Bibliothek 2.009

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Aller guten Dinge sind drei! Und in die dritte Runde geht’s nun mit dem (teilweise bibliothekarischen) Selbstlernkurs zum Web 2.0. Bequemlicherweise packe ich hier einfach mal die Infomail rein, die in dieser oder ähnlicher Form auch durch Inetbib, Netbib und Co geistern wird. Weiterverbreitung ist ausdrücklich erwünscht!
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Google Wave für Bibliothekare

Ivan Chew, der Rambling Librarian, hat sich Google Wave genauer angesehen und dabei interessante Möglichkeiten für die Anwendung im Bibliotheksumfeld ausgemacht.

Sein Fazit:

Perhaps it’s not an exaggeration to say the Google Wave demo is a sign of a coming digital tsunami.

We can surf the wave or go under.

Ob es wirklich so dramatisch wird, bleibt abzuwarten. Nichtsdestotrotz sollten sich Bibliothekare Google Wave genau ansehen und z.B. über eine Anbindung an Publikationssysteme nachdenken.

GoeScholar wagt erste Schritte zum Dokumentenserver 2.0

Vor knapp 2 Wochen hat die Universität Göttingen ihren Dokumentenserver GoeScholar freigeschaltet. An sich nicht weiter bemerkenswert, haben doch inzwischen zahlreiche Hochschulen ein solches Angebot. Bemerkenswert sind allerdings die Dienste, die unter “Mein GoeScholar” firmieren. Dort gibt es nämlich eine “Publikationsliste”, ein Feature, das ständig und immer wieder von Autoren nachgefragt wird. Bei GoeScholar ist das nicht ganz so chic durchdesignt wie im Web 2.0 gewohnt, der Dienst ist aber durchaus zweckmäßig. In der Demo-Version kann man sich die Funktionen ansehen. Hübsch auch die Einbindung der “Google-Zitationsrate”.

Ich konnte leider nicht herausfinden, ob die Liste auch als Widget funktioniert. Von Slideshare ist man ja so etwas gewohnt:

Bis dahin dauert es wohl noch ein wenig. Mit ca. 5-10 Jahren Verzug pflegen solche Nützlichkeiten irgendwann ja doch Einzug ins Bibliothekswesen zu halten. Dabei handelt es sich um handfeste Vorteile für Autoren, die die Akzeptanz von OA-Servern weiter verbreiten können.

Exzellenzinitiative 2.0

Im neuen Videoportal der DFG zur Exzellenzinitiative findet man – sofern man sucht – Videos zu allen 85 geförderten Einrichtungen. Hübsches Layout, zweisprachig, eine prise 2.0 und somit natürlich auch einbindbare Videos:

Leider gibt es keinen RSS-Feed zum Blog (ist es dann überhaupt einer?). Auch wäre eine CC-Lizenz für ein DFG-Angebot meines Erachtens Pflicht. Mir ist auch nicht klar, ob es sich um ein einmaliges Projekt (à la Jahr der Geisteswissenschaften) handelt, oder ob es inhaltlich in Zukunft weiter gepflegt wird.

[via DINI]

Update am 4. Februar:
Im Blog wird schnell reagiert:

Es wird jeden Montag ein neues Video veröffentlicht, bis alle 85 Projekte vertreten sind – also in etwas über einem Jahr. Was danach passiert, ist noch nicht exakt geklärt.

Und einen RSS-Feed soll es in einigen Tagen auch geben.

Beyond the API: Why Companies Should Have a Presence on All Major Platforms

Beyond the API: Why Companies Should Have a Presence on All Major Platforms

Web sites are only one kind of presence that companies can have today. Social Networks like Facebook and MySpace, mobile platforms like iPhone and Blackberry, browser extensions and RIA Applications all have an equal – sometimes considerably larger – share of users attention. Figuring out which presence should be delivered by the website vs. a third party is an important question that each company should ask.

Web 2.0 in Bergisch Gladbach

Wer sich über das Hallo aus Bergisch Gladbach gewundert hat: Gestern und heute findet ebendort ein Informations- und Erfahrungsausstausch zum Thema DV-Systembetreuung in Hochschulbibliotheken. Gestern ging’s um Web 2.0.

Die Diskussion hätte meinetwegen durchaus noch etwas länger dauern können. Zumindest einigen der Teilnehmer werde ich aber sicherlich noch das eine oder andere Mal begegnen. Zum Beispiel beim Bibcamp 2009 oder beim Hobsy-Workshop über Mikroformate. Informationen zum Hobsy-Workshop gibt es hier und hier, und zur “Anmeldung” geht es hier.

Die Links:
http://delicious.com/CH_/bergisch_gladbach_2008

Die Präsentation:

Studie: Studieren im Web 2.0

HD Zimmermann und Danilo Vetter machen sich Gedanken über die HIS-Studie “Studieren im Web 2.0”.

