"Mustergesellschaftsverträge" für bibliothekarische GmbHs

Es gibt meines Wissens nicht viele Bibliotheken in Deutschland, die als GmbH oder gGmbH geführt werden. Die Stadtbibliothek Gütersloh GmbH ist das prominenteste Beispiel, mit der Bertelsmann-Stiftung als Gesellschafter. Dies passt im doppelten Sinne, da die “gemeinnützige Stiftung” nicht nur in Gütersloh ansässig, sondern auch maßgeblicher Vorreiter der Privatisierungsidee in Deutschland ist. Auch die ekz ist in diesem Feld aktiv.

Wer sich dafür interessiert, wie die Gesellschaftsverträge aussehen können, sollte einen Blick in “GmbH als Rechtsform für Bibliotheken” von Sabine Kurth 1) Kurth, Sabine (1998): GmbH als Rechtsform für Bibliotheken. Köln (Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, 11). Online verfügbar unter http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/aw/2002/fh-koeln/band011.pdf, zuletzt geprüft am 19.12.2012. werfen. Im Anhang ist nicht nur der Gesellschaftsvertrag zwischen der Stadt Gütersloh und der Bertelsmann-Stiftung zu finden, sondern auch ein Mustergesellschaftsvertrag der ekz.

Interessant finde ich den sechsten Paragraphen “Rechtsbeziehungen zur ekz Einkaufszentrale für Bibliotheken GmnbH [sic!] (ekz)” (S. 44):

Die Gesellschaft ist verpflichtet, sämtliche von ihr anzuschaffenden Medien (Bücher, Tonträger, Filme, Software etc.) sowie Bibliotheksmöbel- und material über die ekz zu erwerben. Ausnahmsweise können Medien mit Zustimmung der ekz bei lokalen Händlern erworben werden. Dies gilt insbesondere für örtliche/regionale Literatur.

Zusätzlich erklärt sich die ekz bereit, ihr Know-how betreffend Einrichtung und Betrieb von Bibliotheken zur Verfügung stellen und – gegen Berechnung – die Buchhaltung und weitere Dienstleistungen für die Gesellschaft erbringen.

Unterscheidet sich die Beratung der ekz in Einrichtungsfragen von der Bank- und Versicherungsberatung, bei der natürlich liebend gerne eigene Produkte angepriesen werden? Das würde mich sehr interessieren, Kommentare dazu (wie immer auch pseudonym oder anonym) würde ich sehr gerne sehen. Es gibt ja inzwischen einige Bibliotheken mit GmbH-Erfahrung. 2) Notiz am Rande: Die Stadtbibliothekek Siegburg war von 1999 bis 2011 eine GmbH mit ekz-Beteiligung und wurde wohl wieder in eine AöR überführt mit den Zielen, Synergien, Einsparungen und die Schaffung einer ausreichenden Eigenkapital- und Finanzausstattung zu schaffen. Gemeinhin nimmt man ja an, genau dies seien die Ziele einer Privatisierung. In Schriesheim wurde das Experiment schon 2004 beendet.

References   [ + ]

1. Kurth, Sabine (1998): GmbH als Rechtsform für Bibliotheken. Köln (Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, 11). Online verfügbar unter http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/aw/2002/fh-koeln/band011.pdf, zuletzt geprüft am 19.12.2012.
2. Notiz am Rande: Die Stadtbibliothekek Siegburg war von 1999 bis 2011 eine GmbH mit ekz-Beteiligung und wurde wohl wieder in eine AöR überführt mit den Zielen, Synergien, Einsparungen und die Schaffung einer ausreichenden Eigenkapital- und Finanzausstattung zu schaffen. Gemeinhin nimmt man ja an, genau dies seien die Ziele einer Privatisierung. In Schriesheim wurde das Experiment schon 2004 beendet.

Ein Gedanke zu „"Mustergesellschaftsverträge" für bibliothekarische GmbHs“

  1. “Ein stetes und elementares Risiko bleibt die hohe Abhängigkeit der ekz von der Entwicklung der Medienbudgets der Bibliotheken.” (Jahresbericht der ekz für das Geschäftsjahr 2010 lt. Bundesanzeiger. Hervorhebung von mir.)Mittlerweile dürfte noch ein weiteres Risiko hinzugekommen sein, nämlich die Inflation der kostenlosen Aufmerksamkeits-Alternativen und dadurch die Deflation der Zeitbudgets auf Seiten der Konsumenten.

    Durch strukturelle Kopplungen, die Hausriesen des freien Marktes, lassen sich elementare Risiken abschwächen… oder verstärken… ;-(
    In Zeiten volatiler Staatskneten-Kopplung ist es da nur konsequent, wenn die ekz zusätzlich ins Endkunden-Geschäft einsteigt. Lieber eine schwächelnde Konjunktur als eine kommunale Pleite.

    Wie sich die ekz positionieren wird, sobald die Finanzkrise endgültig in Deutschland ankommt, ist die spannende Frage. Meine Vermutung: “Kommet her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will eure Kosten senken.” Wie das geht, beschreibt Max Otte in “Informationscrash”, Kapitel Franchising: Leibeigenschaft 2.0:

    Ausgebildete Mitarbeiter sind für die Umsetzung des Konzepts noch nötig, aber durch das ‘idiotensichere’ System kann nahezu jeder beliebige Typ Mitarbeiter eingesetzt werden.

    Daraus folgt: Bibliothekarische Ausbildungseinrichtungen schnell dicht machen, der Bedarf wird überschaubar.
    Am besten gar nicht über Veränderung nachdenken. Regeln anwenden reicht.

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