Regierungsprogrammentwurf der SPD zu Open Access

Bildung und Wissenschaft sollen die Chancen der Digitalisierung stärker nutzen können. Wir wollen die offenen Kanäle für wissenschaftliche Kommunikation und Publikation fördern (Open Access). Für die Verwertung und Nutzung von Daten wollen wir Rechtssicherheit für alle schaffen und eine solide Vergütung der Urheber sowie eine angemessene Beteiligung der Verlage gewährleistet. In Forschung und Lehre sollen digitale Methoden legal genutzt werden können. Beispiele hierfür sind Text- und Datamining, also die Auswertung digitaler Datenbestände.

So schreibt die SPD in ihrem “Entwurf des Leitantrags der Programmkommission für das Regierungsprogramm 2017” in Zeile 350-356, und skizziert damit so etwas wie den sich abzeichnenden Minimalkonsens unter den Parteien. Text- und Datamining, legale Nutzung für Forschung und Lehre, Open Access. Ob und wie das dann in die Praxis umgesetzt würde, bleibt anzuwarten. Die bisherige Praxis im Bund und den Ländern spricht nicht gerade dafür, dass dieses Thema irgendeiner Partei tatsächlich wichtig wäre, dass man über einen Minimalkonsens hinaus ginge oder so sogar eigene Ideen entwickeln würde.

Nun ja, in einem Bundestagswahlprogramm werden alle Themen nur sehr kurz angeschnitten, übermäßige Kritik ist an dieser Stelle also nicht angebracht. Abzuwarten ist, wie sich das Schattenkabinett zusammensetzen wird und wer wie für diesen Bereich in die Bresche springen wird.

Jetzt: Bundesratssitzung zum Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz – #UrhWissG

Blogthematisch relevant sind heute zwei TOPs:

  1. TOP 10: 332/17 Gesetz zur Anpassung des Datenschutzrechts an die Verordnung (EU) 2016/679 und zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/680 (Datenschutz-Anpassungs- und -Umsetzungsgesetz EU – DSAnpUG-EU)

MIT Media Lab Disobedience Award – Preis für zivilen Ungehorsam zum Wohle der Gesellschaft

Ross Mounce schrieb in der Open-Science-Mailingliste:

Nominations are now open (until May 1st) for the first MIT Media Lab Disobedience Award

https://www.media.mit.edu/posts/disobedience-award/

The award is a $250,000 prize that “will go to a person or group engaged in what we believe is extraordinary disobedience for the benefit of society. Specifically, we’d like to call out action that seeks to change society in positive ways and is consistent with a set of key principles. These principles include non-violence, creativity, courage, and taking responsibility for one’s actions. We’re seeking both expected and unexpected nominees. This could include–but isn’t limited to–those engaged in scientific research, civil rights, freedom of speech, human rights, and the freedom to innovate.”

In my personal opinion I think Alexandra Elbakyan & the Sci-Hub/LibGen community are a STRONG contender for this award! But you are of course welcome to vote for any living person or group you choose to.

Go forth and nominate your heroes of disobediance!

Library Freedom Project

Library Freedom Project is a partnership among librarians, technologists, attorneys, and privacy advocates which aims to address the problems of surveillance by making real the promise of intellectual freedom in libraries. By teaching librarians about surveillance threats, privacy rights and responsibilities, and digital tools to stop surveillance, we hope to create a privacy-centric paradigm shift in libraries and the communities they serve.

Hier geht’s zur Webseite des Library Freedom Projects, zu dem es auch eine Online-Community gibt.

3sat-Beitrag zu Journal of Interrupted Studies und Science4Refugees

In einem guten – und dazu kurzen – 3sat-Beitrag wird das Journal of Interrupted Studies (JIS) und Science4Refugees vorgestellt. JIS ist ein schönes Projekt, kann aber m.E. den eigenen Anspruch, akademische Sichtbarkeit für geflohene WissenschaftlerInnen zu schaffen, nicht einlösen. Ein Open-Access-Journal würde sowohl die WissenschaftlerInnen stärker exponieren, aber auch der wissenschaftlichen Community ermöglichen, von den Publikationen zu profitieren. Bislang ist JIS in der ZDB nicht nachgewiesen. Per DOAJ wären die Artikel aber inzwischen sicherlich in zahlreichen Bibliothekskatalogen und Discoverysystemen gelandet.

