Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland

Die Empfehlungen zur Zukunft des bibliothekarischen Verbundsystems in Deutschland (PDF) sind nun veröffentlicht. Gefordert wird ein Wechsel weg von den regional ausgerichteten Strukturen. Insgesamt sei das jetzige System nicht effektiv. Die auf den ersten Blick wichtigsten Passagen aus der dazugehörigen gemeinsamen Erklärung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrates zur Zukunft der Bibliotheksverbünde als Teil einer überregionalen Informationsinfrastruktur in Deutschland:

3 – Im Gesamtsystem der Verbünde sollte zukünftig eine primär funktional und verbindlich koordinierte Arbeitsteilung entwickelt werden. Dienste sollen verbundübergreifend in einer modernen technischen Architektur offener Systeme zentralisiert angeboten und, wenn sachlich geboten, mit einem regionalen Betrieb kombiniert werden.

Offene, zentral angebotene Dienste. In Teilen ist dies ja schon der Fall. So steht zum Beispiel das OPUS-Hosting des BSZ auch Bibliotheken außerhalb des BSZ offen.

4 – Mit einer Integration bislang regional geführter Kataloge und Dienste auf nationaler und internationaler Ebene sollen Redundanzen und eine heute so nicht mehr benötigte Komplexität der Verzeichnungsstrukturen vermieden werden.

Kann man als Plädoyer für zentrales Indexhosting betrachten, wie es auch hier diskutiert wird.

5 – Die Verbünde sollten mit ihren überregionalen Serviceanteilen in eine zukünftige bundesweite Koordination von Informationsdienstleistungen integriert sein. Dies schließt internationale Kooperationen ein.

6 – Für die Koordinierung des zukünftigen Verbundsystems ist ein Strategie- und Steuerungsgremium erforderlich, das für die Umsetzung der einzelnen Schritte im gesamten System über die erforderlichen Kompetenzen verfügt.

Hier wird es äußerst spannend. Was für ein Gremium soll das sein? Kompetenznetzwerk für Bibliotheken? Das Deutsche Bibliotheksinstitut gibt es ja nicht mehr. DNB?

9 – Mit dem intendierten Systemwechsel von einer primär regional zu einer funktional organisierten Verbund- bzw. Dienstleistungsstruktur wird eine leistungs- und zukunftsfähige überregionale
Informationsinfrastruktur für Wissenschaft und Forschung nachhaltig ausgebaut und
gesichert.

Wenn die Aufgaben zwischen den Verbünden nun nicht mehr nach Regionen verteilt sind, ist ein Hauen und Stechen bezüglich der zukunftsträchtigsten Aufgaben zu befürchten.

3 Jahre Bibliotheksrecht

Eric Steinhauers Bibliotheksrecht.de feiert dreijähriges Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch!

Wenn man drei Jahre lang ein Blog zum Bibliotheksrecht betreibt, ist es gut, sich die “Sinnfrage” zu stellen. Passen Form und Inhalt noch? Ich denke schon. Das “Zettelkasten”-Prinzip nimmt dem ganzen Unternehmen einen gewissen Aktualitätsdruck. Hier wird keine Nachrichtenbörse und kein Diskussionsforum zu aktuellen Fragen geboten, sondern eine Sammlung von Exzerpten und Ideen. Sie können, müssen aber nicht aktuell sein.

Vielleicht ist die Seite wirklich eher als Zettelkastel zu sehen, weniger als Blog. Schließlich ist die Kommentarfunktion nicht aktiviert, ähnlich wie beim Bildblog, dem der Blogcharakter schon verschiedentlich abgesprochen wurde.

Davon unbelastet bleibt das fachliche Verdienst. Steinhauer stellt auch zurecht die Frage, ob solch ein Engagement nicht hauptamtlich geführt werden sollte:

Und wenn man zwischen zwei Terminen in irgendeinem überfüllten ICE durch Deutschland rollt, stellt sich schon die Frage, ob das ganz bibliotheksrechtliche Unternehmen auf die Dauer so nebenbei zu erledigen ist. Diese Frage betrifft im Grunde alle aktiven Kollegen unter den Bibliotheksjuristen.

War es früher die punktuelle Expertise, die man gerne kollegial gegeben hat, sieht man sich nun in Groß-Gremien, Gesetzgebungsverfahren und erbitterte Lobbygefechte eingebunden. Es bleibt abzuwarten, wieweit das überkommene System der Bibliotheksjuristen mit Geschäftsgangsobliegenheiten in dem immer komplizierter werdenden Geschäft noch tragen wird.

Das betrifft nicht nur Bibliotheksjuristen, auch die bibliothekswissenschaftliche Forschung wird “nebenbei” ausgeübt. Das alles schreit nach einer Wiederbelebung des DBI. Aber das nur nebenbei…

Artikel über Langzeitverfügbarkeit nicht verfügbar

Langfristige Verfügbarkeit elektronischer Medien [Computerdatei] : Referat am Kolloquium “Speicherbibliotheken – Digitale Bibliotheken” ; (Graz, 3. April 1997) / Heinz Hauffe. – 1997. – 22.725 Bytes

Über DOBInet gefunden, und trotz des Titels unter der angegebenen URL natürlich nicht mehr erreichbar. Aus dem Abstract:

WBb sollten im Bereich ihres Sammelauftrags Verfügbarkeit von Online-Publikationen beobachten und erforderlichenfalls Verantwortung für die Archivierung selbst übernehmen.

Das war in diesem Fall anscheinend nicht erforderlich.