OPACs schon 1993 mitunter recht benutzerfreundlich

Da OPACs als Suchhilfe nicht ausschließlich den Online-Profis, sondern auch den Bibliotheksbenutzern, bei denen keine Systemkenntnisse vorausgesetzt werden können, zur Verfügung stehen sollen, sind sie im allgemeinen sehr benutzerfreundlich gestaltet. Es ist mitunter leichter, darin Bücher u.a. zu finden, als in einem nach den Preußischen Instruktionen strukturierten konventionellen Zettelkatalog. Auch verfügen sie meist über eine Menüführung.

Mitunter(!) noch leichter als in PI-Katalogen, so schrieben Pörzgen und Schreiber vor fast 20 Jahren. 1) Pörzgen, Rainer: Die Informationsvermittlungsstelle : Planung, Einrichtung, Betrieb / Pörzgen, Rainer ; Schreiber, Martin. – München : Saur, 1993. – 124 S. – (Bibliothekspraxis ; Bd. 33). – ISBN 3598211643. S. 51

[Danke an Imke für den Hinweis!]

References   [ + ]

1. Pörzgen, Rainer: Die Informationsvermittlungsstelle : Planung, Einrichtung, Betrieb / Pörzgen, Rainer ; Schreiber, Martin. – München : Saur, 1993. – 124 S. – (Bibliothekspraxis ; Bd. 33). – ISBN 3598211643. S. 51

Wir benötigen (mal wieder) Permalinks und offene Schnittstellen

Das Netzwerk Recherche hat einen Reader über Zukunftspfade und Sackgassen des Onlinejournalismus (PDF) veröffentlicht. Im Literaturverzeichnis ist ein bemerkenswerter Hinweis:

Unter jedem Eintrag ist (via Tinyurl) die „ISBNSuche“ der Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche) verlinkt, mit der man das entsprechende Buch in Bibliotheks- und Verbundkatalogen sowie im Buchhandel und in Antiquariats katalogen schnell finden kann.

Das funktioniert natürlich, so richtig elegant ist es jedoch nicht. Wieder ein Grund für Bibliotheken, auf Permalink-fähige Kataloge zu setzen und – noch besser – eindeutige Werkidentifikatoren wie die EKI einzuführen.

Dies würde nicht nur die Verlinkung von Werken ermöglichen, die keine ISBN haben. Es wäre dann auch möglich direkt auf bestimmte Auflagen zu verlinken. Oder lokalisierbare Dienste anzubieten nach dem Motto: Welche Bibliothek in meiner Nähe führt das Werk in ihrem Katalog? Aus der Verknüpfung von Geokordinaten (Sigelverzeichnis oder Wikipedia), EKI (Bibliothekskataloge) und einer Verfügbarkeitsrecherche mit DAIA ließe sich so eine sehr nützliche Anwendung bauen.

Schmitt & Stehle: Der OPAC aus dem Baukasten

Jörg Schmitt und Marcel Stehle: Der OPAC aus dem Baukasten : Realisierung eines Katalog 2.0 unter Einbeziehung der Community
(PDF)

Abstract:

Die vorliegende Bachelorthesis beschreibt die exemplarische Erstellung des Katalog 2.0 „bachelopac“ unter Verwendung der Open-Source-Software VuFind. Die Frage, inwieweit dies, mit den erlernten Kenntnissen und erworbenen Fähigkeiten während des Studiums Bibliotheks- und Informationsmanagement der HAW Hamburg, realisierbar ist, wird beantwortet. Hierzu werden vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) zur Verfügung gestellte Metadaten des Bibliotheksystems der HAW Hamburg verwendet. Die Vor- und Nachteile, die durch den Einsatz von Open-Source-Software in Bibliotheken entstehen, werden ebenso erläutert wie die Notwendigkeit zeitgemäßer Kataloge und deren Umsetzung im Hinblick auf Bibliothek 2.0 und Katalog 2.0. Angelehnt an eine Machbarkeitsstudie werden Projektaufgaben und Projektziele sowie ein Kriterienkatalog zur Beurteilung der eigenen Kenntnisse entwickelt und durchgeführt. Der praktische Teil dieser Arbeit befasst sich mit den Problemen und Schwierigkeiten der technischen Umsetzung, beschreibt aber auch Lösungswege und -konzepte. Neben der aktiven Unterstützung durch die Community wird auch die Möglichkeit zur Nachnutzung von bereits bestehenden Lösungen aufgezeigt.

