ScienceOpen und die 6000-Euro-Artikel

ScienceOpen wird von der Deutschen Welle vorgestellt. Es scheint sich um eine Art Mega-Journal zu handeln, das mit meritenbasierten User-Kategorien arbeitet. Je mehr veröffentlicht oder reviewed wurde, desto höher steigt man auf. Zu ScienceOpen kann man bestimmt ganz viel schreiben, aber nicht hier und jetzt. Zuerst:

  1. Mit “Prof. Dr. Björn Brehms” im Editorial Board ist vermutlich Björn Brembs gemeint, dessen Blog ich bei dieser Gelegenheit empfehlen möchte.
  2. So sieht ein ScienceOpen-Artikel aus.
  3. Alle Artikel werden unter CC-BY 4.0 veröffentlicht.

Im Bericht der Deutschen Welle wird ScienceOpen-CEO Stephanie Dawson zitiert:

800 Dollar, etwa 600 Euro, so Dawson, kostet die Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels auf ScienceOpen einschließlich Redaktion und sprachlicher Korrekturen. “Wir wollen etwas Hochwertiges präsentieren, uns aber abgrenzen von Internet-Magazinen, die für einen Open-Access-Artikel 5000 oder 6000 Euro verlangen.” Das sei langfristig für die Community kein tragbares Modell.

Da hat sie Recht, und von diesen Journals würde ich mich auch abgrenzen wollen. Aber gibt es überhaupt Journals, die solch hohe Gebühren verlangen? Ein erster Blick zu ein paar großen Akteuren bestätigt das nicht:

Ich bin nicht der Erste, der diese APCs vergleichen möchte. Hier ein paar Übersichten:

Die teuersten Journals, die dort verzeichnet sind:

  • BMJ Publishing Group: etwa $4,600.
  • Cell Reports: Angeblich $5,000, auf der Webseite findet sich aber nur ein Preis von $3,700.
  • Nature Communications: $5,200.

Das teuerste Journal (das übrigens wie so ziemlich alle teuren Journals nur Hybrid-OA anbietet) verlangt also 5200 US-Dollar pro Artikel. $5200 entspricht aktuell fast genau 3750 Euro.

Einschub: Ich möchte an dieser Stelle dringend darauf verweisen, dass die meisten OA-Journals überhaupt keine Gebühr nehmen. Laut DOAJ:

Kommen wir zurück zu den oben gestellten Fragen: Von welchen Journals möchte sich ScienceOpen abgrenzen? Gibt es diese Journals wirklich? Oder ist das hier einfach ein kerniges Zitat, das von den Journalisten eh nicht auf Korrektheit geprüft wird? Falls es wirklich Unmengen an Journals mit APCs im mittleren vierstelligen Bereich gibt, bitte ich um sachdienliche Hinweise! Wie teuer kann OA im schlimmsten Fall sein?

2 Gedanken zu „ScienceOpen und die 6000-Euro-Artikel“

  1. Nur als Hinweis, da der Autor des Beitrags diese aktuelle Quelle zu APCs offensichtlich nicht kennt und nicht zitiert hat – Wellcome Trust hat gerade vor anderthalb Monaten unter “Wellcome Trust releases details of APC spend” einen genauen und vollständigen Bericht veröffentlicht:

    http://goo.gl/7phghN

    Dort stehen konkret auswertet und aktuell die Zahlen zu APCs, aus denen hervorgeht, dass das teuerste Journal sogar pro Artikel vom Autor mehr als 10.000 Dollar kassiert, und keine Ausnahme ist:

    “The highest APC payment for an article was £6000 for a paper called ‘Laboratory Science in Tropical Medicine’, in a journal called Public Service Review. However, it is difficult to find details of this journal and the URL listed for this journal in the Wellcome Trust’s document now appears to be available for sale.

    Most of the next 55 entries in the table, sorted by price, were published with Elsevier, with a highest APC of £5,760.00 for a paper in the Lancet.”

    “Lancet”, “Cell” oder “Nature” und andere Journals in diesem Bericht gehören sicherlich zu den “großen Akteuren”, also verstehe ich die Aussagen im Blog oben nicht ganz.

  2. Vielen Dank für den Hinweis, der Text ist mir tatsächlich unbekannt. Von einem 10k-Journal steht da aber nichts.

    The high of £13,200 was for ‘Fungal Disease in Britain and the United States 1850-2000,’ a book published with Palgrave MacMillan.

    Es ging also um ein Buch. Der teuerste Artikel lag bei £6000 in einem Journal:

    However, it is difficult to find details of this journal and the URL listed for this journal in the Wellcome Trust’s document now appears to be available for sale.

    Das Journal existiert also eventuell nicht.

    Von den real existierenden Journals ist mir Lancet entgangen, das heftige £5760 nimmt. Allerdings ist es ein Hybrid-Journal. Die nächsten sind die oben von mir erwähnten Nature-Journals.

    Den nächsten Abschnitt kann ich nicht verifizieren:

    The most expensive APCs (at £3600) published with a purely open-access publisher were two papers published in Public Library of Science’s Neglected Tropical Disease.

    Zumindest aktuell liegen die Preise mit $2,250 USD laut Liste deutlich darunter.

    “Lancet”, “Cell” oder “Nature” und andere Journals in diesem Bericht gehören sicherlich zu den “großen Akteuren”, also verstehe ich die Aussagen im Blog oben nicht ganz.

    Es sind große Akteure, es sind aber keine OA-Journals, von denen die meisten, siehe oben, gar keine oder deutlich geringere Gebühren nehmen.

    Insgesamt ist festzustellen, dass es, auch wenn es noch andere Journals dieser Preiskategorie gibt, es sich dabei nur um ein Nischenphänomen handelt.

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