Google DataWiki

Google legt momentan ein flottes Tempo vor. Über den nGram Viewer wurde inzwischen anderswo so viel geschrieben, das spare ich mir erstmal. Auf Shared Spaces wurde hier noch gar nicht eingegangen. Aber DataWiki kann man hier nicht unerwähnt lassen. Es handelt sich hierbei um ein Wiki für strukturierte Daten. In eigenen Worten

With DataWiki it should be easy to:

* create and edit structured data
* create simple mashup applications in a few minutes
* define formats in terms of others, e.g. Missing Person reports = vCard (who) + GeoRSS (last seen) + string (current status note)
* share information with other systems via built-in federation
* enable easy input/output from a variety of endpoints, e.g. via Twitter, ODK or SMS from a remote location

Es gibt ein Gästebuch, an dem man ein wenig probieren kann. Einträge erstellen und suchen (z.B. nach Hans Dampf) kann man auch hier:

Finden Erstellen
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Eine kleine Dokumentation gibt es auch, ebenso die Möglichkeit, DataWiki (Open Source) selbst zu installieren. Man kann seine Daten also in der Cloud lagern, muss aber nicht.

Wer sehen möchte, was in Googles Laboren noch alles entwickelt wurde und wird, sollte sich diesen kurzen Überblick ansehen.

Bibliotheken als Datenanbieter

Alexander Stocker, Peter Scheir und Klaus Tochtermann beschreiben in „Die Wertschöpfungskette der Daten“ [1] Die Wertschöpfungskette der Daten : eine Basis für zukünftige wirtschaftswissenschaftliche Betrachtungen des Web of Data. HMD – Praxis der Wirtschaftsinformatik, Heft 275/2010, S. 94-104 vier mögliche Rollen [2] S. 99 in eben dieser Wertschöpfungskette.

  1. Anbieter von Daten am Web sind derzeit noch
    fast ausschließlich Anbieter von Rohdaten. […]
  2. Anbieter von Semantic-Web-Daten sind solche,
    die Daten in einem durch Maschinen interpretierbaren
    Format bereitstellen.[…]
  3. Anbieter von Semantic-Web-Applikationen
    sind solche, die eigene oder fremde Semantic-
    Web-Daten in einer Semantic-Web-Anwendung
    verarbeiten und dabei für den Menschen
    konsumierbaren Output auf Basis der
    verarbeiteten Daten generieren. […]
  4. Endnutzer sind schließlich alle Menschen, die
    eine durch Menschen interpretierbare Präsentation
    von Semantic-Web-Daten konsumieren. Menschliche Endnutzer kommen in der Praxis nicht direkt mit den für die Verarbeitung
    durch Maschinen aufbereiteten Semantic-Web-Daten in Berührung und wollen das vermutlich auch gar nicht.[…]

Bibliotheken können prinzipiell alle vier Rollen einnehmen.

Zuerst natürlich als Rohdatenanbieter von bibliographischen und anderen Daten. Wenn man weitere Wertschöpfungen zulassen möchte, müssen die Daten zwingend unter einer Lizenz veröffentlich werden, die Weiterverarbeitung jeglicher Art nicht ausschließt. Richtig gemacht haben es also unter anderem die Bibliothek des CERN oder USB Köln, die wie alle vom HBZ betreuten Open-Bibliographic-Data-Projekte unter CC0 publiziert sind.

Das Anbieten von Semantic-Web-Daten kann teils im gleichen Auslieferungsschritt erfolgen. Ein Beispiel ist die gestern erfolgte Veröffentlichung eines Teils des Katalogs der British Library als RDF-Dump. Auf der Webseite der BL sind die Bedingungen erläutert:

As part of its work to open its metadata to wider use beyond the traditional library community, the British Library is making copies of its main catalogue and British National Bibliography datasets available for research purposes. Files are initially being made available in RDF/XML […] and are distributed under a Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication license.

