Bundesgerichtshof: Adblocker bleiben auch in Deutschland erlaubt

Tagesschau.de:

Das Anbieten von Werbeblockern im Internet ist zulässig – das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Der Springer-Konzern will nun dagegen Verfassungsbeschwerde einlegen.

Auch, wenn manche Webseiten aufgrund der Werbung kaum zu ertragen sind, ist das nicht der Hauptgrund für die Notwendigkeit von Adblockern. Denn mit der Werbung blockt man auch gleich zahlreiche Überwachungsinstrumente. Adblocking ist eine aktive Schutzmaßnahme für die Privatsphäre.

Wo sind all die Blogsuchmaschinen hin?

An Technorati, die meines Erachtens immer noch beste Blogsuchmaschine aller Zeiten, erinnern sich vermutlich nur noch ein paar uralte Blog-Opas und -Omas. Einst ein heißes Thema, das viele Mitbewerber anzog, ist die Blogsuche nunmehr quasi tot. Auch andere spezialisierte Suchmaschinen geben nach und nach auf. Der letzte Kandidat, den es getroffen hat: Twingly. Jürgen Plieninger schreibt drüben auf Netbib ganz richtig, dass es kein ernsthaftes Werkzeug speziell zur Suche nach Blogs und deren Inhalten mehr gibt:

Was gibt es für Alternativen? Google bietet in seinen Alerts auch die Auswahl „Blogs“ und hatte damals, als es seine Blogsuchmaschine geschlossen hat, darauf hingewiesen, dass man sich ja dort in diesen Index aufnehmen lassen könnte. Nun, wer das ausprobiert, hat lediglich Advertisingblogs in der Ergebnisliste.

Dies ist ein herber Verlust, auch für die Meinungsvielfalt. Wie das von Jürgen verlinkte Albatrosblog bemerkt:

Die Suchmaschine als eine Konstruktion des Webs zeigt die Blogs nicht mehr als eigene Kategorie, die es wert wäre, gesondert wahrgenommen zu werden. So folgen die Blogs den Wikis, die – mit Ausnahme der Wikipedia – ja auch schon lange nicht mehr in den Suchmaschinen auftauchen. Nach oben gespült wird das, was mit Suchmaschinenoptimierung gepusht wird, ganz unabhängig von Format und Qualität.

Das ganze erinnert ein wenig an die Verdrängung von RSS durch Google (und Mozilla). Ist hier ein Muster zu erkennen? Eine kleine Verschwörungstheorie:

  1. Google entdeckt einen Trend im Web. Zum Beispiel Blogs und Blogsuchmaschinen.
  2. Google baut einen Dienst (z.B. Google Blogsuche) auf, der dem Nischenmarktführer Konkurrenz machen kann
  3. Das neue Googleprodukt verdrängt den kleinen Nischenmarktführer und weitere Konkurrenz.
  4. Nachdem die Nische eingenommen ist, wird der Dienst noch ein wenig weitergeführt.
  5. Nach einiger Zeit wird der Dienst in vorhandene Produkte (in diesem Fall die Google-Suche) integriert oder ganz aufgegeben.

In der Folge existiert die Nische nicht mehr, der Markt ist wieder homogener. Google hat wieder ein massenmarkttaugliches Produkt, und muss sich nicht darum sorgen, dass wichtige Zielgruppen sich mit der Konkurrenz beschäftigen.

Diese Strategie funktioniert natürlich nicht immer. Google+ war von Anfang an ein Schuss in den Ofen und konnte Facebook, Twitter und Co nicht ansatzweise Konkurrenz machen. Man denke auch an Rohrkrepierer wie Google Keep, das vielleicht Evernote marginalisieren sollte. 1) Nebenbei bemerkt scheint es mir erstaunlich, dass es Google Keep immer noch gibt! Wird das in der echten Welt benutzt?

Ob es sich so oder ganz anders verhält: Die Vielfalt der Spezialsuchmaschinen lässt arg zu wünschen übrig. Umso wichtiger, dass alternative Suchmaschinenanbieter wie Duckduckgo stärker in den Fokus geraten und auch in bibliothekarische Veranstaltungen als Alternative genannt werden. Das wird Googles Marktanteile nicht ins Wanken bringen. Aber ich denke, wir sind es unseren Nutzern schuldig, dass sie sich zumindest in Bibliotheken – als nicht-kommerziellem Rückzugsort – über Alternativen zu Informations-Quasimonopolisten informieren können.

References   [ + ]

1. Nebenbei bemerkt scheint es mir erstaunlich, dass es Google Keep immer noch gibt! Wird das in der echten Welt benutzt?

