Neue Open-Access-Blogs

Die deutsche Open-Access-Szene öffnet sich. Dies manifestiert sich unter anderem in zwei neuen Blogs zum Thema, die ich kurz vorstellen möchte:

WissPub: Gemeinschaftsblog zu wissenschaftlicher Kommunikation im Netz. Das Autoren-Team ist bunt gemischt. Geschrieben wurde bislang über die Open-Access-Week 2009, digitale Geisteswissenschaften in Deutschland oder (aktuell) über deutschsprachige Open-Access-Blogs.

OANetzwerk: Auf Anregung beim letzten OA-Netzwerk-Treffen in Stuttgart hat Robin Malitz ein Blog eingerichtet, dass die Aktivitäten des Netzwerkes erläutern soll. Im letzten Posting erklärt er die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen OA-Projekten wie OA-Statistik (das für meinen Geschmack gar nicht schnell genug einsatzfähig sein kann) oder DOARC.

Laut MdB Hans-Peter Bartels: Kein Bedarf für Open Access in den Sozial- und Geisteswissenschaften

Via Abgeordnetenwatch wurde der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels (Dr. phil., Magister der Politischen Wissenschaft, Soziologie und Volkskunde, Journalist) gefragt, warum er als einer von zwei Mitgliedern des Bundestags (die andere ist Sabine Leutheusser-Schnarrenberger) den Heidelberger Appell unterschrieben habe. Im Wortlaut:

Haben Sie sich mit der Unterzeichnung des Heidelberger Appells bewusst auch gegen Open Access ausgesprochen?

Und falls ja: Warum lehnen Sie Open Access ab?

Bartels antwortet, dass OA im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich aufgrund der dort üblichen Publikationstrukturen durchaus einen wünschenswerten Fortschritt darstellen mag. Allerdings:

Für den sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich sehe ich das aber anders. Hier wollen und sollen wissenschaftliche Autoren mit ihren Aufsätzen und insbesondere Büchern erfolgreich sein, auch in bescheidenem Maße ökonomisch. Die Möglichkeit, wirtschaftlich verwertbares Wissen zum Patent anzumelden, haben sie im Gegensatz zu ihren natur- und ingenieurwissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen nicht.

Frei übersetzt: OA ist nur da wünschenswert, wo die Autoren eh kein privates finanzielles Kapital aus ihrem öffentlich finanzierten Werk schlagen können. Welche Möglichkeit haben Grundlagenforscher, ihr Wissen zu versilbern? Wieviel Patente meldet der durchschnittliche Fledermausforscher jährlich an? Je nachdem, wie diese Fragen beantwortet werden, könnte also die SPD-Empfehlung zu Open Access für die jeweilige Fachdisziplin ausfallen.

Bartels, ist übrigens für die SPD stellvertretendes Mitglied im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Da wird es doch gleich doppelt so spannend, was die Parteien auf die Fragen der Hochschulrektorenkonferenz u.a. zu Open Access antworten werden.

Hochschulrektorenkonferenz befragt Parteien (zu Open Access)

Zwölf Fragen stellt die Hochschulrektorenkonferenz an die Vorsitzenden der großen Parteien. Leider wird in der Presseerklärung nicht deutlich, um welche Parteien es sich dabei handelt (Anfrage läuft). Es geht in den Fragen vorwiegend um die sozialen Aspekte der Bildungspolitik wie z.B. die soziale Selektivität des Bildungswesens oder die geringe Teilhabe der Bevölkerung an der Hochschulbildung. Doch auch Open Access ist der HRK wichtig genug, um in den recht exklusiven Themenkatalog aufgenommen zu werden:

Unterstützt Ihre Partei die open-access-Strategie der Allianz im Wissenschaftsbereich und beabsichtigt sie den 3. Korb der Urheberrechts-Novelle in der nächsten Legislaturperiode umzusetzen?

Peter Suber reduziert Bloggen über Open Access

Wie Peter Suber bekannt gab, sieht er sich ab sofort nicht mehr in der Lage, jeden Tag für einen umfassenden Überblick über Open-Access-Aktivitäten auf der ganzen Welt zu sorgen. In seinen eigenen Worten:

Today I step back from systematic daily blogging in order to free up time for my new position at the Berkman Center.

The blog itself will continue and Gavin will continue at something like his current pace. I will continue my daily crawl for OA-related news. I’ll continue to tag what I find for the OA tracking project (OATP). I’ll continue to write the monthly SPARC Open Access Newsletter (SOAN). I’ll continue to work full-time for OA.

I’ll even continue to blog, though only sporadically. Open Access News (OAN) will be smaller and more selective than in the past. I cannot assure you that the news it covers will be the most important subset. (That presupposes that Gavin and I will be on top of all new developments and in a position to pick the most important.) I’ll blog what I notice, what moves me, and what I have time for, with the accent on the third criterion. It should be a eclectic bunch. I know that I’ll notice a lot of important news, thanks to OATP, and I know that I’ll be moved to blog a lot of it. But because of my new projects, even the most important news will be important news that I only have time to tag, not to blog.

