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Elektronische Subito-Kopie nur noch mit DRM

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2nd November 2008

Elektronische Subito-Kopie nur noch mit DRM

Via Netbib und Library Mistress stieß ich gerade auf Subitos Bedingungen für die Lieferung von geschützten Dokumenten gestoßen.

Die Lieferung von Kopien per E-Mail erfolgt unter Einsatz das DRM-System, wenn subito mit dem Verlag der Publikation, aus der der Kunde eine Kopie bestellen will, einen Lizenzvertrag geschlossen hat. Dies erkennt der Kunde daran, dass im Online-Dialog der Zeitschriftensuche eine gesonderte Lizenzgebühr für die Kopienbestellung ausgewiesen wird.

Zu DRM habe ich mich hier ja schon oft genug ausgelassen. Und Harald Müller mit dem Subito-Rahmenvertag.

Die Benachrichtigung zur Abholung des Dokuments erfolgt per Email bzw. ist im Bestellverfolgungssystem ersichtlich. Die geschützte Grafikdatei darf lokal gespeichert werden. Bestellung und Abholung müssen auf ein- und demselbem Rechner erfolgen.

Das ist ja genauso praktisch, wie die Beschränkung, eine Aufsatzkopie nur auf ein- und demselbem Schreibtisch umzublättern. Damit wären wir ungefähr bei der Benutzerfreundlichkeit der Onleihe angekommen.

Das DRM-System beschränkt die Nutzbarkeit der per E-Mail gelieferten Kopie wie folgt: Der Kunde darf das Dokument zehnmal auf ein- und demselben Rechner ansehen und zweimal ausdrucken.

Wie Library Mistress schrieb:

Gut, dass ich das Dokument nicht aus Versehen zuhause aufgemacht habe, wo ich im Moment keinen Drucker habe, sonst hätte ich jetzt die sieben Euro gleich nochmal zahlen müssen…

Der nächste Unsinn:

Nach Ablauf eines Monats nach Versand der E-Mail kann das Dokument nicht mehr angesehen und nicht mehr gedruckt werden.

Super. Ich bezahle also für eine elektronische Kopie, die sich nach einem Monat in Datenschrott verwandelt. Das heißt, wenn ich mir ein Archiv anlegen möchte, zum Beispiel um Volltextrecherchen anzustellen, bin ich gezwungen, die Subito-AGB zu brechen. Mich würde es sehr wundern, wenn nicht wenigstens die Hälfte der technisch versierten Subito-Kunden dies binnen kürzester Zeit für normal halten wird.

Voraussetzung: Einmalige Installation eines Plugin
Zur Ansicht und zum Druck der geschützten Dokumente ist die einmalige Installation eines Plugin notwendig.

Ach, Software muss ich auch noch installieren? Es handelt sich übrigens um ein Adobe-Plugin. Was dann vermutlich auch heißt, dass ich freie Alternativen wie Foxit nicht einsetzen kann, wenn ich per Subito gemietete Dokumente einsehen möchte.

Mein Beileid an alle, die auf Subito aus dem einen oder anderen Grund angewiesen sind. Ich nutzte es bislang nur ein paar Mal beruflich und werde mir in Zukunft sehr genau überlegen, ob ich Bibliotheksbenutzern so einen Murks noch ruhigen Gewissens empfehlen kann.

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Bisher 8 Kommentare oder Trackbacks zu “Elektronische Subito-Kopie nur noch mit DRM”

  1. 1 Jürgen Plieninger am November 2nd, 2008:

    Lieber Christian,
    genau darum geht es: Die Usability ist stark eingeschränkt! Auf Bibliotheksrechnern kann man das schonmal nicht ausdrucken, es sei denn, die Bibliothek hat netterweise das Plugin installiert. – Aber im Grunde führt das alles lediglich zu mehr Aufwand: Die Benutzer werden das ausdrucken, dann wieder auf den Scanner legen, über den Scan eine OCR laufen lassen und haben dann den Text doch. Aber letztlich ist es doch wohl so, dass Subito für Studierende (und auch Lehrende/Forschende) meist ohne Alternative ist, denn was soll man in Zeiten steigender Abonnementspreise und sinkender Etats denn tun, wenn die benötigte Literatur vor Ort nicht verfügbar ist? Wissenschaftler netzwerken dann oft; Studierende bauen sich ihre Netzwerke erst auf. Und die Preise von Ingenta, Infotrieve, Highwire und wie die Dokumentlieferdienste sonst noch alle heißen sind bei weitem höher als Subito. Also ist man als “Kunde” (schöne Dienstleistung!) gezwungen, sich auf den Unsinn einzulassen. Und da liegt eben der Unterschied zur Onleihe: Die Onleihe kann man benutzen, man muss es aber nicht. Auf Subito jedoch ist man (als Lückenbüßer für sich stetig verschlechternde Bibliotheksausstattung) angewiesen!