Eine Weiterverarbeitung ist ausdrücklich erwünscht und durch die gewählte Lizenz auch möglich. Linked Data will auch die Deutsche Nationalbibliothek mit der GND anbieten. In die Wertschöpfungskette können die Daten jedoch nicht gelangen, da die Daten nicht kommerziell genutzt werden dürfen. Abgesehen davon, dass es volkswirtschaftlicher Unsinn ist, staatlich finanzierte Daten nicht zur Verwendung in kommerziellen Unternehmungen freizugeben, ist damit auch die Verwendung in der Wikipedia und Schwesterprojekten nicht möglich. Leider gilt hier: nur gucken, nicht anfassen!

Im Open Bibliographic Data Guide hat das JISC erläutert, wie man es richtig macht. Oliver Flimm schreibt (zum Reader und der Wichtigkeit der Lizenzwahl):

Nur so kann ein realer Nutzen innerhalb der Bibliothekswelt und anderswo entstehen. So sind wir z.B. sehr dankbar über Rückmeldungen von Fehlern in Verbund-Katalogisaten, bei denen wir Bestand haben, (Verknüpfung von Titeln mit Personensätzen, die eine falsche PND besitzen), die extern bei der Verarbeitung unserer geöffneten Daten aufgefallen sind.

Über Bibliotheken in den anderen beiden Rollen, also als Datennutzer wird es hier demnächst etwas zu lesen geben.

Weitere Informationen zu Open Bibliographic Data:

Adrian Pohl: Open Bibliographic Data in 2010. Ein vorläufiger Überblick

References

References
↑1 Die Wertschöpfungskette der Daten : eine Basis für zukünftige wirtschaftswissenschaftliche Betrachtungen des Web of Data. HMD – Praxis der Wirtschaftsinformatik, Heft 275/2010, S. 94-104
↑2 S. 99

Google Refine

Am Mittwoch wurde Google Refine 2.0 released. Google Refine kann dazu dienen, unordentliche Datenmengen aufzuräumen und nachnutzbar zu machen. Hat man z.B. eine Datei in der unterschiedliche Schreibweisen zur Beschreibung des selben Sachverhalts genutzt wurden, kann man sie mit Refine mühelos clustern. Mehr Infos dazu gibt es im Refine-Blog oder in diesen Tutorial-Videos:

Erste Spielereien mit Refine zeigen, dass es ein mächtiges, aber durchaus schnelles Tool ist. Einsatzszenarien sind zum Beispiel die Aufbereitung von Open Government Data vor der Publikation. Vor diesem Release hieß die Software Freebase Gridworks und wurde u.a. eingesetzt, um Daten für data.gov.uk aufzubereiten. Dieses Beispiel ist neben anderen im Google-Refine-Blog zu finden.

11. Oracle Bibliotheken Summit in Weimar

„Die digitale Datenflut: Strukturieren – Interpretieren – Nutzen“

unter diesem Motto steht unser 11. Oracle Bibliotheken Summit am
27./28. Oktober 2010, das diesmal im pittoresken Weimar, der Stadt der
Dichter und Denker, stattfinden wird.

In Präsentationen erfahren Sie Neues rund um
– Semantic Web
– Umgang mit Forschungsdaten und die Rolle von Bibliotheken
– Publikationsmanagement
– neue Technologien in Bibliotheken.

Eine begleitende Ausstellung mit unseren Partnern bietet Ihnen weitere
Informationsmöglichkeiten. Die Pausen und ein gemeinsames Abendessen
geben Ihnen genügend Raum zum regen Austausch mit Ihren Kollegen aus
Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Weitere Infos gibt es auf den Webseiten von Oracle.

Google kauft Metaweb (Freebase)

Google hat Metaweb übernommen, die unter anderem Freebase betreiben. Freebase soll frei und offen zugänglich bleiben. Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf Freebase Parallax hinzuweisen. Wer herumklickend erproben möchte, was dieses ganze Gerede um das Semantic Web soll, dem kann ich einen Besuch sehr empfehlen.

