Zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Bibliothekswesens

Inspiriert und mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Michal, der seine zwölf hoffentlich finalen Thesen zur Zukunft des Journalismus allen Zukunftsberufen zur Verfügung stellt, nun zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Bibliothekswesens:

1. Das Bibliothekswesen der Zukunft wird das gegenwärtige Bibliothekswesen eines Tages ablösen.

2. Zukunftsfähig wird das Bibliothekswesen nur dann, wenn es die Gegenwart nicht als Bedrohung empfindet.

3. Bibliothekswesen, die heute nicht vernetzt sind, werden morgen in den Netzen nicht vorkommen.

4. Alle Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Leser der Zukunft auch tatsächlich die künftigen Leser sind. (Addendum: Oder von ihnen abstammen.)

5. Die zunehmende Abwendung von den heutigen Medien bedeutet nicht, dass die Zuwendung zu den künftigen Medien nicht zunehmen wird.

6. Im Kampf um die Aufmerksamkeit werden sich Bibliotheken und Leser mehr anstrengen müssen.

7. Mit der wachsenden Orientierungslosigkeit des Bibliothekswesens wächst auch die Navigationsfreude der Leser. Und umgekehrt.

8. Die Nähe zum Geschehen wird die Distanz zu den Lesern bestimmen. Und umgekehrt.

9. Rückkopplungseffekte machen das Bibliothekswesen der Zukunft erst dialogfähig.

10. Leser und BibliothekarInnen werden immer häufiger die Rollen tauschen. Beide werden deshalb die Frage beantworten müssen: Was macht das mit uns?

11. Die Nachfrage nach Qualitäts-Angeboten wird künftig von der Bereitschaft abhängen, Qualitäts-Angebote auch tatsächlich nachzufragen.

12. Wer das Bibliothekswesen der Zukunft finanzieren wird, ist noch nicht raus.

Disclaimer: Die Thesen sind bis auf Kleinigkeiten komplett und 1:1 den 12 Thesen Wolfgang Michals zum Journalismus entnommen.

5 Gedanken zu „Zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Bibliothekswesens“

  1. Es scheint, als wenn es manchmal doch besser wär über eine Sache selber nachzudenken, als unpassende Muster zu übernehmen.

    Oder soll das witzig sein? Ist das vielleicht Satire?

    Ich denke, diese “Thesen” benötigen einiges an Erläuterung, wenn sie Ernst gemeint sind.

  2. Sehr treffend. Schön auch Michals Nachsatz: “Diese 12 Thesen sind selbstverständlich unbeschränkt einsetzbar, podiums- und massenkompatibel – und schmücken jeden weiteren Workshop, jedes Panel und jede Keynote zum Thema. Aber sind sie die ständige Wiederholung wirklich wert?”

  3. @BB: Ja, sie sind so universell anwendbar, dass man sie sogar problemlos in andere Branchen transportieren kann. ;o)

    @Hagetaka: Die Thesen sind eine Satire auf die sich seit Jahren stets wiederholenden “X Thesen zur Zukunft des Y”, wobei Y oft für in Auflösungspanik erstarrte Branchen wie den Journalismus (oder das Bibliothekswesen) steht. Ernsthaftere Thesen (aus dem TAIGA-Forum) gibt es aktuell drüben bei bibliothekarisch.de.

  4. Die Urthese, die erst alle diese tollen Thesen erst denkbar macht, wurde vergessen:

    Die Bibliothek muss sich dem Markt und dem Wettbewerb stellen und seine Benutzer als Kunden begreifen.

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