Neue deutsche Infoseite zum Open Journal System

Aus dem aktuellen OJS-de.net Newsletter:

Mit der Informationsplattform Open Journal Systems ist ein neues Informationsangebot online: Die deutschsprachige Informationsplattform OJS informiert generell über OJS und bietet zielgruppenspezifische Auskünfte für die Gründung und den Betrieb einer Open Access-Zeitschrift mit OJS. Praktische Handreichungen, wie z.B. ein Kooperationsvertrag für das OJS-Hosting und eine Checkliste für das Erstgespräch mit OJS-interessierten Wissenschaftler/innen, sollen die Herausgabe bzw. Publikation von wissenschaftlichen Zeitschriften bzw. Zeitschriftenartikeln im Sinne von Open Access erleichtern und fördern.
Die Informationsplattform OJS entstand im Rahmen unseres DFG-Projekts OJS-de.net. Besuchen Sie die Informationsplattform: https://ojs.open-access.net/

Im Newsletter wird darüber hinaus auf Webinare für OJS-Redakteure sowie auf eine Liste deutscher OJS-Plattformen aufmerksam gemacht.

Berlins Digitale Agenda, Punkt 2: Open Access

Die RBB Abendschau berichtet über die verschiedenen Aspekte von Berlins Digitaler Agenda. In der Sendung über Open Access kam unter anderem Martin Grötschel zu Wort:

Ich finde, dass Verlage durchaus sinnvolle Arbeit machen. Aber die sollen sie als Dienstleister erbringen, und nicht als Besitzer der wissenschaftlichen Veröffentlichung. Die sehen sich anschließend als Eigentümer der Forschung an, und das ist nicht in Ordnung.

SPD fordert Open Access auf Bundesebene

Saskia Esken, Mitglied des Bundestags für die SPD, erinnert auf ihrer Webseite daran, dass die aktuelle Bundesregierung eigentlich eine Open-Access-Strategie vorlegen wollte.

„Im Koalitionsvertrag haben wir uns darauf geeinigt, auf Bundesebene eine Open-Access-Strategie zu entwickeln, die die Rahmenbedingungen für einen effektiven und dauerhaften Zugang zu öffentlich finanzierten Publikationen und Daten verbessern soll – bislang hat das hierfür zuständige Ministerium aber hierzu keine Initiative erkennen lassen. Wir fordern das Bundesministerium für Bildung und Forschung daher auf, dies zügig nachzuholen“, erklärt Saskia Esken, Mitglied im Ausschuss für Bildung und Forschung sowie Berichterstatterin für Digitale Bildung und stellvertretende digitalpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag. „Eine solche Strategie ist auch ein wichtiger Baustein, damit Deutschland im internationalen Wissenschaftsvergleich wettbewerbsfähig und innovativ bleibt.“

Sie veröffentlichte nun ein Positionspapier der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion mit dem Titel Vorschläge und Forderungen der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion an eine moderne Open Access-Strategie (PDF). In diesem Papier sind 10 Anregungen und Forderungen formuliert. Unter anderem sollen Empfänger öffentlicher Fördermittel zu OA verpflichtet werden – ein längst überfälliger Schritt. Die Berliner Erklärung soll flächendeckend unterzeichnet werden und die Umsetzung der dort formulierten Ziele institutionell verankert werden. Darüber hinaus:

(6) Vorlage eines Konzepts zur bundesweiten Förderung einer einheitlichen Infrastruktur für die elektronische wissenschaftliche Kommunikation und zur Vernetzung der bestehenden Infrastrukturen zur Open Access-Publikation wie insbesondere von Repositorien. Darüber hinaus sind Anreize zu schaffen, existierende sowie geplante Angebote zu vereinheitlichen mit dem Ziel eines erleichterten Zugangs und eine befristete öffentliche Förderung von „Open Source“ Projekten zur Entwicklung von digitalen Gold Open Access Publikationsinfrastrukturen auf den Weg zu bringen.