HD Zimmermann schreibt unter anderem:

Interessant wäre in diesem Zusammenhang natürlich auch zu wissen, in welcher Form z.B. ‘Bibliothek 2.0’ – Angebote, die inzwischen von Hochschulbibliotheken angeboten werden – z.B. angereicherte Bibliothekskataloge – oder als Webanwendung verfügbar sind – z.B. CiteULike, BibSonomy, Connotea, zotero, etc. – von Studierenden genutzt werden. Auch das sind ‘Web 2.0’ – Anwendungen!

Ein äußerst interessanter Punkt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viele Angebote gut genutzt werden, wenn man Studierende und Dozenten immer wieder darauf aufmerksam macht, dass es sie gibt. Das gilt für Datenbanken genauso wie für Social Bookmarking. Aktuelles Beispiel ist die Toolbar der FHH. Nach etwas zögerlichem Start werden Bibliothekseinführungen nun mit der Toolbar als “Informationszentrale” durchgeführt, was zu einer Vervielfachung der Nutzung führte. Der Effekt setzt sich auch fort, wenn gerade weniger Schulungen stattfinden. Offensichtlich spricht sich die Nützlichkeit der Toolbar unter Studenten herum.

Auch wenn es nicht im Focus der Studie ist, mich würde sehr auch ein Vergleich bzgl. der Nutzung und Einschätzung von Fachdatenbanken wie elektronischen Zeitschriftenkatalogen interessieren. Vielleicht ist das ja dann der Inhalt der nächsten Studie!

Hierfür gilt das gleiche wie für Social-Bookmarking-Tools. Es sind, und darüber muss man sich als Bibliothekar immer klar sein, Nischenangebote. Selbst die beste Datenbank eines Fachgebiets wird nur von einigen Bibliotheksnutzern wirklich häufig benutzt. Das gilt zumindest für Hochschulbibliotheken und für die meisten Fachgebiete. WiSo in den Wirtschaftswissenschaften und PubMed sind da sicherlich Ausnahmen.

Danilos Analyse kann ich nur teilweise zustimmen:

überrascht haben mich die antworten auf die frage nach der nutzungshäufigkeit von weblogs. diese werden von 24,6 % der studierenden sehr selten und von 46,4 % überhaupt nicht genutzt. 7,2 % der studierenden kennen weblogs nicht (vgl. s. 24). ähnlich sieht es bei der nutzung von rss-feeds aus. hier nutzen 36,8 % der studierenden rss-feeds überhaupt nicht und 36,5 % kennen das angebot nicht. ein weiteres ergebnis, dass mich überrascht hat, war die geringe nutzung von social bookmarking-angeboten. 45,2 % der studierenden nutzen das angebot nicht und 37,8 % kennen die möglichkeiten von social bookmarking seiten nicht (vgl. s. 25).

das rss, weblogs und social-bookmarking so wenig bekannt und genutzt werden lässt vermuten, dass die vorteile dieser web 2.0 angebote bisher zu wenig bekannt sind.

Wenig genutzt? 6% der Befragten sind anscheinend intensiv Blogkundige. Das mag wenig erscheinen. Bei einem sehr großen Teil gehe ich jedoch davon aus, dass Blogs zumindest regelmäßig gelesen werden. Man frage mal in seinem Bekanntenkreis, wieviele Netbib lesen, oder wenn es keine Bibliothekare sind, vielleicht Cute Overload oder Spreeblick. Vorher sollte man jedoch fragen, wieviele denn Blogs lesen. Die Zahlen werden sicherlich nicht identisch sein. Zumindest in Bibliotheken stoße ich immer wieder auf Kollegen, die mit großer Selbstverständlichkeit bibliothekarische Blogs lesen, aber keine Ahnung haben, dass es sich um Blogs handelt.

Daher scheint mir die Fragestellung nicht sehr glücklich. “Frage 2: Wie häufig nutzen Sie die folgenden Internetangebote?” Die Blog-Option lautet: “Weblogs/Blogs (z.B. blog.de)”
Wenn ich nicht weiß, dass Netbib ein Blog ist, dann überlege ich, ob mir die Domain Blog.de was sagt. Den meisten sicherlich nichts, und daher ist die Zahl der geringen Resonanz hier vorprogrammiert.

Weiter im Text:

bibliotheken, als wichtige akteurinnen im feld der informations- und medienkompetenz sind hier besonders gefragt, um bei den studierenden diese wichtigen internetangebote bekannter zu machen. hierzu ist es notwendig schnellstmöglich ein spannendes und vor allem in die hochschullehre integriertes (also auch studienpunkt(e) relevantes) kursangebote zum web 2.0 an den universitätsbibliotheken anzubieten.

Jein. Bibliotheken müssen sich da sicherlich positionieren und auch aktiv in die Fakultäten gehen. Wichtig ist jedoch auch, dass die Hochschulleitungen erkennen, welches Potential im sogenannten Web 2.0 liegt. Die Möglichkeiten sind noch längst nicht erschöpft. Und wenn eventuelle Pioniere unter den Dozenten von der Bibliothek unterstützt und als leuchtende Beispiele von der Hochschulleitung herumgezeigt werden, kommt der Erfolg von ganz alleine.