[via Google Blog]

Trend Nr. 2 für 2010: Open (Government) Data / Linked Data

lod-datasets_2009-07-14

Christiane Schulzki-Haddouti nimmt mir die Worte aus dem Mund:

Open Data – so nicht nur mein Blick in die Kristallkugel – wird 2010 das große Thema werden und die Entwicklung des Internet in diesem Jahrzehnt wesentlich vorantreiben.

Und nicht nur die Entwicklung des Internets, auch gesellschaftliche, künstlerische und wissenschaftliche Entwicklungen können durch Open Data maßgeblich beeinflusst oder überhaupt erst ermöglicht werden. Infos zum Reinlesen gibt es z.B. hier von Lambert Heller. Dass sich auch Bibliothekswesen damit beschäftigen müssen, sollte spätestens nach dem Durchklicken dieser Vortragsfolien von Anne Christensen klar sein:

Warum Semantik (für Bibliotheken)?

In den Folien fragt Stefan Gradmann, ob dieses Thema auf einer Fachtagung für innovative Bibliothekare nicht obsolet sei und beantwortet dies mit nein. Die Präsentation breitet ein paar Argumente aus, warum sich auch Bibliotheken mit dem Semantic Web auseinander setzen müssen.

Die Aufzählung kann natürlich nicht komplett sein, aber ein Grund fehlte mir dann doch. Und zwar ist der Grund, dass zumindest für öffentlich finanzierte Bibliotheken der Nutzer (und meist gleich Finanzierer in Personalunion) ein Recht darauf hat, die von Bibliotheken in seinem Auftrag und mit seinen Mitteln erstellten Informationen in bester Form zugänglich zu machen. Und die seit ca. 10 Jahren in ihren Grundfunktionen nicht weiterentwickelten OPACs sind mit Sicherheit nicht die „beste Form“. Ein freier Zugriff auf maschinen- und menschenlesbare bibliothekarische Daten ist eigentlich schon lange eine Pflichtaufgabe für Bibliotheken.

Freie Wetterdaten aus Norwegen

Das norwegische Meteorologisk institutt stellt Wetterdaten frei und maschinenlesbar zur Verfügung. Mit den Wetterdaten wird, wie man in Zeit-Online lesen kann, unter anderem die Wetterseite Yr.no gefüttert, auf der man sich auch auf das Wetter am Bahnhof Hannover-Linden freuen kann.

Wetterdienste aus anderen Ländern sind teilweise nicht begeistert von der Aktion der norwegischen Wetterfrösche, aber beim Deutschen Wetterdienst zeigt man sich angetan und würde die Wetterdaten ebenfalls gerne frei zur Verfügung stellen. Allerdings:

Mit dem heutigen Wetterdienstgesetz geht das nicht, es verpflichtet den DWD, Geld für seine Daten zu nehmen. Die Grundlage für eine Gesetzesänderung werde aber intern gerade geprüft.

Man sei gespannt, wie sich die Bundesregierung dazu positioniere. OpenData ist ganz klar das Thema der Stunde. Die Vorteile sind zu offensichtlich um übersehen werden zu können. Eliassen, der Direktor des Meteorologisk institutt laut Zeit-Online:

„Wenn jemand auf der Grundlage unsere Leistungen Wertzuwächse erzielen kann, macht uns das einfach sehr zufrieden. So tragen wir zur Entwicklung der Gesellschaft bei. Wir haben kein Interesse daran, die Weiterverwendung zu beschränken“, sagt er. Detlev Frömming vom DWD findet das auch: „Das ist sicherlich richtig. Mit den Daten ist ja im Grunde genommen kein Geld zu verdienen. Im Gegenteil, wenn man sie zur Verfügung stellt, dann können sie genutzt werden und dienen damit der Volkswirtschaft viel mehr.“

Die Nutzungsbedingungen sind leider nur auf norwegisch, auf englisch sind nur wenig Informationen zum Angebot verfügbar. Aber es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis das Wichtigste übersetzt verfügbar sein wird.

