Kritik an Altmetrics

Teil der Operation Frühjahrsputz 2016, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Erste Meldung:

Scholar urges delegates at conference in the Netherlands to use measures like Twitter to measure public engagement, rather than turning them into new metrics

Ähnliches Thema:

Open access papers ‚more likely to be cited on Twitter‘

Articles that are free to view are also more frequently shared on Facebook, new research finds

Wissenschaftliche Sammlungen im Netz

Teil der Operation Frühjahrsputz 2016, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Im Tagesspiegel:

Ein neues Online-Portal gibt erstmals einen Überblick über die knapp 900 Sammlungen in den Archiven der Universitäten in Deutschland. So sollen die alten Präparate auch neuen Nutzungen zugänglich gemacht werden.

Siehe auch:

Frühjahrsputz 2016

Wie inzwischen jedes Jahr werde ich auch in diesem Frühjahr eine ganze Menge angefangener Posting mal mehr, mal weniger fertig online stellen. Die Hoffnung, sie fertigzustellen, habe ich nicht, einfach Löschen mag ich auch nicht. Ich verteile die Posting-Ruinen ein wenig über die nächsten Tage, damit die werte Leserschaft nicht davon erschlagen wird.

Bundesarchiv, Bild 183-49728-0002 / Rösener (Roesener) / CC-BY-SA 3.0
Bundesarchiv, Bild 183-49728-0002 / Rösener (Roesener) / CC-BY-SA 3.0

ZB MED: Was meinte die Bewertungsgruppe, was will der Senat?

Irgendwo in der zu Recht aufgebrachten Berichterstattung (Entschuldigung, ich finde die Quelle leider gerade nicht!) zum empfohlenen Förder-Aus für die ZB MED habe ich gelesen, dass die Programmbereiche der ZB MED im Gutachten überwiegend positiv beurteilt würden. Hier zum Nachlesen die Beurteilung der ZB MED in Kürze in der Senatsstellungnahme (Anlage B-11, S. 48 im PDF), Hervorhebungen von mir:

ZB MED ist in fünf Programmbereiche (PB) gegliedert. Der Programmbereich 1 wird ab  2016 in zwei  Programmbereiche  aufgeteilt,  die  hier  einzeln  als  Programmbereich  1a und Programmbereich 1b vorgestellt werden.

Im PB 1a „Bestandsentwicklung“ werden die Arbeiten im Bereich der Bestandsentwicklung als „gut“ bewertet. Die zwei neuen Abteilungen „Lizenzen“ und „Digitale Langzeitarchivierung“ befinden sich noch im Aufbau.

Im PB 1b „Open-Access-Publizieren und -Beraten“ sind die Arbeiten rund um das neue Publikationsportal PUBLISSO angesiedelt, sie werden als „sehr gut“ bewertet.

Im PB 2 „Bereitstellung von Informationsdiensten“ wird das Suchportal LIVIVO betreut. Mit Blick auf die technische Architektur wird LIVIVO als „sehr gut“ bewertet. In Bezug auf die Marktpositionierung besteht jedoch noch Klärungsbedarf.

Im  Bereich  der  Informationskompetenz  werden  die  Arbeiten  begrüßt,  die  die  Einführung  und  das  Marketing  von  LIVIVO  unterstützen  (wie  z.  B.  LIVIVO-Online-Tutorials). Weitere Maßnahmen, die keinen direkten Bezug zu LIVIVO haben, sollten in diesem Bereich jedoch nicht weiterverfolgt werden.

Im  PB  3  „Volltextversorgung“  werden die  Arbeiten im Bereich der Volltextversorgung als „gut“ bewertet. Auf Grund der sinkenden Auftragszahlen in der Volltextversorgung (Dokumentenlieferung)  wurden  Personalkapazitäten  frei,  die  ZB MED  zum  weiteren Ausbau des Bereichs der Digitalen Sammlungen genutzt hat. Daran anknüpfend wird ein Bereich Themenportale (interaktive Orte, die Wissen zu bestimmten Themenbereichenbündeln)  aufgebaut. Die Arbeiten im  Bereich der  Digitalen  Sammlungen und  der  Themenportale sind interessant und können als Keimzelle für weiterführende Projekte dienen. Welche Rolle sie in Zukunft spielen werden, wird unter der neuen Leitung zu entscheiden sein.

Der PB 4 „Anwendungsorientierte Forschung und Innovation“ befindet sich derzeit noch im Aufbau.

Was macht der Senat daraus?

