Bezahlschranken sind eine Motivationsbremse

In einigermaßen regelmäßigen Abständen werden Beiträge aus der Libworld-Reihe in Journals oder Büchern zitiert. Ich erfahre davon meistens über Alerts, z.B. bei Google Scholar. Was ich selten erfahre ist der eigentliche Inhalt der Publikation über den Abstract hinaus. Fast immer handelt es sich um Closed-Access-Publikationen. Natürlich ließe sich an die Artikel gelangen. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Ich könnte die meist geforderten 25 – 39 US$ zahlen, 1) Haha. Hat das überhaupt schon mal jemand gemacht? Oder ist das eher ein symbolischer Preis? ich könnte die Fernleihe bemühen, ich könnte nach eventuellen Embargo-Zeiten nach OA-Versionen suchen. Und noch vieles mehr.

Will ich das? Ich will ja nur schnell nachsehen, in welchem Kontext die Libworld-Publikation (aktuell der Finnland-Artikel von Reetta Saine, der anscheinend in diesem Artikel zitiert wurde) erwähnt wird. Dafür so ein Aufwand? 2) Besonders unverständlich ist das bei Publikationen der IFLA, die sich oft an ein Publikum aus Schwellen- und Entwicklungsländern richten.

Zusammenfassung: Bezahlschranken sind Zugangsschranken sind Entdeckungsverhinderer sind innovations- und wissenschaftsfeindlich.

References   [ + ]

1. Haha. Hat das überhaupt schon mal jemand gemacht? Oder ist das eher ein symbolischer Preis?
2. Besonders unverständlich ist das bei Publikationen der IFLA, die sich oft an ein Publikum aus Schwellen- und Entwicklungsländern richten.

7 thoughts on “Bezahlschranken sind eine Motivationsbremse”

  1. Bin ich die Einzige, die hier Zustimmung ausdrücken möchte? Ganz oft interessiere ich mich für Artikel, die nicht im engen fachlichen Fokus meiner Forschungsbibliothek liegen. Sie könnten meinen Horizont erweitern, mich auf neue Ideen bringen oder ich will einfach nur mal reinschnuppern. Simple Neugier!

    “Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.” (Albert Einstein)

  2. Zu Fußnote 1: Wenn ein Wissenschaftler in dem entsprechenden Themenbereich forscht, dann ist er im Zweifelsfall dazu gezwungen, diese Mondpreise zu bezahlen, da er ja nicht absichtlich wichtige Publikationen ignorieren kann. Wenn seine Bibliothek die entsprechenden Journals nicht abonniert hat, wird er in die eigene Tasche oder den Bücheretat greifen müssen.

  3. @ms
    Nein, ein Wissenschaftler ist in der Regel nur zur Fernleihe gezwungen. Dennoch hält das den Innovationsprozess unnötig auf. Gesamtgesellschaftlich betrachtet sind diese Hürden schädlich.

  4. Zu Fn. 2: Genau! Zumal die Ifla-Konferenzbände meist so heterogenes Zeug zusammenstellen, dass niemand den ganzen Band gebrauchen kann. Elektronische OA-Version wäre viel besser …

  5. Ich würde nie und nimmer für einen Aufsatz einen solchen Preis bezahlen. Fernleihgebühr, wenn nötig (die Dienstleistung kostet in der Erbringung weitaus mehr als die Gebühr). Entscheidend ist aber: Wenn ich etwas schneller und günstiger Zugängliches finde, was mir hilft, mein aktuelles Informationsbedürfnis zu befriedigen oder eine Fragestellung zu beantworten, nehme ich hinter Mondpreisbarrieren Verschanztes nicht zur Kenntnis. Oder wenn ich es doch irgendwie unter großem Aufwand erlange und feststelle, daß sich der Aufwand (vielleicht nur die Fernleihgebühr und Wartezeit) nicht gelohnt hat, bin ich womöglich unbewußt negativ voreingenommen gehe daher härter ins Gericht mit dem unergiebigen Beitrag und seinem Autor.

    Autoren wissen es inzwischen manchmal, Verlage leugnen es weiterhin: Das Problem von Wissenschaftlern sind nicht zu viele, sondern zu wenige Leser.

Comments are closed.