"Fair Access to Science and Technology Research Act" (FASTR)

US-Gesetzentwurf will Open Access in der Wissenschaft stärken

Der Demokrat Ron Wyden und sein republikanischer Kollege John Cornyn haben einen Gesetzentwurf (PDF-Datei) in den US-Senat eingebracht, der „Open Access“-Veröffentlichungen fördern will. Laut dem Vorstoß für einen „Fair Access to Science and Technology Research Act“ (FASTR) sollen die Ergebnisse staatlich geförderter Forschung spätestens sechs Monate nach ihrer Erstpublikation in einem wissenschaftlichen Journal online frei zugänglich gemacht werden. Wyden möchte damit Durchbrüche in Technologie, Forschung, Medizin und zahlreichen anderen einzelnen Disziplinen schneller der Öffentlichkeit zugänglich machen, um weitere Entdeckungen zu fördern.

Das überfälligste Buch?

In der Welt wird über eine um 55 Jahre verspätete Rückgabe geschrieben: [1] Besten Dank an Frank für den Hinweis!

Das Werk «Fire of Francis Xavier» des Autors Arthur McGratty sei am 10. April 1958 verliehen worden, berichteten US-Medien am Mittwoch unter Berufung auf ein Foto, das die Bücherei auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte. Die erlaubte Ausleihdauer betrug damals 28 Tage. Per Post trudelte das Buch Anfang der Woche wieder in der Bibliothek ein – rund 55 Jahre zu spät.

55 Jahre sind schon ziemlich beachtlich. Doch auf den bunten Seiten der Zeitungen wird regelmäßig über deutliche Leihfristüberschreitungen geschrieben. Die Huffington Post berichtet beispielsweise über ein „Mahngebühren-Amnestieprogramm“ der Chicago Public Library, in dessen Rahmen ein Oscar-Wilde-Buch 78 Jahre zu spät zurückgegeben wurde:

The Chicago Public Library was reunited last week with a book so many years overdue no one even realized it was missing from its shelves.

In the midst of a rare, three-week amnesty program — where the nation’s third-largest city’s library system is forgiving fines for any overdue items that are returned to them — the library received a limited edition copy of Oscar Wilde’s classic „The Picture of Dorian Gray,“ Reuters reports.

The literary treasure was last checked out in 1934.

80 Jahre zu spät in Navan, Irland, ebenfalls berichtet in der Huffington Post:

A rare book has been anonymously returned to a library in the Republic of Ireland, a whopping 80 years after its due date, the BBC reports.

The book — a pictorial record of the 31st International Eucharistic Congress held in Dublin — was originally borrowed from the library in Navan, County Meath, in 1932, just a few months after the historic event took place.

Die StaBi Berlin hat 84 Jahre zu bieten:

Mit diesem Buch hatte in der Staatsbibliothek zu Berlin wohl keiner mehr gerechnet: Nach 84 Jahren ist ihr die „Preisschrift von den besten und ausführbarsten Mitteln, dem Kindermord abzuhelfen ohne die Unzucht zu begünstigen“ von Johann Gottlob Benjamin Pfeil aus dem Jahr 1788 zurückgegeben worden.

figure from the german translation of the book "Charles Darwin Insectenfressende Pflanzen"

Den Darwinfinken Vogel schießt allerdings folgende Meldung ab:

Mit 122 Jahren Verspätung ist eine ausgeliehene Erstausgabe eines Charles-Darwin-Buches in eine Bibliothek bei Sydney zurückgebracht worden. „Soweit wir das sagen können, hat das Buch eine ganz schöne Reise hinter sich“, sagte Linda Campbell vom Gemeinderat im australischen Camden.

Es handelt sich vermutlich um diese Bibliothek hier. Hält die Camdener Bibliothek den Rekord für die verspätetste Rückgabe?

References

References
↑1 Besten Dank an Frank für den Hinweis!

