Springer Nature zensiert Wissenschaft in China

Springer Nature blockiert den Zugriff auf ca. 1 % der herausgegebenen Artikel innerhalb Chinas. Es handle sich dabei um Artikel mit kontroversem Inhalt wie z.B. Taiwan, Tibet oder Menschenrechte, so die New York Times. Springer Nature selbst erklärt dazu, dass hier kein Fall von Zensur vorliege, schließlich seien die Artikel außerhalb Chinas verfügbar.

Dazu Glyn Moody auf Techdirt.com:

According to Springer, it is not really censoring articles in China, because people outside can still read them. That insults both Chinese researchers, whom Springer clearly thinks don’t count, and our intelligence.

Laut Moody hatte Cambridge University Press unter Druck chinesischer Zensoren ebenfalls Artikel für den Zugriff aus China geblockt, dies aber nach kurzer Zeit wieder rückgängig gemacht, da eine Sperre der akademischen Freiheit widerspräche. Wem diese Freiheit am Herzen liegt und eventuell regelmäßiger Springer-Nature-Autor oder Herausgeberin ist, könnte den Verlag kontaktieren und zur Prinzipientreue ermuntern. Um noch einmal Moody zu zitieren:

If Springer fails to do the same, researchers will be justified in concluding that, unlike CUP, it does not uphold that principle of academic freedom. In which case, they may decide to publish their future work elsewhere.

[via Glyn Moody und Archivalia]

 

Unbekannte Übersetzer aus China in Taiwan

Während der “Martial Law”-Periode (1949-1987) war es in Taiwan offenbar untersagt, von Festlandchinesen übersetzte Werke zu veröffentlichen. Die Folge waren gefälschte Übersetzer-Angaben.

During the martial law period (1949-1987), it was illegal in Taiwan to publish translations by translators living in Mainland China. As a result, 40% of translated titles in Taiwan have translators who are claimed “unknown” or simply “editors’ department”. Compounding this confusing state of affairs is that many translators’ names are simply fabrications. Therefore, there is false information in all existing bibliographies of translated literature. Hundreds of translated titles published in China were reprinted in Taiwan under fabricated names or “unknown translators”. The names of over one hundred of China translators were altered without their knowledge. Those fake names used by publishers are also over one hundred. Researchers in Taiwan, Hong Kong and China have been misled by those fake translations. Cross-disciplinary cooperation is required to address this complicated issue.

Dieses Problemfeld (man denke ans Zitieren…) war mir bislang unbekannt. Die Publikation, aus der der zitierte Abstract stammt, ist leider nur auf Chinesisch(?) verfügbar. Die Google-Translate-Version lässt vermutlich einige Feinheiten vermissen…

Tzu-Yun Lai 賴慈芸. (2012). On the Fake Translations of World Literature in Taiwan. JOURNAL OF LIBRARY & INFORMATION SCIENCE, 38(2).

Google in China

Nerdcore:

Wenn Ihr nicht grade unter einem Stein lebt, habt ihr mitbekommen, dass offensichtlich die chinesische Regierung eine Cyberattacke gegen Google gefahren und Google dafür die Filter abgeschaltet hat, weshalb auf google.cn nun kritische Ergebnisse zu „Tiananmen“ auftauchen.

In der Tat, die Ergebnisse sind eindeutig, auch wenn ich nicht verstehe, was die Suchmaschinen (Baidu, Google, Yahoo) mir mitteilen wollen.

  1. Interessant ist, dass mit Baidu tatsächlich überhaupt drei Ergebnisse gefunden wurden, von denen zumindest das Erste Menschenrechtsbezug hat.
  2. Kann jemand den Infotext im Screenshot von Yahoo.cn übersetzen?

Digitale Bibliothek für Blinde in China eröffnet

In der chinesischen Hauptstadt Beijing wurde eine digitale Bibliothek für blinde und sehbehinderte Menschen eröffnet, in der elektronische Bücher, Musik oder Online-Vorlesungen angehört werden können. Die Bibliothek befindet sich innerhalb der Nationalbibliothek und wurde gemeinsam vom Informationszentrum des chinesischen Verbandes behinderter Menschen, der Nationalbibliothek und dem chinesischen Braille-Verlag eingerichtet.