(7) Förderung und Koordination von Aktivitäten zur Sicherstellung eines nachhaltigen und systematischen Zugangs zum übergreifenden Zugang zu Forschungsdaten und Entwicklung entsprechender förderpolitischer und rechtlicher Rahmenbedingungen; hierzu zählt auch der Aufbau von Plattformen, um dem wachsenden Informationsbedarf in Wissenschaft, Lehre und Forschung Rechnung zu tragen.

“Text and data mining” ist ebenfalls im Papier verzeichnet. Spannend ist der letzte Punkt:

(10) Durchführung einer regelmäßigen Konferenz zur Digitalisierung in der Wissenschaft mit dem Ziel, die Sichtbarkeit Deutschlands in diesem Zukunftsfeld zu steigern, Leuchttürme des digitalen Fortschritts in der Wissenschaft zu identifizieren und über „best practice“-Beispiele eine neue Dynamik in diesem Bereich zu entfachen.

Mir fehlt gerade ein wenig die Fantasie, wie solch eine Konferenz aussehen könnte. Kann jemand auf vergleichbare Veranstaltungen im Ausland verweisen?

QOAM: Quality Open Access Market

Teil der Operation Frühjahrsputz 2016, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Neues Tool zur Bewertung von wissenschaftlichen Fachzeitschriften:

Quality Open Access Market (QOAM) ist ein Tool, das WissenschafterInnen die Bewertung von über 17.000 Open-Access-Zeitschriften und konventionellen Zeitschriften mit Open-Access-Option ermöglicht.

Beispieltitel: Libreas und Informationspraxis.

Weitere Infos:

Gerestein, D. van ., (2015). Quality Open Access market and other initiatives: a comparative analysis. Liber Quarterly. 24(4), pp.162–173. DOI: http://doi.org/10.18352/lq.9911

#FragDenBundestag führt zu mehr Informationsfreiheit

Netzpolitik.org berichtet:

Wie aus einer internen E-Mail des Bundestagspräsidenten an alle Abgeordnete hervorgeht, wird der Bundestag künftig tausende Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes (WD) online auf der Bundestags-Website veröffentlichen – unter anderem zu Themen wie Sicherheitspolitik, Finanzen, Strafrecht, Asylrecht und Europapolitik. Das beschloss der Ältestenrat des Bundestags in seiner heutigen Sitzung.

Die Befreiung von Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags war also offensichtlich erfolgreich! Ich wage nicht zu hoffen, dass die Gutachten mit URN/DOIs und in einem ordentlichen Repository veröffentlicht werden. Aber immerhin werden sie überhaupt veröffentlicht.

Heidelberger Positionen zu Open Access in der FAZ

Vorbemerkung: Nachdem ich mich schon über Urs Heftrichs Anti-Open-Access-Tirade ausgelassen hatte, bin ich auf Ben Kadens Erwiderung aufmerksam geworden. Inhaltlich ist dieses Posting sehr ähnlich, er hat allerdings umfassender und detaillierter geantwortet.

Heidelberg ist das kleine gallische Dorf derer, die sich vor den Allmachtsfantasien der (quasi-sowjetischen, s.u.) Open-Access-Imperialisten und -Unterdrücker warnen. Im bevorzugten Verkündigungsorgan dieses erbitterten Widerstands, dem FAZ-Feuilleton, wurden in den letzten Wochen wieder zwei Artikel veröffentlicht, auf die es sich inhaltlich eigentlich nicht einzugehen lohnt, die aber natürlich auch nicht unwidersprochen bleiben dürfen.

Dieser lästigen Pflicht hat sich dankenswerterweise Charlotte Schubert (Professorin für Alte Geschichte an der Universität Leipzig) gewidmet, die mit zahlreichen konventionellen (Verlags-)Publikationen sicherlich nicht als betriebsblinde und radikal-digitale Eiferin gelten kann. Sie antwortet im Hypotheses-Redaktionsbeitrag auf den Beitrag von Reuss vom 30. Dezember 2015.