Librarians in Residence 2012

Wer mal einen Blick über den Tellerrand werfen möchte, kann die Postings der Librarians in Residence des Goethe-Instituts verfolgen. Maren Kraehling und Nicole Krüger schreiben im GI-Blog über ihren Blick aufs US-amerikanische Bibliothekswesen. Zum Beispiel über Köder für Informationskompetenz-Veranstaltungen:

Argumente für Studierende, die das Lehrpersonal vor den Schulungen anführt, um sie aufhorchen zu lassen, sind:
– Wissenschaftliches Arbeiten ist die einzige Fertigkeit, die man nach dem Studium vorzuweisen hat. Um einen guten Job zu bekommen, sollte man darin besonders gut sein.
– Plagiarismus im Job kann dazu führen, dass das Unternehmen verklagt wird und man selbst den Job verliert.
– Die Kenntnis von Datenbanken kann in Bewerbungen angegeben werden.

Interessant sind oft auch kleine Bemerkungen. Beispielsweise hat die San Francisco Public Library einen 3D-Printer. Was sich hoffentlich auch hierzulande durchsetzen wird. Nicht jeder muss einen 3D-Printer haben, aber die Möglichkeit, von Zeit zu Zeit auf einen zugreifen zu können, ist fantastisch. Vielleicht stürzen sich aber auch die Copyshops auf diese Nische. Wir werden sehen.

Wiley führt Urheberrechtswahnsinn vor

Ständig werden neue Untiefen im Ozean des Urheberrechtswahnsinns erkundet. Von rekordverdächtigem Irrsinn wird aktuell berichtet:

Durch den Verkauf gebrauchter und neuer Bücher wollte sich der thailändische Student Supap Kirtsaeng sein Studium in den USA finanzieren. Dazu gehörten auch acht echte und legal gekaufte Lehrbücher des Wiley Verlags, die ihm Verwandte aus Thailand geschickt hatten. Eine Jury verurteilte ihn dafür wegen willentlicher Urheberrechtsverletzung zu 600.000 Dollar Strafschadenersatz.

So berichtet der Standard unter der Überschrift „US-Gericht erwägt ewiges Urheberrecht“. Im Artikel wird erläutert, was damit genau gemeint ist. Im Kern geht es um die sogenannte „First Sale Doctrine“, nach der ein Rechteinhaber die Kontrolle über die Kope eines Werks verliert, wenn er es verkauft. Einschränkungen dieser Doktrin gibt es inzwischen anscheinend einige, zum Beispiel was den Verkauf von Gebrauchtsoftware (in der EU sieht das neuerdings anders aus) angeht. Im Standard heißt es weiter:

Dieses Recht hat der Eigentümer aber nur, wenn das Werkstück im Sinne des Copyright-Gesetzes rechtmäßig hergestellt wurde. Illegale Kopien dürfen also nicht weitergegeben werden. Hier geht es aber um ganz legale Kopien. Strittig ist, vereinfacht ausgedrückt, ob das Copyright-Gesetz auf außerhalb der USA erfolgte Produktion angewandt werden kann.

Die Konsequenzen, würde das Recht auf diese Weise ausgehebelt werden, sind leicht auszumalen. Die Produktion wird aus den USA in andere Länder verlegt und die Hersteller behalten die ewige Kontrolle über ihre Ware. Sogar Vererbungen könnten laut Standard zustimmungspflichtig werden.

Die American Library Association sieht große Gefahren für das US-amerikanische Bibliothekswesen. In einer Pressemitteilung heißt es:

More than 200 million books in U.S. libraries have foreign publishers. Additionally, many books published by U.S. publishers were actually printed in other countries, and often these books do not indicate where they were printed. If a book does not specify that it was printed in the United States, a library would not know whether it could lend it without being exposed to a copyright lawsuit.

Live in the library 22: Chuck van Zyl – unknown song

One could receive the impression that live music in a library is always on the folky side of life. Maybe often, but not always! Here is ambient worker Chuck van Zyl with an unknown track at the the Free Library of Philadelphia.