Es ist nicht übertrieben, wenn man Peter Suber als eine der treibenden Kräfte hinter der gesamten Open-Access-Bewegung sieht. Bleibt also nur eines zu sagen:

Thanks a lot, Peter, for years of excellent work and loads of information for all those who are interested in open access!

[via Archivalia]

Open Access muss sich öffnen

Ein umfassender Rückblick auf die Open-Access-Vernetzungstage 2009 steht noch aus. Bevor ich mich in einem späteren Posting einzelnen Projekten widme, möchte ich auf ein Thema kommen, das zum Ende des Workshops von einem immer größeren Teil der Teilnehmer besprochen wurde: Die Kommunikation innerhalb der „Szene“.

Es gibt zahlreiche Projekte in der deutschsprachigen Open-Access-Szene. Dem interessierten Beobachter fällt es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Noch schwieriger wird es, wenn man sich zum Ziel setzt, den Fortschritt einzelner Projekte im Auge behalten zu wollen. Einige Projekte und Initiativen betreiben Öffentlichkeitsarbeit nur auf Tagungen, Workshops oder aber per Journal-Veröffentlichung. Das ist weder effektiv noch dem Thema „Open Access“ angemessen.

Die einfachste Lösung: Projektblogs. Jedes Projekt sollte ein Blog führen, in dem zumindest wesentliche Meilensteine dokumentiert werden. Noch schöner wäre es natürlich, wenn tatsächlich projektinterne Überlegungen offen gelegt und zur Diskussion gestellt werden. Zwei schöne Beispiele für Projektblogs sind zum Beispiel Oliver Flimms Blog zu OpenBib und der des Beluga-Projekts.

Wenn alle (oder zumindest einige) der Projekte per Blog kommunizieren, ist der nächste logische Schritt die Einrichtung eines RSS-Aggregators zum Thema Open Access. Zwei Alternativen habe ich quick’n’dirty eingerichtet. Hier eine Yahoo-Pipe, in der News-Artikel und Blogpostings aus verschiedenen Quellen aggregiert sind:

Den selben Feed habe ich auch in einen Testplaneten gepackt. Welche Quellen enthalten sind, wie ein Aggregator genau aussieht: Das ist meines Erachtens gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Projekte so schnell wie möglich anfangen, ihre Bemühungen zu dokumentieren und die Berichte irgendwie per RSS zugänglich machen. Dann findet sich schon eine Lösung, wie man einen Aggregator aufbaut, der Deutschlands Open Access in Aktion darstellt.

„Neue Bücher. Neue Wege. Neue Jobs – Die Branche der Zukunft“

Heute beginnt der Fachkongress Buchtage Berlin 2009 unter dem Motto „Neue Bücher. Neue Wege. Neue Jobs – Die Branche der Zukunft“ im Berliner Congress Center.

eim größten Fachkongress der Branche stehe das Thema Digitalisierung mit den damit verbundenen Chancen und Herausforderungen im Zentrum, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main mit.

[via news-adhoc.com]

Virtuelle Medizinische Bibliothek Bozen hat täglich 1000 Nutzer

Sie ist nie geschlossen, Tag und Nacht zugänglich und mit über 3500 Fachzeitschriften überaus gut sortiert: Die vom Ressort für Gesundheitswesen des Landes angebotene Virtuelle Medizinische Bibliothek (VMB) hat sich zu einer der wichtigsten Informationsplattformen für das Gesundheitspersonal entwickelt: mit täglich rund 1000 Nutzern.

Mehr Informationen zur VBM und den Zugang gibt es hier.

[via provinz.bz.it]

Fragen an das EU-Parlament zu Open Access

Hélène Bosc, Stevan Harnad, Eloy Rodrigues, Eberhard R. Hilf und Alma Swan stellen dem Europäischen Parlament Fragen from the research community concerning Open Access. Hintergrund:

We have prepared some very focused questions for the EU-parliament candidates; the candidates‘ replies will then be distributed in the research community. The purpose of these questions is to elicit and reveal the current problems at the EU-level in moving legislation and policy towards a stable and reliable support for research information in the digital era through Open Access (while continuing to leave it entirely in the hands of researchers what and where they wish to publish).

Hoffentlich trudeln die Antworten rechtzeitig herein, um daraus gegebenenfalls eine Wahlempfehlung ableiten zu können, wie sie aus netzpolitischer Sicht schon nicht für die CDU/CSU erteilt wurde.

[via Zugang zum Wissen]

Update 2. Juni 2009: Die Fragen liegen nun auch in einer autorisierten deutschen Übersetzung vor.

Open Access Network wurde 7 Jahre alt

Peter Subers Open Access News feierten den siebten Geburtstag:

I forgot to mention that yesterday was the 7th birthday of OAN. Yesterday we had 17,391 posts, which comes to about 7 a day for 7 years.

Auch wenn die Vielzahl der News oft erschlagend wirkt, ist OAN nach wie vor Pflichtlektüre für jeden, der mit Open Access zu tun hat oder haben möchte.ä