Zum Umgang mit verschmutzten Büchern

Dörte Böhner fragt drüben bei Bibliothekarisch.de nach Erfahrungen und Tipps im Umgang mit verschmutzten Büchern. In den Kommentaren ist noch reichlich Platz für sachdienliche Hinweise, die man übrigens auch pseudonymisiert abgeben kann, wenn man sich nicht outen möchte.

Nebenbei bemerkt halte ich solche Themen für hervorragendes Call-For-Paper-Material für die Informationspraxis: “Die schmutzigen Geheimnisse der Bibliothek – wie halten wir die Medien, Möbel und MitarbeiterInnen sauber? Wie reinigen wir, wenn mal etwas schief geht? Was sind Marginalien, was muss weg?”

Informationsfreiheitsgesetz in Hessen, immer noch nicht in Bayern, Niedersachsen, Sachsen

Fast alle europäischen Staaten haben ein eigenes Informationsfreiheitsgesetz. Aber was genau ist Informationsfreiheit? Für wen gilt sie? Ist wirkliche jede Stelle der öffentlichen Verwaltung zur Herausgabe von Informationen verpflichtet? Wo sind Grenzen der Informationsfreiheit und wann sind diese sinnvoll? Diese und weitere Fragen werden in den Themenblättern behandelt. Neben dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) lernen die Schülerinnen und Schüler die Debatte um einen “gläsernen Staat” kennen und sollen gemeinsam auch über Grenzen von Transparenz ins Gespräch kommen. Eine Zusatzaufgabe regt zur weiteren Recherche an und gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, eine eigene IFG-Anfrage auszuprobieren.

Die Ausgabe der Themenblätter enthält einen Klassensatz von 32 doppelseitigen (identischen) Arbeitsblättern im Abreißblock. Hintergrundinformationen für Lehrkräfte bieten einen Überblick über das Thema und geben Hinweise für den Einsatz des Arbeitsblattes im Unterricht. Weiterführende Hinweise zum Thema und zu aktuellen Publikationen der bpb runden die Themenblätter Nr. 117 ab.

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Die Bundeszentrale für politische Bildung hat nun etwas im Programm, dass nicht nur in Klassensätzen, sondern bestimmt auch in Fraktionsgröße bestellt werden kann. Die Landtagsabgeordneten in Bayern, Niedersachsen und Sachsen könnten dies dringend gebrauchen. In Hessen ist dies anscheinend zumindest grundsätzlich nicht mehr nötig, auch wenn das dortige Informationsfreiheitsgesetz drüben bei Netzpolitik nicht gerade auf Begeisterung stößt.

Acatech ohne Open Access im digitalen Zeitalter der Wissenschaftskommunikation

Der Sammelband Perspektiven der Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter ist nun online verfügbar.  Leider ist der Beitrag meiner Kenntnis nach nicht Open Access, wie von Mitherausgeber Andreas Wenniger getwittert wurde. Zumindest habe ich nirgendwo eine Lizenzangabe finden können, die Weiterverbreitung etc. erlaubt, wie es die Open Definition und natürlich die Berliner Erklärung verlangen. Bei einem Band, der sich mit digitaler Wissenschaftskommunikation auseinander setzt, hätte ich schon mehr erwartet.

Auch ist es für mich verwunderlich, dass die herausgebende Körperschaft, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech), offenbar über kein eigenes Repository verfügt und offenbar auch kein anderes für Publikationen nutzt. So ist die Publikation in der Reihe Materialien der acatech erschienen, die wie alle anderen Publikationen einfach irgendwo ins Typo3 geworfen wird. Der Pfad zur Datei sieht demnach so aus:

http://www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Baumstruktur_nach_Website/Acatech/root/de/Projekte/Laufende_Projekte/WOEM2/Perspektiven_der_Wissenschaftskommunikation_im_digitalen_Zeitalter.pdf

Sieht das nach einem persistenten Link aus? Sieht das auch nur aus, als ob die File-Location das nächste Typo3-Update ganz sicher überstehen würde? Liebe Akademie, Ihr müsst kein Repository betreiben, keine Angst. Aber wenn Ihr das nicht machen wollt, sorgt bitte für freie Lizenzen und eine Veröffentlichung in einem geeigneten Repository. Eine freie Lizenz würde auch dafür sorgen, dass engagierte Bibliothekswesen sich der Publikation hätten annehmen und sie eigenständig in einem ordentlichen Repository veröffentlichen können.

