Leistungsschutzrecht: Gebeutelte Verleger "beugen sich Druck Googles"

Im Februar schrieb ich zu der optimistischen Äußerung des Madsack-Geschäftsführers Düffer, dass er nicht davon ausgehe, dass Madsack-Artikel aus dem Google-Index entfernt würden. Ich war nicht seiner Meinung und habe Recht behalten.

Das Verhalten von Google war anhand internationaler Beispiele glasklar vorhersehbar. Und nun schreibt die eigens zur Durchsetzung der aus dem Leistungsschutzrecht entstandenen Forderungen gegründete VG Media in einer Pressemitteilung (PDF), die wenig überzeugend so tut, als sei sie überrascht:

Google lehnt „Waffenruhe“ ab -Presseverlage beugen sich Druck Googles und lassen VG Media Gratiseinwilligung für Rechtenutzung erteilen

Es ist wirklich unglaublich. Da bedient sich eine medienmächtige Lobbygruppe der CDU/FDP-Bundesregierung als Auftragsgesetzgeber. Schwarzgelb liest der Lobbygruppe gegen jeden gesunden Menschenverstand jeden Wunsch von den Lippen und verabschiedet ein Gesetz, über das der Kartellamts-Chef sagt: Es gibt niemanden, der behauptet, es sei gut formuliert. Dazu wird Google als Trittbrettfahrer gebrandmarkt, der von der kostbaren Arbeit der armen Presseverleger profitiert. Nun sagt Google, dass sie diese Ausbeutung nicht weiter betreiben möchten. Und was ist? Die Presseverlage fangen an zu jammern und reden vom “Druck Googles”, der sie zum Einlenken zwingt. Herrje.

Ich bin gespannt, wie die VG Media diese ganze Geschichte noch abstruser gestalten wird. Sie wird es schaffen, da bin ich zuversichtlich.

[via fefe]

6 thoughts on “Leistungsschutzrecht: Gebeutelte Verleger "beugen sich Druck Googles"”

  1. Als Journalistin ist dies sehr peinlich. Einige mir bekannte Kolleginnen und Kollegen benutzen zur Beschreibung des Gebarens der VG Media-Verlage die Vokabel “Fremdschämen”.

    Liebe Leserinnen und Leser der Presse-Erzeugnisse, bitte denken Sie daran, dass die Journalisten, die für diese Häuser schreiben oft auch nur ihre Miete zahlen müssen und daher auch für diese Verlage weiterarbeiten, wenn deren Führungen solch einen Unsinn betreiben. Bitte verweigern Sie uns deswegen keine Informationen, bitte bleiben Sie uns weiterhin treu! Viele von uns finden diese ganze Leistungsschutzrecht-Angelegenheit ebenso überflüssig wie Sie, einige von uns können dies aus einer Zwangslage aber nicht offen artikulieren.

  2. Werte Journalistin, wenn sie schreiben wollen, nennen sie sich Autorin und schreiben. Und wenn sie auf der Seite der demokratie-, menschen- und intelligenzverachtenden Tätigkeiten irgendwelcher Presseverleger stehen, dann nennen sie sich »Journalistin«, aber leben sie damit, dass ich sie für ihre freiwillige und unerzwungene Parteinahme auf den Seiten meiner Feinde hasse und [entfernt von CH]!

    Sorry für meine Leidenschaft. Sie besteht aus geschaffenen Leiden.

  3. Ich habe hier zum – soweit ich mich erinnere – zweiten Mal in der Infobib-Geschichte in einen Kommentar eingegriffen. Auch wenn die Emotionen hochkochen: manche Dinge werden hier im Blog nicht zu lesen sein. Danke für den Kommentar, und vielen Dank dafür, dass dies in Zukunft berücksichtigt wird.

  4. Danke für Dein Verständnis.

    Ich kann ja auch die Wut verstehen. Über Journalisten, die pro LSR schreiben und hintenrum “fremdschämen”, kann ich auch nur den Kopf schütteln. Aber “Journalisten” sind eine fürchterlich heterogene Gruppe. Ob die Journalistin aus dem Kommentar da oben sich jemals positiv oder überhaupt zum LSR geäußert hat, weiß ich nicht. Sie schildert nur den von ihr empfundenen Zwang, die Miete weiter zahlen zu müssen und dabei auf gewisse Arbeitgeber angewiesen zu sein.

    Es gibt sicherlich nicht wenige Journalisten, die das Leistungsschutzrecht ablehnen. Als prominentes Beispiel sei Stefan Niggemeyer genannt.

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