Offene Gesetze für alle

“Nicht alle Helden tragen Capes!” heißt es. Ob dies bei der Open Knowledge Foundation Deutschland der Fall ist, weiß ich nicht. Superheldenkräfte oder zumindest gute Anwälte werden jedoch in näherer Zeit vermutlich benötigt werden, um dem juristischen Ärger zu entgehen, den man sich dort eingebrockt hat. Die OKFN hat es tatsächlich gewagt, das Bundesgesetzblatt im Internet zu veröffentlichen. Damit sind die Gesetze endlich in dem Organ für alle verfügbar, in dem sie zum Inkrafttreten erscheinen müssen.

Man könnte denken, das sei selbstverständlich in einer Demokratie.

Wer juristischen Lesestoff benötigt, kann sich nun also auf OffeneGesetze.de bedienen.

Ein neues Institut für “Eigentum und Urheberrecht in der Demokratie”

An der HU Berlin wurde das Humboldt-Forschungsinstitut Eigentum und Urheberrecht in der Demokratie eröffnet. In der ersten Pressemitteilung heißt es:

Forschungsziel ist das Zusammenwirken von Urheberrecht und Demokratie. Dabei liegt der Fokus auf der Bedeutung des geistigen Eigentums als wesentlicher Bestandteil einer freiheitlich verfassten Gesellschaftsordnung.

Die unabhängige Forschung des Instituts ist gewährleistet durch die 250 Förderern und einen wissenschaftlichen Beirat, dem unter anderem
Christoph Keese und Michael Hanfeld angehören. Über letzteren schrieb Stefan Niggemeier:

Das einzige, was für diese Leute jetzt noch akzeptabel ist, ist eine hundertprozentige Unterstützung der Verleger-Forderungen. Wer sie im Prinzip unterstützt, aber es wagt, auf Probleme oder mögliche Kollateralschäden hinzuweisen, muss sich vorwerfen lassen, die freie Presse im Grunde abschaffen zu wollen.

Geleitet wird das Institut von Eva Inés Obergfell, die sich vor dem Rechtsausschuss des Bundestages für das Leistungsschutzrecht ausgesprochen hatte. Wer mehr über die Ausrichtung des Instituts in Erfahrung bringen möchte, kann sich die Gastbeiträge zu Gemüte führen.

Welcher Art werden Publikationen unter dem edlen Humboldt-Label zum Leistungsschutzrecht in Zukunft wohl sein?

Houston Public Library verklagt wegen Dragqueen-Vorlesung

Eine Gruppe von “‘Christ followers,’ taxpayers and card-carrying library patrons” hat die Houston Public Library verklagt, weil in der Bibliothek Lesungen von Dragqueens abgehalten wurden. In der Klage geht es anscheinend um die Verletzung der Religionsfreiheit.

Den Kindern auf einem Foto der Lesung scheint’s auf jeden Fall gefallen zu haben. Das Foto und mehr Informationen gibt es in diesem Artikel hier.

Call for Papers: Open Science Conference 2019

Die Open Science Conference 2019 findet am 19. und 20. März 2019 in Berlin statt.

The Open Science Conference 2019 is the 6th international conference of the Leibniz Research Alliance Science 2.0. It is dedicated to the Open Science movement and provides a unique forum for researchers, librarians, practitioners, infrastructure provider, policy makers, and other important stakeholders to discuss the latest and future developments in Open Science.

The Open Science movement made substantial progress and receives increasing recognition in the research system. The achievements of the European Open Science Cloud (EOSC) and the FAIR data movement are only two popular examples for this development. However, establishing open science practices as natural component of daily scientific working routines is still a great challenge. Furthermore, the open movement is facing negative trends such as ‘predatory science’ that recently gained broader public attention.

Within this context, this call invites the research community as well as further important stakeholders of the open science movement to submit project presentations and other contributions covering topics including (but not limited to):

· Recent innovations in infrastructures, technologies, and tools supporting open science practices
· Best practices dealing with open science implementation and education
· Empirical studies and use cases about the application, acceptance, establishment, and improvements of open science practices
· Quality assurance in an open science system, e.g., in the context of ‘predatory science’

Please submit your English abstract which describes the main idea, the practical relevance, and its innovative and/or scientific impact. The abstracts may not be longer than 500 words and must be in anonymous format (e.g. no author names) to enable blind review. All contributing authors must be added in the metadata of the submission system.

