Exzellente Phantomaufsätze in Göttingen

Aufruhr an der Universität Göttingen:

Dort wird Forschern vorgeworfen, Aufsätze (noch) gar nicht geschrieben, sie aber gleichwohl auf ihren Publikationslisten vermerkt zu haben, um sich Drittmittel zu erschleichen.

Es sieht so aus, als wären hier nicht nur bibliometrische Methoden zur Quantifizierung wissenschaftlicher Arbeit gefragt. Offensichtlich muss in Zukunft auch geprüft werden, ob Arbeiten überhaupt existieren…

[via SZ]

GoeScholar wagt erste Schritte zum Dokumentenserver 2.0

Vor knapp 2 Wochen hat die Universität Göttingen ihren Dokumentenserver GoeScholar freigeschaltet. An sich nicht weiter bemerkenswert, haben doch inzwischen zahlreiche Hochschulen ein solches Angebot. Bemerkenswert sind allerdings die Dienste, die unter “Mein GoeScholar” firmieren. Dort gibt es nämlich eine “Publikationsliste”, ein Feature, das ständig und immer wieder von Autoren nachgefragt wird. Bei GoeScholar ist das nicht ganz so chic durchdesignt wie im Web 2.0 gewohnt, der Dienst ist aber durchaus zweckmäßig. In der Demo-Version kann man sich die Funktionen ansehen. Hübsch auch die Einbindung der “Google-Zitationsrate”.

Ich konnte leider nicht herausfinden, ob die Liste auch als Widget funktioniert. Von Slideshare ist man ja so etwas gewohnt:

Bis dahin dauert es wohl noch ein wenig. Mit ca. 5-10 Jahren Verzug pflegen solche Nützlichkeiten irgendwann ja doch Einzug ins Bibliothekswesen zu halten. Dabei handelt es sich um handfeste Vorteile für Autoren, die die Akzeptanz von OA-Servern weiter verbreiten können.

Nummerierte Wissenschaftler

Bourne PE, Fink JL: I Am Not a Scientist, I Am a Number. PLoS Comput Biol 4(12)
doi:10.1371/journal.pcbi.1000247

Was für Otto Normal sehr abschreckend wirkt, übt auf Wissenschaftler einen ganz eigenen Reiz aus: Die Identifizierung durch eine eindeutige Nummer. Im Artikel ” I Am Not a Scientist, I Am a Number” führen Bourne und Fink aus, wie man die Vergabe eindeutiger IDs für Wissenschaftler für bibliometrische Zwecke und natürlich auch für Dienstleistungen (bibliographische Widgets) nutzen kann.

Mögliche Identifier sind die Researcher-ID (über die aktuell auch Medinfo berichtet) oder Open-ID. Spannend wäre eine Nutzung der PND für solche Zwecke. Vielleicht wäre ja auch eine Verknüpfung verschiedener IDs möglich, um unterschiedliche Dienste nutzen zu können?

Eine Verknüpfung bibliographischer Daten mit eindeutigen IDs ist auf jeden Fall wünschenswert, um personalisierte Dienste wie automatische Bibliographien oder bibliometrische Analysen zu ermöglichen.

Lange Papers werden häufiger zitiert

Nature News weist auf eine Studie hin, nach der die Zitationshäufigkeit zu einem gewissen Grad mit der Länge des Werkes korreliert.

There is, however, a limit to the benefits of size: citations start to tail off when papers reach lengths of 80 pages or so, perhaps because fewer people have the stamina to read them.

Bei der Menge an Studien, die es inzwischen über Zitationshäufigkeiten gibt, erscheint es mir nicht unwahrscheinlich, dass manch einer seine Publikation nach diesen Kriterien “optimiert”. Statt SEO (Search Engine Optimization) wäre das dann SIO (Scientific Impact Optimization). Vielleicht ist da sogar eine neue berufliche Nische für Publikationsberater?

Nein, lassen Sie die Rohdaten in Kapitel 2 lieber weg, laut der Studie XY senkt das die Zitationshäufigkeit.

Albern? Ja. Abwegig? Nein. Krzysztof Stanek, der Autor der eingangs erwähnten Studie meint dann auch:

“There is definitely too much obsession with citations and other indices,” Stanek says. This is partly because they are easy to calculate regardless of whether they actually mean very much. But he confesses to using them himself.

Wer sich für die ganze Studie interessiert, der kann den Preprint bei Arxiv einsehen.

10th International Conference on Science and Technology Indicators

Morgen beginnt die 10th International Conference on Science and Technology Indicators in Wien.

Das Erkennen von Trends in der Forschung, die Identifikation von Forschungsgebieten mit einem hohem Zukunftspotential, sowie die Messung von Forschungsleistungen sind die Leitthemen der “10th International Conference on Science and Technology Indicators”.

Die quantitative Messung der Leistung und Entwicklung von Forschung und Technologie (F&T) hat international eine lange Tradition und findet breite Akzeptanz in der F&T-Politik. Eines der bekanntesten Konzepte ist der Impact Faktor von wissenschaftlichen Zeitschriften, welcher durch die Zahl der Zitierungen die Sichtbarkeit wissenschaftlicher Arbeit in der Scientific Community erfasst. “Die Anwendung und die Weiterentwicklung von ähnlichen bibliometrischen Indikatoren gehören auch zu den Aufgaben einer modernen Universitätsbibliothek”, sagt Programme Chair Juan Gorraiz von der Universität Wien.

