Stiglitz & Sulston fordern Open Access (zumindest zwischen den Zeilen)

Die meist hitzige Debatte über geistiges Eigentum geht in eine neue Runde; diesmal angestoßen von sehr prominenter. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisiert – gemeinsam mit Medizin-Nobelpreisträger John Sulston – das System des geistigen Eigentums:

It is now widely recognised that the system of law and practice that has regulated science and protected the rights of those who make scientific discoveries and turn them into products and therapies in a process known as “innovation” is unfit to serve the needs of the contemporary world.

Weiter:

The second issue we wish to highlight is that of access to science itself. The ideal shared by almost all scientists is that science should be open and transparent, not just in its practices and procedures, but so that the results and the knowledge generated through research should be freely accessible to all. There is a broad consensus in the scientific community that such openness and transparency promotes the advancement of science and enhances the likelihood that the benefits of science are enjoyed by all. For more than a hundred years, these principles have been the bedrock of academia and the scientific community.

Ohne Sulston und Stiglitz Naivität unterstellen zu wollen: Liege ich sehr falsch, wenn ich den meisten vielen manchen Wissenschaftlern wesentlich weniger edle Motive unterstelle? Das Zurückhalten von Informationen ist doch immer noch gängige Praxis, wird durch die Konkurrenz bei Projektanträgen auch (ungewollt) gefördert.

Die Richtigkeit von Sulston & Stiglitz’ Folgerungen bleibt davon natürlich unberührt. Auch wenn die Worte open und accessible im Text nicht direkt nebeneinander stehen, ist eindeutig, wie diesen Forderungen entsprochen werden kann und muss.

Mehr im offenen Brief von S&S in der Times.

"Open Education" – Die Kapstadt-Erklärung

Nach den drei B-Erklärungen des Open Access (Bethesda, Budapest und Berlin) hat nun auch die Open-Education-Bewegung eine Erklärung, die zur Zeichnung offen steht: Kapstadt Open Education Declaration.

Das in der Erklärung genannte Hauptziel: Jeder sollte die Freiheit haben, Bildungsmaterialien zu nutzen, zu verändern, verbessern und weiterzugeben – ohne Einschränkungen.

Dies soll durch drei unterschiedliche Strategien erreicht werden:

  1. Lehrende, Schüler und Studenten: Wir ermuntern Lehrende (Professoren, Dozenten, Lehrer etc.) und Studierende, aktive Teilnehmer der “Open Education”-Bewegung zu werden. Teilnehmen bedeutet: frei zugängliche Bildungsmaterialien zu erstellen, benutzen, oder zu verbessern; Praktiken umzusetzen, die auf offener Kollaboration und gemeinsamer Erschließung von Wissen als Teil der Lehre basieren; Freunde und Kollegen einzuladen, an der Bewegung teilzunehmen. Die Erstellung und Nutzung von frei zugänglichenBildungsmaterialien sollte als integraler Teil von Bildung anerkannt werden.
  2. Frei zugängliche Bildungsmaterialien: Wir regen die Autoren und Verleger von Bildungsmaterialien dazu an, ihre Ressourcen frei zugänglich zu machen. Lizenzbedingungen sollten die Nutzung, Veränderung, Übersetzung, Verbesserung, und Weitergabe des Materials ermöglichen. Es soll in technischen Formaten bereitgestellt werden, welche die Verwirklichung dieser Möglichkeiten unterstützen, und Nutzern verschiedener Computersysteme zugänglich sind. So weit möglich, sollten die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigt werden. Idealerweise sollten auch Nutzer ohne Internet einbezogen werden.
  3. Richtlinien und Politik: Regierungen, Verwaltungen, Schulen und Universitäten sollen frei zugängliche Bildungsmaterialien zu einem Thema mit Priorität machen. Bildungsmaterialien, die mit Hilfe von Steuergeldern erstellt werden, sollten offen zugänglich sein. Bei der Auswahl anerkannter Lehrmaterialien für den Unterricht und die Lehre, sollen “Open Educational Resources” Vorzug finden. Bildungseinrichtungen sollen aktiv frei zugängliche Materialien fördern und ihre Relevanz hervorheben.

Zu den Erstunterzeichnern gehört u.a. Jimmy Wales.

[via Heise]