Gesellschaftliche Auswirkungen von Publikationen messen?

Die gesellschaftlichen Auswirkungen von wissenschaftlichen Publikationen sind schwer messbar, da “die Gesellschaft” nur teilweise schriftlich und dort wiederum nur zu einem geringen Teil in einer Art und Weise mit wissenschaftlicher Literatur hantiert, die eine Nachverfolgung der Literatur möglich macht.

In den alternativen Metriken wird dies u.a. durch Crawlen von Zeitungswebseiten versucht. Wird dort eine DOI erwähnt oder ein Artikel direkt verlinkt, so kann dies gezählt werden. Dies ist u.a. zu sehen bei Altmetric.com, wo in diesem Beispiel zwei Artikel bei The Scientist und einer auf Heise.de gefunden wurden.

Doch ist dies die einzige Möglichkeit, den gesellschaftlichen Einfluss zu messen? Wie sieht es in der politischen Sphäre aus. Ein Ansatzpunkt wären hier die Schriften des Wissenschaftlichen Dienstes, in denen zumindest zu einem beachtlichen Teil wissenschaftliche Literatur zitiert wird – bei meinen Stichproben aber durchweg ohne Angabe eines persistenten Identifiers 1) und das die Dokumente selbst keinen haben ist ein uralter Kritikpunkt von mir … .

Es gibt sicherlich noch weitere schriftliche Kommunikation, die frei zugänglich ist und die eine Vermutung über gesellschaftliche Relevanz zulassen. Für Ideen wäre ich dankbar! Am liebsten wäre es mir, sie gleich in die Kommentare zu geben. Auf Twitter geht so etwas leicht unter.

PS: Measuring the societal impact of research von Lutz Bornmann ist ein interessanter Literatureinstieg zum Thema.

References   [ + ]

1. und das die Dokumente selbst keinen haben ist ein uralter Kritikpunkt von mir …

Noch freie Plätze: VIVO-Workshop 2017 in Hannover

In etwa drei Wochen, am 28. September 2017, findet in Hannover an der Technischen Informationsbibliothek der VIVO-Workshop 2017 statt. Wer sich genauer über VIVO informieren möchte oder sich mit den VIVO-Akteuren im deutschsprachigen Raum vernetzen möchte, ist herzlich eingeladen. Hier ist das fast vollständige Programm, eine Möglichkeit zur Registrierung besteht auch. Noch sind freie Plätze verfügbar, sie schwinden allerdings.

Animierte Simulationen per Klick: Loopy

Für die Simulation oder Modellierung einfacher Problemstellung gibt es ein hübsches Tool, das keine Programmierfähigkeiten benötigt. Mit Loopy kann man Modelle bauen, nachnutzen, veröffentlichen, durchspielen, was auch immer.

Zum Beispiel dieses einfachste Modell für die persönliche Fitness, das etwas komplexere Modell zu Auswirkungen der Automatisierung oder die Simulation der (Fehl-)Anreize in der Wissenschaft. Loopy kann sicherlich hervorragend in der Lehre eingesetzt werden. Als passende Lektüre zu Loopy empfiehlt der Entwickler Donella H. Meadows’ “Thinking in Systems”.

[Besten Dank an Tatiana!]

Scholia – Forschungsprofile aus Wikidata generieren

Scholia baut Forscherprofile aus in Wikidata vorhandenen Informaionen. Zum Beispiel werden bibliographische Informationen für die Darstellung von Koautorschaften genutzt. Scholia sieht mehr wie ein proof-of-concept aus, das Potential von Wikidata als zentralem Lieferanten von (nicht nur) Normdaten wird aber sofort klar ersichtlich.

VIVO an der TIB

Wer sich fragt, was ich an der TIB denn so treibe, kann einen kleinen Einblick bekommen in meinem ersten Blogbeitrag für das TIB-Blog. Darin geht es erst einmal um die VIVO-Mitgliedschaft, der neue VIVO-Prototyp und der Mitschnitt unseres VIVO-Webinars wird aber auch erwähnt.

