Endlich offenes WLAN ohne Störerhaftung? Vielleicht.

SpOn berichtet über die anstehende und sehr, sehr überfällige Aufhebung der Störerhaftung. Netzpolitik.org meldet Zweifel an, ob Otto-Normal-WLAN-Betreiber mit der angekündigten Lösung tatsächlich geholfen wäre.

Bevor das Gesetz nicht in Kraft und der erste Abmahngeier gerichtlich und letztinstanzlich gescheitert ist, dürften viele eigentlich gutwillige WLAN-Anbieter vorsichtig sein. Für Bibliotheken, Archive, Museen, Hochschulen und Artverwandte heißt es dann aber hoffentlich: Hereinspaziert, mi WLAN es su WLAN!

Neoliberale Digital Humanities?

Daniel Allington, Sarah Brouillette und David Golumbia haben im L.A. Review of Books einen sehr meinungsstarken Artikel über Herkunft und Ziel der Digital Humanities veröffentlicht: Neoliberal Tools (and Archives): A Political History of Digital Humanities.

Yet despite the aggressive promotion of Digital Humanities as a radical insurgency, its institutional success has for the most part involved the displacement of politically progressive humanities scholarship and activism in favor of the manufacture of digital tools and archives. Advocates characterize the development of such tools as revolutionary and claim that other literary scholars fail to see their political import due to fear or ignorance of technology. But the unparalleled level of material support that Digital Humanities has received suggests that its most significant contribution to academic politics may lie in its (perhaps unintentional) facilitation of the neoliberal takeover of the university.

Es lohnt sich, den ganzen Artikel zu lesen, aber dieser Absatz fasst den Tenor des Textes recht gut zusammen. Ich bin gespannt auf die Antworten aus der Digital-Humanities-Szene.

[via @ernestopriego]

TTIP-Leak ohne Kapitel über Immaterialgüterrechte

Die von Greenpeace Niederlande veröffentlichten TTIP-Dokumente sind leider nicht vollständig. Aus der FAQ, Punkt 4 (Hervorhebung von mir):

Chapters which are not yet believed to have reached the consolidation phase, also not in possession of Greenpeace Netherlands, are those covering: energy and raw materials, investment protection, intellectual property rights, legal and institutional issues, subsidies, sustainable development, textiles and apparel, and other sectors.

Wer also wissen möchte, was TTIP mit den Bibliotheken, der Bildung und der Wissenschaft machen möchte, kann sich noch nicht informieren. Das geht uns wohl auch nichts an.

#mehrinternet: Petition gegen Störerhaftung ist relevant für Bibliotheken, Museen & Co

Über 60.000 Personen haben die von Christian Heise gestartete Petition zur Abschaffung der Störerhaftung schon gezeichnet.

Auch Bibliotheken oder Museen könnten ohne Störerhaftung ihre WLANs deutlich einfacher und ohne Angst vor Klagen ihren Nutzern und Besuchern öffnen und somit erhöhte Interaktionsmöglichkeiten mit den dortigen Beständen bieten. Wer daran interessiert ist, Menschen Zugang zu verschaffen, sollte diese Petition zeichnen. Und vielleicht einfach mal beim örtlichen Unions-Abgeordneten anrufen, denn die Union (CDU und CSU) ist der maßgebliche Störenfried, wenn es um freien Zugang zum Web geht. Auf Abgeordnetenwatch kann man durch Eingabe der Postleitzahl schnell feststellen, von wem man im Bundestag vertreten wird. Eine Suchmaschinenabfrage später hat man in der Regel die passende Telefonnummer.

Finnisches Brot, Geoblocking und die Union.

Teil der Operation Frühjahrsputz 2016, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Laut Julia Reda (Piraten) hat Sabine Verheyen (CDU) zum Geoblocking erklärt:

Ich kann in Deutschland in keinem Supermarkt und in keiner Bäckerei finnisches Brot kaufen. […] Geh ich jetzt hin und fordere von der Europäischen Kommission, dass ich dieses Produkt bitteschön gefälligst in meinem Supermarkt kaufen können muss?“

Dank Internet geht das sogar direkt aus Finnland:

Finnische Knäckebrote, Kekse und Brot
Suomikauppa.FI verfügt über ein großes Sortiment finnischer Brote und Kekse. Durchstöbern Sie unseren Katalog und bestellen Sie Ihre finnischen Lieblingslebensmittel aus Finnland.

Qualitätsstandards in Google News

Teil der Operation Frühjahrsputz 2016, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Unter der Überschrift “Erfolgreiche Aufnahme in Google News” wird beschrieben, wie Google sich Inhalte für Google News vorstellt. Da gibt es natürlich technische Richtlinien, aber auch allgemeine und Qualitätsrichtlinien. Und die sind recht erheiternd, wenn man sich überlegt, was alles in Google News zu finden sind.

So wird zu in den allgemeinen Richtlinien vermerkt, dass “Originalberichterstattung und ehrliche Quellenangaben […] zu den traditionellen Werten des Journalismus” gehörten. Hier ein Realitätsabgleich.

Gerücht: Investorengruppe will Thomson Reuters IP & Science kaufen

City A.M. berichtete schon am 13. März über ein Gerücht, dass die Investorengruppe Cinven, die sich unter anderem eine Zeitlang im Besitz der Springer-Gruppe befand, einen Kauf von Thomson Reuters IP & Science überlegt.

Private equity group Cinven is considering bidding for part of Thomson Reuters, with the news organisation set to launch a sale of its intellectual property and science units.

Wissenschaftlicher Dienst über “Archiv- und Urheberrecht”

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags scheint inzwischen auch Gutachten zu veröffentlichen, die noch nicht angefragt wurden. Zumindest ist jetzt schon eine am 16.
Februar 2016 fertiggestellte Arbeit über den Sachstand zu “Archiv- und Urheberrecht” (WD 7 – 3000 – 028/16, PDF) verfügbar, das sich mit dem unterschiedlichen Fristen im Bundesarchivgesetz und dem Informationsfreiheitsgesetz befasst. Eine Kernaussage (S. 8):

Nach dem BArchG beträgt die grundsätzliche Sperrfrist zur Einsichtnahme 30 Jahre. Aufgrund des Inkrafttretens des IFG zum 01.01.2006 ist jedoch eine Einsichtnahme auf entsprechenden Antrag hin möglich. Deswegen wird die Sperrfrist von 30 Jahren dispensiert, soweit zuvor eine Einsichtnahme nach dem IFG möglich war. Im Ergebnis bedeutet das, dass die 30jährige Sperrfrist nicht für solche Unterlagen gilt, die nach dem 01.01.2006 an das Archiv abgegeben worden ist.

Anlass des Gutachtens war – so steht es auch im Gutachten – die FragDenStaat-Aktion.