Lobbyisten der CDU: Die fehlenden üblichen Verdächtigen

Kürzlich schrieb ich hier über die veröffentlichte Liste von Lobbyisten im Bundestag:

Sehr verwunderlich ist, dass weder Bertelsmann noch Axel Springer auf der Liste zu finden sind. Die Organisationen, denen die Unionsparteien einen Hausausweis gegönnt haben, sind in der Liste aber auch nicht enthalten.

Auf Spiegel Online ist die vollständige Liste (PDF) inklusive eines Begleitartikels nun zu finden. Natürlich sind Axel Springer und Bertelsmann, neben zahlreichen anderen von der CDU mit einem Hausausweis versorgten Firmen und Verbänden, nun aufgeführt.

#Varoufake in der Recherche-Schulung

Wer hier häufiger mitliest, weiß, dass ich das Tagesgeschehen zur Not mit großer Kraftanstrengung zur Illustrierung der Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens in meine Schulungen zerre. Zum Beispiel die Fussball-WM, Kolleginnen andernorts nutzen auch gerne Comedy-Sendungen1) BADIA, Giovanna. Relevancy Trumps Format When Teaching Information Literacy. Evidence Based Library and Information Practice, [S.l.], v. 9, n. 4, p. 64-66, dec. 2014. ISSN 1715-720X. Available at: . Date accessed: 19 Mar. 2015. , und alle IK-Schulenden werden sich wie die Schneekönige über die Guttenberg-Affäre gefreut haben. Wissenschaftliches Arbeiten als Thema in der Tagesschau! Toll!

Nun sind die meisten Studierenden recht jung und die Plagiats-Affäre ist jetzt schon wieder knapp fünf Jahre her. Zarte Anspielungen darauf werden von 19 bis 20jährigen Studierenden oft nicht mehr verstanden.

Gerade gab es in der Rechercheschulung jedoch einen neuen tages- und medienpolitischen Anlass, der den Studierenden anlässlich des Themas “Quellen kritisch evaluieren” geradezu ins Gesicht sprang.

Egal, ob Fake oder Fake eines Fakes: Daraus kann man einiges lernen, darüber gibt es einiges zu diskutieren. Natürlich in diesem Fall vorwiegend über die Irrelevanz mancher Ereignisse, die von Talkshows und Boulevardblättern künstlich Relevanz zugeeignet bekommen. Aber auch über die Glaubwürdigkeit von Quellen.

References   [ + ]

1. BADIA, Giovanna. Relevancy Trumps Format When Teaching Information Literacy. Evidence Based Library and Information Practice, [S.l.], v. 9, n. 4, p. 64-66, dec. 2014. ISSN 1715-720X. Available at: . Date accessed: 19 Mar. 2015.

VG Media möchte Leistungsschutzrecht durchsetzen

Zwölf Verlagshäuser sind als Gesellschafter in die VG Media mit dem Ziel eingestiegen, die Verwertung nach dem Leistungsschutzrecht wahrzunehmen. In einem Futurezone-Artikel äußert Madsack-Geschäftsführer Düffer, dass er nicht davon ausgehe, dass Madsack-Artikel nun aus dem Google-Index entfernt werden.

Ich gehe zumindest davon aus, dass sie aus dem Google-News-Index entfernt werden, genau wie es beispielsweise in Frankreich geschah.

Folgende Verlagshäuser spielen nun gallisches Dorf gegen Googlius Caesar:

  • Aschendorff Medien GmbH & Co. KG,
  • Axel Springer SE,
  • Burda Gesellschaft mit beschränkter Haftung,
  • Evangelischer Presseverband Norddeutschland GmbH,
  • FUNKE MEDIENGRUPPE GmbH & Co. KGaA,
  • Mediengruppe M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG,
  • Münchener Zeitungs-Verlag GmbH & Co. KG,
  • Presse-Druck und Verlags-GmbH,
  • Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft mbH,
  • sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG,
  • Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG,
  • ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH.

Mehr dazu in der Pressemitteilung der VG Media.

"Das Internet war eine Episode der Freiheit"

Im Perlentaucher äußern sich Thierry Chervel und Anja Seeliger zum Leistungsschutzrecht, diesem Kniefall der Bundesregierung vor der Verlegerlobby (Gesetzesentwurf als PDF).

Ich setze auf die belgische Lösung und anschließendes Gewinsel der Verleger. Wer übrigens wissen möchte, welche Verlage/Presseerzeugnisse sich für diesen Unsinn einsetzen, kann dies bei der Opalkatze nachlesen. Beispiele auf ihrer Liste: (XY-)Bild, Brigitte, FAZ, Freundin, Financial Times Deutschland, Frankfurter Rundschau, Hannoversche Allgemeine, Geo, Grafschafter Nachrichten, Rheinische Presse, Süddeutsche, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Welt…

Leistungsschutzgeld beschlossene Sache?

Laut Netzpolitik.org haben sich Springer & Co (diesmal Axels Springer) nun endlich durchgesetzt. Die Bundeskoalition hat ein Leistungsschutzgeld Leistungsschutzrecht beschlossen. Laut Welt müssen sich “normale User” nicht sorgen, die “private Nutzung von Presseerzeugnissen im Internet” bleibe kostenlos. Und das Beste:

Auch für Unternehmen bleiben Papierausdrucke und das Lesen von Nachrichten am Bildschirm unentgeltlich

Unnormale User können sich dagegen sehr wohl Sorgen machen. Unnormal im Sinne des Textes sind nämlich Suchmaschinen und Aggregatoren wie Rivva oder Plan3t.info.

Wenn das LSR kommt, hoffe wohl nicht nur ich auf eine konsequente Antwort der Aggregator- und Suchmaschinenbetreiber. Und zwar am Besten so, wie es Google einst in Belgien vorgemacht hat. Deutlich formuliert: Wer zu dämlich ist, eine robots.txt zu formulieren, sollte nicht auch noch mit Traffic belohnt werden. Der immer wieder lesenswerte Stefan Niggemeier schreibt dazu:

Google und womöglich auch die Perlentaucher und turi2s dieses Landes sollen den Verlagen also Geld dafür geben, dass sie helfen, dass deren Inhalte ein Publikum finden.

Das ist etwa, als müssten die Gelben Seiten den Unternehmen dafür zahlen, dass sie ihre Informationen aufnehmen dürfen. Als müsste der Busfahrer dem Kirmesbetreiber Geld dafür geben, dass er die Kunden zu ihm bringt. Dem Vorhaben fehlt jede innere Logik.

Vor allem wenn man sich ansieht, wie groß der von Google, Facebook & Co generierte Traffic-Anteil bei den verschiedenen Presseangeboten ist. Dies wird sich seit März 2011 kaum wesentlich verringert haben.

Hier der Text der Koalitionsrundenergebnisse (PDF). Die Passage zum Leistungsschutzrecht findet sich auf Seite 4.

PS: Es ist an der Zeit, das Urheberrecht in Verwerterrecht umzubenennen. Dem Schutz der Urheber dient es schon lange nicht mehr.