Wir benötigen (mal wieder) Permalinks und offene Schnittstellen

Das Netzwerk Recherche hat einen Reader über Zukunftspfade und Sackgassen des Onlinejournalismus (PDF) veröffentlicht. Im Literaturverzeichnis ist ein bemerkenswerter Hinweis:

Unter jedem Eintrag ist (via Tinyurl) die „ISBNSuche“ der Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche) verlinkt, mit der man das entsprechende Buch in Bibliotheks- und Verbundkatalogen sowie im Buchhandel und in Antiquariats katalogen schnell finden kann.

Das funktioniert natürlich, so richtig elegant ist es jedoch nicht. Wieder ein Grund für Bibliotheken, auf Permalink-fähige Kataloge zu setzen und – noch besser – eindeutige Werkidentifikatoren wie die EKI einzuführen.

Dies würde nicht nur die Verlinkung von Werken ermöglichen, die keine ISBN haben. Es wäre dann auch möglich direkt auf bestimmte Auflagen zu verlinken. Oder lokalisierbare Dienste anzubieten nach dem Motto: Welche Bibliothek in meiner Nähe führt das Werk in ihrem Katalog? Aus der Verknüpfung von Geokordinaten (Sigelverzeichnis oder Wikipedia), EKI (Bibliothekskataloge) und einer Verfügbarkeitsrecherche mit DAIA ließe sich so eine sehr nützliche Anwendung bauen.

Climategate zeigt Bedeutung von Offenheit in der Wissenschaft

“Like it or not, this [demand for openness] indicates a transformation in the way science has to be conducted in this century.” That, say many, will be the lasting legacy of the independent review published last week into the controversial e-mails between climate scientists that were stolen from the University of East Anglia and posted online.

Mehr dazu im Environmental Research Web.

Bestandsgarantie für schlechte Arbeit?

Heise: Verleger fordern Bestandsgarantie für “Kulturgut Zeitung”

Angesichts sinkender Auflagen mahnte Bauer, junge Leser zu gewinnen. Zeitungen seien die besten Wissens- und Bildungsvermittler. “In einem horizontlosen Meer des Internets sind Zeitungen Leuchttürme.” Ähnlich wie in Rheinland-Pfalz und im Saarland sollten deshalb auch in Nordrhein-Westfalen Auszubildende mit Unterstützung der Betriebe Zeitungen zur Verfügung gestellt bekommen.

Wenn Zeitungen die besten Wissens- und Bildungsvermittler sind, dann schließe ich mich dem Chor der Abendlanduntergangspropheten stante pede an. In den letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit, Zeitungsartikel zu einem Thema verfolgen zu können, in dem ich mich einigermaßen gut auskenne: die Debatte um Open Access und den Heidelberger Appell. Und man möge mir bitte eine Zeitung nennen, die sich zu diesem Thema geäußert und sich nicht blamiert hat. Ich habe vielleicht ein bißchen den Überblick verloren, aber mehr oder weniger grobe sachliche Fehler fanden sich eigentlich in jeder Zeitung. FAZ, taz, SZ, …

Wer eine Bestandsgarantie einfordert, sollte Qualität liefern. Dies ist in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht der Fall, wie übrigens auch die Umwidmung des Bildblogs in ein generelles Medienwatchblog belegt. Die Gefahr, dass schlechter Journalismus durch Bestandsgarantien geschützt wird, ist mir zu groß.

Bodo Kirchhoff: Dichtung und Wahrheit in Googles Buchsuche

Nach Marek Lieberberg möchte sich nun Bodo Kirchhoff vor den Karren des Börsenvereins spannen lassen. In den Tagesthemen durfte er bar jeder Kenntnis der Materie sein Unbehagen an der “Proletarisierung” seiner Werke durch Googles Buchsuche zum Ausdruck bringen. Das sich jeder über Wissen hermacht, wie er will, ist offensichtlich nicht im elitären Sinne Kirchhoffs.

Ich konnte kein Werk von Kirchhoff ausfindig machen, dass über Googles Buchsuche tatsächlich vollständig verfügbar gemacht wurde. Bei allen (z.B. bei bei dieser Ausgabe des “Schundromans”) waren nur einzelne Abschnitte durchsuchbar, nicht einmal eine ganze Seite konnte ich mir anzeigen lassen. War das Kirchhoff nicht bekannt? Und ist ihm auch nicht bekannt, dass er selbst in die Proletarisierung in erheblich größerem Umfang eingewilligt hat, als er seine Einwilligung zur Veröffentlichung einer Leseprobe auf einer für ihn eingerichteten Webseite gab? Vielleicht ist er aber auch der abwegigen Meinung, dass man die von ihm genehmigte Leseprobe schließlich nur im Gesamtkontext der Webseite aufnehmen würde.

Die Tagesthemen übernehmen übrigens unkritisch das Wort “Urheberrechtsbruch”, was für mich ganz klar einer Vorverurteilung Googles gleich kommt. Wer sich über schlechten Journalismus und ahnungslose Dichter aufregen möchte, der sollte sich den Beitrag auf der Webseite der Tagesthemen ansehen. Der betreffende Teil fängt fast exakt in Minute 26 an.

Ein Kommentar zur Sendung findet sich auch bei Archivalia.

Auch Marek Lieberberg weiß nicht, was Open Access bedeutet

Auch die Süddeutsche Zeitung schließt sich endlich dem Kreuzzug gegen Open Access an. In einem Artikel bringt Marek Lieberberg das Kunststück fertig, pflastersteinwerfende Deep-Purple-Anhänger in den 70ern mit Verfechtern des OA zu vergleichen. Die Verwechslung mit dem Google-Books-Programm ist ja inzwischen Alltag.

Die lückenlose Digitalisierung der Welt hat mit Googles jüngstem Coup, der Millionen Buchtitel online verfügbar macht, Literatur und Buchhandel mit demselben Virus infiziert, an dem die Musikindustrie zugrunde geht und der die Zeitungslandschaft bedroht. Diese Kapitulation wird von Anhängern der Open Access-Ideologie als Demokratisierung des Wissens bejubelt. In Wahrheit werden Rechte verschleudert, was Googles Allmacht weiter zementiert.

Herr Lieberberg, benutzen Sie doch bitte nur Begriffe, deren Bedeutung Sie kennen. Durch solch hanebüchenen Blödsinn verliert eine Zeitung insgesamt an Glaubwürdigkeit. Mehr zur journalistischen Ahnungslosigkeit und schlechten Recherche beim Thema Open Access gibt es hier.

Helmut-Sontag-Preis für Dr. Stefan Krempl.

Der mit 2500 Euro dotierte Publizistenpreis des Deutschen Bibliotheksverbandes wird in diesem Jahr an den Journalisten Dr. Stefan Krempl verliehen.

Der Preis würdigt Publizisten, die das Bibliothekswesen durch her­ausragende Einzelbeiträge oder durch die Kontinuität sachgerechter Berichterstat­tung wirkungsvoll gefördert haben.

[via Bibliotheksportal]