Open Knowledge Index

Die Open Knowledge Foundation (OKFN) wagt sich an den Versuch, mit dem Open Knowledge Index “Offenheit” in verschiedenen Ländern zu quantifizieren und zu vergleichen.

Bevor man misst, muss definiert werden, was Offenheit ausmacht. Grundlage sind hier die three dimensions of open knowledge:

I) Capability: Following Sen (1999), capability measures whether individuals have the capability to access and process data and knowledge. The availability of data and tools does not necessarily imply that citizens have the knowledge about how to access and understand the information. This problem, known as the Digital Divide, is particularly evident in the stark differences between the high income and lower income countries. As capability is difficult to measure directly, we proxy these dimensions using:

– Total communication access paths per 100 inhabitants (OECD)
– Newspaper circulation rate (World Bank)
– Press freedom (Reporters without Borders)
– Tertiary education rate (World Bank)

II) Legislation: Open public administration is one of the most important administrative law principles (Bugaric 1975). An open government allows citizens to acquire information and is fundamental to the democratic legitimisation of the government. Legislation, empowering citizen access, provides the legal framework de jure, yet the effective access in terms of shorter times and costs for acquiring information proxies the citizens’ access in practice.

– Years since first Freedom of Information legislation (OECD “Citizens as Partners”)
– Depth of Freedom of Information legislation (OECD)
– Open Budget Index (Open Budget Partnership)
– Effective access to information (World Bank)

III) Open Knowledge Society: Civil society, as the fourth pillar, has become increasingly involved in activities traditionally occupied by governments, international organizations and established NGOs (Develtere and De Bruyn 2009). Grass-root activities often possess contextual knowledge, alleviating vertical information asymmetries between large organizations and the “ground”. Access and use of social media, as well as crowd-sourced knowledge are characteristics of a open knowledge society which are captured using:

– Number of Wikipedia edits per 100.000 inhabitants (Wikipedia)
– Open Source Index (Red Hat)
– GI Civil Society Index (World Bank)
– (Number of twitter users per 100.000 inhabitants)

Deutschland steht im Ranking überraschend gut da. Ein Blick auf die Kriterien lohnt da sicherlich. So sagt beispielsweise die Zeit, seit der ein Informationsfreiheitsgesetz erlassen wurde, sicherlich nichts darüber aus, wie gut es umgesetzt ist.

Der jetzige Index wird als “vorläufig” veröffentlicht. Das die Kriterien mit der heißen Nadel gestrickt sind, sieht man nicht nur an der entfernten Twitter-Quote und daran, dass es zwar nur drei Säulen gibt, bei der Open Knowledge Society jedoch von der “Civil society, as the fourth pillar” gesprochen wird. Die Mitglieder des OKFN-Teams fragen jedoch ausdrücklich nach Verbesserungsvorschlägen, wie man den Index verbessern kann.

Bibcharts der ZBW

Die ZBW möchte darstellen machen, ob und wie Bibliotheken im Social Web sichtbar sind. Dazu wurden nun die Bibcharts ins Leben gerufen. Aus den FAQ:

Was sind die BibCharts?
Die Bibcharts sind ein monatlich erstelltes Ranking, das anzeigt, wie viele Follower auf Twitter beziehungsweise Fans bei Facebook Bibliotheken und Informationszentren im deutschsprachigen Raum verzeichnen.

Dass die Visualisierung von Followerzahlen Aufmerksamkeit für Social Media erregen könnte, ist richtig. Dass diese Aufmerksamkeit auf wesentliche Aspekte des Social Web – also zum Beispiel Transparenz, Interaktion oder Kommunikation – gelenkt wird, ist dagegen eher nicht zu vermuten. Statt dessen wird hier suggeriert: “Size matters! Ohne Followerzahlen im höheren dreistelligen Bereich sind wir gescheitert!”

Dass zum Beispiel auch die Interaktion mit einigen wenigen Multiplikatoren hinreichende Motivation für fortgesetztes Engagement sein kann, geht in dieser Darstellungsweise unter. Eine Sammlung von Fallbeispielen oder Anekdoten, was “Erfolg” im Social Web ausmacht, wäre daher ein weitaus sinnvollerer Ansatz gewesen.

