Schweigen im Walde: Die Bibliotheksverbände zu Zensursula
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Wordpress hat in Kooperation mit Firefox meinen sehr ausführlichen Artikel über die Schaffung der Zensurinfrastruktur durch CDU und SPD leider verschluckt. Egal, drüben bei Netzpolitik oder im Handelsblatt-Blog gibt’s sowieso so viel zum Thema, dass man gar nicht mehr aufhören kann, sich aufzuregen. Also fasse ich mich kurz: Willkommen, Deutschland, in diesem feinen Klub:
Eine Frage möchte ich nun noch wieder aufgreifen, noch bevor in Karlsruhe hoffentlich wieder für rechtsstaatliche Verhältnisse gesorgt wird1. Hat der Code of Ethics praktische Auswirkungen? Im Code of Ethics ist zu lesen:
Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.
Wie haben die Verbände ihrer Ablehnung Ausdruck verliehen? Recherchiert habe ich auf den Webseiten der Organisationen, in Inetbib und in ihren Twitter-Accounts, soweit sie mir bekannt waren2 . Vertreten sind im Bibliothek und Information Deutschland (BID):
- Deutscher Bibliotheksverband e.V.: Ein Hinweis auf die Petition über das Bibliotheksportal.
- Berufsverband Information Bibliothek e.V.: Nichts.
- EKZ: Nichts.
- Verein Deutscher Bibliothekare e.V.: Nichts.
- Bertelsmann-Stiftung: Nichts.
- Goethe-Institut/: Nichts.
- DGI: Nichts.
- BID: Nichts.
Was steckt hinter diesem Engagement? Trgägheit, Unsicherheit, Ignoranz, Desinteresse? Sind die Verantwortlichen der Verbände eventuell sogar der Meinung, das es schon seine Richtigkeit hätte mit den Internetsperren?
Fest steht meines Erachtens: Das bibliothekarische Selbstbewusstsein in Deutschland
ist ein sehr zartes Pflänzchen in der Arena der Political Players
.3 Wenn es nun auch in der Debatte um den Heidelberger Appell nicht gegossen wird, ist es noch bevor es zur ersten Blüte gelangen konnte, tot.
- Die vom Verfassungsschutz beobachtete Linkspartei hat übrigens geschlossen gegen die Zensurinfrastruktur gestimmt. Ganz im Gegenteil zu CDU und SPD. Wo kann man Parteien zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz vorschlagen? [↩]
- Sehr gut möglich, dass ich Äußerungen der Verbände übersehen habe. Falls dies so sein sollte, bitte ich um Hinweise in den Kommentaren! [↩]
- Andrea Kaufmann : Der bibliothekarische Aufbruch – Impressionen vom 3. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek [↩]


[...] Infobib: Schweigen im Walde: Die Bibliotheksverbände zu Zensursula [...]
posted on Juni 19th, 2009 at 16:41 Uhr
[...] Infobib: Schweigen im Walde: Die Bibliotheksverbände zu Zensursula [...]
posted on Juni 19th, 2009 at 18:51 Uhr
Das Schweigen ist nicht weiter verwunderlich. Die Verbände sind so weit von den Interessen ihrer Nutzer entfernt wie der Deutsche Bauernverband von der gewöhnlichen Milchkuh. Es interessiert sie schlicht nicht. Auf den Webseiten wird nur Außendarstellung betrieben. Und außer Selbstverwaltung passiert auch sonst nicht viel.
Eigentlich sind die meisten der oben genannten Verbände überflüssig. Ich kenne auch wenige junge Kollegen, die Mitglied sind. Die meisten sind schon ewig Mitglied und sind es weiterhin nur aus Gewohnheit und wegen der Personalia-Seite in der Mitgliedszeitschrift. “Och, Prof. XY ist 80 geworden. Sowas aber auch!”
Kurz gesagt: Der politische Impact der Verbände bewegt sich auf dem Niveau des nicht existierenden Verbands der hessischen Chinchilla-Dompteure.
posted on Juni 22nd, 2009 at 13:58 Uhr
[...] Schweigen im Walde: Die Bibliotheksverbände zu Zensursula » Infobib Schweigen im Walde: Die Bibliotheksverbände zu Zensursula (tags: zensur zensursula Urheberrecht bibliotheksverband Reaktion bid dgi dbv bib ekz VDB bertelsmann-stiftung lobbyarbeit) [...]
posted on Juni 23rd, 2009 at 14:25 Uhr
Da sind die US-amerikanischen Verbände wesentlich kompetenter und sich ihrer politischen Verantwortung bewusster, wie bei Heise nachzulesen: Verbände: ACTA soll Internet unangetastet lassen
posted on Juli 18th, 2009 at 11:20 Uhr
[...] in der Vergangenheit jedoch weder durch technische Kompetenz und Innovationsfreudigkeit noch durch politisches Verantwortungsbewußtsein sondern eher durch Schnarchnasigkeit hervorgetan haben, vertraue ich lieber einer NGO wie der [...]
posted on Juli 18th, 2009 at 13:48 Uhr
Fällt mir gerade auf: Nicht mal Akribie hatte es auf der Agenda. Oder habe ich etwas übersehen?
posted on Juli 18th, 2009 at 14:19 Uhr
Ich glaube bei Akribie sollten wir uns alle lieber selber an die Nase fassen – Akribie hat früher echt gute Sachen gemacht zum Beispiel zum Thema Raubgut als die Bibliotheken noch weit von sich gewiesen haben, etwas damit zu tun zu haben. Nur finden sich die meisten kritischen Bibliothekare und Bibliothekarinnen inzwischen lose verstreut in der Blogosphäre und anderswo im Netz anstatt sich in einem Verein wie Akribie zusammenzutun. Am 1.10. um 19 Uhr ist übrigens ein allgemeiner Akribie-Themenchat geplant, da könnte man mal vorbeischauen.
posted on Juli 20th, 2009 at 23:55 Uhr
[...] angesichts des ZugErschwG vom Schweigen der “großen” Verbände enttäuscht war, könnte sich ja vielleicht hier [...]
posted on September 30th, 2009 at 10:06 Uhr