All submissions will be peer-reviewed by the members of the programme committee and a review board. Authors of accepted abstracts will be invited to present a poster at the conference. The most outstanding contributions can also be presented as lightning talk. The abstract, the poster, and the lightning talk must be submitted and presented in English.

To also contribute to the open science movement, the programme committee will publish the scientific justification for acceptance on the conference website. All accepted posters (including the abstract) and corresponding lightning talks will be displayed on the conference website, too.

Please send your submission as PDF document via EasyChair (requires free EasyChair account): https://easychair.org/conferences/?conf=osc2019

Important dates
· Abstract submission deadline: October 12, 2018
· Notification of acceptance / rejection: December 7, 2018
· Final submission of abstract, poster, and lightning talks: February 08, 2019
· Conference dates: Berlin (Germany), March 19–20, 2019

Vollständig und anklickbar: http://www.open-science-conference.eu/call2019

Neues aus der OpenGLAM-Szene

Im OpenGLAM-Bereich (Galleries, Libraries, Archives, Museums) wird zur Zeit wie wild diskutiert und publiziert. Da man mit dem Rezipieren kaum noch hinterher kommt, möchte ich hier nur schnell die drei lesenswertesten Veröffentlichungen aus der letzten Zeit aufführen.

Zuerst wäre da die Bestandsaufnahme zur Kulturgutdigitalisierung in Deutschland zu nennen, der man schon jetzt viele, viele Zitierungen prophezeien kann. Ein Auszug aus dem Abstract:

[Es] erfolgt zunächst eine Erhebung des Status Quo: einerseits zur bisherigen Digitalisierung in den Gedächtnisinstitutionen und den (fehlenden) Kennzahlen, andererseits zu den Förderaktivitäten und dem politischen Diskurs auf Bundes- und Länderebene. Anschließend werden konkrete Handlungsvorschläge aus fachwissenschaftlicher und institutioneller Perspektive zu Umfängen und Herangehensweise gemacht. Aus fachwissenschaftlicher Sicht gehen die Handlungsvorschläge von den zu erforschenden Medientypen aus, daher werden zunächst konkrete Anforderungen an text- und bildbasierte Digitalisate sowie audio-visuellen Medien formuliert, aber auch Anforderungsklassen für eine medienunabhängige, allgemeine Digitalisierung abstrahiert. Da die Zweige der Gedächtnisinstitutionen – Bibliotheken, Archive sowie Museen – ganz eigene Voraussetzungen mitbringen, was die Objekte selbst, aber auch den Stand ihrer Erschließung und Digitalisierung angeht, werden diese jeweils getrennt betrachtet. Ergänzt wird dieser Teil um einige Use Cases, die beispielhaft das Potential solch einer programmatischen Digitalisierung und damit einhergehend der Erschließung von Kulturgut herausstellen.

Klaffki; Lisa; Schmunk; Stefan; Säcker; Thomas (2018): Stand der Kulturgutdigitalisierung in Deutschland. Eine Analyse und Handlungsvorschläge des DARIAH-DE Stakeholdergremiums Wissenschaftliche Sammlungen (DARIAH-DE working papers, 26). Online verfügbar unter http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:7-dariah-2018-1-3.

Kaum zu Ende gelesen, wird man auf Twitter auf das Impulsreferat von Ellen Euler zum Projekt Museum 4.0 aufmerksam. Die dazugehörigen Folien sind auf Zenodo veröffentlicht.Damit nicht genug: Hubertus Kohle veröffentlichte gerade gestern seine OA-Monographie “Museen digital : eine Gedächtnisinstitution sucht den Anschluss an die Zukunft”, das nun erst einmal gelesen werden möchte.

Insbesondere Museen im angelsächsischen Bereich verstehen immer besser, dass sie sich in einer medial modernen Form präsentieren müssen, wenn sie auch ein jüngeres Publikum für sich einnehmen wollen. Internet, soziale Medien, Virtual und Augmented Reality, Open Culture: das sind Schlagworte, die auch im Museumskontext immer mehr Bedeutung erlangen. In diesem Buch werden Kunstmuseen vorgestellt, die sich dem Digitalen auf besonders kreative Weise nähern und damit sowohl ihrem Bildungs- als auch ihrem Unterhaltungsauftrag gerecht zu werden versuchen.