Sollten die Bibcharts eine breitere Aufmerksamkeit erfahren, ist eher von einer erneuten Zahlenfixierung der “Entscheider” auszugehen. Jürgen Plieninger meint milde:

Es ist ein Ranking, es gibt ein Bild, man kann vergleichen und Überlegungen anstellen, wie man es selbst umsetzen könnte und ob der Aufwand sich lohnt. Nicht mehr und nicht weniger.

Dies ist wünschenswert, setzt aber voraus, dass Möglichkeiten und Schwachstellen solch einer Liste jedem Betrachter einleuchten.

Mehr zum Für und Wider eines solchen Rankings in den Kommentaren des ZBW-Blogs.

Ravelry: Strick-Community

Farhad Manjoo schrieb vor einigen Tagen für Slate einen interessanten Artikel (“A Tight-Knit Community”) über das auf die Strick-Community spezialisierte Social Network Ravelry.

The best social network you’ve (probably) never heard of is one-five-hundredth the size of Facebook. It has no video chat feature, it doesn’t let you check in to your favorite restaurant, and there are no games. The company that runs it has just four employees, one of whom is responsible for programming the entire operation. It has never taken any venture capital money and has no plans to go public. Despite these apparent shortcomings, the site’s members absolutely adore it.

Dass die strickende Gemeinde auch im Web sehr gut miteinander verknüpft, verwoben, verstrickt ist, war schon in der Kartographierung der deutschsprachigen Blogosphäre von John Kelly und Jan Schmidt klar geworden.

Google wird social

Im Februar 2010 wurde vielerorts die Frage gestellt, ob Google den Twitter-Killer an den Start gebracht hat. Gemeint war Google Buzz. Ein Jahr später wird nicht Twitter gemeuchelt, nun ist Facebook dran. Googles neuester (und lang erwarteter) Clou heißt Google+. Die einfache Erweiterung des Markennamens um ein Pluszeichen deutet wohl daraufhin, wie wichtig Google dieses Feature ist. Das Zeichen einfach wieder zu entfernen, wenn der Dienst – wie so viele Google-Dienste – floppt, wäre ein drastisches Symbol des Scheiterns für Googles Social-Web-Strategie.

Das Konzept steht auf drei Säulen.

Circles:

Man teilt normalerweise verschiedene Dinge mit verschiedenen Leuten. Aber es sollte nicht in Stress ausarten, das Richtige mit den richtigen Personen zu teilen. Mit Circles können Sie ganz einfach einen Kreis für Ihre engsten Freunde, die Fußballkumpel oder Ihre Tanzgruppe anlegen, einen anderen für Ihre Familie und einen eigenen nur für Ihren Chef – genau wie im richtigen Leben.

Hangouts:

Wenn man beim Ausgehen zufällig auf Freunde trifft, ist das oft der Anfang eines unvergesslichen Abends. Mit Hangouts wird so ein unverhofftes Treffen erstmals ins Web verlegt. Lassen Sie Ihre Freunde wissen, dass Sie im Hangout sind, und lassen Sie sich überrraschen, wer vorbeischaut. Noch nicht ganz so gut wie Beamen, aber fast!

Sparks:

Hat Ihr Großvater auch früher Artikel aus der Zeitung ausgeschnitten und sie Ihnen geschickt? Sparks macht etwas Ähnliches: Es sucht nach Videos und Artikeln, die Ihnen gefallen könnten, sodass Sie immer etwas zum Anschauen, Lesen oder Teilen haben.

Google hat aus dem Buzz-Debakel gelernt. Hatte man dort auf eine Opt-Out-Klausel gesetzt und viele Daten ohne explizite Einwillung der Nutzer veröffentlicht, möchte man es nun anders angehen. Im Googlewatchblog ist zum Datenschutz zu lesen:

Google hat übrigens auf den Datenschutz geachtet und schreibt in der Ankündigung: Es ist uns bewusst, dass Google+ ein neuartiges Projekt ist, das einen anderen Schwerpunkt erfordert: eure Person. Deswegen geben wir euch differenziertere Optionen, privat zu bleiben oder Dinge öffentlich zu machen, mehr Auswahlmöglichkeiten im Hinblick auf eure Daten und eure Kontakte und mehr Gelegenheiten, uns zu sagen, ob wir das auch gut machen.