Bayeux – Bastelset für mittelalterlich erscheinende Dokumente

Wer auf die Schnelle ein Dokument erstellen möchte, dass gar mittelalterlich erscheint, kann dafür das Historic Tale Construction Kit Bayeux verwenden. Ob man Historiker damit überzeugen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber immerhin kann man damit solch überzeugende Fälschungen wie diese hier herstellen:

Facebook, Cambridge Analytica, BigBrotherAwards

Die Schweinigeleien von Facebook und Cambridge Analytica sind in aller Munde. Laut aktuelleren Nachrichten soll Cambridge Analytica sogar Zugriff auf private Nachrichten gehabt haben:

The data consulting firm Cambridge Analytica, which harvested as many as 87 million Facebook users’ personal data, also could have accessed the private inbox messages of some of those affected. Facebook slipped this previously undisclosed detail into the notifications that began appearing at the top of News Feeds on Monday. These alerts let users know whether they or their friends had downloaded a personality quiz app called This Is Your Digital Life, which would have caused their data to be collected and potentially passed on to Cambridge Analytica.

Eine knappe Analyse des Vorgangs liefert Frank Rieger, der die Zerschlagung Facebooks fordert.

Es sollte aber auch schnellstmöglich ein Gesetz erlassen werden, das Facebook & Co. zwingt, in Echtzeit offenzulegen, wer wieviel für welche Inhalte bezahlt und nach welchen Kriterien genau personalisiert und gezielt ausgeliefert wird. Diese Förderung zielt natürlich ins Herz des Geschäftsmodells der Plattformen. Aber wir stehen vor der Wahl ob wir die Funktionsfähigkeit der Demokratie dem Gewinninteresse einiger Silicon-Valley-Giganten opfern wollen – oder lieber nicht. Die Entscheidung sollte nicht schwer fallen.

Wie sehr den Dauerregierungenden der C*U das Wohl der Bevölkerung am Herzen liegt, sieht man an ihrer Wertschätzung des Datenreichtums (siehe auch Neusprech.org), auch wenn sich der Wolf inzwischen einen modischen Schafspelz zugelegt haben mag.

Wer einen informativen Abend damit verbringen möchte, die größeren Datenschutz- und Überwachungsskandale des letzten Jahres zusammengefasst präsentiert zu bekommen, sollte sich am Freitag, 20. April 2018 ab 18 Uhr nichts vornehmen. Dann kann man vor Ort in Bielefeld oder per Livestream die Verleihung der BigBrotherawards 2018 verfolgen.

BigBrotherAwards 2018 – Trailer from Digitalcourage e.V. on Vimeo.

Handreichung zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für Bibliotheken

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO, siehe auch Wikipedia oder diese Übersichtsseite) treibt zur Zeit wohl viele um. Elke Brehm, Karin Knaf und Armin Talke haben sich eingehend mit den Auswirkungen auf das Bibliothekswesen beschäftigt. Das Ergebnis dieser Beschäftigung liegt nun als Handreichung auf dem Repositorium der Uni Hannover.

Brehm, E.; Knaf, K.; Talke, A.: Datenschutz ab Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung – Handreichung für Bibliotheken. – Hannover : Institutionelles Repositorium der Leibniz Universität Hannover, 2018. DOI: https://doi.org/10.15488/3069

Sankey-Diagramme online generieren

Sankey-Diagramm-Beispiel
Nutzerströme in die Lesesäle, ins Bistro und wieder hinaus.

Sankey-Diagramme erfreuen sich zunehmender Popularität. Mit ihnen kann man Mengenflüsse darstellen. Sie selbst zu bauen, ist nicht ganz so einfach, wenn man kein passendes Werkzeug kennt. Wenn man diese Art von Diagrammen nur sehr selten benötigt, kann man dafür ein Online-Tool wie Sankeymatic verwenden.

Das oben angezeigte Bild wurde mit folgenden Parametern erstellt.

Bibliothek [200] Lesesaal 1
Bibliothek [400] Lesesaal 2
Bibliothek [600] Lesesaal 3
Lesesaal 1 [90] Bistro
Lesesaal 2 [100] Bistro
Lesesaal 3 [400] Bistro
Bistro [100] Ausgang
Bistro [290] Ausgang
Bistro [200] Ausgang
Lesesaal 1 [110] Ausgang
Lesesaal 2 [300] Ausgang
Lesesaal 3 [200] Ausgang

Sollten die Ströme nicht valide sein, wird dies von Sankeymatic hilfreicherweise angezeigt.

