Check your checksums – SHA1 wurde entwertet

Heise berichtet:

In einer Kooperation zwischen der CWI Amsterdam und Google gelang es, dem bereits angeschlagenen Hash-Verfahren SHA-1 mit einer echten Kollision den praktischen Todesstoß zu versetzen.

Das SHA1-Verfahren wird u.a. von OPUS zur Berechnung von Prüfsummen für Dateien eingesetzt (wie hier zum Beispiel). Da es nun gelang, zwei unterschiedliche PDF-Dateien mit demselben SHA1-Wert zu erzeugen, ist das Verfahren faktisch wertlos. OPUS ist hier nur ein Beispiel, SHA1 wird vielerorts eingesetzt.

Spektakulärer Buchraub in London

In einem an den Film Mission Impossible erinnernden Raubzug in Feltham (London) wurden Bücher überwiegend aus dem 15. und 16. Jahrhundert gestohlen. Die Täter kletterten auf das Dach des Gebäudes und ließen sich durch in die Decke gebohrte Löcher etwa 12 m an Seilen herab, um Bewegungsmelder zu umgehen.

According to the Mail on Sunday, one dealer lost £680,000 worth of material. Experts said the most valuable item in the stolen haul was a 1566 copy of Nicolaus Copernicus’s De Revolutionibus Orbium Coelestium, worth about £215,000.

Among the other books stolen were early works by Galileo, Isaac Newton, Leonardo da Vinci and a 1569 edition of Dante’s Divine Comedy.

Es wird von einem Auftragsdiebstahl ausgegangen, da die Bücher auf dem freien Markt nicht verkäuflich seien. Mehr im Guardian.

Library Freedom Project

Library Freedom Project is a partnership among librarians, technologists, attorneys, and privacy advocates which aims to address the problems of surveillance by making real the promise of intellectual freedom in libraries. By teaching librarians about surveillance threats, privacy rights and responsibilities, and digital tools to stop surveillance, we hope to create a privacy-centric paradigm shift in libraries and the communities they serve.

Hier geht’s zur Webseite des Library Freedom Projects, zu dem es auch eine Online-Community gibt.

Linked Data oder Semantic Web?

Tom Heath schreibt zu der Frage “What is the relationship between Linked Data and the Semantic Web?” in der Linked-Data-FAQ:

Opinions on this topic do differ somewhat, however a widely held view is that the Semantic Web is made up of Linked Data; i.e. the Semantic Web is the whole, while Linked Data is the parts. Tim Berners-Lee, inventor of the Web and the person credited with coining the terms Semantic Web and Linked Data has frequently described Linked Data as “the Semantic Web done right”, e.g. in these slides.


Das W3C hat natürlich auch eine Definition des Terms Linked Data, auch in Beziehung zum Semantic Web.

Schweiz will 100% Open Access bis 2024

Auf Netzpolitik.org wird die neue Open-Access-Strategie für die Schweiz vorgestellt, doe folgende Maßnahmen umfasst:

  1. Einführung und Abstimmung von OA-Politiken: alle wesentlichen Forschungseinrichtungen sollen über aufeinander abgestimmte Open-Access-Richtlinien verfügen.
  2. Verhandlungen mit Verlagshäusern, die “ verschiedenste Modelle“ wie Lizenzklauseln oder Mitgliedschaften bei OA-Verlagen und jedenfalls eine Ausstiegsklausel im Falle des Scheiterns beinhalten.
  3. Koordinierung und Zusammenlegung der Ressourcen, z.B. hinsichtlich institutioneller Repositorien.
  4. Alternative Publikationsformen, „die die Position der Wissenschaft gegenüber den Verlagen stärken“
  5. Kommunikation und Sensibilisierung, wobei sich die Schweiz u.a. dazu verpflichtet, auch in der internationalen Debatte eine aktive Rolle zu spielen.
  6. Unterstützender regulatorischer Rahmen, wonach u.a. „ein bedingungsloses Recht auf eine zweite Publikation (Sekundärpublikationsrecht) garantiert“ wird.
  7. Nationales Monitoring der Bemühungen.