Buchhandel.de schließt Januar 2017

Buchhandel.de hat in Biblioblog-Kreisen nie sonderlich viel Liebe erfahren. Die Börsenverein-Tochter MVB schließt sich der Gruppe der Kritiker nun an, wenn auch eher aus wirtschaftlichen Gründen. Es ist von „erschütternden Ergebnissen“ die Rede.

MVB-Chef Schild erklärte dazu ungerührt, Buchhandel.de sei ein Projekt, „das wir sehr gern gemacht und in das wir auch sinnvoll investiert haben“. Aber: Mit einem Budget von knapp 1 Mio Euro könne man eben keine Konkurrenz zu Amazon aufbauen: „Es war unrealistisch zu sagen, wir haben den besten Webshop der Republik.“

Ja, das war es wohl. Mehr Informationen gibt es auf Buchreport.de.

Corbyns Open Knowledge Library

We will create a free-to-use on-line hub of learning resources for the National Education Ser-
vice. The Open Knowledge Library will be the digital repository of lessons, lectures, curricula
and student work from Britain’s nurseries, schools, colleges and universities. We will require
the findings of all state-funded research to be made available without charge to the general
public through this learning portal. In collaboration with the teachers’ unions and the NUS,
the Open Knowledge Library will host virtual meeting places for educational professionals and
students to share experiences, disseminate ideas and form collaborations.

Der Canary verlinkt das Digital Manifesto von Jeremy Corbyn, aus dem diese Passage stammt. Es ist unter folgender URL zu finden:

https://d3n8a8pro7vhmx.cloudfront.net/corbynstays/pages/329/attachments/original/1472552058/Digital_Democracy.pdf?1472552058

Angedacht ist ein Repository für wissenschaftliche Publikationen und OER. Weitere Infos auch im Guardian.

Endlich fix: Netzneutralität in der EU

Die europäischen Regulierungsbehörden haben heute ihre endgültigen Leitlinien zur Netzneutralität vorgestellt. Und darin ganz klar Überholspuren im Netz verboten! Das ist ein großer Erfolg der europäischen Zivilgesellschaft, die sich mit der Kampagne „Save the Internet“ seit Jahren für den Erhalt der Netzneutralität eingesetzt hat.

Mehr zu dieser überaus erfreulichen Nachricht drüben bei Netzpolitik. Damit kann das Thema nun hoffentlich vom Tisch. Der nächste stets wiederkehrende Netzpolitik-Zombie, den es zu beseitigen gilt, wäre dann vermutlich das Leistungsschutzrecht.

Sabine Stummeyer: Open Educational Resources (OER). Aktuelle Entwicklungen und neue Herausforderungen für Bibliotheken im Zusammenhang mit dem Zugang von Flüchtlingen an deutsche Hochschulen

“Open Educational Resources (OER). Aktuelle Entwicklungen und neue Herausforderungen für Bibliotheken im Zusammenhang mit dem Zugang von Flüchtlingen an deutsche Hochschulen.” von Sabine Stummeyer.

Open Educational Resources (OER) sind offen lizensierte und frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien, deren Inhalte übernommen, angepasst und unter der gleichen Lizenz weiter verbreitet werden dürfen. Sie stellen einen wichtigen Beitrag zum lebenslangen Lernen dar. In Zusammenhang mit dem wechselnden Rollenverständnis von Wissenschaftlichen Bibliotheken hin zu einem Lernort, gewinnen OER zunehmend an Bedeutung. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Nutzung und dem Umgang von OER in Wissenschaftlichen Bibliotheken. Dargestellt an ausgewählten Beispielen im Zusammenhang mit dem Studium von Flüchtlingen an der KIRON- Universität und deren Zugang zu deutschen Hochschulen. Abschließend gibt diese Arbeit einen Ausblick auf Bereiche, aus denen Bibliotheken zukünftige Dienstleistungen für Ihre Trägereinrichtungen im Bereich der OER entwickeln können. Die Arbeit basiert auf einer Prüfungsleistung vom 14.02.2016 in der Lehrveranstaltung „Aktuelle Entwicklungen im Informationsmanagement“ unter Frau Dr. Ina Blümel.

Hier geht’s zum Volltext, auch via URN, die zur Veröffentlichung des Postings eigentlich schon freigeschaltet sein sollte. Die Publikation ist Band 3 der Schriftenreihe Digitale Bibliothek – Offene Wissenschaft von Ina Blümel und Christian Wartena.

Über die Kiron-Universität gab es übrigens im Herbst einen ganz netten Artikel auf Zeit Online.