Wozu man Shortlinks nicht benutzen sollte!

Es wurde schon wiederholt erwähnt, nun aus aktuellem Anlass 1) Der aktuelle Anlass besteht aus Links aus etwa zwei Jahre alten Tweets, deren Ziel mir nur durch weitere Recherchen zugänglich war. noch einmal ganz explizit: Wozu man Shortlinks nicht benutzen sollte!

Shortlinks sind praktisch, wenn man sie in Medien nutzt, in denen man auf jedes Zeichen angewiesen ist. Prominentestes Beispiel ist natürlich Twitter. Dort hat man 140 Zeichen. Wenn man dort auf http://www.llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.co.uk/ verweisen möchte, bleibt nicht mehr viel Platz, um die Qualität des dortigen Aufenthalts zu erläutern. Alles kein Problem, ab in den URL-Shortener.

Auch wenn man es sich nicht vorzustellen vermag: Sogar Webdienste sind vergänglich! Möchte man also in einem Blog, in einer Mailingliste, einem Forum oder in einem anderen Medium auf eine Webseite hinweisen, sollte man sich bei der Verwendung eines URL-Shorteners darüber klar sein, dass man seine Informationen auf wacklige Füße stellt.

Die Risiken sind längst bekannt, dennoch werden weiterhin Shortlinks auch an Stellen verwendet, wo sie einfach nichts zu suchen haben. Dass der längst eingestellte Dienst tr.im weiterhin von Spambots bei Twitter benutzt wird, ist irrelevant. Dass solche Dienste auch in Mailinglisten und Blogs (auch von “Information Professionals”, die es eigentlich besser wissen sollten) genutzt werden, ist äußerst nervig.

Wirklich bescheuert (und mir fällt wirklich kein schmeichelhafteres Wort dafür ein) ist jedoch die Verwendung von URL-Shortenern in Büchern und Zeitschriften. Beispiele gefällig?

Gab’s das schon einmal, dass das Literaturverzeichnis eines Buches durch den Aufkauf eines Start-Ups komplett wertlos werden kann?

Ein paar Links zu URL-Shortenern:
Techcrunch: URL Shorteners Slow Down The Web – Especially Facebook’s FB.me
Hilary Mason: A Data-driven Look at the Realtime Web
David Weiss: The Security Implications of URL Shortening Services
Alexander Neumann, Johannes Barnickel, Ulrike Meyer: Security and Privacy Implications of URL Shortening Services

Zum Datenschutz-Aspekt aus dem Paper von Neumann, Barnickel und Meyer, S. 5:

A shortening service can extract much data from the request for shortened URLs. This data includes the requested URL, time of request, requesting browser version, HTTP referrer, and the IP address of the user’s machine. The latter allows for discovering different Internet connections of a user and often also the user’s physical location using a Geo IP database.

In addition, like other web servers, many shortening services set a unique cookie in the user’s browser. The browser then transmit the cookie to the service every time a short URL is requested. While identifying users is not necessary for the shortening service to function, setting a unique cookie enables the service to track the user without much effort. When the validity period of the unique cookie is long enough, the service can over time build a history of accessed URLs and mine interesting data.

Medienkompetenz beinhaltet nicht nur die Fähigkeit, Dienste nutzen zu können. Sondern auch das Wissen darüber, wann man dieselben Dienste nicht nutzen sollte.

References   [ + ]

1. Der aktuelle Anlass besteht aus Links aus etwa zwei Jahre alten Tweets, deren Ziel mir nur durch weitere Recherchen zugänglich war.

4 Gedanken zu „Wozu man Shortlinks nicht benutzen sollte!“

  1. Tja, das ist schon dumm, wenn die Kurz-URLs nicht mehr funktionieren. Bei Twitter werden Links allerdings seit kurzem automatisch gekürzt (auf ‘t.co’), dafür braucht man also keinen Shortener mehr – und sonst sollte man am besten YOURLs verwenden. Das ist ein URL-Shortener, den man auf dem eigenen Server installieren kann und der so lange läuft, wie der eigene Server am Netz ist.

  2. Also, ich empfehle Studierenden, Shortlinks anzugeben, aber zusätzlich zu den korrekten URLs. – Denn es ist ein Service für die Lesenden, die angegebene Quelle mal kurz durch Eingabe von ein paar Zeichen ansteuern zu können und nicht die elend langen URLS eintippen zu müssen, die “moderne” Content Management Systeme heute so bieten.

  3. @Bibliothekswelt:

    Damit kann man das Problem nur für sich selbst lösen. Ich habe jedoch keinen Einfluss darauf, wie lange jemand anderes seinen Shortener am Leben erhält.

    @jplie:
    Den Einwand akzeptiere ich. Als Leser-Service kann man das so machen.
    Bei wiss. Artikeln könnte man dafür DOIs nehmen, die gibt es jedoch nicht für alle Linkziele.

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