[via german.china.org]

Google und die bleichen Bibliothekare

David Hesse schreibt in der ein kleines Artikelchen über Googles Digitalisierungen, bemüht ein paar wirklich abgegriffene Klischees (Hinterher eilen bleiche Bibliothekare…) und streift einige wenige Aspekte des Themas, die eigentlich eine genauere Betrachtung verdienen würden:

Warum sich Google die weltgrösste digitale Bibliothek zusammenscannt, weiss niemand so genau. Der Bücherverantwortliche im Londoner Google-Sitz findet die Frage müssig und schwärmt von der Demokratisierung des Weltwissens: «Wir sorgen dafür, dass Studenten in Afrika umsonst Bücher aus Lausanne lesen können», sagt er. Wie viel sich die Firma dies kosten lässt und was sie sich ertraglich davon verspricht, wird nicht verraten.

Da Google nicht eben das Rote Kreuz ist, erntet die Geheimniskrämerei viel Kritik. Wer garantiert dem Verschwörungstheoretiker, dass ihm nicht die Bücher des bestzahlenden Verlags zuerst serviert werden? Dass in China oder Russland nicht unliebsame Autoren herausgefiltert werden? Dass nicht Teile des Weltwissens gelöscht werden, wenn sie einem Gesetzgeber nicht mehr gefallen? Google hält sich an nationale Bücherverbote, so dass etwa in den USA eine Google-Buchsuche nach Hitlers «Mein Kampf» erfolglos bleibt.

Auch der letzte Satz des Artikels ist mehr als ein kurzes Nachdenken wert:

Während alle um die Wette scannen, interessiert sich die Leserschaft kaum für digitale Bibliotheken.

Google: Freihandel beinhaltet freies Internet

Google sorgt sich um seine Rendite, die es durch Zensur in China bedroht sieht. Zitat aus Forbes:

For the past several months, Google has been quietly lobbying the U.S. government to include restrictions against Internet censorship as a stipulation in free trade agreements with other countries.

The California-based Internet giant says that barriers to the free flow of information over the Web restrict commerce and economic development, and should therefore be considered barriers to free trade as well.

Folgendes Buch beschäftigt sich mit genau dieser Thematik:
Yahoo und Google in China – Wandel durch Handel? / Martin Woesler. – Aktualisierter Dr.. – Bochum : Europ. Univ.-Verl., 2007

[via Fritjofs Brille]

Zensur in China II

Der ehemalige Betreiber einer regierungskritischen Webseite ist in China wegen Aufwiegelung zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Ningbo im Osten des Landes befand Zhang Jianhong heute für schuldig, mehr als 60 “aufrührerische” Artikel auf ausländischen Internetseiten veröffentlicht zu haben, wie staatliche Medien berichteten.

Wer sich gegen so etwas engagieren möchte, liegt bei amnesty international und mit einer Mail an seinen Bundestagsabgeordneten sicherlich nicht verkehrt.

[via Heise]

Bibliotheken gegen Zensur

Immer noch wird in zu vielen Ländern zensiert, zum Beispiel in China, und eben auch in Kuba, wie Café Babel berichtet:

In Kuba werden fallen zahlreiche Werke der Weltliteratur unter die Zensur. Ein Verein will durch unabhängige Bibliotheken Abhiilfe schaffen – und wird deshalb vom Regime unter Druck gesetzt.

Eine weitere, eher kuriose Affäre begab sich gerade in den USA. Die aktuelle Ausgabe von Sports Illustrated (Vorsicht, jugendfrei! 1)Keine Waffen weit und breit, kein Gemetzel, nur eine junge Dame im Bikini) wurde auf Geheiß von Time Warner Inc. nicht an Bibliotheken und Schulen ausgeliefert. Begründung laut dieser Presseerklärung der ALA:

“In the past, we have gotten lots of feedback from parents, teachers, and librarians about the content possibly not being appropriate for librarians,”

“Bikinigate” wurde inzwischen beigelegt.

[via LISNews, Maison Bisson]

References   [ + ]

1. Keine Waffen weit und breit, kein Gemetzel, nur eine junge Dame im Bikini