Übrigens bin ich beim Bibliothekstag in Frankfurt und biete da mit meinen KollegInnen ein “Hands-on-Lab” zur Einführung in VIVO an. Vielleicht sehen wir uns da?

CfP: Die Bibliothek: Denkräume und Wissensordnungen

In Inetbib wurde ein interessanter CfP für die 41. Kölner Mediaevistentagung (10.-14. September 2018) zum Thema “CfP: Die Bibliothek: Denkräume und Wissensordnungen” veröffentlicht. Mögliche Fragestellungen (Auszug):

(i) Zunächst stellt sich die Frage nach dem Entstehen und Vergehen von Bibliotheken: Wo gibt es sie? Wer besitzt sie? Wer legt sie an? Wie wird gesammelt? Woher stammen die Bücher? Was sind ihre Preise? Wie entwickelt sich der Bestand über die Zeit? Wie erfolgt die Aufbewahrung, die Aufstellung, die Benutzung? Wer sind die Nutzer? Welchen Regeln unterliegt die Benutzung? Wer überwacht sie und wie? Was tun die Nutzer unter welchen Umständen mit den Büchern, z.B. lesen, kopieren, glossieren, beschädigen, stehlen…? Wann und wie werden Kataloge angelegt? Nach welchen Systemen? Gibt es Punkte, an denen ein bewusster Umbau einer Bibliothek erfolgt? Aus welchen Gründen? Was sind die Gründe für den Verlust von Bibliotheken?

(ii) In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie Bibliotheken von Zeitgenossen wahrgenommen und beschrieben werden. Mit welchen Absichten werden sie aufgesucht? Wer ist hierzu befugt? Wem ist der Zugang verwehrt? Wie gestaltet sich ein Aufenthalt in der Bibliothek?
Gibt es ein Bewusstsein von den spezifischen Eigenschaften einer bestimmten Bibliothek, Schilderungen des Erlebnisses einer Bibliothek, ihres Reichtums oder ihrer Lücken?

(iii) Hiermit eng verbunden ist die Imagination einer Bibliothek: Wie werden Bibliotheken in literarischen Texten und in der Malerei dargestellt, und zwar einerseits tatsächlich existierende und andererseits stereotype, erfundene, erträumte? Welche geistigen Erfahrungen (z.B. Einsicht, Erleuchtung, Bekehrung, Langeweile) werden mit Bibliotheken verbunden? Was sagt die äußere Gestaltung der Bibliothek (z.B. Truhe, Lesepulte, Räume, Gebäude) und ihrer Bücher (z.B. Einbände, Illumination) über ihre Bedeutung und die Vorstellungen ihrer Besitzer aus? Welche Vorstellungen und Wünsche schließlich prägen die (verwirklichte oder nicht verwirklichte) Planung einer Bibliothek?

(iv) Bibliotheken als Ensembles von Texten sind nicht notwendig gebunden an einen bestimmten Ort und an eine konkrete materielle Gestalt. Wir rekonstruieren ideelle Bibliotheken und erforschen dabei, was ein Autor gelesen haben mag, welche Quellen einem Leser zur Verfügung gestanden haben, wie zu einer bestimmten Zeit eine inzwischen verlorene Bibliothek ausgesehen haben könnte. Das digitale Zeitalter eröffnet zudem völlig neue Möglichkeiten für die Erschaffung idealer Bibliotheken, die hinsichtlich ihres Anspruchs auf Vollständigkeit und Präsenz über historische Vorbilder weit hinausgehen und für die Forschung bisher nicht gekannte Perspektiven eröffnen. Hierbei erschließt die Rekonstruktion der Bibliothek eines Autors nicht nur dessen geistigen Kosmos, sondern vermittelt auch einen Einblick in den Gang seines Forschens, der Suche nach bestimmten Texten, ihre Auswahl und Zusammenstellung sowie die wahrgenommenen Lücken, die dann durch die eigene Produktion ergänzt werden.