[via Fefe]

Flickr und Open Library verlinken

Adrian Pohl beschreibt in seinem Blog Übertext, wie man Katalogisate in der Open Library mit Bildern in Flickr verknüpfen kann. Konkret wurde ein „machine tag“ auf Flickr angelegt, der dieses Bild mit diesem Katalogisat verbindet. Einstweilen nur in eine Richtung. Aber:

Ist es nicht schön, was man alles Tolles machen kann, wenn man nur eindeutige IDs und darauf aufbauende stabile URLs hat…

Sag ich doch.

Permalinks für Katalogisate

In der Mailingliste NGC4LIB wird gerade eifrig darüber gestritten, in welcher Form Kataloge im Netz präsent sein sollten. Ausgangspunkt war eine Diskussion über das Semantic Web, aber schnell ist die Debatte zum Kernpunkt gekommen: Bislang sind Bibliotheken nicht einmal im „normalen“ Web angekommen.

Tim Spalding fasst das Problem folgendermaßen zusammen:

1. Vendors don’t make linkable systems, mostly because libraries don’t
force them to.
2. OCLC maintains that libraries should stay off the web, and rely on
WorldCat to serve as their front-end to the world.

The result:

1. Libraries are almost NEVER in search results.
2. WorldCat is seldom visited. For example, WorldCat has HALF the
traffic of LibraryThing. It even has less traffic than Dogster.com,
the social network for people who REALLY love their dogs.

Spalding ist uneingeschränkt zuzustimmen. Man bedenke: OPAC steht für Online Public Access Catalogue. Der Gedanke war also ursprünglich, den Katalog online für den öffentlichen Zugang zur Verfügung zu stellen. Der Katalog an sich ist auch öffentlich zugänglich. Nun ist es an der Zeit, auch die Katalogisate öffentlich zugänglich zu machen. Was brauchen wir dazu? Suchmaschinentaugliche Permalinks auf Katalogisate.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat die VZG getan, als sie kürzlich sogenannte Zitierlinks in den GVK einbanden.

Beispiel: http://gso.gbv.de/xslt/DB=2.1/PPNSET?PPN=595545807

Dabei gibt es jedoch (abgesehen von der Benennung der Funktion, hinter der ich eigentlich eher die bibliographischen Daten in maschinenlesbarer Form vermutet hätte) zwei Probleme.

  1. PPNs sind nicht dauerhaft, sie können sich ändern oder gelöscht werden. Dann ändert sich auch der Zitierlink, was ihn insgesamt untauglich macht. Denn: Cool URIs don’t change. Vielleicht wäre es sinnvoll, eine übergreifende ID wie die Erstkatalogisierungs-ID (EKI) für diesen Zweck einzusetzen.
  2. Der Link entspricht nicht dem, was man sieht, wenn man aus einer Recherche dorthin gelangt. Das heißt, man muss den Zitier-Link extra anklicken. Dies problematisch z.B. beim Einsatz von Bookmarkingplugins. Ist die Session beendet, ist zum Beispiel dieser Link hier nicht mehr gültig.

Ändern könnte man dies, indem man das Vorgehen der OpenLibrary übernimmt. Sucht man dort nach „The Mahabharata“ von Jean-Claude Carrière, findet man unter anderem folgenden Titel:

http://openlibrary.org/b/OL9587696M/The_Mahabharata

Dieser Link besteht aus dem Basis-Link für die OpenLibrary + alphanumerische ID + Titelstichwort. Der Titel ist für die Funktion des Links irrelevant. Ruft man die selbe ID mit einem anderen Titel auf, kommt man trotzdem zum gewünschten Titel:
http://openlibrary.org/b/OL9587696M/Harry_Potter_and_the_catalogue_of_death

Bestimmt sind auch andere technische Umsetzungen denkbar. Wichtig ist nur, dass durch dieses nur scheinbar unwichtige Detail unsere Kataloge endlich im Web ankommen. Überlegungen zur Umsetzung bestehen, jetzt kommt es darauf an, sie so schnell wie möglich umzusetzen.