Kohle, Hubertus (2018): Museen digital. Eine Gedächtnisinstitution sucht den Anschluss an die Zukunft. Heidelberg: Heidelberg University Publishing. DOI: https://doi.org//10.17885/heiup.365.515

DORA-Interview mit Springer-Nature-Herausgeber Philip Campbell

To celebrate DORA’s fifth anniversary, we are hosting a four-part interview series to discuss good practices in research assessment and to better understand how to create effective change in the community. Our third interview is with Sir Philip Campbell, Editor-in-Chief of Springer Nature. He will answer questions about role that publishing plays in research evaluation. DORA Steering Committee Chair, Prof. Stephen Curry will moderate the interview. Participants will have an opportunity to ask questions at the end.

Registrierung und weitere Informationen gibt’s bei Eventbrite.

Problematische Aspekte bibliometrie-basierter Leistungsbewertung

Die zur Zeit unter dem problematischen Begriff “Fake Science” geführte Debatte fokussiert sich bisher auf die Sensationalisierung einzelner Symptome des Wissenschaftsbetriebs, die sich in teils fragwürdigen Publikationen in meist wenig relevanten “Papergräbern” äußern. Hierbei wird die Chance vertan, systemische Fehlanreize zu diskutieren. Statt dessen riecht es recht streng nach dem Zombie “Heidelberger Appell”, dessen Auferstehung viele Repository-Manager mit längst geführten Debatten um wertvolle Arbeits- und Lebenszeit bringen könnte.

Ich habe mich daher entschieden, einen eigentlich nicht zur Veröffentlichung bestimmten Text zu veröffentlichen, der darüber hinaus eigentlich noch längst nicht fertig ist. Es geht darin um “Problematische Aspekte bibliometrie-basierter Leistungsbewertung” (Arbeitstitel). Abstract:

Bibliometrie dient oftmals als Grundlage für die Beurteilung wissenschaftlicher Leistung. Dazu werden verschiedene Metriken und Indikatoren verwendet, die zur Vermessung von Publikationen oder des Outputs von Forschenden gedacht sind. Die Eignung der verwendeten Kennzahlen ist strittig. Oft ist es klar, dass sie völlig ungeeignet sind. Dennoch dienen sie nach wie vor als Grundlage, um über die Karrieren von Forschenden und somit über ihre individuelle Zukunft, aber auch die Zusammensetzung der Akteure in der Wissenschaftslandschaft zu entscheiden. Dies führt zu verschiedenen ethischen und auch ökonomischen Problemen. Initiativen wie die San Francisco Declaration of Research Assessment (DORA) versuchen, diesen Fehlentwicklungen entgegen zu wirken.

Es handelt sich bei diesem Text im Wesentlichen um eine literaturbasierte Auseinandersetzung, um eine Erkundung des Themenfeldes. Mir geht es mit der Veröffentlichung des Textes vor allem darum, ein wenig Aufmerksamkeit von den Symptomen auf die Ursachen der aktuell diskutierten Situation zu lenken. Ich hoffe auf konstruktives Feedback zur Verbesserung des Textes. Daher möchte ich an dieser Stelle auf die Möglichkeit hinweisen, den in E-LIS veröffentlichten Text via Hypothes.is zu kommentieren.

Zur Debatte selbst möchte ich übrigens diesen Kommentar von Uli Blumenthal im Deutschlandfunk (mp3) empfehlen.

Drei Jahre “The Metric Tide” – Responsible Research Metrics in UK

Gestern wurde der Bericht “UK Progress towards the use of metrics responsibly: three years on from The Metric Tide report” (PDF) des UK Forum for Responsible Metrics veröffentlicht.

Executive Summary (S. 4-5, CC BY):

Over the last five years the use, and abuse, of metrics in research assessment has been in sharp focus, with three major frameworks – the San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA), the Leiden Manifesto and The Metric Tide – all calling for a step change in the culture of metrics use.

The UK Forum for Responsible Research Metrics (FFRRM) was established in September 2016, and provides advocacy for the UK higher education sector on the use of research metrics responsibly. This report outlines the work of the FFRRM to date, Professor James Wilsdon reflects on progress made in the UK since the independent review of metrics titled The Metric Tide which he chaired in 2015, and the newly appointed Chair of the FFFRM, Professor Max Lu (Vice-Chancellor at the University of Surrey) provides a forward look, outlining the FFRRM’s priorities and next steps.