Das Ziel dieser Maßnahmen ist in der Nationalen Open-Access-Strategie für die Schweiz (PDF) als Vision bezeichnet:

Unter Berücksichtigung der oben erwähnten Grundlagen möchte die nationale OA-Strategie für die Schweiz in Übereinstimmung mit internationalen Standards folgende Ziele erreichen: Bis 2024 müssen alle wissenschaftlichen Publikationen in der Schweiz OA und alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen im Internet frei zugänglich sein. Die OA-Landschaft wird aus verschiedenen OA-Modellen bestehen.

Ich habe Schwierigkeiten mit den Formulierungen des zweiten Satzes:

  1. Ziel: alle wissenschaftliche[n] Publikationen in der Schweiz OA
  2. Ziel: alle mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen im Internet frei zugänglich

Meint das erste Ziel, dass alle weltweit veröffentlichten Publikationen in der Schweiz zu OA-Bedingungen zugänglich sein sollen? Oder bedeutet “Publikationen in der Schweiz”, dass sie in der Schweiz veröffentlicht wurden? Meint das zweite Ziel, dass alle weltweit von irgendeinem Staat, Land oder einer Kommune mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen im Internet frei zugänglich sein sollen? Bezieht es sich auf Publikationen, die von der Schweiz finanziert wurden?

Rassentrennung in der Bibliothek (60er)

“Das ist nun einmal der Stand der Dinge”, bekommt die Afroamerikanerin Dorothy Vaughan in der Bibliothek zu hören, als sie in der Sektion für Weiße nach einem Buch sucht, das es in der für sie vorgesehenen nicht gibt. Wegen der Übertretung der Rassengrenze wird sie aus der Stadtbibliothek geschmissen. Das Buch über Fortran hat sie aber heimlich eingesteckt, immerhin habe auch sie es mit ihren Steuern bezahlt, erklärt sie ihren Söhnen. Damit kann sie sich daran machen, ihren Teil zur Raumfahrtgeschichte beizutragen.

Kontext auf Heise.de.

Evaluation des Data-Integration-Tools Karma

Felix Lohmeier möchte Karma einer gemeinschaftlichen Evaluierung unterziehen:

Ich möchte mir in nächster Zeit die Open-Source-Software Karma data integration tool2 genauer anschauen und sie für verschiedene Zwecke evaluieren. Möchte sich jemand daran beteiligen?

Mehr Infos gibt es im Openbiblio-Discourse.

Trump will geisteswissenschaftliche Förderung beenden

Henning Lobin schreibt in der Engelbart-Galaxis über die drohende Abschaffung der US-Bundesförderung der Geisteswissenschaften:

Pünktlich zur Vereidigung von Donald Trump zum 45. amerikanischen Präsidenten wurde bekannt, dass seine Regierung beabsichtigt, den National Endowment for the Humanities (NEH) aufzulösen. Der NEH hat seit 1965 jährlich zuletzt 148 Mio. Dollar an Mitteln für Forschungsprojekte in den Geisteswissenschaften vergeben, aber auch für Stipendien und Fellowships, die Förderung von indigener Kultur, zur Bewahrung kulturellen Erbes, für Digital Humanities und Medienproduktionen zur kulturellen Bildung. Damit ähnelt die NEH der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), geht aber in seiner Förderung über die Programme der DFG hinaus.

Am 19.1.2017, am Tag vor dem Inauguration Day, meldete die Washingtoner Zeitung The Hill, dass die Trump-Regierung dramatische Einschnitte im kulturellen Bereich plant. Neben dem NEH soll auch der National Endowment for theArts (NEA), spezialisiert auf die Förderung von Kunst und Literatur in gleicher finanzieller Größenordnung,aufgelöst werden. Außerdem ist geplant, die 1967 gegründete Corporation for Public Broadcasting zu privatisieren. Der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk wird in den USA zuletzt etwa in der gleichen Höhe gefördert wie allein der Hessische Rundfunk in Deutschland. Auch der NEH schwimmt nicht gerade im Geld: Die DFG hat 2015 für das wesentlich kleinere Wissenschaftssystem in Deutschland den Geistes- und Sozialwissenschaften 345 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Allerdings muss man dabei auch berücksichtigen, dass in den USA die Forschungsuniversitäten erheblich finanzstärker sind als in Deutschland und viele Projekte deshalb auch in Eigenregie finanzieren können.

In den Kommentaren findet sich noch ein Hinweis auf einen MDR-Artikel über Trumps Verhältnis zu den Wissenschaften insgesamt – das Verhältnis der Trump-Regierung zu Fakten und Realität scheint eh schwer gestört.