Diskussion zur Ausschreibung des SSG "Informations-, Buch- und Bibliothekswesen"

Im B2I-Forum sind ein Äußerungen von KIBA (nein, nicht das hier, sondern das hier) und HI (Hochschulverband Informationswissenschaft) zur Ausschreibung des SSG “Informations-, Buch- und Bibliothekswesen” zu finden. Man kann dort leider nur nach Anmeldung kommentieren.

KIBA schreibt:

Sollte die Themenbeschreibung des neu zu vergebenen Sondersammelgebiets in der Tat inhaltlich so ausgerichtet werden, wie es die Ausschreibung suggeriert, so würde einer zentralen Leitwissenschaft der aktuellen Wissens- und Bildungsgesellschaft die nationale Literaturversorgung fehlen.

Beide Verbände bedienen sich identischer Textbausteine, z.B. dem folgenden:

Das Fach „Theorie und Geschichte der Bibliographie“, um nur den ersten Anstrich zu erwähnen, wird in der hier suggerierten Form als wichtiges Thema schon lange nicht mehr in Forschung und Lehre als solches behandelt. Aspekte daraus werden an den Universitäten und Fachhochschulen ggf. in den Fachgebieten „Wissensorganisation“, „Information Retrieval“ und „Datenbanktheorie“ angesprochen, aber als bedeutsames eigenständiges Wissenschaftsthema kann man dies mit einiger Sicherheit nicht mehr ansehen.

Ob es von der DFG als Zeichen ernsthafter Beschäftigung mit dem Thema bewertet wird, wenn sich die Fachverbände nicht einmal die Mühe machen, zentrale Argumentationspunkte ein wenig umzuformulieren, scheint mir fraglich.

[via LIS in Potsdam]

SUB Göttingen gibt SSG "Informations-, Buch- und Bibliothekswesen" auf

Die erste fachliche Nachricht im Blog des b2i 1)nun auch Teil der Biblioblogsuche Biblioblogsuche ist recht ernüchternder Art und für das Bibliotheks- und Informationswesen weitaus bedeutender, als es b2i mutmaßlich jemals werden wird. Die SUB Göttingen gibt ihr Sondersammelgebiet 24.1 auf und verlässt das Projekt b2i (spricht sich ohne ersichtlichen Grund offiziell “bi-tuh-ei” aus. Weil Bibliotheks-, Buch- und Informationswissenschaften auch englisch ausgesprochen werden? Oder weil es einfach sagenhaft modern klingt?). Nicht viel genaueres kann man den Postings hier und hier entnehmen.

Was das für die bibliotheks- und informationswissenschaftliche Ausbildung bedeutet, die in Deutschland hauptsächlich an Fachhochschulen mit kleinen Bibliotheken stattfindet, ist kaum zu ermessen. Dazu H.C. Hobohm im b2i-Blog:

Nach dem Ende von DOBI, dem Dokumentationsdienst Bibliothekswesen, das ja die Initialzündung für das Portal bedeutete, und der drastischen Neuorientierung der Fachinformation beim BMBF im letzten Jahr könnte man darin fast einen Trend in der Reihung von Ereignissen und Entwicklungen im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Informationsversorgung der betroffenen Wissenschaftsdisziplinen in Deutschland sehen (der ganz im Gegensatz zur internationalen Entwicklung steht).

Das ist nicht nur fast ein Trend.

Nur seiner Anmerkung, dass eine Entscheidung wie die der SUB Göttingen in “Zeiten knapper Kassen verständlich” sei, kann ich absolut nicht zustimmen. Wenn eine solch bedeutende Entscheidung von einer einzigen Universitätsbibliothek getroffen werden kann, und dadurch höchstwahrscheinlich nie wieder reparable Bestandslücken entstehen, nur weil gerade Ebbe in der Kasse ist, dann ist das nicht verständlich, sondern extrem kurzsichtig und unverantwortlich. Das schreit geradezu nach einer gesetzlichen Neuregelung der SSG mit einer Finanzierung durch Bundesmittel, die auch langfristig angelegt ist.

References   [ + ]

1. nun auch Teil der Biblioblogsuche Biblioblogsuche