Journal-basierte Forschungsevaluation marginalisiert bestimmte Regionen und Themen

Many research evaluation systems continue to take a narrow view of excellence, judging the value of work based on the journal in which it is published. Recent research by Diego Chavarro, Ismael Ràfols and colleagues shows how such systems underestimate and prove detrimental to the production of research relevant to important social, economic, and environmental issues. These systems also reflect the biases of journal citation databases which focus heavily on English-language research from the USA and north and western Europe. Moreover, topics covered by these databases often relate to the interests of industrial stakeholders rather than those of local communities. More inclusive research assessments are needed to overcome the ongoing marginalisation of some peoples, languages, and disciplines and promote engagement rather than elitism.

Mehr Infos im LSE-Blog, aus dem dieser Auszug stammt. Dort wird auch auf die DORA-Deklaration und das Leiden-Manifesto verwiesen.

 

Internet Manifesto 2014 der IFLA

Die IFLA hat ihrem 2002 verfassten Internet Manifesto ein Update gegeben. Das Internet Manifesto 2014 ist zur Zeit auf Englisch und Russisch (PDF) verfügbar. Weitere Übersetzungen werden in Kürze sicherlich folgen. Der speziell Bibliotheken betreffende Part beschreibt die Rolle und die Pflichten von Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Bibliotheken “have a responsibility to”:

  • serve all of the members of their communities, regardless of age, race, nationality, religion, culture, political affiliation, physical or mental abilities, gender or sexual orientation, or other status
  • provide access to the Internet in an appropriate environment for all users
  • support users, including children and young people, to ensure they have the media and information literacy competencies they need to use their chosen information resources freely, confidently and independently
  • support the right of users to seek and share information
  • strive to ensure the privacy of their users, and that the resources and services that they use remain confidential
  • facilitate and promote intellectual, cultural and economic creativity through access to the Internet, its resources and services.

Umfrage zum Code of Ethics

Es wird um Teilnahme an einer Umfrage zum Code of Ethics gebeten:

Im Jahr 2007 verfasste der Dachverband BID (Bibliothek & Information Deutschland) ethische Grundsätze für Bibliotheks- und Informationsberufe.
Die Masterarbeit am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin untersucht, wie es heute – sechs Jahre nach dieser schriftlichen, ethischen Grundsteinlegung – um die Rezeption und den Kenntnisstand der Grundsätze steht.

Folgende Links führen zur Umfrage:

http://content.wuala.com/contents/berufsethik/ethik_umfrage/berufsethik.html

http://file2.npage.de/012671/96/html/berufsethik.htm

Weitere Infos finden sich in seiner Inetbib-Mail.

Projekt Memoro: Zensur in den Bibliotheken der DDR

Für das Projekt Memoro erzählt Margarete Meyer in diesem Video unter anderem über den Umgang mit westdeutschen Zeitschriften in den Bibliotheken der DDR. In einem anderen Video berichtet sie über den Giftschrank der Bibliothek. Hier sind alle Videos mit Frau Meyer im Überblick.

Schufa will auch DNB-Katalog nutzen

Wie gerade bekannt wurde, plant die Schufa eine Kooperation mit dem Hasso-Plattner-Institut (HPI). Federführend für das Projekt SchufaLab@HPI auf Seite des HPI ist Felix Naumann. Untersucht werden soll laut NDR, wie Daten aus dem Web genutzt werden können, um die Kreditwürdigkeit von Personen besser einschätzen zu können. Dazu wird u.a. erwogen, soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter auszuwerten.

Dem NDR liegen “vertrauliche Dokumente” vor, die das Forschungsvorhaben genauer skizzieren:

Man spricht von “Projektmöglichkeiten und Denkrichtungen”, die jedoch vor allem in eine Richtung gehen: aus unzähligen Quellen im Internet sollen gezielt Daten über Verbraucher gesammelt werden. Bei Facebook zum Beispiel, wo man auch die Kontakte der Mitglieder betrachten könne, um Beziehungen zwischen Personen zu untersuchen und hierbei Zusammenhänge mit der Kreditwürdigkeit der Verbraucher zu finden. Doch die Liste ist viel länger: Es geht um berufliche Netzwerke wie Xing oder LinkedIn, den Kurznachrichtendienst Twitter, Personensuchmaschinen wie Yasni, Geodatendienste wie Google Street View und selbst Mitarbeiterverzeichnisse von Unternehmen oder den Autorenkatalog der Deutschen Nationalbibliothek.

Der Autorenkatalog der DNB? Positiv, wenn man überhaupt auftaucht? Oder je nach Verschlagwortung der von der Person geschriebenen Werke?