  • Aus dem „gut“ zu PB 1a wird: „Den erreichten Stand beurteilt der Senat als nicht hinreichend.“
  • Aus dem „sehr gut“ zu PB 1a und PB 2 mit noch bestehendem Klärungsbedarf wird: Die „für die Zukunftsfähigkeit der ZB MED wesentliche strategische Frage […] ist nicht hinreichend beantwortet.“

Rudolf Mumenthaler schreibt dazu in einem sehr lesenswerten Beitrag:

Es war unbestritten, dass Änderungen nötig sind, und sie wurden angegangen. Aber aus einem Traktor (mir fällt gerade kein passenderes Bild ein) macht man nicht so schnell ein Rennauto. Das hätte man dem neuen Direktor ins Pflichtenheft schreiben können, wie es die Evaluatoren gefordert haben. Was man seit der letzten Evaluation an Ressourcen aus heuiger Sicht sinnlos verbraten hat (nicht nur intern sondern auch in NRW bei der Stiftungsgründung inkl. neuem Gesetz und an der Uni bei der Ausschreibung und Beinahe-Besetzung der Professur) geht auf keine Kuhhaut. Und ich unterstelle, das die Meinungen schon lange gemacht waren. Das hätte man auch vor vier Jahren schon sagen können.

Rudolf Mumenthaler ist und war vielfach mit der ZB MED befasst, aber auch als Außenstehender kann man nur zu diesem Schluss kommen, wenn man sich das Gutachten anschaut. Die Abwicklung der ZB MED ergibt sich sachlich nicht aus diesem Bericht. Über die Motivationen des Senats der Leibniz-Gemeinschaft kann man nur mutmaßen. Die Liste der Mitglieder der Bewertungsgruppe ist öffentlich (S.64f im oben verlinkten PDF). Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Abwicklung tatsächlich in ihrem Sinne ist. Rudolf Mumenthaler schreibt dazu:

Ich sehe auch die Rolle der Expertengruppe sehr kritisch, welche die Evaluierung vorgenommen hat. Ihre Empfehlung wurde sehr einseitig zu Lasten von ZB MED ausgelegt. Ihre Aussagen dienen nun praktisch als Rechtfertigung für den Entscheid des Senats, was ich an ihrer Stelle höchst peinlich finden würde. Diesen Schuh würde ich mir als Mitglied einer Fachcommunity also nicht anziehen wollen.

Dem ist zuzustimmen. Öffentliche Stellungnahmen der Mitglieder der Bewertungsgruppe wären wünschenswert und sowohl im Interesse der Fachöffentlichkeit als auch der Sachverständigen.

Leibniz-Gemeinschaft empfiehlt Beendung der ZB-MED-Förderung

UPDATE: Pressemitteilung der ZB MED zum Vorgang.

In einer Stellungnahme (PDF) empfiehlt der Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Beendung der Bund-Länderförderung für die ZB MED. In der Stellungnahme werden diverse Gründe für diese gravierende Maßnahme angegeben. Auf Seite 4 ist zu lesen:

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es der ZB MED in den vergangenen Jahren trotz einiger Teilerfolge nicht in dem notwendigen Maß gelungen ist, sich auf die erheblichen Veränderungen im Fachinformationswesen einzustellen. Das klassische Arbeitsfeld der ZB MED, das der Senat vor einigen Jahren noch als unverzichtbar für die bibliothekarische Versorgung in Deutschland ansah, verliert kontinuierlich an Bedeutung. Wie sich die ZB MED mit digitalen Angeboten auf dem nationalen oder internationalen Markt behaupten könnte, ist nicht geklärt.

By ZH2010
Bild von ZH2010 [CC0], via Wikimedia Commons

Auf derselben Seite:

Die unbefriedigende Situation liegt auch darin begründet, dass es bisher nicht gelang, wie empfohlen die notwendige informationswissenschaftliche Kompetenz an der ZB MED strukturell zu etablieren.

Ob die geplante Informatikprofessur der richtige Weg ist, ist zumindest diskussionswürdig. Informationswissenschaftliche Kompetenz hätte ich zuerst bei Informationswissenschaftlern vermutet. Aber die gelten ein paar Rheinkilometer abwärts auch als Auslaufmodell.

Dieser Beschluss ist nichts weniger als ein bibliothekarisches Erdbeben. Setzt sich hier ein Trend fort, auf zentrale Informationsinfrastrukturen bewusst zu verzichten? Auch auf Reaktionen aus der Medizin bin ich gespannt.

Und jetzt sind viele Fragen offen, sowohl was die Situation der Mitarbeiterinnen der ZB MED angeht, als auch zur Wahrnehmung der als sinnvoll beurteilten Aufgaben der ZB MED. Eine Mail von Ulrich Korwitz an die MediBib-Liste schließt mit gedämpftem Optimismus: Es wird Alternativen zum jetzigen Status geben.

