Springer Nature zensiert Wissenschaft in China

Springer Nature blockiert den Zugriff auf ca. 1 % der herausgegebenen Artikel innerhalb Chinas. Es handle sich dabei um Artikel mit kontroversem Inhalt wie z.B. Taiwan, Tibet oder Menschenrechte, so die New York Times. Springer Nature selbst erklärt dazu, dass hier kein Fall von Zensur vorliege, schließlich seien die Artikel außerhalb Chinas verfügbar.

Dazu Glyn Moody auf Techdirt.com:

According to Springer, it is not really censoring articles in China, because people outside can still read them. That insults both Chinese researchers, whom Springer clearly thinks don’t count, and our intelligence.

Laut Moody hatte Cambridge University Press unter Druck chinesischer Zensoren ebenfalls Artikel für den Zugriff aus China geblockt, dies aber nach kurzer Zeit wieder rückgängig gemacht, da eine Sperre der akademischen Freiheit widerspräche. Wem diese Freiheit am Herzen liegt und eventuell regelmäßiger Springer-Nature-Autor oder Herausgeberin ist, könnte den Verlag kontaktieren und zur Prinzipientreue ermuntern. Um noch einmal Moody zu zitieren:

If Springer fails to do the same, researchers will be justified in concluding that, unlike CUP, it does not uphold that principle of academic freedom. In which case, they may decide to publish their future work elsewhere.

[via Glyn Moody und Archivalia]

 

DFG antwortet auf Reuß & Rieble

Roland Reuß und Volker Rieble haben letzte Woche in der FAZ alarmistisch getönt, die Freiheit der Wissenschaft sei bedroht. Natürlich mal wieder durch die DFG. Wer es vergessen hat (werden bei den Infobib-Lesern nicht viele sein): Reuß war der mit dem Heidelberger Appell.

Nun gibt es eine ausführliche Antwort auf den Artikel von Reuß und Rieble: Stellungnahme zum Beitrag „Die Freiheit der Wissenschaft ist bedroht“ von Roland Reuß und Volker Rieble, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Mittwoch, 19. Oktober 2011 (PDF)

Ein kurzer Auszug:

Reuß/Rieble: „Einzelne DFG-Mitarbeiter bieten bereits gewerbliche Seminare für er-folgreiche Antragstellung an“.
Kein bei der DFG beschäftigter Mitarbeiter beziehungsweise keine bei der DFG beschäftigte Mitarbeiterin ist in dieser Art tätig.

Equinox lässt Autoren im Stich

Im International Journal of Speech Language and the Law, Vol 14, No 2 (2007), hatten Anders Eriksson und Francisco Lacerda einen Artikel über “Charlantry in forensic speech science: A problem to be taken seriously” veröffentlicht. Untersucht wird die Wirkungsweise von sogenannten Lügendetektoren. Aus dem Abstract:

Indeed, our review of scientific studies will show that these machines perform at chance level when tested for reliability. Given such results and the absence of scientific support for the underlying principles it is justified to view the use of these machines as charlatanry and we argue that there are serious ethical and security reasons to demand that responsible authorities and institutions should not get involved in such practices.

Amir Liberman, Gründer der Firma Nemesysco, die ihr Geld mit eben solcher Technologie verdient, fühlte sich angegriffen und drohte Rechtsschritte an. Equinox zog prompt den Schwanz ein und ersetze den Artikel durch einen Hinweis des Herausgebers, in dem das Vorgehen erklärt wird.

The Journal accepts that Mr Liberman and Nemesysco Limited were not asked to assist in the preparation of the article and further that they were not invited to comment on the content of the article prior to its publication where, in view of the content of the article, it would have been appropriate to invite them to do so. We have agreed to publish a letter from Mr Liberman and Nemesysco Limited setting out their objections to the article in more detail in a future issue of the journal.

Equinox will den Artikel in Zukunft nicht mehr öffentlich machen. Dies haben die Autoren dafür andernorts getan.

Eriksson & Lacerda 2007

Mehr Informationen zum Vorgang: