Bibcast-Programm ist veröffentlicht

Felix Lohmeier schreibt in Inetbib:

im Vorfeld des BID-Kongresses wird es dieses Jahr eine Reihe von *abgelehnten* Beiträgen als Live-Webcast zu sehen geben. Das Programm ist jetzt online: http://bibcast.openbiblio.eu

In der Woche vom 7. bis 12. März 2016 werden insgesamt 17 Beiträge in 5 Themenblöcken über YouTube ausgestrahlt. Über einen Live-Chat können ZuschauerInnen während der Übertragung Fragen stellen, die von den Vortragenden im Anschluss an den Vortrag beantwortet werden. Wie bei einer „echten“ Konferenz werden ModeratorInnen die Vortragenden vorstellen und die Diskussion moderieren.

Direkt im Anschluss an die Vorträge werden die Videoaufzeichnungen im YouTube-Channel von Bibcast unter einer CC-by-Lizenz bereitgestellt und später zusätzlich auf dem AV-Portal der TIB Hannover dauerhaft archiviert.

Die Aktion ist vor einigen Monaten unter dem Twitter-Hashtag #bibtag16 #reject entstanden und wurde gemeinschaftlich von Interessierten entwickelt. BID und Programmkommission unterstützen diese Initiative und sehen sie als weitere Ergänzung des Programms.

Es sind einige interessante Vorträge dabei, die aus verschiedenen Gründen keinen Weg ins Programm des BID-Kongresses finden konnten. Schauen Sie einmal rein, vielleicht ist auch für Sie etwas dabei.

Hier der Tweet für Retweets: https://twitter.com/bib_cast/status/702026128714833921

#FragDenBundestag führt zu mehr Informationsfreiheit

Netzpolitik.org berichtet:

Wie aus einer internen E-Mail des Bundestagspräsidenten an alle Abgeordnete hervorgeht, wird der Bundestag künftig tausende Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes (WD) online auf der Bundestags-Website veröffentlichen – unter anderem zu Themen wie Sicherheitspolitik, Finanzen, Strafrecht, Asylrecht und Europapolitik. Das beschloss der Ältestenrat des Bundestags in seiner heutigen Sitzung.

Die Befreiung von Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags war also offensichtlich erfolgreich! Ich wage nicht zu hoffen, dass die Gutachten mit URN/DOIs und in einem ordentlichen Repository veröffentlicht werden. Aber immerhin werden sie überhaupt veröffentlicht.

Einfluss von Informationskompetenz-Veranstaltungen auf die Qualität von Masterarbeiten

Zu dieser Lieblingsbeschäftigung gehört natürlich auch das In-Die-Welt-Setzen von Artikeln in der Zeitschrift Informationspraxis. Und so freut es mich, dass ich mit „Einfluss von Informationskompetenz-Veranstaltungen auf die Qualität von Masterarbeiten“ von Gary Seitz und Barbara Grossmann nun eine Untersuchung zur Auswirkung von IK-Veranstaltungen freischalten konnte. Besonders interessant finde ich den Versuch, eine Metrik für die Erfolgsmessung von IK-Veranstaltungen vorzuschlagen, nämlich bibliometrische Analysen der nach einer Schulung entstandenen Literaturverzeichnisse.

Es wurde erwartet, dass die geschulten Studierenden mehr und wahrscheinlich auch qualitativ höherwertige Literatur finden und verwenden würden. Dies bestätigte sich, doch das Ausmass war überraschend. Die Steigerungen bei der Anzahl der Literaturverweise, der Zitierungen und des h-Indexes übertrafen bei weitem die Erwartungen. IK-geschulte Studierende verwenden ganz klar mehr und weit öfter zitierte Literatur. Wenn die Zitierungen als Kriterium der Qualität betrachtet werden, so bewirken Informationskompetenz-Schulungen, dass Studierende nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ bessere Literaturverzeichnisse erstellen. Mit Hilfe der Korrelationsanalyse lässt sich ein Zusammenhang von der Qualität der Literaturverzeichnisse und der Note der Masterarbeit herstellen.

Hier gibt es noch viel zu diskutieren und auszuprobieren. Besonders die Diskussion, wie man „qualitativ hochwertige Literatur“ definiert- und somit den Erfolg von IK-Schulungen – ist weder neu noch wirklich eindeutig zu beantworten, aber noch längst nicht beendet. Spannend wäre es auch schon, wenn nun versucht würde, diese Studie in dieser oder veränderter Form zu wiederholen. Bestätigen sich die Ergebnisse auch in anderen Fächern oder bei anderen Veranstaltungen?

Nach „Informationssuchverhalten als Grundlage für die Gestaltung von Veranstaltungen zum Erwerb von Informationskompetenz“ von Martin Wollschläger-Tigges ist dies übrigens der zweite Artikel zur Informationskompetenz in der Informationspraxis.

5D-Speicherung für die Ewigkeit?

Eternal 5D data storage could record the history of humankind heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Southampton. Auf Quarzglasscheiben sollen mit einem bestimmten Schreibverfahren riesige Datenmengen für bislang unvorstellbar lange Zeit abgelegt werden können. Wie Futurezone das auf Deutsch beschreibt:

Dabei werden hohe Speicherdichten über Nanostrukturen erreicht. Die Daten werden mit einem ultraschnellen Laser auf die Scheiben geschrieben. Auf einer Quarz-Glasscheibe finden bis zu 360 Terabyte an Daten Platz. Der Datenträger soll bis zu einer Temperatur von 1000 Grad Celsius stabil bleiben. Die Lebenszeit der Speichermedien ist bei Zimmertemperatur nahezu unbegrenzt, bei 160 Grad Celsius wird sie mit 13,8 Milliarden Jahren angegeben.