Finanzkrise und Bibliothekwesen

Auch Mark Buzinkay macht sich Gedanken über die Finanzkrise und die Folgen für das Bibliothekswesen. Dabei ist vieles, das auf der Stelle einleuchtet. Eingehen werde ich hier jedoch auf ein paar der weniger offensichtlichen Punkte:

3. Das Finanzmanagement wird nun endgültig professionalisiert. Veranlagung von Geldern, oft nicht mit dem heutigen Risiko-Bewußtsein durchgeführt, ist Schnee von gestern. Das bedeutet aber auch, dass die Betriebswirtschaft in Bibliothekskreisen weiter an Bedeutung zunehmen wird, zumindest auf der Führungsebene. Das wird auch Auswirkung auf die Profile künftiger BibliotheksleiterInnen haben.

Kann ich mir nicht vorstellen, halte ich auch nur begrenzt für sinnvoll. Welchen Einfluß hat denn die Führungsebene einer Bibliothek tatsächlich auf ihr Budget? Mit ein bißchen Lobbyarbeit beim Träger kann man es ein wenig hochschrauben. Es geht aber doch hauptsächlich um die Verwaltung eines relativ festen Budgets. Um dabei nach innovativen und effektiven Wegen zu suchen, ist meines Erachtens kein BWL-Schwerpunkt im Studium notwendig. Die Führungsebene zumindest von wissenschaftlichen Bibliotheken sollte erst einmal bibliothekatische Kernkompetenzen abdecken. Wenn dann noch Luft bleibt für BWL: gerne.

5. Könnte also die Krise eine Chance für Open Access sein, endgültig den Durchbruch zu schaffen? Das scheint mir nicht abwegig, zumindest bei jenen Zeitschriften, die über eine gute Qualität verfügen. Für die Bibliothek würde das bedeuten, zumindest einige gute Quellen als Alternative zu nicht mehr leistbaren Zeitschriften unentgeltlich anbieten zu können. In einigen wissenschaftlichen Bibliotheken ist das bereits Realität. Das dürfte sich noch weiter verstärken.

Im Prinzip ja, aber… leider bestehen etliche Wissenschaftler darauf, genau diese und jene Information haben zu wollen. Für Haus- und andere Studienarbeiten trifft die Vermutung sicherlich zu, für die Forschung nur sehr begrenzt. Der Druck könnte höchstens auf anderem Wege erfolgen. Wenn die Bibliotheken jetzt deutlich machen, dass es finanziell finster wird, können eventuell mehr und mehr Wissenschaftler für OA gewonnen werden. Dies hat dann langfristig zur Folge, dass immer weniger Toll-Access-Artikel benötigt werden.

6. Kostenreduktion durch Open Source? Ebenfalls eine interessante Alternative – weg vom kostenpflichtigen Lizenzmodell hin zu kostenlosen Lösungen. Letzteres ist aber nicht kostenfrei, da auch die Implementierung und Anpassung an die eigene Systemarchitektur Know-how und Zeit erfordert. Wer das zur Verfügung hat, kann sich glücklich schätzen. Der Run auf BibliothekarInnen mit IT-Background ist längst fällig. Die Krise könnte also zu einer Modernisierung von Bibliotheken von innen heraus führen. Hier mal ein gutes Verzeichnis von Open Source Produkten…

Es ist ja gängige Meinung, dass Open Source im Prinzip genauso viel kostet wie “gekaufte” Software. Aber wenn man das Geld schon ausgibt, kann man sich dafür wenigstens Know-How ins Haus holen. Also, IT-Bibliothekare: Es brechen goldene Zeiten an. Aber glaubt bloß nicht, für Euch würde man den TV-L mal etwas großzügiger auslegen. ;o)

7. Alternative Web 2.0: wer keine Wissens- und Zeitressourcen im Team hat, der kann sich auf vielen Gebieten auch mit Web 2.0 Diensten behelfen. Hier meine ich nicht nur Zusatzdienste, die den eigenen Katalog mit Funktionen anreichern, sondern alles, was mit Software zu tun hat: Office Software, Kommunikation, Content Management, CRM, … Aber auch hier gibt es Risken: gerade in dieser Zeit der Umwälzung werden auch Web 2.0 Anbieter Opfer der Situation. Und das kann wieder auf die Bibliothek zurückfallen – also: vorausschauend evaluieren.

Neben dem Problem der Datensicherheit bleibt auch das des Datenschutzes. Nutzerdaten würde ich z.B. keinem Fremddienst anvertrauen. Aber viele Dinge lassen sich auf jeden Fall auf diese Weise “outsourcen”. Wobei es an dieser Stelle auch immer die Überlegung zu treffen gilt, ob es nicht eine bessere Open-Source-Desktop-Applikation gibt.

Insgesamt bleibt abzuwarten, ob es zu einer Krise im Bibliothekswesen kommt. Falls sie kommt, ist immerhin Potential vorhanden, sie auch als Chance zu sehen.