Die Zeit berichtete bereits am Freitag, Michael Fernau solle der verstorbenen Birgit Schneider als Leiter der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig nachfolgen.
Der Jurist leitet seit sechs Jahren die Zentralverwaltung der DNB.
Schlagwort: DNB
Kopal
Gregor Honsel schreibt über Kopal in Technology Review: „Hundert Jahre auf Band“
„Das 19. Jahrhundert ist bedeutend besser dokumentiert als die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts“, sagt Kopal-Gesamtprojektleiter Reinhard Altenhöner von der Deutschen Nationalbibliothek. Um die Gegenwart ist es kaum besser bestellt. Die Datenflut, die es zu bändigen gilt, schwillt immer mehr an; gleichzeitig sinkt die Qualität der gängigen Speichermedien: „Die Haltbarkeits-Prognose von selbst gebrannten CDs ist sehr schlecht. DVDs sind tendenziell sogar noch schlechter, weil sie dichter beschrieben werden“, sagt Altenhöner. Dazu komme der schnelle Wandel der Speicher-Hardware – irgendwann gebe es „nur noch ein paar Lesegeräte, die von Freaks gewartet werden“.
Sie haben keinen Blog drauf
Thomas Brevik schrieb in seinem Artikel über die norwegische Biblioblogosphäre:
The blog I would really, really, like to see in the future is a personal blog from the director of the National Library.
Ein Anliegen, das auch mir nicht fremd ist. Ich habe darum mit Claudia Lux, Elisabeth Niggemann und Susanne Riedel drei exponierte Persönlichkeiten des deutschen Bibliothekswesens angeschrieben, um die sich leider nicht mehr reimende Gretchenfrage 2.0 zu stellen: Nun sag, wie hast du’s mit dem Bloggen? Du bist eine herzlich gute Frau, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.
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Pflichtabgabe von Netzstrumpfhosen. Ein Selbstversuch
Die Deutsche Nationalbibliothek ruft, und als gesetzestreuer Bürger wollte ich natürlich sofort ausprobieren, wie denn das Anmeldeverfahren für die Pflichtabgabe von Netzwerkpublikationen genau funktioniert. Und selbst wenn man dem hiesigen Bibliothekswesen nicht viel zutraut, ist man wirklich sehr überrascht, wie das Procedere aussieht.
- Das Anmeldeformular wird ausschließlich als doc-Datei angeboten. Ist es zwingend notwendig, Microsofts Word zu benutzen, damit man teilnehmen kann? Nimmt die DNB auch nur Bücher an, die von bestimmten Druckereien ausgedruckt wurden? Im Jurawiki ist sehr schön dargestellt, warum man so etwas nicht machen sollte. Es fällt dort Worte wie „Nötigung“ und „Gefährdung“. Todesmutig und mit Antivir in Habachtstellunge hab ich nun OpenOffice auf diese Datei losgelassen. Und…
- … ich bekomme ein einseitiges Formular ohne geschützte Bereiche. Müssen die armen DN-Bibliothekare nun jedes Formular auf unveränderte Texte prüfen? Nicht jeder wird so auffällig fälschen wie ich:
Gesetzt den Fall, man lieferte dieses Formular nun korrekt ausgefüllt und ungefälscht per
E-Mail, Fax oder Post
an die DNB, so bekommt man eineAnmelder-Identifikation
und ein Passwort per Email(!) zugesandt. Von wegen rückständig!Wie fortschrittlich die DNB ist, beweist sie schon im nächsten Schritt:
Sie melden die Netzpublikation an. Diese Anmeldung ist für jede Lieferung erforderlich.