Die für das Lesen dieser Daten notwendigen (Kultur-)Techniken müssten zwar auch lange Zeit überstehen. Aber immerhin ist hier vielleicht ein geeignetes Trägermedium für die Langzeitarchivierung gefunden?

Picasa wird geschlossen

Warum man keine langfristigen Pläne auf Google-Applikationen aufbauen sollte, wurde hier im Blog schon mehr als einmal erwähnt. In der Regel kauft Google, bzw. Alphabet, eine Firma und früher oder später ist der damit verbundene Dienst tot. Als vergleichsweise langlebig hat sich die Bilderverwaltung Picasa erwiesen. Doch auch sie wird nach fast 12 Jahren nun geschlossen.

Link zur Free Software Foundation Europe

Der Nachfolger Google Fotos ist natürlich nur „in der Cloud“ verfügbar. Für Google ist dieser Schritt nur logisch, denn nur so bekommt man den gewünschten Zugriff auf die Daten der Nutzer.

Regeln für die ordentliche Katalogisierung in unordentlichen Bibliotheken – ROK-UB

Zufällig bin ich nach etlichen Jahren wieder auf die Regeln für die ordentliche Katalogisierung in unordentlichen Bibliotheken – ROK-UB von Martina Kellmeyer und Bettina Fiand gestoßen, die dank Jürgen Plieninger seit April 2001, also seit ziemlich genau 15 Jahren, auf einem Server der Uni Tübingen zu finden sind. Einiges könnte auch nach dem RDA-Umstieg relevant bleiben.

§ 213
Es ist zu vermeiden, Bücher von urhebenden Körperschaften zu erwerben.

In der Rubrik „Bibliothekshumor“ findet sich übrigens noch das eine oder andere Schätzchen, das jüngeren KollegInnen vielleicht noch nicht bekannt ist, die Typologie von Benutzern beispielsweise.

CC-lizenzierte Texte im Blog der HSH-Bibliothek

Die Texte im Blog der Bibliothek der Hochschule Hannover sind nun unter CC BY 4.0 lizenziert. Wir folgen damit der Universitätsbibliothek TU Berlin. Wie das freie Lizenzieren von bibliothekarischen Inhalten funktionieren kann, ist sehr schön anhand dieser kleinen Twitter-Konversation zu sehen, in der sich die TUB Hamburg-Harburg bei der TIB Hannover für die freie Bereitstellung von Postern bedankt.

Zur praktischen Umsetzung: Die Abbildungen im Blog konnten aus zeitlichen Gründen noch nicht rückwirkend durchgesehen und gekennzeichnet werden. Dies wird vermutlich früher oder später noch stattfinden. Als ich die Autorinnen und Autoren um die Erlaubnis für die Umlizenzierung gebeten habe, hat das übrigens nicht einmal einen halben Tag gedauert, bis alle reagiert und ausnahmslos zugestimmt haben. Ehemalige inklusive.

Passend zum Thema: Auf der gerade stattfindenden Inetbib-Tagung hat Felix Lohmeier eine Checkliste zur Offenheit vorgestellt, an der hier mitgearbeitet werden kann.

Besten Dank an Marco Tullney für die Diskussionen!

Novelle des Kulturgutschutzrechts

Die Ein- und Ausfuhrbestimmungen für Kulturgüter sollen verschärft werden. Dies sieht der Gesetzentwurf der Bundesregierung (18/7456) vor, mit dem die derzeit drei Gesetze zum Kulturgutschutz zusammengefasst und an EU-Recht angepasst werden sollen. Ziel der Gesetzesnovelle ist es einerseits, die Einfuhr von illegal gehandelten Kulturgütern zu unterbinden und deren Rückgabe an die Herkunftsländer zu vereinfachen. Anderseits soll aber auch die Ausfuhr von „national wertvollem Kulturgut“ unterbunden werden.

Weitere Informationen im Entwurf 18/7456 (PDF) und in der dazugehörigen Pressemitteilung.

Rudolf Mumenthaler antwortet auf Rafael Ball

Rafael Ball wurde in der NZZ interviewt. Seine Aussagen zur Zukunft der Bibliotheken hat Rudolf Mumenthaler beantwortet.

Die Aussagen von Rafael Ball in seinem Interview in der NZZ möchte ich nicht unbeantwortet lassen. Sie fordern geradezu eine Replik. Zum Teil finde ich die Argumentation richtig schwach, mit dem Tiefpunkt: “Jetzt ist das Internet da. Wer Inhalte sucht, braucht keine Bibliothek mehr.” Dabei blendet Rafael Ball die Entwicklungen der letzten Jahre vor allem in den Öffentlichen Bibliotheken aus.

Die Replik ist – im Gegensatz zum Interview – definitiv lesenswert.

AfD-Kreisverband Greiz kritisiert Bibliotheksaktivitäten

Die Ostthüringer Zeitung berichtet von einer bizarren Debatte, die der AfD-Kreisverband Greiz lostreten wollte. Die AdF kritisiert diverse Vorgänge rund um die Stadt- und Kreisbibliothek Greiz. Unter anderem geht es um von der Bibliothek organisierte Lesungen in einer Justizvollzugsanstalt.

Die 10 000 Euro Preisgeld vom Thüringer Bibliothekspreis sollten nicht fürs Bemuttern von Häftlingen eingesetzt werden, so AfD. Den Preis haben die Greizer 2006 gewonnen. Die Knast-Kooperation existiert seit 2012. Das Geld war da schon ausgegeben, für Hard- und Software sowie Einrichtung der Kinderecke in der Musikbibliothek.

Im oben verlinkten Artikel sind noch weitere anscheinend falsche Anschuldigungen der AfD versammelt.

In derselben Zeitung äußern sich auch die in der JVA Lesenden.