If you find nice clips of live gigs in libraries please tell me in the comments! All songs will be tagged with „live in the library„.

Live in the library 20: Lele Lele – Yove Malai Mome

Bulgarian folk music? Maybe. Anyway, Lele Lele played at the Bokfestivalen 2011 in November 2011 at the Vallentuna bibliotek in Sweden. Here they perform „Yove Malai Mome“:

If you find nice clips of live gigs in libraries please tell me in the comments! All songs will be tagged with „live in the library„.

Live in the library 19: Murzik – unknown song

Murzik call themselves a „Dark Folk / neofolk band formed in Minneapolis, Minneapolis in 2003“. Nine years later they played at the James J. Hill Reference Library. Does anyone know the name of the song? „Book It: The Party“ is only the name of the event.

If you find nice clips of live gigs in libraries please tell me in the comments! All songs will be tagged with „live in the library„.

Live in the library 18: Anais Mitchell – Tailor

Time to revive the „live in the library“ series! Let’s start with folk singer Anais Mitchell. She did a gig at the Westminster reference Library on February, 15th. There are several recordings of this concert at Youtube. Here’s a song called „Tailor“:

If you find nice clips of live gigs in libraries please tell me in the comments! All songs will be tagged with „live in the library„.

SOPA/PIPA: Das Web wird dunkel / Code of Ethics

Die umfangreichste Berichterstattung zu SOPA/PIPA hat wohl bei Netzpolitik stattgefunden. Markus Beckedahl hat die Artikel in einem Posting zusammengefasst. Eine ganz kurze Zusammenfassung gibt es im Posting „Warum SOPA auch uns angeht“:

Im Rahmen eines sogenannten “Blackout Days” haben sich heute zahlreiche Webseiten verhüllt, darunter die englischsprachige Wikipedia. Sie protestieren damit gegen zwei amerikanische Gesetzesentwürfe, den Stop Online Piracy Act (SOPA) und den Protect IP Act (PIPA). Diese sollen Wirtschaftsinteressen amerikanischer Copyright-Inhaber schützen, haben aber massive Auswirkungen auf die digitale Welt: Internetprovider sollen gezwungen werden, Inhalte proaktiv zu überwachen, Inhalte sollen gesperrt, Suchmaschinen-Treffer nicht mehr angezeigt und Verlinken strafbar werden. Dies hat in Amerika für einen Aufschrei gesorgt, wie er in Deutschland bei der “Zensursula”-Debatte um Netzsperren stattfand. “Sollten diese Gesetze auch nur zur Hälfte so kommen wie vorgeschlagen, hat dies negative Auswirkungen auf das gesamte Internet”, sagt Markus Beckedahl, Vorsitzender des Digitale Gesellschaft e.V.

Eine Galerie streikender Webseiten findet sich ebenfalls bei Netzpolitik. Weitere streikende Seiten sind auf sopastrike.com gesammelt. Zum Beispiel Librarian.net, gavialib.com, Librarian in Black…

Für mich etwas überraschend ist die Seite der ALA nicht geschwärzt.

Passend zum Thema hat Hermann Rösch auf seiner Webseite einen Entwurf für eine „internationale bibliothekarische Berufsethik“ veröffentlicht: International Code of Ethics for Librarians: Draft Dec 2011 (PDF)

Obwohl dieser Code of Ethics meines Erachtens ohnehin genauso folgenlos bleiben wird wie alle früheren Bemühungen dieser Art, mache ich auf die Möglichkeit aufmerksam, Kommentare zum Code of Ethics per Mail einzureichen. Auf der oben verlinkten Webseiten ist die entsprechende Adresse genannt. Eine offene, transparente Diskussion (Wiki, Blog, sonstwas ohne Anmeldepflicht) wäre m.E. förderlicher gewesen.