Das Damenprogramm

Félix Armand Heullant (1834-1888): Junge Dame im Salon

Wunderschönes Fundstück zur Rolle der Dame auf einem Kongreß.

Der Terminus technicus für diesen ebenfalls wichtigen Teil eines Kongreßprogramms ist erstaunlicherweise in jüngster Zeit so in Verruf geraten, dass er kaum mehr verwandt wird, obwohl er eigentlich unverändert zutreffend ist. Im wesentlichen wird das Damenprogramm doch als Aufmerksamkeit des Organisators für die begleitenden Damen angeboten, die sich nicht für das Vortragsprogramm interessieren. Warum sie sich durch diese höfliche Geste diskriminiert fühlen könnten, ist schwer verständlich. Der Organisator einer reibungslosen Tagung legt vielmehr Wert darauf, auch die Damen anregend zu unterhalten, die nicht wegen der wissenschaftlichen Aspekte zum Kongreß gekommen sind. Abgesehen davon kann das Damenprogramm durchaus einen multiplikativen Effekt haben, wenn es so gut gemacht ist, daß die Damen abends ihren Männern vorschwärmen, was diese so alles versäumt haben, und dadurch zu einer harmonischen Kongreßstimmung beitragen, weil die Männer sich für ihre Frauen freuen und zufrieden sind, daß sich ihre Damen nicht langweilen.

Zur Rolle der Ehefrau des Organisators bei der Planung des Damenprogramms:

Selbst wenn sie aus guten Gründen keine Rolle spielen will, ist es doch empfehlenswert, ihren kritischen Rat zum Damenprogramm nicht nur einzuholen, sondern auch weitestgehend zu berücksichtigen, denn sie weiß bestimmt besser als der Mann, wie lange eine Dame gerne Zeit hätte, um sich in aller Ruhe zum Beispiel für eine Kongreßparty schick zu machen, oder welches Besichtigungsprogramm Damen besonders interessieren könnte.

Aus welchem Jahr stammt das? Mitte Sechziger, frühe Siebziger? Nein.

Neuhoff, Volker (1995): Der Kongreß. Vorbereitung und Durchführung wissenschaftlicher Tagungen. 3., erw. Aufl. Weinheim: VCH. S. 114f.

Vielen Dank an Elena für den Hinweis!