The FFRRM’s work to date has focused on advising the Research Excellence Framework (REF) 2021 panels on the use of metrics in the research assessment exercise in the UK; developing a set of principles on the governance, purchasing and operation of research infrastructure; and facilitating discussion regarding the culture and the use of research metrics in UK institutions.
The key aim of this report is to reflect the recent discussion, and results from a survey conducted by the FFRRM, about the existing culture of the use of research metrics. The FFRRM hosted a successful event in February 2018 titled ‘The turning tide: a new culture of research metrics’. Over 140 attendees joined, from a variety of stakeholder groups. From the event, it is clear that the UK HE sector wishes to change the existing culture, but that implementing change is multifaceted, and challenging. The three panel sessions brought together stakeholders to discuss the existing frameworks implementation and impact on the culture of research metrics, the researcher’s perspective, and the wider implications of the use of metrics.

The discussion at the event shows that although the UK is engaged, more work needs to be done to share practice and instigate change – it was agreed that this is not a straightforward task. Professor James Wilsdon, who chaired The Metric Tide review, reflects that we are making steps in the right direction, but more effort is needed to embed principles in institutions, to develop better indicators and to foster more sensitive management frameworks.

Professor Max Lu, the newly appointed chair of the FFRRM sets priorities for the group and outlines next steps. He highlights that the FFRRM have a leadership and advocacy role to guide the sector on the use of metrics responsibly. There is a need for better understanding of what works and why. The FFRRM will define communities of practice, and engage with international networks to steer the policy development for the sector.

The FFRRM are delighted to launch this report at the Euroscience Open Forum 2018 (ESOF) event today, with two members talking about how we can use metrics to support open research. This marks the beginning of the FFRRM’s international discussions.

UK Forum for Responsible Metrics 2018. UK Progress towards the use of metrics responsibly: three years on from The Metric Tide report. URL: https://www.universitiesuk.ac.uk/policy-and-analysis/research-policy/open-science/The%20Forum%20for%20Responsible%20Research%20Metrics/UK%20progress%20towards%20the%20use%20of%20metrics%20responsibly%2010072018.pdf [Stand 2018-07-11].

Die schwer zugängliche Informationsgerechtigkeit

Hans-Christoph Hobohm hat 2015 in seinem Blog ein Vorwort veröffentlicht, dass er für die im Simon-Verlag veröffentlichte Bachelorarbeit von Leyla Dewitz schrieb. Wer versucht, das Buch (“Diversität als Basis für Informationsgerechtigkeit“) zu bekommen, mag diesen Auszug interessant finden:

Aktuelle politische Entscheidungen etwa die Abschaffung des Sammelauftrags der deutschen verteilten Nationalbibliothek der Sondersammelgebiete und deren Umbau auf die aktuellen Kundenwünsche folgen genau diesem erfolgreichen Filterblasen-Prinzip aktueller digitaler Großkonzerne und werden damit mittelfristig sicher betriebswirtschaftlich erfolgreich sein. In der aktuellen Umbruchphase in Richtung auf die „nächste Gesellschaft“ (Dirk Baecker) könnte sich eine solche Vorgehensweise jedoch als Irrweg erweisen. In Krisensituationen ist es manchmal ratsam, sich die ursprünglichen Funktionen und Aufgaben einer Aktivität oder Institution vor Augen zu führen. Informations- und Bildungsarbeit durch Bibliotheken und Fachinformationseinrichtungen sammelt eben nicht nur vergilbtes Papier, sondern gewährleistet Zugang zu Informationen und Wissen nach Möglichkeit ohne kommerzielles Interesse, ohne eingeschränkte Weltsicht im Hinblick auf eine umfassende und vor allem nachhaltige Nutzung.

Interessant – und passend – ist der Abschnitt, weil das Buch im gesamten GBV nur ein einziges Mal zu finden ist, nämlich in der Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Bremen. Man könnte an dieser Stelle auch darüber nachdenken, dass ein Buch, dass sich dem Zugang zu Informationen widmet, folgerichtig als Open-Access-Publikation hätte veröffentlicht werden können. Das nimmt der Beobachtung Hobohms aber nichts. Zumindest gefühlt hat die Diversität der Bestände abgenommen. Es wäre interessant zu prüfen, ob meine Vermutung den Tatsachen entspricht. Wie ist es um die Erwerbung von Büchern aus Kleinverlagen bestellt, heute und vor 15 Jahren? Wieviel Prozent des Etats fließen heutzutage an die Großverlage und Oligopol-Angebote wie Springerlink oder die Onleihe?