Urs Heftrich (natürlich Universität Heidelberg) hat heute mit einem zweiten Artikel nachgelegt, natürlich im FAZ-Feuilleton. Fassen wir zusammen:

So klein, so harmlos gibt sich die Verlagsgeißel USB-Stick
Nur scheinbar klein und harmlos: Verlagsgeißel USB-Stick

Der Höhepunkt folgt im letzten Absatz. Das durch die digitale Enteignung zwangsläufig für 2016 zu befürchtende Verlagssterben wird die Verlagslandschaft auf sowjetische (In der Breschnew-Zeit ca. 200 Verlage) oder DDR-Verhältnisse (max. 78 Verlage) einschrumpfen lassen. Und es gebe eine “klare statistische Korrelation zwischen verlegerischer Vielfalt und politischer Freiheit”. Bei diesen schrägen Vergleichen muss sich die FAZ fragen lassen, ob sie Heftrich nicht einen Lektor an die Seite hätte stellen müssen, um mit ihm um Formulierungen zu ringen, wie dieser es in seinem Artikel selbst als edle Tätigkeit des idealen Verlegers beschreibt.

Am Boden: Die Freiheit, die Verlage. Zu Pferde: Open Access, das BGH, die DFG und ein USB-Stick-Verkäufer
Am Boden: Die Freiheit, die Verlage. Zu Pferde: Open Access, das BGH, die DFG und ein USB-Stick-Verkäufer

Der ganze Artikel ist eine Tirade gegen Subventionen, ein Loblied auf den kleinen, unabhängigen Verlag. Aber wie steht es eigentlich mit Druckkostenzuschüssen, z.B. den durch die Uni Heidelberg gewährleisteten? Sind diese auch abzulehnen? Ohne diese würden nämliche zahlreiche Publikationen auch keinen Verlag finden.

Laut Feuilletonchef Jürgen Kaube hat sich das Debattenfeuilleton bewährt. Und laut Welt ist Kaube ein Freund “kühler und unbeteiligter” Beobachtung. Die einseitige Anti-Open-Access-Kampagne, die von Reuss und Kollegen seit Jahren mit viel Schaum vor dem Mund im FAZ-Feuilleton geführt wird, kann dafür nicht gerade als Beleg dienen. In diesem Sinne: Hat die FAZ je einen Artikel pro Open Access veröffentlicht?

Börsenvereins-Lobbyismus gegen Bibliotheks-Open-Access

Viele von Bibliotheken oder bibliothekarischen Organisationen verfasste Positionspapiere und Stellungnahmen zum Urheberrecht oder zu wissenschaftspolitischen Fragen sind sehr darauf bedacht, ausgleichende Positionen einzunehmen, Interessen anderer Parteien zu berücksichtigen und auf keinen Fall unmäßig zu wirken.

Dass andere Parteien ihre Interessen selbst formulieren und auch keine übertriebene Rücksicht auf Bibliotheken nehmen, kann man in diesem Schreiben (PDF) des Börsenvereins (Landesverband Nord) sehen.

Die […] erwähnte Mitwirkung der Hochschulbibliotheken bei der “freien und ungehinderten Verbreitung und Zugänglichmachung wissenschaftlicher Arbeiten (Open Access)” verstehen wir so, dass die Bibliotheken ausschließlich vorhandene OA-Angebote von Institutionen und Verlagen erschließen, nicht jedoch selbst OA-Initiativen ergreifen.

Lächerlich. Und ich hoffe, das wird vom Bibliothekswesen (Nord) gen Ministerium genauso kommuniziert.

[via @esteinhauer]

Befreiung von Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags

Seit kurzem gibt es bei FragDenStaat.de eine wirklich sehr komfortabel gestaltete Möglichkeit, bei der Befreiung von Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags mitzumachen. Einfach anmelden und ein paar Gutachten anfordern. Insgesamt sind es 4000, etliche sind aber schon angefordert. Die Gutachten können dann auf der Seite veröffentlicht und für alle zugänglich gemacht werden.