  2. 2 CH am November 3rd, 2008:

    Man ist nur dann auf Subito angewiesen, wenn man es eilig hat. Das trifft glücklicherweise längst nicht auf alle Forschenden zu. Eine konventionelle Kopiebestellung dauert zwar etwas länger, aber da erhält man den einzuscannenden Text wenigstens direkt und muss ihn nicht auch noch selbst ausdrucken. Von den Kosten ganz zu schweigen.

    Subito ist für mich ab sofort nur noch eine Randgruppeninitiative für kommerzielle oder besonders eilige Anfragen.

  3. 3 library mistress am November 3rd, 2008:

    Stimmt, wenn ich das vorher gelesen hätte, hätte ich den Artikel sicher als Postkopie bestellt. Ist halt ein wenig unsicher, wenn man ihn eine Woche vor einem Vortrag bestellt ;-)

  4. 4 links for 2008-11-04 « Nur mein Standpunkt am November 4th, 2008:

    [...] Elektronische Subito-Kopie nur noch mit DRM » Infobib Ich bezahle also für eine elektronische Kopie, die sich nach einem Monat in Datenschrott verwandelt. Das heißt, wenn ich mir ein Archiv anlegen möchte, zum Beispiel um Volltextrecherchen anzustellen, bin ich gezwungen, die Subito-AGB zu brechen. Mich würde es sehr wundern, wenn nicht wenigstens die Hälfte der technisch versierten Subito-Kunden dies binnen kürzester Zeit für normal halten wird. (tags: netbib) [...]

  5. 5 jge am November 4th, 2008:

    Scheint mir, dass den Wissenschaftlern hier im Augenblick dasselbe blüht wie Konsumenten anderswo. PC-Spieler etwa haben mit vergleichbaren Gängeleien zu rechnen, und dass es CD-ähnliche Tonträger gibt, die sich gegen das Rippen wehren, wurde mir auch erst klar, nachdem ich einen gekauft hatte und dann nicht hören konnte, wie und wo ich wollte. Die Musikindustrie hat immerhin schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, die Spieleindustrie noch nicht — und Wissenschaftsverlage dürften ohnehin nicht die Speerspitze des Fortschritts sein.

  6. 6 library mistress am November 5th, 2008:

    Noch was ist mir gerade klar geworden: Ich darf das erforderliche Plugin auf meinem Rechner in der Bibliothek gar nicht installieren (auch wenn ich es von den Berechtigungen her könnte), sondern muss erst bei unserer EDV-Abteilung nachfragen, und wenn die nein sagen, habe ich Pech gehabt.

  7. 7 CH am November 5th, 2008:

    Großartig. Das sind die Konsequenzen, wenn man DRM einsetzt. Schon der Zwang, ein Programm einer bestimmten Firma zu installieren, nervt mich ungemein.

  8. 8 ob am November 6th, 2008:

    Nach meiner Ansicht muss man etwas differenzieren:

    1. subito verschickt seit März per DRM
    2. Die Dateien sind keine echten PDF, sondern Tiffs – also nicht durchsuchbar
    3. (fast) diesselben Tiffs erhält man per Fax-Bestellung (mit Fax-Modem)
    4. Dateilieferung (2) wird bald sowieso unbezahlbar mit 10 Euro und mehr
    5. Faxlieferung (3) wird auf absehbare Zeit mit 6,50 Euro noch vergleichsweise guenstig bleiben.
    6. Ob 2 oder 3, subito liefert blitzschnell, meist in wenigen Stunden. Garantiert in 1 oder 3 Tagen.

    Als Bibliothek mit 3.000 subito-Bestellungen im Jahr, ist das Urheberrecht (und DRM) der absolute GAU. Wenn die Nutzer nicht mit Fax zufrieden wären, wäre subito tot.

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