OPML, oder: Bibliotheken als Organisatoren wissenschaftlicher Kommunikation

Die Rolle der Bibliothek in der näheren und weiteren Zukunft wird ständig hinterfragt. Bei jedem medialen Umbruch (Radio, Fernsehen, Computer, E-Books) wird das Ende des Buches und somit auch der Bibliotheken als Ort der aktuellen wissenschaftlichen Kommunikation prophezeit. Um es mal aus der Perspektive der Bibliothek zu sagen: Bisher konnten wir unseren Hals ganz gut aus der Schlinge ziehen. Dies war unter anderem möglich, weil neue Medien schnell in das bisherige Konzept des Sammelns und Verteilens eingegliedert werden konnten. Die Bibliotheken waren und sind dabei Getriebene technischer Neuerungen, von ihnen ging und geht dabei kein Impuls zur Veränderung aus. Dies muss nicht so bleiben.

Ben Kaden macht sich in seinem Artikel “Wir Minotauren? Gedanken zu Theseus und der Bibliothekswissenschaft” Gedanken zur Zukunft der Bibliothekswissenschaft. Seine Gedanken oszilillieren dabei zwischen den Konzepten Web 2.0 (hinlänglich bekannt) und Web 3.0 (alias Semantisches Netz).

Wenn denn tatsächlich die gesamte entworfene Palette von ALEXANDRIA bis TEXO wie geplant verwirklicht wird, kann man vermutlich die Virtuellen Fachbibliotheken ganz neu aufrollen. Wo man heute kaum etwas, aus dem Bereich des Web 2.0 findet, erscheint eine Umstellung auf das Web 3.0 als eine noch ganz andere Herausforderung. Ich selbst finde mich gerade ein bisschen ratlos ob der Frage, wie Bibliotheken und Bibliothekswissenschaft mit den Trends, die an ihnen etwas vorbeizugehen scheinen, umgehen. Vielleicht ist eine Möglichkeit, die Entwicklung des maschinenbezogenen Web 3.0 tatsächlich weitgehend anderen Experten zu überlassen und sich erst einmal auf das Web 2.0 und die analog nummerierte “Bibliothek” zu beziehen.

Anderen Disziplinen das Feld zu räumen wäre natürlich eine Möglichkeit, erscheint mir jedoch weder notwendig noch wünschenswert. Gerade die erwähnten Virtuellen Fachbibliotheken bieten nämlich ideale Bedingungen für die Anwendung maschinenlesbarer Daten.

Als übersichtliches Beispiel sei die Anwendung von Mikroformaten genannt. Angenommen, alle, oder wenigstens einige, Bibliotheksverbände würden sich darauf einigen, ihre Veranstaltungen im hcalendar-Format zu publizieren. Man bräuchte nur einen genau entsprechend abgerichteten Crawler 1)der gerade entwickelt wird und zu dem hier demnächst hoffentlich mehr zu sagen ist, und – schwupps – hat man eine ständig aktuelle Übersicht der meisten Veranstaltungen dieses Sektors. Bekäme man dies schließlich hin, und diese Aufgabe ist durchaus lösbar, dann hätte man eine wunderschöne Demonstration dessen, was Bibliotheken leisten können. Nämlich Dienstleister der Wissenschaft zu sein, Organisatoren der Kommunikation, Erbauer und Pfleger einer Grundlage des wissenschaftlichen Betriebes. Das klingt nach ziemlich viel, ist aber eigentlich nur die Aufgabe, der sich Bibliotheken schon immer stellen mussten, und die sie bis jetzt recht passabel gelöst haben.

Technisch könnte das per OPML realisiert werden. Zum einen ist ein Planet wie der gerade renovierte Planet Biblioblog denkbar. Wünschenswert wäre hier nur, dass der Planet das OPML-File per URL abgreift. Man verweist also nur noch auf eine Adresse, und das Tool aktualisiert die zu aggregierenden Feeds in regelmäßigen Abständen selbst.

Im idealen Fall verwendet die OPML-Datei die Attribute htmlUrl und xmlUrl. Dies ist beim OPML-File des Planeten Biblioblog sogar schon der Fall, lässt sich aber auch sonst recht einfach ergänzen. Hat man dieses File mit allen erforderlichen Angaben, kommt der nächste Schritt.

Dies wäre die Biblioblogsuche 2.0. Die erste Version basiert auf einer Google Custom Search Engine und ist sehr umständlich zu pflegen. Nachdem ich von Google und Rollyo keine Antwort zum Thema Linkpflege per OPML-URL bekam, habe ich mich mal anderweitig erkundigt. Das Ergebnis ist, das zur Zeit eine Suchmaschine entwickelt wird, deren Suchbereich (die durchsuchten Domains) sich per OPML bestimmen lässt. Soviel ich weiß, eine Novität, die ich demnächst hoffe, mit ein paar mehr Details vorstellen zu können.

Hat man diese Suchmaschine erst einmal, muss man sie nur noch mit der Funktionalität versehen, semantische Auszeichnungen erkennen und extrahieren zu können. Und, ich zitiere mich mal selbst, schwupps – hat man eine ständig aktuelle Übersicht der meisten Veranstaltungen dieses Sektors. Darüber hinaus wäre es denkbar, auch Personeninformationen zu extrahieren, um auf schnelle Art und Weise sämtliche Personen eines Fachgebietes einzusammeln. Die genaue Umsetzung ist hier allerdings noch zu überdenken.

Großartig? Aber ja! Und das Schönste ist: Man muss, um dieses “Fachportal” zu pflegen, nur eine OPML-Datei auf dem Laufenden halten. Dies wäre auch kooperativ denkbar. Wenn sich zum Beispiel zwei, drei Bibliotheken zusammenfinden, die ein Portal zu dem selben Fachgebiet aufbauen wollen, bekommt jeder einen Account für das Editieren des OPML-Files, und jede Institution kann dann selbst darauf zugreifen (innerhalb ihres Webangebotes) oder aber es wird eine zentrale Anlaufstelle geschaffen.

Für Ideen und Kritik hier in den Kommentaren wäre ich sehr dankbar.

References   [ + ]

1. der gerade entwickelt wird und zu dem hier demnächst hoffentlich mehr zu sagen ist