Zwei Punkte aus der Arbeit möchte ich herausgreifen. Zuerst auf S. 18 im Kapitel “Zum Einsatz von Open-Source-Software im Kontext von Bibliothek 2.0”:

Da die Entwicklung von OSS nicht an einen bestimmten Hersteller gebunden ist, durch den eine Gewährleistung oder Garantie erfolgen könnte, liegt es an der Community, die Entwicklung ihrer Programme voranzutreiben. Für Bibliotheken birgt dies aber auch eine große Chance, da sie so „Betrieb, Anpassung und Entwicklung ihrer “Informationstechnik”(!) als Teil ihres Kerngeschäfts begreifen und entsprechend professionell(!) betreiben.“ können.

Das Zitat im Zitat stammt aus einem Kommentar von Till Kinstler im Beluga-Blog. Ich würde den Einsatz von OSS nicht nur als Chance, sondern als zwingende Voraussetzung für die Professionalisierung des Bibliothekswesen bezeichnen. Momenten ist es noch viel zu oft der Fall, dass die grundlegen Instrumente und Werkzeuge nicht im Einflußbereich der Bibliothek liegen. Konkret kann das zum Beispiel bedeuten, dass man Kleinigkeiten an Katalogen selbst ändern kann, was faktisch vielen Bibliothekswesen zur Zeit nicht möglich ist. Dazu aus einem meiner Allzeitlieblingskommentare von Jakob Voss:

Ich kann nur für den Bereich Software und Webseiten sprechen: dort habe ich den Eindruck, dass sich Bibliotheken viel zu oft über den Tisch ziehen lassen und alles dem Hersteller überlassen, anstatt durch Eigenentwicklungen dringend benötigte Kompetenzen aufzubauen und zu erhalten. Wieviele Mitarbeiter sich jeweils an einem Projekt (sei es eine Konferenz oder die Entwicklung eines Katalogs) beteiligen sollten, hängt vom Einzelfall ab – in jedem Fall werden die Mitarbeiter jedoch nicht “freigestellt” sondern “eingesetzt”! Fortbildung und Projektarbeit außerhalb der alltäglichen Arbeit ist nichts zusätzliches sondern gehört zum “lebenslangem Lernen”, ohne dass jede Bibliothek mittel- bis langfristig einpacken kann!

Zweitens möchte ich noch auf die “Nicht gelösten Probleme” (S. 118 ff) hinweisen. Solch ein Kapitel sollte verpflichtend in allen Projektberichten enthalten sein, da dort sinnvolle Ansätze für vertiefende Projekte zu finden sind. Wer Scheitern – ob im Ganzen oder in Teilbereichen – nicht dokumentiert, stellt nachfolgende Projekte wieder vor die Aufgabe, eigentlich bekannte zu umschiffende Klippen noch einmal zu entdecken.

[via Bachelopac-Blog]

VuFind ausprobieren leicht gemacht

Oliver Marahrens hat ein einem Fahrplan zur Vufind-Nachnutzung im TUBfind-Blog erläutert, wie man VuFind selbst installieren und ausprobieren kann:

Was ist zu tun, wenn eine Bibliothek selbst vufind ausprobieren möchte? Zu diesem Thema lässt sich viel schreiben. Daher haben wir uns entschieden, eine kleine Serie zu starten und die einzelnen Schritte zur Nachnutzung von Vufind zu dokumentieren und zu beschreiben. Gewisse Grundkenntnisse in der Administration und Konfiguration von Webservern werden vorausgesetzt; Programmierkenntnisse werden jedoch nicht verlangt.

Wer von den erforderlichen Administrations-Grundkenntnisse abgeschreckt ist: es geht auch fast ganz ohne, wenn man sich an die Anleitung hält. Meine persönlichen Erfahrungen dazu habe ich vor kurzem auch in diesem kleinen Erfahrungsbericht gepostet.

Ungeklärt ist eigentlich nur, wie man VUFind nun korrekt ausspricht. Wi-Juh-Feind, Vau-Uh-Find, (engl.) View-Find?

(Auch in Österreich:) Permalinks für Katalogisate

Der Österreichische Bibliothekenverbund (OBV) bietet ab sofort eine neue Suchoberfläche an.

Positiv: Verschiedene Social-Bookmarking-Dienste sind integriert.
Negativ: Naja, so richtig integriert sind sie eigentlich doch nicht.

Ich habe versucht, Titel in Delicious zu übernehmen (vorübergehend verfügbar unter dem Tag OBV-Test, ich lösche sie aber sicherlich irgendwann wieder). Wenn mir die Funktion angeboten wird, einen Titel in Delicious zu speichern, gehe ich davon aus, dass sich die Anbieter vorher angesehen haben, wie entsprechende Metadaten zu übergeben sind. Dies war hier offensichtlich nicht der Fall.

Speichert man einen Titel, lautet der Seitentitel im Normalfall “OBV Suche”. Weitere Angaben werden nicht übergeben. Speichert man also 30 Titel, wird man sie anschließend nicht auseinanderhalten können, ohne sie einzeln anzuklicken.

Ähnlich untauglich ist der Link, der an Delicious übergeben wird. Ich habe zwei Titel gebookmarked. Klickt man sie an, wird man feststellen, dass man beim gleichen Katalogisat landet. Gespeichert wird nämlich nicht ein präziser und permanenter Link, sondern die Suchanfrage. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Delicious-User sowohl den selben Titel als auch den selben Suchweg speichern, tendiert bei Literatur abseits von Harry Potter & Co vermutlich gen Null. Die sozialen Funktionen von Delicious werden somit raffiniert umgangen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen:

  1. Katalogisate brauchen Permalinks!
  2. Katalogisate brauchen Permalinks!
  3. Katalogisate brauchen Permalinks!

Bei Uraltkatalogen habe ich ja noch begrenztes Verständnis dafür, dass sie sich nicht ohne weiteres nachrüsten lassen. Bei einer Oberfläche, die vom Anbieter angepriesen wird für ihre Library 2.0 und Social Computing Eigenschaften, kann ich es aber nicht aufbringen.

Open-Source-Recommender easyrec

Die Recommender-Software easyrec ist seit sechs Tagen komplett Open Source.

Benötigt werden für die Installation auf einem eigenen Server:

  • Java 5 SE [1] or later
  • Application Server Tomcat 6.0 [2] or later recommended or see other Application Servers
  • Database Server MySQL 5.1 [3] or later

Man kann den Dienst jedoch auch über eine API ausprobieren. Wer hat Zugriff auf einen Katalog und traut sich, das mal einzubauen? Mich würde doch sehr interessieren, ob die Ergebnisse so viel schlechter als die von Bibtip sind. Bibtip ist ein Projekt, dass zwar aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde, aber dennoch sogar für öffentliche Einrichtungen kostenpflichtig ist. Kostenpflichtig für Hosting und Support würde ich ja noch verstehen. Wie auch immer: Easyrec wird z.B. beim Film-Shop Flimmit genutzt. Interessiert man sich z.B. für Plattfuss am Nil, wird sofort weitere Unterhaltungsware der schlagkräftigen Art angeboten (“Sie könnten auch an folgenden Produkten interessiert sein”).

Trend Nr. 2 für 2010: Open (Government) Data / Linked Data

lod-datasets_2009-07-14

Christiane Schulzki-Haddouti nimmt mir die Worte aus dem Mund:

Open Data – so nicht nur mein Blick in die Kristallkugel – wird 2010 das große Thema werden und die Entwicklung des Internet in diesem Jahrzehnt wesentlich vorantreiben.