PS: Die ZB MED hatte übrigens vor drei Tagen ein neues Blog begonnen, um die begonnene Neuausrichtung zu kommunizieren…

Wissenschaftlicher Dienst über „Archiv- und Urheberrecht“

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags scheint inzwischen auch Gutachten zu veröffentlichen, die noch nicht angefragt wurden. Zumindest ist jetzt schon eine am 16.
Februar 2016 fertiggestellte Arbeit über den Sachstand zu „Archiv- und Urheberrecht“ (WD 7 – 3000 – 028/16, PDF) verfügbar, das sich mit dem unterschiedlichen Fristen im Bundesarchivgesetz und dem Informationsfreiheitsgesetz befasst. Eine Kernaussage (S. 8):

Nach dem BArchG beträgt die grundsätzliche Sperrfrist zur Einsichtnahme 30 Jahre. Aufgrund des Inkrafttretens des IFG zum 01.01.2006 ist jedoch eine Einsichtnahme auf entsprechenden Antrag hin möglich. Deswegen wird die Sperrfrist von 30 Jahren dispensiert, soweit zuvor eine Einsichtnahme nach dem IFG möglich war. Im Ergebnis bedeutet das, dass die 30jährige Sperrfrist nicht für solche Unterlagen gilt, die nach dem 01.01.2006 an das Archiv abgegeben worden ist.

Anlass des Gutachtens war – so steht es auch im Gutachten – die FragDenStaat-Aktion.

Warum für Open-Source-Software spenden?

Software zu entwickeln ist häufig sehr zeitintensiv. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn eine Software über lange Zeit gepflegt wird. Dennoch gibt es zahllose Open-Source-Anwendungen für fast jedes denkbare und von Software lösbare Problem.

Dahinter stecken manchmal EntwicklerInnen, die sich der Software im Rahmen ihrer Lohnarbeit widmen können. Doch ein wirklich unglaublich großer Berg an Programmen wird in der Freizeit entwickelt. Die Motivationen dahinter sind vermutlich ähnlich zahlreich wie es die Entwickler selbst auch sind.

Einige Open-Source-Projekte haben einen Spenden-Button. Warum sollte man da draufklicken und Geld für etwas überweisen, das man auch gratis bekäme? Als Zeichen der Anerkennung. Für 10 Euro kann sich der Entwickler zwar gerade mal eine Pizza bestellen. Doch der rein ökonomische Wert ist hier vielleicht gar nicht entscheidend. Frank Bültge hat es vor einigen Jahren formuliert:

Habe ich noch zu den Anfängen gesagt, dass es toll ist, wenn man eine Spende erfährt, so kann ich das jetzt noch immer sagen; der Unterschied ist, ich kann es nur selten sagen und wenn, dann kommt die Spende oft aus dem Ausland, von Menschen, die meine Beiträge nicht mal in ihrer Sprache lesen können und dafür einen Service nutzen müssen oder die einfach ohne Beitrag ein Plugin oder Theme nutzen. Schade ist, dass gerade der Deutsche so spartanisch mit einem Danke umgeht – dabei geht es mir nicht um die Größe der Spende, es ist die Geste.

By Fox GR, Kaplan J, Damasio H and Damasio A [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0">CC BY 4.0</a>], <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ANeural_correlates_of_gratitude.jpg">via Wikimedia Commons</a>
Neurale Aktivität bei „Dankbarkeit“. Von Fox GR, Kaplan J, Damasio H and Damasio A [CC BY 4.0], via Wikimedia Commons. Zum Artikel.
Betätigen wir also ab und zu den Spenden-Knopf und bedanken uns so für die viele tolle Software, die wir teils seit Jahren nutzen oder die uns in entscheidenden Situationen viel Zeit und Nerven erspart.

Wissenschaftliche Suchmaschine Microsoft Academic

Wie das Library Journal berichtet, geht Microsoft Academic generalüberholt an den Start. Zur Zeit ist noch keine dazugehörige Dokumentation zugänglich, aber:

  • Es gibt eine API.
  • Zitationen werden angezeigt.
  • Es ist hübscher als Google Scholar.

Und da sind wir beim wesentlichen Punkt: Google Scholar bekommt eventuell endlich einen Konkurrenten mit einer vergleichbaren Entwicklermacht im Rücken. Noch funktioniert an Microsoft Academic einiges nicht. Die IDs für Organisationen und AutorInnen sind voller Dubletten, Zitationen sind unvollständig, PDF-Links werden nicht immer als solche angezeigt und noch viele andere Kleinigkeiten mehr.

Schlimmer ist aber noch, dass die Suche an sich nicht funktioniert. Ich habe Titel und Autoren über Umwege gefunden, die ich über die Eingabe des Autorennamens oder des Titels nicht gefunden habe. Da ist noch der Wurm drin. Aber das Angebot ist noch nicht offiziell angekündigt, so wie ich das sehe.

Doch selbst wenn man mit diesen größeren Macken an den Start ginge: Eine Konkurrenz zu Google Scholar ist wünschenswert. Ich bin gespannt, wie sich Microsoft Academic entwickelt.