Die Publikation sieht dessen ungeachtet erste einmal interessant aus. Umso trauriger, dass sie so lieblos und eher dem Stand der digitalen Frühzeit gemäß ins Netz geworfen wurde.

Weingart, Peter; Wormer, Holger; Wenninger, Andreas; Hüttl, Reinhard F. (Hg.) (2017): Perspektiven der Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter. Velbrück. Weilerswist: Velbrück

[via Archivalia]

Report: Blockchain for Research – Perspectives on a New Paradigm for Scholarly Communication

Digital Science Report: Blockchain for Research – Perspectives on a New Paradigm for Scholarly Communication / Joris van Rossum. November 2017.

Abstract:

This report zooms in on the potential of blockchain to transform scholarly communication and research in general.

By describing important initiatives in this field, it highlights how blockchain can touch many critical aspects of scholarly communication, including transparency, trust, reproducibility and credit. Moreover, blockchain could change the role of publishers in the future, and it could have an important role in research beyond scholarly communication.

The report shows that blockchain technology has the potential to solve some of the most prominent issues currently facing scholarly communication, such as those around costs, openness, and universal accessibility to scientific information.

Validierung und Reasoning von SKOS mit Skosify

Protege und die mitgelieferten Reasoner befolgen von Haus aus keine SKOS-Regeln, z.B. kann in einer SKOS-Datei aus skos:broader nicht automatisch die inverse Beziehung skos:narrower geschlussfolgert werden. 1)  Außerdem funktioniert Protege bei mir auf dem Arbeits-PC unter Windows 8.1 zur Zeit insgesamt eher unzuverlässig. Wer dies aber benötigt, kann Skosify von Osma Suominen, Jakob Voß, Dan Michael  O. Heggø und  Sini Pessala einsetzen, dessen Einsatzgebiet mit “validate and improve SKOS vocabularies” benannt wird. Man kann Skosify selbst installieren, es gibt aber auch eine online zugängliche Demo-Version (max. 20 MB Dateigröße), die für meine Zwecke bisher völlig ausreichte.

Skosify in Aktion
Skosify in Aktion

Aus demselben Stall stammt auch Skosmos, das hier in Kürze noch einmal Erwähnung finden wird.

References   [ + ]

Phantomzitat in den Medien

“Nie geschriebenes Paper wurde in 400 Fachartikeln zitiert”, schreibt der Standard. Leider ist dem nicht existierenden Artikel keine DOI zugeordnet, sonst könnten wir jetzt zusätzlich beobachten, welch erstaunlichen Altmetrics-Zahlen der Artikel erreicht. Es handelt sich um folgende Zitation:

Van der Geer, J., Hanraads, J.A.J., Lupton, R.A., 2000. The art of writing a scientific article. J Sci. Commun. 163 (2) 51–59.

Weitere Infos gibt es von Anne-Wil Harzing, inklusive einer Analyse der zitierenden Artikel: The mystery of the phantom reference.

[via @FHB_Bibliothek]

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – neue Terms of Service für Researchgate

Alte ToS, neue ToS. Was hat sich geändert? Ich habe weder Zeit, Lust oder Willenskraft, mich durch die gesamten ToS durchzuarbeiten. Neu scheint der Punkt “User Obligations” zu sein. Dort sind die Pflichten(!) der Researchgate-Nutzer festgelegt. Laut neuer ToS sind nur Realnamen erlaubt, auch keine Künstlernamen  selbst, wenn man unter ihnen publiziert haben sollte? Als ein Beispiel sei hier dieses unter dem Pseudonym Neuroskeptic veröffentliche Paper 1) Skeptic, N. (2012) The Nine Circles of Scientific Hell Perspectives on Psychological Science 7 (6) 643-644 in Perspectives of Psychological Science genannt. Die Geschichte bietet weitaus mehr, wie laut Simon Oxenham in einem leider hinter einer Paywall versteckten weiteren Artikel von Neuroskeptic zu lesen sein soll:

“Nicolaus Copernicus who first put forward his theory of heliocentrism anonymously, in the form of a manuscript now known as the Commentariolus” to the famous “Student” – creator of the t-test, whose real name was William Sealy Gosset. A list of scientists and mathematicians who have published under pseudonyms can be found here, which includes: Isaac Newton as Jehovah Sanctus Unus, Felix Hausdorff as Paul Mongré and Sophie Germain as Monsieur Antoine Auguste Le Blanc. The last is an example of a woman writing as a man in order to be taken seriously by mathematicians.