Weitere wichtige Konferenzthemen sind: Neue Anforderungen und Entwicklungen im Open Access-Publikationswesen, neue Möglichkeiten zur Erforschung der Wissenschaft, Fortschritte in der Forschung zur Knowledge Based Economy und neuartige Analysekonzepte, wie z. B. Netzwerkanalyse und Forschungslandkarten (Mapping Science).

Über 250 WissenschafterInnen, insbesondere InformationswissenschafterInnen, WissenschaftspublizistInnen sowie ForschungsmanagerInnen, DatenbankanbieterInnen, BibliothekarInnen und Policy Maker aus der ganzen Welt tauschen neueste Erkenntnisse über Entwicklung und Anwendung von Forschungs- und Technologieindikatoren aus. Neben VertreterInnen der Industrieländer nehmen auch zahlreiche ForscherInnen aus Schwellenländern an der Konferenz teil.

Die Themenpalette klingt interessant. Wer genaueres wissen möchte, dem sei das mit 49 MB reichlich schwergewichtig geratene Book of Abstracts (PDF) empfohlen.

[via IDW-Online]

Publish or Perish: Harzings Hirsch

Wenn man den Hirsch-Faktor eines Autoren via Google Scholar ermitteln möchte, bietet sich Anne-Wil Harzings Publish or Perish an.

Publish or Perish is a software program that retrieves and analyzes academic citations. It uses Google Scholar to obtain the raw citations, then analyzes these and presents the following statistics:

* Total number of papers
* Total number of citations
* Average number of citations per paper
* Average number of citations per author
* Average number of papers per author
* Average number of citations per year
* Hirsch’s h-index and related parameters
* Egghe’s g-index
* The contemporary h-index
* The age-weighted citation rate
* Two variations of individual h-indices
* An analysis of the number of authors per paper.

Einen Artikel, der die Eignung von Thomson ISI Web of Science und von Google Scholar für die Zitationsanalyse vergleicht, ist hier zu finden.

Um einen kleinen Überblick zu bekommen, habe ich mal eine Journal Impact Analysis von Libreas (links) und Author Impact Analysis von Lawrence Lessig (rechts) gemacht (zum Vergrößern auf’s Bild klicken):

Das Programm ist schnell installiert, arbeitet zügig, und erlaubt es zumindest, Bibliometrie etwas greifbarer zu machen.

Inetbib 2008: Repositories

Block 12: Repositories
Uwe Müller, HU Berlin: OA-Netzwerk

DFG-Projekt (HU Berlin, SUB Göttingen und Uni Osnabrück)

Erstmal Allgemeines zu OA.

Zweck von DINI: Steigerung der Akzeptanz in den Institutionen. Antragstellung per Fragebogen, zwei Gutachter (bibliothekarisch und technisch), Kosten ca. 250 €. Bisher 23 Zertifikate ausgegeben, mehrere zur Zeit in Bearbeitung.

Ziel: Stärkung der Repositorien, Erhöhung der Sicherheit, Aggregator für DRIVER, Verbesserung der OA-Infrastruktur. DINI-Zertifikat ist Exportschlager (z.B. Spanien, Indien).

OA-Netzwerk: OAI-Serviceprovider, Harvesting, Aggregation, Anreicherung, Bereitstellung. API ist vorgesehen.

Metasuche
Feeds
Anbindung an externe Nachweisdienste (Scirus, Scholar etc.)

Prototyp des OA-Netzwerks: Mitte 2008
Weitere Dienste geplant: OA-Statistik, OA-Citation
http://www.dini.de/oa-netzwerk

Thomas Severiens (UB Osnabrück) und Frank Scholze (UB Stuttgart): „Nutzungs- und Zitationsanalyse als alternative Impactmessung wissenschaftlicher Publikationen“
Qualitätsdienst I: OA-Statistik
Verbesserung des Impacts, Vergleichbare Nutzungsstatistik, Vernetzung von Statistiken, Gewichtung anhand von Nutzungsfaktoren. Die Relevanz von Werken soll exemplarübergreifend erfasst werden.

Qualitätsdienst II:OA-Zitationen
Werkzeug für Wissenschaftler als Autoren und Leser für die Suche und Organisation von Referenzen. Vernetzung über viele Repositorien anhand von Zitationsgraphen. Kooperation der Wissenschaftler oft nicht gegeben, wenn z.B. Referenzen standardisiert werden sollen („Zu viel Arbeit“).

Mirjam Kessler und Stefanie Rühle (KIM): „Interoperable Metadatenmodelle und Repositories“
Metasuche (Cross searching) vs. Suchmaschinenindex (harvesting)
Es liegen heterogene Datenformate vor. Interoperabilität kann nur durch Standardisierung von Metadatenformaten gewährleistet werden. Auch Standardisierung von Metadatenschnittstellen.

OAI-PMH im Vergleich zu OAI-ORE: Object Re-Use

Beispiel Geo-Leo. Singapore Framework.

FAZIT: Dieser Block war mein persönliches Highlight.