Vor jeder Lieferung? Nun ja, sehen wir weiter… - Wollte ich der DNB gerade noch auf die Möglichkeiten der modernen Technik hinweisen, so zeigt sich nun, dass dies gar nicht notwendig ist! Um die Netzpublikation anzumelden, darf ich ein
interaktives Anmeldeformular
aufrufen. Doch meine Befürchtung, jetzt blinkende Flash-Animationen zu sehen, werden glücklicherweise enttäuscht. Nein, man wird in ein konventionelles, mit Perl gestaltetes Formular gelenkt. Und das Ausfüllen gestaltete sich mitunter etwas schwierig. Hinweis: die Steuerklärungsformulare sind ähnlich formuliert. Beispiel gefällig?Vorher wurden schon Begriffe wie
Grundlieferung
verwendet. Wahrscheinlich, um beteiligten Bibliothekswesen ein bißchen Vertrautheit im fremden Online-Dschungel zu lassen. Aber vielleicht treibt die DNB ja auch das Verlangen, dieses Wort im Sprachschatz der Netzbürger zu verankern. - Davon lassen wir uns nicht aufhalten, die richtigen Punkte sind schnell ausfindig gemacht („Typ: Elektronische Zeitschrift“), und der nächste Punkt in Augenschein genommen. Ich habe zur Datenübermittlung verschiedene Möglichkeiten, und hier beantwortet sich auch meine Frage aus Punkt XX zu den Lieferungen. „Prinzip Schnappschuß“ und „Prinzip Differenzmenge“. Ersteres bedeutet, ich liefere der DNB die komplette Webseite auf einmal, beim „Prinzip Differenzmenge“ werden nur neue oder geänderte Daten übermittelt. Ja, genau. Ich übermittele die Daten.
Vorgesehen ist eine Lieferung per FTP. Genaueres dazu schreibt Jürgen Lübeck, man muss sich ja schließlich nicht über alles selbst aufregen.
Wie auch immer: Gewünscht ist eine gepackte Datei mit allen Seiten, die publiziert wurden. Ganz ehrlich, ich wüsste wirklich nicht, wie ich das bewerkstelligen soll. Sämtliche Infobib-Seiten sind dynamisch generiert. Das heißt, sie existieren eigentlich nicht wirklich. Will die DNB einen SQL-Dump von mir? Sicherlich nicht. Aber was sonst? Wget fällt mir ein, aber warum macht die DNB das nicht selbst?
An dieser Stelle ist anzumerken, dass Patrick Danowski schon die Hochschulschriftenserver für viel zu kompliziert im Vergleich mit Webdiensten wie Scribd hält. Entscheidet man sich für die Lieferung von „Schnappschüssen“, gelangt man zum letzten Punkt:
Bibliographische Metadaten : fortlaufende Publikation
. Das einzig hier auszusetzende sind die vorgegebenen Möglichkeiten zur Erscheinungsweise. Davon wird auf fast alle die Option „unregelmäßig, aber mehrmals im Jahr“ zutreffen. Aber zu dieser Frage gibt es noch ein freies Feld, in dem man dann etwas genauer eintragen kann, dass mehrmals im Jahr in der Regel auch mehrmals pro Woche bedeutet.- Auf der selben Seite werden noch ein paar Daten abgefragt. Alles kein Problem, Infobib gehört in die Kategorie 0020, Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Auch für eher tagebuchartige Blogs findet sich schnell die passende Kategorie: 920, Biografie, Genealogie, Heraldik. Eine Rubrik weiter darf man die Seite weiter klassifizieren. Man hat die beeindruckende Auswahl zwischen:
- ACM – Computing Classification System
- Basisklassifikation – GBV
- Dewey Decimal Classification (DDC 21)
- Mathematics Subject Classification
- Physics and Astronomy Classification Scheme
- Regensburger Verbundklassifikation
- Universal Decimal Classification (UDC)
- Zentralblatt für Didaktik der Mathematik (PDF)
Wenn man davon noch nicht genug hat, und die Webseitenklassifizierung der Informatik-AG der örtlichen Realschule übernehmen möchte, kann auch dieses machen. Bei den Thesauri/Normdateien sind nur drei angegeben, Medical Subject Headings, SWD (nicht ausgeschrieben, kennt ja schließlich jeder!) und Unified Medical Language System. Insgesamt ist die DNB hier wieder sehr modern. Es gibt jede Menge user generated content.