(v) Zum Verständnis einer Bibliothek gehören ferner ganz wesentlich die Klassifizierung, der Lektüreleitfaden, die Leseordnung, das Ausbilden von Systemen. Nimmt man beispielsweise die aristotelischen und platonischen Textkorpora (aber nicht nur diese), so sind Bibliothek und Wissenschaftseinteilung eng miteinander verbunden. Es gibt eine Bibliothek der scholastischen und der mystischen Theologie, für Mediziner, Juristen und Astronomen. Auf diese Weise wird zugleich ein Kanon gebildet, gelehrt, überliefert, gewandelt, ersetzt.

(vi) Darüber hinaus sind Bibliotheken die Grundlage von Intertextualität. Sie stellen somit Ansprüche an die Kenntnisse der Leser. Auf welche Weise wird dieses besondere Wissen vermittelt? Gibt es Kernbestände in Bibliotheken für einen übergreifenden fachlichen Diskurs? In welchem Umfang beeinflussen Bibliotheken die Lese- und Zitiergewohnheiten ihrer Nutzer?

(vii) In disziplinärer Hinsicht umspannt das Thema verschiedene Bereiche, die je nach den betrachteten Bibliothekstypen sowohl getrennt als auch in möglicher Verbindung auftreten können: Klosterbibliotheken, Universitätsbibliotheken, Hofbibliotheken, die Bibliotheken von Professoren (z.B. Amplonius), von Ärzten (z.B. Arnald von Villanova), von gelehrte Prälaten (z.B. Cusanus), Schriftstellern (z.B. Richard von Fournival, der u.a. eine Biblionomia verfasste), von Ratsherren, Rabbinern oder reisenden Scholaren reflektieren die Interessen ihrer Nutzer und Sammler. Vielfältige Gesichtspunkte ergeben sich durch Einbeziehung der byzantinischen Kultur, der jüdischen Tradition und der islamischen Welt mit ihren teils ganz anderen Voraussetzungen, zum Beispiel der großen Dominanz von Privatbibliotheken.

(viii) Bibliotheken sind von alters her Orte des Medientransfers: von der Schriftrolle über das Pergament zum Papier, vom Manuskript über den Buchdruck zum digitalen Speichermedium. Transferprozesse bergen stets die Gefahr von Verlusten. Nur selten werden Bestände vollständig von einem Medium in das andere überführt. Bestimmte technische und gesellschaftliche Veränderungen lassen sich durch das Prisma der Bibliothek betrachten, etwa die Einführung des Papiers, des Buchdrucks, der zunehmenden (auch wissenschaftlichen) Literatur in den Volkssprachen. Wie wird dieser Medienwandel und Medientransfer thematisiert? Welche Bedeutung hat er für den Bestand einer Bibliothek?

Den gesamten Call for Papers findet man im Inetbib-Archiv.

Eugene Garfield (1925 – 2017)

Eugene Garfield, Mitbegründer der Bibliometrie und zweifelsohne eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Informationswissenschaft des 21. Jahrhunderts, verstarb am 26. Februar. In der von ihm gegründeten Zeitschrift The Scientist wurde ein ausführlicher Nachruf veröffentlicht.

Die Verwendung des von ihm entwickelten Impact Factors zur Evaluation von Forschungsoutput sah er äußerst kritisch. Um ihn selbst zu zitieren: 1) Garfield, Eugene (2006): The History and Meaning of the Journal Impact Factor. In: JAMA 295 (1), S. 90–93.(PDF)

The use of journal impacts in evaluating individuals has its inherent dangers. In an ideal world, evaluators would read each article and make personal judgments.

References   [ + ]

1. Garfield, Eugene (2006): The History and Meaning of the Journal Impact Factor. In: JAMA 295 (1), S. 90–93.(PDF)

Linked Data oder Semantic Web?

Tom Heath schreibt zu der Frage “What is the relationship between Linked Data and the Semantic Web?” in der Linked-Data-FAQ:

Opinions on this topic do differ somewhat, however a widely held view is that the Semantic Web is made up of Linked Data; i.e. the Semantic Web is the whole, while Linked Data is the parts. Tim Berners-Lee, inventor of the Web and the person credited with coining the terms Semantic Web and Linked Data has frequently described Linked Data as “the Semantic Web done right”, e.g. in these slides.


Das W3C hat natürlich auch eine Definition des Terms Linked Data, auch in Beziehung zum Semantic Web.