – das Verhältnis der Trump-Regierung zu Fakten und Realität scheint eh schwer gestört.

Carla Hayden wird heute Librarian of Congress

Carla Hayden wird heute 14. Librarian of Congress.

Hayden will be the first woman and the first African-American to lead the national library since its inception in 1800. She’s the longtime CEO of the library system in Baltimore. She’s also just the third professional librarian to get the job.

Wer neben diesen fünf Fakten über Carla Hayden noch etwas zum Erzählen für den nächsten Bibliotheksstammtisch benötigt: Sie leitete ab 1991 die Enoch Pratt Free Library, in der Tupac Shakur einige Jahre zuvor einen Jugend-Rap-Wettbewerb gewann.

Shakur and Smith’s winning performance opened with Shakur declaring, “Yo’ Enoch Pratt, bust this!” and urging Baltimoreans to get library cards. They told kids to stay in school, learn to read, and “get all the credits that you need.” (Shakur’s handwritten verses now reside in the Pratt’s Special Collections archive, alongside works by H.L. Mencken and Edgar Allan Poe.)

Öffentliche Bibliothek 3d-druckt Handprothese für Fünfjährige

Eine Nachricht, die eigentlich positiv klingt, aber eigentlich eher zum Nachdenken über das US-Gesundheitswesen anregen sollte: Ein Mädchens muss sehr lange auf eine benötigte Handprothese warten, die Mutter kontaktiert die Harris County Public Library, die einen 3D-Drucker hat. Und mit Hilfe der Organisation N-Able wird tatsächlich eine funktionstüchtige Prothese gedruckt. Mehr Infos gibt’s in der Washington Post.

Un-safe Harbor

Ein datenschutzrechtliches Erdbeben: Das Safe-Harbor-Abkommen ist ungültig, so urteilte der Europäische Gerichtshof.

Mehr Infos:

Neben den überall erwähnten großen Firmen wie Apple, Facebook oder Google stehen bestimmt auch einige Firmen auf der Liste, die zumindest für die bibliothekarische Fachgemeinde nicht unwichtig sind, Thomson Reuters zum Beispiel.

Happy Birthday für uns alle

Aus der SZ:

Der Konzern Warner/Chapell hatte bisher Lizenzgebühren verlangt, wenn das Lied “Happy Birthday to You” bei öffentlichen Aufführungen oder in Filmen oder Fernsehsendungen verwendet wurde. 1,8 Milliarden Euro kamen dadurch jährlich zusammen. Doch diese Einnahmequelle dürfte nun versiegen. Denn einem aktuellen Gerichtsurteil zufolge besitzt das Unternehmen keinerlei Urheberrechte an dem Lied, sondern lediglich an verschiedenen Klavierversionen, so das Gericht. Tatsächlich habe niemand innerhalb der vergangenen 80 Jahre das Recht gehabt, Lizenzgebühren zu verlangen.

Weitere Infos gibt es u.a. im Guardian.

Nächstes Ziel: Micky Maus.

US-Bibliothekare wehren sich gegen Überwachung

Alison Macrina und April Glaser beschreiben, wie sich “radikale Bibliothekare” oder “Ninja-Bibliothekare” dafür einsetzen, dass die Daten ihrer Nutzer geschützt bleiben:

Librarians in Massachusetts are working to give their patrons a chance to opt-out of pervasive surveillance. Partnering with the ACLU of Massachusetts, area librarians have been teaching and taking workshops on how freedom of speech and the right to privacy are compromised by the surveillance of online and digital communications — and what new privacy-protecting services they can offer patrons to shield them from unwanted spying of their library activity.

Zum BoingBoing-Artikel: Radical Librarianship: how ninja librarians are ensuring patrons’ electronic privacy.