1. Bibliothekspolitischer Kongress im Live-Stream

Der 1. bibliothekspolitische Kongress findet heute und morgen in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Auf der Webseite gibt es einen Live-Stream. Schon das Thema des sogenannten Begrüßungsgesprächs klingt äußerst interessant: “Wie verändern sich Bibliotheken, um Zugänglichkeit und soziale Teilhabe auch in der digitalen Welt zu gewährleisten?”

Ansonsten bietet das Programm fast ausschließlich Digitalisierung und ein wenig Nachhaltigkeit. Ich hätte mir von einem bibliothekspolitischen Kongress mehr Diskussion über soziale Spaltung etc. erhofft, aber da die Veranstaltung als erste ihrer Art angekündigt ist, werden sicherlich noch weitere folgen. Ich hoffe, es wird zusätzlich zum Live-Stream noch eine Tagungsberichterstattung geben.

PEER-UP: Relevanz der Publikationsleis­tung für Effizienzmessung im Hochschulbereich

Im BMBF-Projekt PEER-UP soll an der TU Dresden über die Relevanz der Publikationsleis­tung für Effizienzmessung im Hochschulbereich geforscht werden. Aus der Pressemitteilung:

Hochschulen nehmen in modernen Innovationssystemen unbestritten eine Spitzenstellung in der Wissensproduktion ein. Die Unabhängigkeit der Universitäten wird dabei im Wesentlichen durch eine Grundfinanzierung aus öffentlichen Mitteln sichergestellt. Entsprechend hoch ist das öffentliche Interesse, dass Universitäten die verfügbaren Mittel möglichst effizient zur Erbringung ihrer Kernaufgaben (Forschung, Lehre, Transfer) einsetzen.

Das Projekt hat schon ein Blog (hier ist eine Kurzbeschreibung des Projekts), in dem es in Zukunft hoffentlich viel aus dem Forschungsalltag zu lesen geben wird. Das Thema ist hochrelevant, da die quantitative Bewertung eines m.E. nur qualitativ in vollem Umfang zu erfassenden Gegenstands zwangsläufig zu Unschärfen und Verzerrungen führen muss.

Facebook verliert Streit um Realnamen und Einwilligungserklärungen

Laut einer Pressemitteilungdes des vzvb verstößt Facebook “mit seinen Voreinstellungen und Teilen der Nutzungs- und Datenschutzbedingungen gegen geltendes Verbraucherrecht”, wie das Landgericht Berlin entschied.

Das Landgericht Berlin erklärte außerdem acht Klauseln in den Nutzungsbedingungen für unwirksam. Diese enthielten unter anderem vorformulierte Einwilligungserklärungen, wonach Facebook Namen und Profilbild der Nutzer „für kommerzielle, gesponserte oder verwandte Inhalte“ einsetzen und deren Daten in die USA weiterleiten durfte. Die Richter stellten klar, dass mit solchen vorformulierten Erklärungen keine wirksame Zustimmung zur Datennutzung erteilt werden könne.

Unzulässig ist auch eine Klausel, mit der sich Nutzer verpflichten, auf Facebook nur ihre echten Namen und Daten zu verwenden. „Anbieter von Online-Diensten müssen Nutzern auch eine anonyme Teilnahme, etwa unter Verwendung eines Pseudonyms, ermöglichen“, so Dünkel. „Das schreibt das Telemediengesetz vor.“ Nach Auffassung des Gerichts konnte dieser Aspekt aber offen bleiben, denn die Klausel sei bereits deshalb unzulässig, weil Nutzer damit versteckt der Verwendung dieser Daten zustimmten.

Vielen ist nicht klar, warum man im Netz oder anderswo unter Pseudonym auftreten sollte. Zur Beantwortung dieser Frage habe ich 2011 einen Beitrag aus dem Genderwiki übersetzt und hier auf Infobib veröffentlicht: Wem schadet der Realnamen-Grundsatz?

Neben Facebook hat das Urteil meiner nichtjuristischen Meinung hoffentlich auch Auswirkungen auf Researchgate, die kürzlich ebenfalls einen Realnamen-Zwang in ihre Geschäftsbedingungen aufnahm. Ingo Dachwitz äußert sich auf Netzpolitik.org dahingehend jedoch zurückhaltend:

Auch der vom Unternehmen betriebene Klarnamenzwang ist laut einem Gerichtsurteil rechtswidrig. Eine Grundsatzentscheidung im Dauerstreit um das Recht auf pseudonyme Kommunikation vermied das Landgericht Berlin jedoch.