Und nicht nur die Entwicklung des Internets, auch gesellschaftliche, künstlerische und wissenschaftliche Entwicklungen können durch Open Data maßgeblich beeinflusst oder überhaupt erst ermöglicht werden. Infos zum Reinlesen gibt es z.B. hier von Lambert Heller. Dass sich auch Bibliothekswesen damit beschäftigen müssen, sollte spätestens nach dem Durchklicken dieser Vortragsfolien von Anne Christensen klar sein:

Trend Nr. 1 für 2010: Mobile Bibliotheksanwendungen

Mobile Anwendungen für Bibliotheken werden vermutlich das heißeste Thema dieses Jahres. Beispiel gefällig?

RedLaser is an iPhone app ($1.99) that allows the user to scan barcoded items and compare product prices using the Google Product Search.

Now, the WorldCat.org Blog reports that you can scan barcoded books and get back location information (who holds the book) using the WorldCat database.

Und brandheiß flatterte via Netbib dieses wirklich beeindruckende kleine Filmchen herein:

Ich schließe mich der Frage an:

Wo sind denn die deutschen Angebote?

Erste norwegische KOHA-Installation

Norwegische Wochen bei Infobib! Thomas Brevik, der Bibliotheksalchemist, hat dem Anbieter des von seiner Bibliothek genutzten Bibliothekssystems die Kündigung erteilt. Er begründet dies einerseits damit, dass KOHA mehr bietet, als das von ihm bislang genutzte ILS in absehbarer Zukunft wird bieten können. Und damit, dass damit das Open-Source-Konzept in der norwegischen Bibliothekslandschaft etabliert wird:

Norwegian libraries need to embrace open source for many reasons. The formal reason; that the government now requires public institutions to consider open source when choosing software, the financial reason; that open source means you can test and try out systems without initial costs and that the implementation cost is way smaller than any other system on the norwegian library system marketplace, and finally the ideological reason: open source embodies many of the same values that libraries are funded on, sharing, equality, access and community.

Nicole C. Engard freut sich darüber und ruft dazu auf, dieser Argumentation zu folgen:

So this is my call to you to resign from your current ILS and give Open Source a shot!!

Da reihe ich mich doch gerne ein! Was die großen Anbieter ihren Kunden, den Bibliotheken, als Kataloge anbieten, hätte ich vor fünf, sechs Jahren vielleicht als modern akzeptiert. Inzwischen ist es weitgehend indiskutabel, was wir, die Bibliotheken, infolge dessen unseren Nutzern anbieten. Dazu noch ein etwas älteres Zitat:

Ich finde es äußerst problematisch, wie sich Bibliotheken unnötig in Abhängigkeit von Firmen begeben […] und dabei ihrer eigenen Handlungsspielräume und Fähigkeiten einschränken. “Mal schnell” etwas an der Webseite oder am OPAC ändern geht nicht dann nicht mehr so einfach und/oder kostet zusätzlich Geld.

Amen.

Online Catalogs: What Users and Librarians Want

Die Ergebnisse einer WorldCat-Nutzerstudie von OCLC sind nun verfügbar. Selected key research findings sind:

  • The end user’s experience of the delivery of wanted items is as important, if not more important, than his or her discovery experience.
  • End users rely on and expect enhanced content including summaries/abstracts and tables of contents.
  • An advanced search option (supporting fielded searching) and facets help end users refine searches, navigate, browse and manage large result sets.
  • Important differences exist between the catalog data quality priorities of end users and those who work in libraries.
  • Librarians and library staff, like end users, approach catalogs and catalog data purposefully. End users generally want to find and obtain needed information; librarians and library staff generally have work responsibilities to carry out. The work roles of librarians and staff influence their data quality preferences.
  • Librarians’ choice of data quality enhancements reflects their understanding of the importance of accurate, structured data in the catalog.

Zum Volltext (PDF) geht’s hier.