Ein Video zu Google+ gibt’s natürlich auch:

Scheitert Google+? Wetten werden angenommen. Ich lehne mich aus dem Fenster: das Projekt wird jetzt von zwei Dritteln der Social-Media-Irgendwasse gehyped, und in einem Jahr spricht niemand mehr darüber.

Gartner: 10 Strategic Technologies for 2011

Gartner Identifies the Top 10 Strategic Technologies for 2011

  1. Cloud Computing
  2. Mobile Applications and Media Tablets
  3. Social Communications and Collaboration
  4. Video
  5. Next Generation Analytics
  6. Social Analytics
  7. Context-Aware Computing
  8. Storage Class Memory
  9. Ubiquitous Computing
  10. Fabric-Based Infrastructure and Computers
Glaskugel by Eva K. (CC: BY-SA)
Glaskugel by Eva K. (CC: BY-SA)

Social Media Newsrooms (oder Lounges) für Bibliotheken

Laut Eric Kubitz sind Social Media Newsroom spätestens seit August 2009 in Deutschland angekommen. Ein Social Media Newsroom (etwas charmanter: Social Media Lounge) ist eine Webseite, auf der verschiedene Social-Media-Aktivitäten einer Person oder einer Institution aggregiert sind. Also so etwas wie ein offener Presse-Bereich. Die typischen Merkmale sind nach Wikipedia:

* Es gibt keine „Anmeldung nur für Journalisten“,
* es gibt keine Sperrfristen,
* die Informationen sind allen Multiplikatoren gleichzeitig und in vollem Umfang zugänglich,
* die Ansprechpartner (PR-Verantwortliche, aber auch Unternehmensführung) sind unkompliziert erreichbar, sei es per E-Mail, Twitter, Facebook, Telefon oder Skype.

Der Social Media Newsroom ist das „Zugangstor“ zur interaktiven und kollaborativen Medienwelt mit Weblogs, Twitter, Facebook, LinkedIn, XING, Audio-Podcasts, Flickr, Youtube, Slideshare, Scribd etc.

Besonders spannend an diesen Social Media Lounges finde ich die mögliche Innenwirkung. Für die Bibliothek der FH Hannover habe ich so etwas vor einiger Zeit mit Netvibes eingerichtet. Hieß zwar nicht Social Media Lounge, bot aber einige der oben erwähnten Funktionalitäten. Und ermöglicht seitdem auch Twitterverweigerern und Delicious-Abstinenzlern, über die Aktivitäten der Bibliothek in diesen Kanälen einigermaßen auf dem Laufenden zu bleiben.

Was ist drin?

Unterteilt ist die Lounge in momentan drei Abschnitte.

  1. “Die Bibliothek im Web”
  2. Hier findet man:

  3. “Neuerwerbungen”
  4. ist der nächste Reiter betitelt. Eben jene findet man dort auch, generiert aus den RSS-Feeds der verschiedenen Bestände und des Dokumentenservers.

  5. “Andere über die Fachhochschule Hannover”
  6. Hier sind RSS-Feeds aus verschiedenen Suchanfragen bei Google News, Google Blogsearch, Flickr (recht umständlich über eine Yahoo Pipe gelöst, die man dann aber fluffig als Netvibes-Widget einbinden kann) und Twitter versammelt.

Wenn man ein Vorbild hat, geht das einigermaßen schnell. Zumindest, wenn man nach dem Prinzip “Hauptsache funktinoniert” vorgeht. Ziemlich viel Zeit kann bei der Suche nach einem Widget vergehen, dass der Idealvorstellung entspricht.

Man kann das sicherlich professioneller angehen. Netvibes ist sehr langsam im Seitenaufbau. Dazu kommt, dass sehr viele Bibliothekswesen nicht davon begeistert sind, sobald Inhalte nicht ausschließlich auf der institutseigenen Webseite zu finden sind.

Andere Beispiele für Social Media Newsrooms

Für WordPress gibt es übrigens mindestens ein SMN-Theme. Vermutlich noch viele mehr, auch für andere CMS. Es gibt folglich elegantere Umsetzungen als die Netvibes-Lösung, jedoch kaum eine einfachere und in der Erstellung schnellere. Wer nicht monatelang auf ein OK der EDV-Abteilung warten möchte, kann sich seine Social-Media-Lounge in wenigen Schritten selbst zusammenklicken.

Die hübscheste Social-Media-Lounge hat übrigens der Eichborn-Verlag.