Ich bin gespannt, ob die Gesellschaft für Informatik, deren assoziiertes Mitglied Felix Naumann ist, auf die Einhaltung der “Ethischen Leitlinien” aufmerksam machen wird. Ich greife mal Artikel 7 (“Beteiligung”) heraus:

Vom Mitglied in einer Führungsposition wird zusätzlich erwartet, dass es dazu beiträgt, die von der Einführung von Informatiksystemen Betroffnen [sic!] an der Gestaltung der Systeme und ihrer Nutzungsbedingungen angemessen zu beteiligen. Von ihm wird insbesondere erwartet, dass es keine Kontroll- und Überwachungstechniken ohne Unterrichtung und Beteiligung der Betroffenen zulässt.

Wenn die Berichterstattung des NDR korrekt ist, bekommen wir hier die schmutzige dunkle Kehrseite der Open-Data-Idee zu sehen. Herrn Naumann und seinen Kollegen wären hier Pionierleistungen zu bescheinigen! Unter Vorbehalt sage ich schon mal: “Glückwunsch”!

Siehe auch:Netzpolitik, Heise, viele andere. Die Forschungsmafia malt sich schon die kommende Kredit-SEO aus. Und der Postillon gibt hilfreiche Tipps.

Shaked Spier: Zwischen Bibliothekaren und Bücherwürmern. Über das (fehlende) soziale Engagement der Information Community

Shaked Spier schreibt im Bibliotheksdienst (Bibliotheksdienst 46. Jg. (2012), H. 3/4, S. 171-181, PDF in seinem Posting zum Artikel verlinkt) über das fehlende soziale, bzw. politische Engagement der “Information Community”. Er versucht, das Verhältnis zwischen Bibliothek und Urheberrecht, bzw. Bibliothek und Überwachung/Vorratsdatenspeicherung zu beschreiben.

Bei beiden geht es um ein Phänomen, das unseren ethischen Grundsätze und unserer Berufung deutlich widerspricht; ein Phänomen, wofür wir unseren Nutzer/-innen eine Lösung anbieten, solange sie sich physisch in der Bibliothek befinden; ein Phänomen, das der Gesamtgesellschaft schadet und dadurch unserer Tätigkeit auch; ein Phänomen, das uns ausdrücklich betrifft, obwohl es nicht an unseren Bibliothekstresen kommt und auch nie kommen wird.

Darüber kommt er zu der Frage, ob es bibliothekarischen Handlungsbedarf gibt, was er (zusammengefasst) bejaht. Im Abschnitt “Was können wir ändern?” macht er konkrete Vorschläge. Den wichtigsten Teil möchte ich zitieren:

Auf eine offizielle Stellungnahme ist nicht zu verzichten! In Verbindung mit den folgenden Vorschlägen, die auf Teilnahme einzelner Mitglieder/-innen der Information Community basieren, muss die Community als Ganzes eine offizielle Stellung zu den verschiedenen Themen nehmen. Dies kann z.B. durch die AG „Bibliothek und Ethik“ [Link aus Fußnote hinzugefügt] erfolgen.

Diese Stellungnahme soll auf unseren ethischen Grundsätzen aufgebaut und mit sachlichen und professionellen Argumenten begründet sein. Sie soll den professionellen und ethischen Standpunkt von Informationsfachleuten reflektieren und als ein solcher der Öffentlichkeit ankommen.

Das wichtigste Kriterium für eine offizielle Stellungnahme ist die schnelle Reaktion und Aktualität. Um an einer öffentlichen Diskussion teilzunehmen und eventuell Einfluss zu haben, muss die Reaktion schnellstmöglich formuliert und veröffentlicht werden. Denn wenn wir z.B. erst eine Woche nach Entlarvung des Bundestrojaners eine Stellungnahme dazu veröffentlichen, sind wir schon längst von der öffentlichen Diskussion ausgeschlossen. Egal wie professionell und augenöffnend diese Stellungnahme auch sein mag.

Dass sich die Verbände so gut wie nie äußern, wenn die im Code of Ethics propagierten Werte in Gefahr sind, habe ich in den letzten Jahren oft angemahnt. Daran wird sich in absehbarer Zeit wohl auch nichts ändern.

Im Artikel wird auch vorgeschlagen, Präsenz in sozialen Medien zu zeigen:

Offizielle Facebook-Seite, Twitter und ein Blog sind das absolute Minimum. Dadurch können offizielle Stellungnahmen und deren Diskussion mehr Transparenz gewinnen sowie ein breiteres Publikum (außerhalb der professionellen Community) erreichen.

Ein Anfang wäre gemacht, wenn sich die maßgeblichen VertreterInnen der Branche selbst ins Web trauen würden. Auch dies ist ein mindestens fünf Jahre altes Thema. Hier kann man immerhin auf Besserung durch personelle Veränderungen hoffen.

Arbeitskreis "Kritische Bibliothek"

Via Archivalia:

Nachdem der alte Arbeitskreis kritischer BibliothekarInnen mehrheitlich seine Arbeit eingestellt hat (s. http://www.akribie.org), versuchen wir – ein Kreis von jüngeren und älteren BibliothekarInnen und Fachangestellten aus verschiedenen Zweigen des deutschen Bibliothekswesens, etwas Neues aufzubauen: den Arbeitskreis Kritische Bibliothek.

Es gibt nun ein Blog. Man darf kommentieren, diskutieren. Und es geht auch gleich gut los: “Wikipedia negiert die Frauen”, behauptet Frauke Mahrt-Thomsen, und die Diskussion hat schon begonnen.

Update: Zwar verlinkt, aber vergessen zu erwähnen, dass die neue Webseite kribiblio.de heißt.

Schulbibliotheken, Schultrojaner und der Code of Ethics

Aus dem Code of Ethics des BID:

Wir respektieren die Privatsphäre unserer Kundinnen und Kunden. Wir speichern personenbezogene Daten nur zur Erbringung unserer Dienstleistung und nur im gesetzlichen Rahmen. Anderen Behörden stellen wir Benutzerdaten nur im engen Rahmen der gesetzlichen Vorschriften zur Verfügung.

Da in Schulbibliotheken wohl hauptsächlich Schulrechner aufgestellt sind, ist der “Gesamtvertrag zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG” (die Grundlage für den Einsatz des Schultrojaners) hier sicherlich relevant.

Inzwischen zieht das Thema weitere Kreise. Netzpolitik hat verschiedene Pressestimmen gesammelt. Auch Biblioblogs haben das Thema aufgegriffen, z.B. Markus Trapp oder Klaus Graf.

Gibt es von Bibliotheksverbänden schon Äußerungen zum Schultrojaner?

Zur Anonymität im Web

Die Debatte um das Recht auf Anonymität im Web ist wieder einmal brandaktuell. Auf SpOn heißt es:

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat anlässlich der Anschläge in Norwegen ein Ende der Anonymität im Internet gefordert. “Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce”, sagte Friedrich dem SPIEGEL.

Was natürlich auch eine radikale, undifferenzierte These ist. Auch für Google-CEO Eric Schmidt ist Anonymität nicht notwendig.


Warum ist Anonymität so wichtig? In letzter Zeit gab es dazu so viele kluge Kommentare, das ich hier einfach mal ein paar aufliste.

Das Recht auf Pseudonymität wird weltweit überall und immer wieder diskutiert. Eine schöne Kampagnenseite dazu ist My Name is me. Dort stellen Menschen verschiedenster Hintergründe vor, warum sie für dieses Recht einstehen. Darunter sind Promis wie Clay Shirky, aber auch virtuelle Identitäten wie Gwyneth Llewelyn.

Hier auf Infobib war das Thema Anonymität vor geraumer Zeit ebenfalls aktuell.

Ich habe heute zwei Mails erhalten, in denen ich gefragt wurde, ob man bei Infobib anonym kommentieren könne, da es nicht immer opportun sei, wenn die Vorgesetzten bestimmte Meinungen mit bestimmten Personen in Einklang bringen könnten.

Im immer wieder gern zitierten Code of Ethics wird auf den Wert der freien Meinungsbildung, zu der m.E. auch die freie Meinungsäußerung gehört, verwiesen:

Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.

“Wir”, das sind in diesem Zusammenhang die Mitglieder des BID. Bibliothekswesen, das sind die Leute, die so etwas wie die PND aufbauen. Wer beruflich Pseudonyme sammelt, sollte ihren Wert kennen. Also flugs einen Blick geworfen auf die flammenden Statements wider die Einschränkung der freien Meinungsbildung!

Auf den Seiten des Goethe-Instituts (ebenfalls BID-Mitglied) habe ich zwar nichts aktuelles gefunden, dort finden sich aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Aussagen zur Wichtigkeit der Anonymität für die freie Meinungsbildung.

Was sagt uns das? Wird der zitierten Passage im Code of Ethics keine Bedeutung zugemessen? Wird die Wichtigkeit des Rechts auf Pseudonyme nicht erkannt? Gibt es keine personellen Spielräume, um derart politisch aktiv zu werden? Was auch immer der Grund ist: ein Code of Ethics, der in solchen Fällen nicht greift, ist die Bytes nicht wert, die seinetwegen transportiert werden müssen.

References   [ + ]

1. Beim DBV sucht man aktuell eine/n Referent/in für politische Kommunikation. Tut sich da was?