Die Ergebnisse meiner Anfragen werde ich zumindest teilweise hier vorstellen.

Schöner wäre allerdings eine Veröffentlichung durch den Bundestag selbst, am besten zitierfähig mit DOI und mit Metadaten unter freier Lizenz.

#DeleteAcademiaEdu und die Geschäftsmodelle

Academia.edu ist mächtig unter Beschuss, weil dort für eine käuflich zu erwerbende verbesserte Position in den seiteneigenen Artikelempfehlungen geworben wurde. Die akademische Gemeinschaft griff zu Heugabeln, Fackeln und Hashtags und ließ ihrem Unmut freien Lauf. Der Ursprung der Debatte ist im Chronicle of Higher Education zusammengefasst. Das Promotions-Angebot wurde per Mail an Scott F. Johnson herangetragen, der sich darüber öffentlich echauffierte.

Mr. Johnson, who has publicized seven books and almost two dozen articles and book reviews on Academia.edu, said he would never pay for his work to be recommended by the website, and he doesn’t believe many other scholars in the humanities would either.

Das kann man wohl so stehen lassen.

Dieses Promotionsangebot wirft für Academia.edu, ResearchGate, Mendeley und ähnliche Dienste eine Frage auf, nämlich die nach dem Geschäftsmodell. Wer bezahlt die schicke ResearchGate-Seite? Ich habe da aus beruflichen Gründen ein Profil, ebenso wie ich mal eines bei Academia.edu oder Mendeley hatte. Ich bezahle dort nichts, was ich auch nicht ändern werde. Nennenswerte Reichweite erziele ich durch ResearchGate nicht. Die Mails, das “mein Research im Fokus” sei und letzte Woche sensationelle 20 Leser angezogen hat, finde ich im Gegenteil eher erheiternd. Wenn AutorInnen nichts bezahlen, wer dann? Werbung ist mir dort nie unangenehm aufgefallen. Die paar Stellenanzeigen finanzieren vermutlich auch keinen Mitarbeiterstab von (laut Hoppenstedt) 120 Personen. Verfolgen diese Dienste also alle das Mendeley-Ziel, von großen Playern geschluckt zu werden? Thomson Reuters hat noch kein Wissenschaftsnetzwerk.

Academia.edu versuchte also, Geld über Promotionsangebote zu verdienen. Versuchte, Vergangenheitsform, weil das Angebot längst wieder eingestampft wurde. Die Aufregung darüber kann ich allerdings nicht verstehen. Wer Academia.edu (ResearchGate etc.) für einen Teil der offenen Wissenschaftscommunity hält, wird noch die eine oder andere Enttäuschung erleben müssen. Das sind Firmen, die müssen Geld verdienen. Das ist nichts Verwerfliches. Um eine offene und nachhaltige wissenschaftliche Infrastruktur zu schaffen, sind aber wissenschaftliche Institutionen gefordert, die dies selbst in die Hand nehmen müssen. Gerne mit Firmen als Dienstleistern.

PS: Kritik zu Academia.edu findet sich auch in Archivalia und auf Twitter unter dem oben schon verlinkten #DeleteAcademiaEdu. Die Kritik an diesen Diensten ist übrigens nicht gerade neu.

Europeana-Kollektionen

Neuerdings bietet Europeana Kollektionen an, um den Einstieg in verschiedene Themen (Musik und Kunstgeschichte) einfacher gestalten zu können.

Übrigens hat auch die PLoS seit einigen Monaten Kollektionen. Für die werte Infobib-Leserschaft am interessantesten sind vermutlich die zu Research Analysis & Science Policy und Computer & Information Sciences.

Ich frage mich bei diesen Kollektionen oft, wer die Zielgruppe ist. Sind diese Kollektionen primär ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit?