Finanzkrise und Bibliothekwesen II

Die ALA in einer Presseerklärung:

The American Library Association (ALA) is asking Congress for $100 million in stimulus funding to aid the nation’s working families during the current economic crisis. Aid is sought to stem the bleeding of critical library services that help Americans with job searches, small business development, financial literacy and other essential assistance in hard economic times.

Es wird an dieser Stelle selbstverständlich noch einmal auf den hohen Return on Investment des Bibliothekswesens aufmerksam gemacht:

Investments in libraries often yield high dividends for communities. Studies show economic returns from salaries and wages paid to staff, construction costs, employment services and library purchases. A recent Pennsylvania study points out that for every dollar invested in the public library, the community receives a return of $5.50. A similar report from Florida shows a $6.54 return on investment.

[via Librarian in Black]

Debatte um "Bibliothekswertrechner"

Sharp EL-8

Die Debatte über Tools zur Berechnung des wirtschaftlichen Nutzens von Bibliotheken kocht zur Zeit wieder etwas höher. Ausgangspunkt war die Meldung von Jürgen Plieninger in Netbib, dass im Bibliotheksportal nun ein Bibliothekswert-Rechner zu finden sei. In INETBIB wurde dazu natürlich eifrig diskutiert, auch beim Haftgrund stieß die Meldung auf reges Interesse und große Ablehnung.

Was mir auch an diesem Rechner wieder mißfällt:

  1. Scheingenauigkeit
  2. Wenn ich alle anklickbaren Dienstleistungen genau ein Mal nutze, bekommt man einen Wert von € 134,59. Über das Zustandekommen der Zahl muss man nun gar nicht debattieren. Ob eine durchschnittliche Zeitschriftenausleihe wirklich dem Gegenwert des Spiegels entspricht, sei dahingestellt. Die Genauigkeit der Angaben wird auf der Seite nirgendwo in Frage gestellt. Journalisten nehmen so etwas für bare Münze. Aber das ist wohl beabsichtigt.

  3. Das Konzept des “Bibliothekswerts”
  4. Berücksichtigt wird hier ausschließlich der Wert für den einzelnen Nutzer. Das eine Bibliothek einen gesamtgesellschaftlichen Effekt hat, der auch rein wirtschaftlich weit über den Nutzen für den einzelnen hinaus geht, wird überhaupt nicht erwähnt. Wenn bibliothekarische Lobbyarbeit schon über ökonomische Zahlenspielereien stattfinden soll, dann darf das auf keinen Fall verschwiegen werden.

  5. Fokus auf den Konsumenten
  6. Bibliotheken haben auch eine wichtige Rolle für die Partizipation am politischen, sozialen und kulturellem Leben. Wer am Geschehen teilhaben möchte, benötigt Informationen. An vieles kommt man inzwischen zwar auch ohne Bibliotheken, an andere aber auch nicht.

Selbst wenn man den Rechner als das nimmt, was er ist (nämlich als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit) müsste er meines Erachtens in einen größeren Kontext gestellt werden. Es sollten zumindest Informationen verlinkt werden, die auch den Nutzen erläutern, der über den für das Individuum hinausgeht.

Return on Investment für Bibliotheken


David Rothman hat eine Sammlung von Tools zur Berechnung des Bibliothekswerts verlinkt. Genauer gesagt handelt es sich um Berechnungen, die dem Bibliotheksbenutzer zeigen, wieviel Geld er durch die Benutzung einer Bibliothek spart.

Verwendet man den user calculator des Library Research Service, erhält man durch simple Eingabe weniger Benutzungskennziffern, wieviele Geld man pro eingesetztem Steuerdollar gespart hat. Schon bei einer einzigen entliehenen Monographie ist man bei einem Return on Investment von 493%. Klingt natürlich beeindruckend. Ist aber weder neu, noch hilfreich.

In den letzten Jahren ist es Mode geworden, die Kapitalrendite verschiedenster Einrichtungen zu berechnen.Zum Beispiel von Banken, Krankenhäusern, Schulen und natürlich auch Bibliotheken. Besonders hip ist es, in diesem Zusammenhang von Return on Investment zu sprechen.

Doch auch CEO-Sprech kann schlecht verbergen, dass dies ein Ansatz ist, den jeder auch nur nur halbwegs sozial(politisch) denkende Bibliothekar ablehnen muss. Bibliotheken sind kein renditeorientiertes Staatsunternehmen, sie sind eine Kultur- und Bildungseinrichtung. Als solche muss sie sich natürlich auch rechtfertigen, aber ob das über Instrumente der Betriebswirtschaft laufen sollte, ist anzuzweifeln.