- Es folgt die Frage, ob die Seite lizenzfrei ist. Ist sie nicht, im Footer wird schließlich stets auf die Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Germany License verwiesen. Doch wenn man liest, …
Die bibliographische Erschließung erfordert, dass die angemeldeten Netzpublikationen den berechtigten Nutzern der Deutschen Nationalbibliothek zugänglich sind. Bitte stellen Sie dies vor der Abgabe sicher.
… dann hakt man schnell lizenzfrei an und wandert weiter.
- Die letzte Seite! Land in Sicht! Und es lässt sich gut an:
Angaben zur Archiv-Version der Netzpublikation : fortlaufende Publikation
. Am Punkt „Systemvoraussetzungen“ kann man herummäkeln, wenn man will. Muss man aber eigentlich nicht mehr.
In der FAQ zeigt sich die DNB scheinbar einsichtig: Warum erscheint das Anmeldeverfahren so aufwändig?
Es erscheint aber nicht nur, es ist! Hoffnung bietet jedoch ein anderer Punkt: Wie liefert man eine Netzpublikation ab? Wo bekomme ich einen Überblick über das Verfahren?
Derzeit wird an anderen Transfermöglichkeiten und auch an Verfahren zur Sammlung ganzer Gruppen von Objekten, wie etwa vollständiger Websites, gearbeitet. Automatisierte Verfahren, die unter dem Begriff „Harvesting“ bekannt sind, können zur Sammlung ganzer Bereiche des Internets eingesetzt werden. Diese Verfahren befinden sich momentan in einem Entwicklungsstadium und müssen noch für den Einsatz im Rahmen des erweiterten Sammelauftrages zur Anwendungsreife gebracht werden.
Kurz und gut: Die DNB will Infobib offensichtlich nicht haben. Vielleicht ja in Kürze, wenn der erweiterte Sammelauftrag anwendungsgereift ist.
Sammlung von Netzpublikationen durch die DNB konkretisiert
Heise: Bundesregierung präzisiert Pflichten zur Archivierung von Netzinhalten:
Wie bereits die Medienwerke in körperlicher Form müssen zukünftig auch Netzpublikationen im Wege der Pflichtablieferung der Bibliothek zur Verfügung gestellt werden. Wer diesen Verpflichtungen nicht oder nicht vollständig nachkommt, handelt ordnungswidrig und muss im Extremfall mit einer Geldbuße mit bis zu 10.000 Euro rechnen. […] Unscharf ist der Verordnungsentwurf bei der Abgrenzung der Inhalte, die der Archivierungspflicht unterfallen sollen. […] Definitiv verfügbar gemacht müssen nach dem Verordnungsentwurf E-Mail-Newsletter mit Webarchiv sowie „netzbasierte Kommunikations-, Diskussions- oder Informationsinstrumente“, die „sachliche oder personenbezogene Zusammenhänge“ aufweisen. Als Beispiel hierfür dienen in der Entwurfsbegründung öffentliche Weblogs. Ute Schwens, die Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek spricht darüber hinaus auch von „Formen, die originär dem Web entsprungen sind“, wie etwa Wikis und gegebenenfalls Foren. Der Archivierungsauftrag beschränkt sich nicht auf Texte, sondern umfasst teilweise auch Bilder und Töne.
Ausdrucken und hinschicken? Die DNB hat zu Beantwortung nicht nur dieser Frage FAQ gesammelt. Und hier steht ganz konkret, wie es geht.
Leipzig legt los!
Laut einer Meldung der FAZ von Montag beginnen die Ausbauarbeiten an der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.
Auf 14.000 qm sollen das Deutsche Buch- und Schriftmuseum, ein Musiksaal und die ca. 1,2 Millionen Schallplatten, CDs und Noten Platz finden.
Der Entwurf für den 50 Millionen Euro teuren Bau des neuen Magazin- und Museumsgebäudes stammt von der Architektin Gabriele Glöckner, die sich 2002 bei einem europaweiten Architektenwettbewerb gegen rund 200 andere Bewerber durchgesetzt hatte.
Der Erweiterungsbau soll die benötigte Kapazität für die nächsten 20 Jahre schaffen.