Weiterhin habe Donald Knuth ein Paper unter dem Namen Ursula N. Owens eingereicht, um ein ordentliches Review zu bekommen.

Die Verpflichtungen des Researchgate-Nutzers geht jedoch noch weiter:

You warrant and represent that all Personal Information you provide is accurate and complete. You are obliged to update such data when it changes. If you choose to use a profile photo, you must use a photo where you can be clearly identified; images of other people, animals, text, and logos are not permitted. This again is essential for the credibility of the researchers using the Service and is in the best interest of the world of science.

Was heißt akkurat und komplett? Wie schnell muss man seiner Verpflichtung zur Aktualisierung geänderter Informationen nachkommen? Raus aus dem Standesamt, dann gleich einloggen? Diese Formulierungen sind m.E. zu unscharf. Und was ist, wenn ich bestimmte Angaben nicht treffen möchte, kann oder darf? Auch die Fotos, auf denen man klar identifizierbar sein soll, entsprechen nur zum Teil den Wünschen der Community, möchte ich meinen. All diese Maßnahmen sind im besten Interesse der Welt der Wissenschaft, wie wir lesen dürfen. Diese Welt wird hier und heute repräsentiert durch Researchgate.

 

References   [ + ]

1. Skeptic, N. (2012) The Nine Circles of Scientific Hell Perspectives on Psychological Science 7 (6) 643-644

Einzelfragen zur Bibliothek und zu den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages

Von mir unbemerkt veröffentlichte der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags vor einiger Zeit eine Kurzinformation zu “Einzelfragen zur Bibliothek und zu den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages” (PDF), die einen kleinen Einblick in das dortige Treiben vermittelt.

Push-Benachrichtigungen in Firefox komplett(!) ausschalten

Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der nie, nie wieder diese furchtbar nervige Frage sehen möchte, ob man von dieser Webseite, auf der man gelandet ist, in Zukunft regelmäßig Push-Nachrichten erhalten möchte. Möchte ich nicht. Nie. Deswegen:

about:config > dom.push.enabled > false

Und nun herrscht himmlische Ruhe.

Eine Frage, rein aus Neugier: Hat jemand aus der werten Leserschaft tatsächlich mal irgendwo Pushnachrichten zugelassen? Und das nicht bereut?

Springer Nature zensiert Wissenschaft in China

Springer Nature blockiert den Zugriff auf ca. 1 % der herausgegebenen Artikel innerhalb Chinas. Es handle sich dabei um Artikel mit kontroversem Inhalt wie z.B. Taiwan, Tibet oder Menschenrechte, so die New York Times. Springer Nature selbst erklärt dazu, dass hier kein Fall von Zensur vorliege, schließlich seien die Artikel außerhalb Chinas verfügbar.

Dazu Glyn Moody auf Techdirt.com:

According to Springer, it is not really censoring articles in China, because people outside can still read them. That insults both Chinese researchers, whom Springer clearly thinks don’t count, and our intelligence.

Laut Moody hatte Cambridge University Press unter Druck chinesischer Zensoren ebenfalls Artikel für den Zugriff aus China geblockt, dies aber nach kurzer Zeit wieder rückgängig gemacht, da eine Sperre der akademischen Freiheit widerspräche. Wem diese Freiheit am Herzen liegt und eventuell regelmäßiger Springer-Nature-Autor oder Herausgeberin ist, könnte den Verlag kontaktieren und zur Prinzipientreue ermuntern. Um noch einmal Moody zu zitieren:

If Springer fails to do the same, researchers will be justified in concluding that, unlike CUP, it does not uphold that principle of academic freedom. In which case, they may decide to publish their future work elsewhere.

[via Glyn Moody und Archivalia]